ZEIT ONLINE: Viele Ihrer Kunden wussten nicht, dass TomTom anonym Verkehrsdaten sammelt, bevor es zur Affäre um die holländische Polizei und ihre dank TomTom-Daten besonders gut platzierten Radarfallen kam. Wissen die Leute jetzt, was ihr Navi da im Hintergrund erfasst?

Harold Goddijn: Erst einmal würde ich sagen, dass das so nicht stimmt. Die Leute wussten das auch früher schon. Erstens fragen wir unsere Kunden innerhalb der Software, ob sie mitmachen wollen. Zweitens sagen wir schon lange klar, dass wir anonym Daten sammeln, um unsere Verkehrsdatenbank IQ damit zu füttern. Diese Informationen helfen uns, bessere Produkte anzubieten, mit denen die Kunden schneller ans Ziel kommen.

In unserem öffentlichen "Traffic Manifesto" steht zum Beispiel, dass wir Bewegungsdaten sammeln und auch GPS-Punkte, um unsere Karten zu validieren, um Fehler und Veränderungen in der Straßenlandschaft zu finden und um Stauinformationen zu bekommen. Deshalb glaube ich nicht, dass das für die Kunden wirklich eine Überraschung war.

ZEIT ONLINE: Kritisiert wurde vor allem, dass TomTom Daten an Stellen verkauft hat, die Autofahrer normalerweise nicht mögen, an Polizeibehörden mit ihren Blitzgeräten...

Goddijn: Ganz so einfach ist das nicht. Ja, wir wissen viel über das Straßennetz, in vielen Fällen sogar mehr als staatliche Stellen. Regierungen kommen seit Langem zu uns und fragen, wie ist die Situation an dieser Stelle ihrer Straßeninfrastruktur, wie ist sie an jener, was könnten wir besser machen? Aus diesem Grund haben wir unsere anonyme Datenbank geöffnet und lizenziert. So ist es möglich, besser zu planen, Staustellen zu erkennen, zu ermitteln, was eine neue Straße bringen würde und vieles mehr.

Wir kümmern uns um diesen Bereich nicht selbst, wir sind keine Straßenbauingenieure und keine Verkehrswissenschaftler. Wir arbeiten aber mit Regierungen und Baufirmen zusammen, die darauf spezialisiert sind. Genau das passierte auch in diesem Fall. Wir lizenzierten die Daten an eine Ingenieursfirma, die wiederum eine Provinz in den Niederlanden beraten hat. Und die Leute von der Provinzregierung sagten dann: Schaut doch mal, wo viele Unfälle passieren und wo es einen Zusammenhang zu erhöhter Geschwindigkeit gibt. Da könnte man doch dann eine Radarfalle einrichten.

Daraus wurde dann eine große Geschichte. Wir haben den Sachverhalt dann erklärt und gesagt: Eigentlich finden wir das grundsätzlich nicht falsch, aber da unsere Kunden das nicht mögen, tun wir es auch nicht mehr. Deshalb untersagen wir seither eine solche Verwendung unserer Daten. Rechtlich gesehen war das aber in Ordnung, wir haben uns an alle Datenschutzgesetze gehalten, schließlich war und ist die Erfassung anonym.