Google+Eric Schmidt verteidigt Googles Klarnamen-Politik

Google+ will unbedingt die Klarnamen seiner Nutzer. Ex-Chef Eric Schmidt sagt, es gehe um ein besseres Netz. Es gehe allein ums Geld, vermuten dagegen die Kritiker. von 

Eric Schmidt, einst CEO, nun Mitglied im Verwaltungsrat von Google

Eric Schmidt, einst CEO, nun Mitglied im Verwaltungsrat von Google  |  © THOMAS COEX/AFP/Getty Images

Viele Nutzer sind vom sozialen Netzwerk Google+ durchaus begeistert. Einen Punkt allerdings kritisieren eine Menge Menschen. So viele, dass Google sich schon mehrfach genötigt sah , sich dafür zu rechtfertigen. Gemeint ist der Klarnamenzwang. Nun hat sich auch Ex-Konzern-Chef Eric Schmidt dazu geäußert, warum Google darauf beharrt, Nutzer zu löschen, die sich unter einem Pseudonym ein Profil bei Google+ anlegen.

Danach gefragt hatte ihn Andrew Carvin, der für NPR arbeitet, das amerikanische National Public Radio, und der auf Twitter seit Monaten Berichte zu den Unruhen in Nordafrika kuratiert. Carvin fasste das kurze Gespräch auf Google+ so zusammen : Schmidt habe gesagt, dass G+ "vorrangig als ein Identitätsservice" gebaut worden sei. Damit eventuelle weitere Projekte darauf aufbauen könnten, sei es fundamental wichtig, "dass Menschen ihre echten Namen benutzen".

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Carvin selbst schränkt ein, dass es keine wörtlichen Zitate seien und er versucht habe, Schmidts Worte so gut wie möglich wiederzugeben. Trotzdem lassen sich in Schmidts Worten die Gründe erahnen, die hinter der von Google so hartnäckig verteidigten Politik stehen.

In seinem Blog Steingrau macht sich der Informatiker und Gründer Markus Breuer einige Gedanken zu dem Warum : "Warum macht Google das? Warum macht Google das auch gegen den Widerstand vieler kluger Leute, die Google ansonsten niemals Böses wollen? Warum widerspricht Google der eigenen erst im Frühjahr formulierten Policy zu diesen Fragen? Warum weicht Google hier keinen Millimeter zurück?"

Es geht ums Geld

Breuers Antwort auf diese Fragen: "Ich denke, es geht um Geld – um sehr viel Geld. Google+ ist ein weiterer Baustein in einer Strategie, die darauf abzielt, Menschen mit noch gezielterer Werbung zu versorgen."

Das ist für viele sicher noch nachvollziehbar. Weniger verständlich allerdings ist die Härte, mit der der Konzern seine Politik verteidigt und Nutzer dabei als Lügner zu betrachten scheint. Ein Beispiel dafür lieferte unfreiwillig die amerikanische Kolumnistin Violet Blue, die wirklich so heißt. Google unterstellte ihr, ein Pseudonym zu nutzen, und drohte eine Sperrung ihres Accounts an. Sie hatte keine Möglichkeit zu erklären , dass sie heißt, wie sie nun einmal heißt. Letztendlich blieb ihr Account aber bestehen.

"Verdammt, soziale Netzwerke sollten Spaß machen", schrieb Blue anschließend wütend. Außerdem sei Draußenbleiben für manche keine Alternative. Denn ein Nutzer verliere mit dem Rausschmiss nicht nur seinen Googleplus-Account, sondern auch beim Google-Dienst Picasa hochgeladene Bilder könnten unter Umständen verschwinden, ebenso wie Google-Mail und das eigene Profil in der Google-Suche. Entsprechende Fälle gibt es inzwischen einige.

Leserkommentare
  1. Ich bin für Realnamen. Wir sind Menschen und sollten greifbar sein, wenn wir kommunizieren. Wer das nicht will, OK, aber bringen tut die Anonymisiererei nichts. Hinter einem anonymen Nick verstecken wir Unarten und Verhaltensweisen verstecken, die sich im realen Leben niemand trauen würde.

    Ein 'anonyme' Meinung bedeutet nichts - wenn kein wirklicher Mensch mit seinem Namen und sein Gesicht dafür einsteht. Anonymität ist der Tod der Meinungsfreiheit. Wenn sich niemand mehr traut, mit seinem Namen für seine Überzeugung einzustehen, dann ist die Meinungsfreiheit faktisch abgeschafft. Brave new world, wo sich arg2425 mit Florin1414 über bloße Haltungen austauschen, weil ihnen ohne Namen und Gesicht keine wirkliches menschliches Gespräch mehr möglich ist.

    Klarnahmen im Netz sind wichtig, Anonymität ist ein gefährlicher Irrweg.

    4 Leserempfehlungen
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    • Klaue
    • 29. August 2011 18:04 Uhr

    Ich habe mir nicht viel Mühe gegeben (15sec):
    http://www.123people.de/s...

    Ich bin gegen einen Klarnamenzwang im Internet. Wer seinen Namen in die Welt posaunen möchte soll dies machen, doch wer es nicht möchte, soll nicht dazu gezwungen werden. Mit der Freiwilligkeit ist das nämlich immer so eine Sache...

    Das Internet ist zu solch einem schönen Ort geworden, gerade weil es hier so wenige Zwänge gibt. Ich empfehle allen die 'Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace' zu lesen: http://www.heise.de/tp/ar...

    "Der Cyberspace besteht aus Beziehungen, Transaktionen und dem Denken selbst, positioniert wie eine stehende Welle im Netz der Kommunikation. Unsere Welt ist überall und nirgends, und sie ist nicht dort, wo Körper leben.

    Wir erschaffen eine Welt, die alle betreten können ohne Bevorzugung oder Vorurteil bezüglich Rasse, Wohlstand, militärischer Macht und Herkunft.

    Wir erschaffen eine Welt, in der jeder Einzelnen an jedem Ort seine oder ihre Überzeugungen ausdrücken darf, wie individuell sie auch sind, ohne Angst davor, im Schweigen der Konformität aufgehen zu müssen.

    ... Wir werden im Cyberspace eine Zivilisation des Geistes erschaffen. Möge sie humaner und gerechter sein als die Welt, die Eure Regierungen bislang errichteten." - John Perry Barlow

    • snm81
    • 29. August 2011 18:12 Uhr

    ist etwas verkürzt. anonymität ist eben immer auch eine form von minderheitenschutz. schließlich haben wir ja auch ein geheimes wahlrecht. jetzt würden sie sicher argumentieren, dass dieser minderheitenschutz in unserer gesellschaft ja sowieso gewährleistet sein sollte- leider ist das aber meines erachtens zu idealistisch gedacht. viele menschen würden eher gar nichts äußern als sich mit unkonventionellen meinungen hervorzuwagen, speziell wenn sie irgendeiner minderheit angehören oder ein sonstives stigma tragen. das ist aber nicht besser sondern führt eher zu einer verzerrung von diskussionen. dann soll doch lieber jeder anonym das sagen, was er wirklich denkt-- dass es da dann zu unschönen phänomenen kommt, muss man eben hinnehmen.

    Ich finde auch, die Mitglieder dieser Vereinigung hätten damals unbedingt ihre Klarnamen auf die Flugblätter drucken sollen. Man soll schon dafür einstehen, was man so von sich gibt...

    Datenschutzregeln so, dass ich IMMER weiß, WER, WAS über mich WO speichert und gebt mir Zugriff drauf, dann könnt ihr alle Daten haben. so simple...

    Es tut mit Leid, aber ich finde eine solche Haltung naiv und gefährlich.

    In unserer Gesellschaft ist es sicherlich möglich, öffentlich (z.B. auf dem Marktplatz) seine Meinung kundzutun ohne gleich verhaftet zu werden. Soviel Vertrauen habe ich dann doch noch in unseren Staat. Aber, der Staat ist auch nicht unbedingt unmittelbar das Problem, sondern evtl. andere Mitglieder der Gesellschaft. Zum Beispiel ihr Chef, dem ihre Meinung zu Betriebsräten nicht passt, oder der verblendete Neonazi, dem ihr Bekenntnis zum Miteinander der verscheidenen Kulturen nicht gefällt. Es gibt da wohl soviele denkbare Beispiele wie es verschiedene Meinungen gibt.

    Zu einer pluralistischen und freien Gesellschaft gehört eben auch, das jeder das Recht hat seine Meinung anonym kundzutun wenn er das, aus welchem Grund auch immer, lieber möchte. Ich zum Beispiel bin auch bei Facebook angemeldet. Mit einer Abwandlung meines Realnamens. Aber allein durch die Vernetzung mit meinen Freunden und Bekannten wäre ich trotzdem identifizierbar, wenn man es denn darauf anlegte. Daher würde ich mich niemals über mein Facebook-Konto auf einer anderen Seite für alles und jeden einsehbar politisch äußern. Niemals. Hier dagegen kann ich unter einem Pseudonym schreiben, das nichts mit meiner wahren Identität zu tun hat. Das ist meine eigene, bewusste Entscheidung und diese Freiheit will ich mir von niemandem, dem seine eigene Freiheit offenbar nicht wichtig genug erscheint, nehmen lassen.
    ...

    ...
    Was ist das denn bitte für ein Verständnis von Meinungsfreiheit, wenn damit ein Zwang zur Offenlegung der Identität verbunden ist? Ein anderer User hat es bereits geschrieben: Wir halten aus gutem Grunde anonyme Wahlen ab. Man könnte das ja auch alles in namentlicher Abstimmung machen. Das hat dann aber nicht mehr viel mit Demokratie zu tun sondern erinnert eher an finstere Diktaturen.

    Ich bleibe dabei, Leute die einen Klarnamenzwang fordern, sind entweder naiv, gierig, wie im Falle von Google, oder tatsächliche Feinde der Demokratie.

    Anonymität ist keine Erfindung des Internets.

    Anonyme Briefe in Zeitungen, anonyme Flugblätter...
    Es spricht nichts gegen ein Pseudonym und warum soll es wie ein Klarname klingen?

    Als Leser habe ich keinen Nutzen davon zu wissen wie ein Autor heißt - es ist mir (und vielen anderen) egal. Genaugenomen wird der Nutzername zum Ersatz des "richtigen Namen" - hat jemand 5000 gute Beiträge in einem Forum geschrieben, dann werden die nächsten sicherlich auch kein Unsinn. Da hat ein Klarname keinen Mehrwert.

    Im Gegenzug kann ein Klarname für den Autor sehr leicht gefährlich werden - egal ob in einer Diktatur oder Demokratie. Hat man erst einmal den Klarnamen ist es einfacher die Person eindeutig zu identifizieren - vor allem für Systemkritiker ein großes Risiko.

    und sorry, da sie mit den anderen Posts schon genug um die Ohren haben - dennoch, hier meine kurze Antwort.

    Ich bin voll für die Möglichkeit der Anonymität in sozialen Netzwerken und Diskussionsforen wie hier. Ich hab nämlich keinen Bock darauf, mir bei allem, was ich auf diese Weise in den Äther des www poste, vorher übermäßig Stress mit der Überlegung zu machen, wer mir daraus jetzt (beispielsweise durch Spear-Phishing oder in der Bewerbung) nen Strick drehen könnte. Natürlich nimmt einem das Pseudonym am Ende auch nicht die Verantwortung ab, die man für seine Daten hat. Jemand der darin geschult ist, könnte anhand meiner bisherigen Kommentare, auch wenn ich meinen Klarnamen nie genannt habe, binnen 2 Stunden die Identität feststellen. Dennoch meine ich, dass Anonymität, die durch ein Pseudonym bedingt ist, durch die Unkenntnis dessen, was um einen herum geschieht, so viel wert sein kann, wie das Präservativ auf einer freizügigen Party. Alles, was man sagt, kann gegen einen verwendet werden - und ganz ohne sich einer Sache schuldig gemacht haben.

    Folglich rate ich jedem ausdrücklich, was soziale Netzwerke angeht:
    - Entweder garnicht erst einsteigen (den Älteren fällt dies eventuell am leichtesten), oder ihr
    - Wählt euch ein langlebiges Pseudonym (Wenn euch jemanden offline im Guten kennt und ihr ihm den Netznamen anvertraut, wird er den Umstand sicher verschmerzen) und ansonsten
    - Eröffnet, sollte ein Pseudonymaccount einmal geschlossen werden, einfach immer zwei neue.

    sind Sie der Oliver Dötsch aus Augsburg, Brentanostr. 10A?
    Tel.: (0821) 45401...?
    Dann wüsste ich noch gerne Ihren Pseudonym, unter welchen Sie sich zu Thilo Sarrazin Thesen geäußert haben.
    Na klingelt's?

    • dth
    • 30. August 2011 12:04 Uhr

    Natürlich nutzen wir Anonymität dazu, Dinge zu tun oder zu sagen, die wir sonst nicht tun oder sagen würden, oder die uns sonst zumindest Überwindung kosten würde.
    Wir nutzen sie, um gesellschaftlichem Konformitätsdruck auszuweichen.
    Das muss aber nicht negativ sein. Natürlich kann man das nutzen, um mal hämmungslos andere zu beleidigen oder gegen Minderheiten zu hetzen. Man kann es aber auch nutzen, um offen über Dinge zu reden, über die in einer Gesellschaft sonst nicht geredet wird, um unangenehme Meinungen zu äußern oder um jemand zu sein, der man aus irgend welchen Gründen eben sonst nicht sein kann. Viele Räume im Internet leben davon, dass Menschen anonym sein können und wählen können, wie weit sie sich gegenüber wem aus dieser Anonymität heraus begeben.
    Das wäre vielleicht in einer wirklich toleranten Gesellschaft nicht notwendig, wo wirklich jeder jederzeit alles über einen anderen wissen kann, ohne dass dadurch über irgend jemand geurteilt oder er benachteiligt wird. Das ist aber bei weitem nicht der Fall.

    Sehr geehrter Herr Dötsch,

    ich finde es löblich, dass Sie mit Ihrem Namen für Ihre Meinung eintreten. Zugegeben, ich tat das auch, mein Pseudonym hier aber offenbart, dass ich inzwischen meine Meinung geändert habe. Warum? Nun, ich (und jeder andere auch) finde Nachrichten von mir im Netz, die ich vor 15 Jahren, in einer vollkommen anderen Lebenssituation von mir gegeben habe, die ich heute so nicht mehr unterschreiben würde, auf die ich aber keinen Zugriff mehr habe. Das Internet vergisst nicht. Aber schlimmer noch:

    http://www.heise.de/ct-tv...

    Nehmen Sie sich die Zeit, schauen Sie sich den Beitrag an und überlegene Sie einmal, ob es Anonymität nicht vielleicht doch ihre Berechtigung hat...

    Mit freundlichen Grüßen
    Der Arend

    • Klaue
    • 29. August 2011 18:04 Uhr

    Ich habe mir nicht viel Mühe gegeben (15sec):
    http://www.123people.de/s...

    Ich bin gegen einen Klarnamenzwang im Internet. Wer seinen Namen in die Welt posaunen möchte soll dies machen, doch wer es nicht möchte, soll nicht dazu gezwungen werden. Mit der Freiwilligkeit ist das nämlich immer so eine Sache...

    Das Internet ist zu solch einem schönen Ort geworden, gerade weil es hier so wenige Zwänge gibt. Ich empfehle allen die 'Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace' zu lesen: http://www.heise.de/tp/ar...

    "Der Cyberspace besteht aus Beziehungen, Transaktionen und dem Denken selbst, positioniert wie eine stehende Welle im Netz der Kommunikation. Unsere Welt ist überall und nirgends, und sie ist nicht dort, wo Körper leben.

    Wir erschaffen eine Welt, die alle betreten können ohne Bevorzugung oder Vorurteil bezüglich Rasse, Wohlstand, militärischer Macht und Herkunft.

    Wir erschaffen eine Welt, in der jeder Einzelnen an jedem Ort seine oder ihre Überzeugungen ausdrücken darf, wie individuell sie auch sind, ohne Angst davor, im Schweigen der Konformität aufgehen zu müssen.

    ... Wir werden im Cyberspace eine Zivilisation des Geistes erschaffen. Möge sie humaner und gerechter sein als die Welt, die Eure Regierungen bislang errichteten." - John Perry Barlow

    12 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Realnamen"
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    • wawerka
    • 29. August 2011 18:13 Uhr

    ...wollte ich auch alles grade schreiben, aber Sie haben das sehr schön zusammengefasst.

    Ich glaube, Leute wie z.B. Herr Dötsch sind sich gar nicht bewusst, wie angreifbar sie sich machen.

    Wenn nachts dann jemand anonym immer wieder anruft oder sogar gleich persönlich bei einem Zuhause vorbeischaut, bloß weil ihm eine irgendwo (Blog, Zeitung, Facebook etc) geäußerte Meinung des Verfassers nicht gefällt, dann wird einem vielleicht klar, wie vorteilhaft eine gewisse Anonymität sein kann.

    "Ich habe mir nicht viel Mühe gegeben (15sec):"

    --> Ich bin 'real' niemand von ihren Treffen. Aber ich bin echt, sie finden mich unter anderem in Google+. Das nur zu dem Thema, wie 'leicht' man jemand im Internet finden kann.

    Gruß Oliver

    Genau mein Standpunkt.
    Ich bin zwar auch mit Klarnamen bei Google "gelistet", jedoch nur, weil ich ein HTC Android Smartphone besitze und alles miteinander verbunden habe. Anruferbilder und Geburtstagseinträge im Kalender kommen automatisch von Facebook. Gezielte Werbung kann mich (noch) dank AddBlock+ nicht erreichen und auch in der Hauspost lag noch nichts verdächtiges, am Telefon keine Werbeanrufe, keine Spam-Mails im Google Mail-Fach und auch sonst nichts. Es mag also noch nicht so schlimm sein, wie vermutet wird.

    In Foren, Games, etc. bleibe ich anonym und verwende 3-4 verschiedene Nicknames (wie auch hier, diesen verwende ich ausschließlich hier).

    Das Internet hat sich aus meiner Sicht, vor allem durch die Gamer-Community stark entwickelt und sich immer gegen staatliche Mächte wehren können. So muss es bleiben.
    Was passiert wenn sich Länder und Firmen ihre eigenen Regeln stricken, dürfte wohl bekannt sein:

    We are Legion.

  2. Ein Netz, sie zu fangen, sie alle zu finden,
    ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.

    12 Leserempfehlungen
    • snm81
    • 29. August 2011 18:12 Uhr

    ist etwas verkürzt. anonymität ist eben immer auch eine form von minderheitenschutz. schließlich haben wir ja auch ein geheimes wahlrecht. jetzt würden sie sicher argumentieren, dass dieser minderheitenschutz in unserer gesellschaft ja sowieso gewährleistet sein sollte- leider ist das aber meines erachtens zu idealistisch gedacht. viele menschen würden eher gar nichts äußern als sich mit unkonventionellen meinungen hervorzuwagen, speziell wenn sie irgendeiner minderheit angehören oder ein sonstives stigma tragen. das ist aber nicht besser sondern führt eher zu einer verzerrung von diskussionen. dann soll doch lieber jeder anonym das sagen, was er wirklich denkt-- dass es da dann zu unschönen phänomenen kommt, muss man eben hinnehmen.

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Realnamen"
    • wawerka
    • 29. August 2011 18:13 Uhr

    ...wollte ich auch alles grade schreiben, aber Sie haben das sehr schön zusammengefasst.

    Ich glaube, Leute wie z.B. Herr Dötsch sind sich gar nicht bewusst, wie angreifbar sie sich machen.

    Wenn nachts dann jemand anonym immer wieder anruft oder sogar gleich persönlich bei einem Zuhause vorbeischaut, bloß weil ihm eine irgendwo (Blog, Zeitung, Facebook etc) geäußerte Meinung des Verfassers nicht gefällt, dann wird einem vielleicht klar, wie vorteilhaft eine gewisse Anonymität sein kann.

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@Oliver Doetsch"
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    Klar mache ich mich angreifbar - aber ich bin davon überzeugt, ein respektvoller Umgang im INTERNET setzt eine gewisse 'Greifbarkeit' als Mensch voraus. Ich bin mir sehr bewusst darüber, was 'echte Namen' bedeuten - nämlich dass das was ich sage gegebenenfalls auch Konsequenzen hat. Um so mehr bemühe ich mich um einen respektvollen Umgang mit meinem Gegenüber - warum sollte mich dann jemand um halb vier Uhr in der Nacht anrufen?

    Gruß Oliver

  3. "Ich habe mir nicht viel Mühe gegeben (15sec):"

    --> Ich bin 'real' niemand von ihren Treffen. Aber ich bin echt, sie finden mich unter anderem in Google+. Das nur zu dem Thema, wie 'leicht' man jemand im Internet finden kann.

    Gruß Oliver

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "@Oliver Doetsch"
    • Klaue
    • 29. August 2011 18:25 Uhr

    Ich bin auch echt... gerade weil niemand meinen Namen kennt. Mir geht dieses Maskentragen in der Gesellschaft schon seit immer auf den Keks, da bin ich froh das ich im Internet nicht auch daran gebunden bin.

    Eine Leserempfehlung
  4. Klar mache ich mich angreifbar - aber ich bin davon überzeugt, ein respektvoller Umgang im INTERNET setzt eine gewisse 'Greifbarkeit' als Mensch voraus. Ich bin mir sehr bewusst darüber, was 'echte Namen' bedeuten - nämlich dass das was ich sage gegebenenfalls auch Konsequenzen hat. Um so mehr bemühe ich mich um einen respektvollen Umgang mit meinem Gegenüber - warum sollte mich dann jemand um halb vier Uhr in der Nacht anrufen?

    Gruß Oliver

    Antwort auf "Danke...."
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    • wawerka
    • 29. August 2011 19:05 Uhr

    Ihre Beweggründe sind sicher ehrenwert, nur sollten Sie sich klar machen, dass selbst wenn Sie höflich und sachlich formulieren, Ihre geäußerte Meinung ggf. auf heftige Ablehnung stoßen kann, besonders wenn das Thema stark polarisiert. Als Beispiele aus den letzten Monaten: zu Guttenberg, Sarrazin, Schusswaffenverbot für Privatleute etc. Und Sie äußern sich hier nicht im kleinen Kreise; wenn Sie also Ihre Meinung kundtun, lesen das je nach Medium mehrere tausend Leute. Wenn da auch nur EIN Spinner dabei ist (und das ist so unwahrscheinlich nicht), dann müssen Sie ggf. höchst unangenehme Konsequenzen deswegen ertragen.

    Für mich wäre eine Realnamenpflicht das Ende jeglichen Kommentierens. Abgesehen davon hat ein Michael Müller wegen weniger eindeutiger Identifizierbarkeit ggf. weitaus weniger Ärger zu befürchten als ein Zbigniew Schmolerowski.

    Wer eine einigermaßen solide Kinderstube hat, der diskutiert auch mit Pseudonym sachlich. Wer sie nicht hat, der pöbelt auch unter Realnamen (alles schon erlebt).

    Gruß

    wawerka

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Eric Schmidt | Google | Blog | Facebook | Geld | Nordafrika
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