Die Facebook-Timeline von Mark Zuckerberg: Welche Informationen schützenswert sind, sehen Jugendliche oft anders als Erwachsene. © Justin Sullivan/Getty Images

Zwei Wissenschaftlerinnen aus den USA haben Jugendliche befragt, was sie unter Privatsphäre verstehen und wie sie ihre schützen. Die Antworten erklären, warum Facebooks neue Zeitleiste trotz aller Kritik von Datenschützern ein Erfolg für das Unternehmen werden könnte.

163 Jugendliche haben Danah Boyd und Alice Marwick zwischen 2006 und 2010 für ihr Forschungsprojekt über soziale Netzwerke für die jüngste Konferenz des Oxford Internet Institute interviewt. Namen werden in der Studie nicht genannt, nur Pseudonyme. Wer selbst keines wählte, bekam eines verpasst.

Schon das ist ein Hinweis darauf, wie unterschiedlich das Verständnis von Privatsphäre bei Erwachsenen und Jugendlichen sein kann. "Waffles" etwa, 17 Jahre alt und aus dem US-Bundesstaat North Carolina, sagt: "Wir erzählen ja nicht allen jedes Detail unseres Lebens. Wir teilen ihnen nur allgemeine Informationen mit – Namen, Orte, was wir gerne machen." Genau diese Informationen würden viele Erwachsene aber eben nicht herausrücken wollen.

Dass Facebook nun noch mehr Daten sammeln will, dürfte nach den Erkenntnissen der beiden Sozialwissenschaftlerinnen vom Microsoft Research Center viele Jugendliche nicht weiter stören. So wie Waffels halten sie ihre Vorlieben für bestimmte Filme oder Joggingstrecken nicht für sonderlich privat, sondern für hilfreich: Nur wer sich mitteilt, so Boyd und Marwick, ist in dem sozialen Netzwerk präsent. Und nur wer präsent ist, kann das finden, was Menschen in sozialen Beziehungen zumeist suchen: Anerkennung.

Zwischen Online und Offline gibt es aber einen entscheidenden Unterschied, führen Boyd und Marwick aus: Im realen Leben stehen die Grundeinstellungen auf privat. Um etwas zu veröffentlichen, muss man sich anstrengen. Die Grundeinstellung bei Facebook dagegen steht auf öffentlich. Zudem basiert das Geschäftsmodell der großen Netzwerke darauf, das Wissen über die Vorlieben der Nutzer an Werbekunden zu verkaufen. Wie Teenager solche Geschäftsmodelle beurteilen, erklären Boyd und Marwick nicht.

Ihre Befragungen haben ergeben, dass sich für viele Jugendliche das Privatleben vor allem im Kopf abspielt: Privat sind für sie ihre Gedanken und Gefühle. Selbst das eigene Zimmer wird nicht unbedingt als Rückzugsraum angesehen. Schließlich dringen die Eltern dort immer wieder ein. Allein und damit privat fühlen sich viele Jugendlich laut der Studie daher vor allem dort, wo die Eltern nicht sind.

Doch für Teenager sei es nicht leicht, solche Orte zu finden. Zu Restaurants oder Bars haben sie meist keinen Zugang. Parks und Spielplätze sind in den Köpfen vieler Eltern zu gefährlich, schließlich könnte sich dort ein Pädophiler an den Nachwuchs heranschleichen. Aus diesem Grund seien soziale Netzwerke so attraktiv für Teenager, schließen die Wissenschaftlerinnen.