ZEIT ONLINE: Gibt es eigentlich irgendetwas aus Ihrem realen Leben, das Sie in die Onlineexistenz von "Enno Park" herüberretten? Ist der "Enno Park" auf Google Ihr geheimes Alter Ego?

Enno Park: Sie meinen, vielleicht kommt da der kleine Sparkassenangestellte in mir durch, der sich nach Gartenzwergen sehnt?

ZEIT ONLINE: Vielleicht wächst die Figur ja im Lauf der Zeit noch in Ihnen?

Park: Dann muss ich ja Angst haben, dass ich noch als CDU-Kanzlerkandidat ende. Nein, im Ernst, "wahr" sind ausschließlich die Fotos, auf denen ich zu sehen bin. Alles andere ist von A bis Z erfunden. Ich mache das so lange, wie es trägt, wie es die Leser und mich selbst amüsiert und wie es dazu beiträgt, Googles Politik ad absurdum zu führen.

ZEIT ONLINE: Hinter Ihrer Aktion steckt eine ernste Sache. Sie fordern das Menschenrecht auf mehrere Identitäten ein, das Recht, sich mit Pseudonymen im Netz zu bewegen. Wie viele Identitäten haben Sie denn selbst so?

Park: Drei.

ZEIT ONLINE: Nämlich?

Park: Es gibt das Blog Die Ennomane . Ich benutze die Identität "Ennomane" sehr gerne, weil ich mich dadurch anders und freier fühle. Zum Beispiel denken sehr viele Leser, ich sei eine Frau oder schwul. Das führte zunächst zu Missverständnissen, hat mir aber geholfen, viel über mich und Rollenklischees zu lernen.

ZEIT ONLINE: Und der richtige Enno Park unterscheidet sich von der Ennomane …

Park: … er ist normaler, bürgerlicher, das bin ich mehr im "RL" . Er ist hetero, eher gesetzt, politisch aktiv. Dann gibt es noch eine dritte Identität, die ich aber nicht öffentlich mache. Mit der spiele ich gelegentlich.

ZEIT ONLINE: Mit anderen Worten, wenn Google+ Sie auf eine von den dreien festlegt, tötet es zwei andere Ennos?

Park: Genauso empfinde ich das. Schließlich spielen wir in unserem ganzen Leben verschiedene Rollen mit stark variierenden Identitäten. Wenn wir den männlichen Kollegen im Anzug mal außerhalb der Arbeit beim Kinderwagen schieben treffen, erleben wir diese Diskrepanz und einen Menschen ganz neu.

Ich weiß nicht ob das stimmt, aber John Wayne soll angeblich in einschlägigen Kneipen in Frauenkleidern unterwegs gewesen sein – eine Rolle, die er sicherlich nicht mit seiner Alltags- oder seiner Star-Identität vermischt sehen wollte.