Klarnamen "Pseudonymität ist ein digitales Menschenrecht"

Der Blogger Enno Park wurde zwei Mal von Google+ ausgesperrt. Nun kämpft er als Kunstprojekt gegen Klarnamenzwang. Er nutzt seinen echten Namen und fälscht sein Leben.

ZEIT ONLINE: Gibt es eigentlich irgendetwas aus Ihrem realen Leben, das Sie in die Onlineexistenz von "Enno Park" herüberretten? Ist der "Enno Park" auf Google Ihr geheimes Alter Ego?

Enno Park: Sie meinen, vielleicht kommt da der kleine Sparkassenangestellte in mir durch, der sich nach Gartenzwergen sehnt?

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ZEIT ONLINE: Vielleicht wächst die Figur ja im Lauf der Zeit noch in Ihnen?

Enno Park aka Ennomane

Zwei Mal hat Google dem Berliner Blogger und Kommunikationsberater Enno Park das Googleplus-Profil gesperrt – da er es unter dem Pseudonym "Ennomane" betrieb. Aus Protest gegen diese rigide Klarnamenpolitik nutzt er nun zwar seinen echten Namen, erfindet aber sein auf Google+ ausgestelltes Leben.

Der neue Enno Park ist der Stellvertretende Kreisvorsitzende der CDU im Hommingberger Land. Er lässt sich gerne im grauen Anzug sehen, macht in Immobilien und engagiert sich nebenbei als Pastoralassistent in der Dorfkirche. Das Internet? Da kauft er gelegentlich Bananen. Geheuer ist es ihm trotzdem nicht. Es wäre nicht schlecht, findet Enno Park, wenn die Bundesregierung mehr Netzkontrollen einführte.

Das Problem ist, dass es Enno Park zwar gibt – aber diesen Enno Park nicht. Der Urheber der Google-Plus-Seite mit dem schönen Klarnamen Enno Park ist ein Berliner Blogger, Aktivist, Kommunikationsberater und Mitglied der Piratenpartei. Ganz selten im Anzug. Und, ach so, es gibt nicht mal das Hommingberger Land.

Park: Dann muss ich ja Angst haben, dass ich noch als CDU-Kanzlerkandidat ende. Nein, im Ernst, "wahr" sind ausschließlich die Fotos, auf denen ich zu sehen bin. Alles andere ist von A bis Z erfunden. Ich mache das so lange, wie es trägt, wie es die Leser und mich selbst amüsiert und wie es dazu beiträgt, Googles Politik ad absurdum zu führen.

ZEIT ONLINE: Hinter Ihrer Aktion steckt eine ernste Sache. Sie fordern das Menschenrecht auf mehrere Identitäten ein, das Recht, sich mit Pseudonymen im Netz zu bewegen. Wie viele Identitäten haben Sie denn selbst so?

Park: Drei.

ZEIT ONLINE: Nämlich?

Park: Es gibt das Blog Die Ennomane. Ich benutze die Identität "Ennomane" sehr gerne, weil ich mich dadurch anders und freier fühle. Zum Beispiel denken sehr viele Leser, ich sei eine Frau oder schwul. Das führte zunächst zu Missverständnissen, hat mir aber geholfen, viel über mich und Rollenklischees zu lernen.

ZEIT ONLINE: Und der richtige Enno Park unterscheidet sich von der Ennomane …

Park: … er ist normaler, bürgerlicher, das bin ich mehr im "RL". Er ist hetero, eher gesetzt, politisch aktiv. Dann gibt es noch eine dritte Identität, die ich aber nicht öffentlich mache. Mit der spiele ich gelegentlich.

ZEIT ONLINE: Mit anderen Worten, wenn Google+ Sie auf eine von den dreien festlegt, tötet es zwei andere Ennos?

Park: Genauso empfinde ich das. Schließlich spielen wir in unserem ganzen Leben verschiedene Rollen mit stark variierenden Identitäten. Wenn wir den männlichen Kollegen im Anzug mal außerhalb der Arbeit beim Kinderwagen schieben treffen, erleben wir diese Diskrepanz und einen Menschen ganz neu.

Ich weiß nicht ob das stimmt, aber John Wayne soll angeblich in einschlägigen Kneipen in Frauenkleidern unterwegs gewesen sein – eine Rolle, die er sicherlich nicht mit seiner Alltags- oder seiner Star-Identität vermischt sehen wollte.

Leser-Kommentare
  1. Kürzlich war ich mit meiner Frau, Jutta Hartmann--Metzger, in China und habe nach der Rückkehr einen mehrteiligen Reisebericht verfasst:

    [...]

    Zahlreiche chinesische Leser melden sich nur mit einem Phantasienamen:

    [...]

    Vor kurzem teilte mir ein junger Chinese mit, dass er meine "links" nicht mehr öffnen könnte. Offensichtlich hat sich die chinesische Zensur eingeschaltet!

    Herzliche Grüsse

    Klaus Metzger
    HILDESHEIM

    Bitte verzichten Sie auf Werbung. Danke, die Redaktion/fk.

  2. Leider findet man in der Zeit und anderen Medien nur - durchaus kritische - Berichte über Facebook, Google+ und Co. Von den Alternativen wie Diaspora und anderen habe ich hier noch nie lesen dürfen. Die "Branchenriesen" werden damit als vollkommen alternativlos dargestellt. Leider, und da werden Sie mir recht geben müssen, machen Sie mit dieser Art der Berichterstattung vor allem eines: Werbung.

    Beste Grüße

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    • qbrick
    • 02.10.2011 um 18:29 Uhr

    Google ist der Feind der Zeitungsverleger, die sich mittlerweile im Internet tummeln und dort ihre aufgrund unpassabler Qualität nicht kommerziell verwertbaren Textchen veröffentlichen. Die Zeitungsverleger fordern eine Art Leistungsschutzgeld dafür, daß Suchmaschienenbetreiber ihnen die Leser auf ihre Seiten spülen.
    Nun raten Sie mal, auf welcher Seite Google steht.
    Genau hier, auf der Seite der Gegner dieser GEZ für Verleger: http://leistungsschutzrec...

    Nun kann man sich einen Reim darauf machen, was es mit der teilweise hysterischen Berichterstattung um Google auf sich hat.
    Ist "unsere" Presse frei? Ein Witz!

    Redaktion

    Lieber Ootmann,

    anbei ein paar Texte, die auf Zeit Online zur Alternative Diaspora erschienen sind:

    http://www.zeit.de/digita...
    http://www.zeit.de/digita...
    http://www.zeit.de/digita...
    http://www.zeit.de/digita...

    Beste Grüße
    Kai Biermann

    Lieber Kai,

    danke für die Liste. Mir als Zeit-Gelegenheitsleser müssen diese Artikel leider entgangen sein. Ich muss mich hiermit entschuldigen.

    Viele Grüße
    Ootmann

    • qbrick
    • 02.10.2011 um 18:29 Uhr

    Google ist der Feind der Zeitungsverleger, die sich mittlerweile im Internet tummeln und dort ihre aufgrund unpassabler Qualität nicht kommerziell verwertbaren Textchen veröffentlichen. Die Zeitungsverleger fordern eine Art Leistungsschutzgeld dafür, daß Suchmaschienenbetreiber ihnen die Leser auf ihre Seiten spülen.
    Nun raten Sie mal, auf welcher Seite Google steht.
    Genau hier, auf der Seite der Gegner dieser GEZ für Verleger: http://leistungsschutzrec...

    Nun kann man sich einen Reim darauf machen, was es mit der teilweise hysterischen Berichterstattung um Google auf sich hat.
    Ist "unsere" Presse frei? Ein Witz!

    Redaktion

    Lieber Ootmann,

    anbei ein paar Texte, die auf Zeit Online zur Alternative Diaspora erschienen sind:

    http://www.zeit.de/digita...
    http://www.zeit.de/digita...
    http://www.zeit.de/digita...
    http://www.zeit.de/digita...

    Beste Grüße
    Kai Biermann

    Lieber Kai,

    danke für die Liste. Mir als Zeit-Gelegenheitsleser müssen diese Artikel leider entgangen sein. Ich muss mich hiermit entschuldigen.

    Viele Grüße
    Ootmann

  3. Ich verstehe die ganze Aufregung um den Klarnamenzwang bei Google+ nicht. Wenn ich etwas gegen die Regeln des Netzwerkes habe, dann melde ich mich nicht an. Ende.
    Erstens gibt es genügend Alternativen, zweitens ist es sicherlich nicht lebenswichtig bei Google angemeldet zu sein.
    genausowenig wie bei Facebook und Co aber das ist ja ein anderes Thema.
    Und wenn ich unbedingt unter einem Pseudonym bloggen möchte dann mach ich meinen Blog dort auf wo ich das so machen kann wie es mir gefällt.

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    Eben nicht. G+ und vor allem Facebook sind "öffentlicher Raum" geworden. Natürlich kann man ausweichen und seine privaten anonymen Geschichten woanders bloggen. Aber ohne diese Dienste ist es viel schwerer, Öffentlichkeit herzustellen. Öffentlichkeit herstellen ist aber genau das, was publizierende Menschen tun wollen, was Revolutionäre tun müssen, und wozu zum Beispiel Homosexuelle in homophoben Gesellschaften gezwungen sind.

    Eben nicht. G+ und vor allem Facebook sind "öffentlicher Raum" geworden. Natürlich kann man ausweichen und seine privaten anonymen Geschichten woanders bloggen. Aber ohne diese Dienste ist es viel schwerer, Öffentlichkeit herzustellen. Öffentlichkeit herstellen ist aber genau das, was publizierende Menschen tun wollen, was Revolutionäre tun müssen, und wozu zum Beispiel Homosexuelle in homophoben Gesellschaften gezwungen sind.

    • qbrick
    • 02.10.2011 um 18:29 Uhr

    Google ist der Feind der Zeitungsverleger, die sich mittlerweile im Internet tummeln und dort ihre aufgrund unpassabler Qualität nicht kommerziell verwertbaren Textchen veröffentlichen. Die Zeitungsverleger fordern eine Art Leistungsschutzgeld dafür, daß Suchmaschienenbetreiber ihnen die Leser auf ihre Seiten spülen.
    Nun raten Sie mal, auf welcher Seite Google steht.
    Genau hier, auf der Seite der Gegner dieser GEZ für Verleger: http://leistungsschutzrec...

    Nun kann man sich einen Reim darauf machen, was es mit der teilweise hysterischen Berichterstattung um Google auf sich hat.
    Ist "unsere" Presse frei? Ein Witz!

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Mal wieder Werbung..."
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    Ach, ich dachte immer das wäre Apple?

    Ach, ich dachte immer das wäre Apple?

  4. Wer UNBEDINGT diesen "sozialen Netzwerkkram" braucht, denkt sich einfach einen "Klarnamen" aus!

    Wo ist da das Problem?

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    dass auch der geneigte Zeit-Online-Leser immer wieder dazu neigt, Artikel zu kommentieren, ohne sie vollständig gelesen zu haben.

    dass auch der geneigte Zeit-Online-Leser immer wieder dazu neigt, Artikel zu kommentieren, ohne sie vollständig gelesen zu haben.

  5. "Befürworter etlicher Positionen der Piratenpartei." stimmt zwar, aber "Mitglied" wäre treffender. ;) Die Redaktion wird das korrigieren, das kann aber eine Weile dauern.

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    Redaktion

    So lange hat's gar nicht gedauert. Naja, fast eine Stunde. Jetzt jedenfalls korrekt, hoffe ich.

    Grüße, Markus Horeld, der Sonntagsdienst

    Redaktion

    So lange hat's gar nicht gedauert. Naja, fast eine Stunde. Jetzt jedenfalls korrekt, hoffe ich.

    Grüße, Markus Horeld, der Sonntagsdienst

    • THEU
    • 02.10.2011 um 19:36 Uhr

    Ich bin auch gegen diesen Klarnamenzwang!

    Aber

    Ich kann verstehen warum es soweit kommen konnte.

    Man sieht es auf jeder Seite auf jedem Blog, wo sich User zu fast allen themen äußern können (so wie hier)

    Leider gibt es eine Unzahl von Usern die sich weder an die Netiquette halten noch Respektvoll miteinander umgehen!.

    Das schafft kein vernünftiges Diskussionsklima weil alle aufgrund von anonymität die Sau rauslassen.

    Jede Diskussion muss überwacht werden und das ist ein Aufwand der mehr als nur nervig für Seitenbetreiber ist.

    Solang wir uns nicht selber regulieren sehe ich keine Argument gegen diesen Klarnamenzwang.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es geht nicht um ein vernünftiges Diskussionsklima, das durch Klarnamenzwang entsteht, es geht um den zuordenbaren und gläsernen Nutzer. Das Diskussionsklima kann ich auch mit meinem Klarnamen vergiften, ohne, dass ich dafür Repressionen befürchten muss - das hängt einfach vom Sprachtalent und Aggressionslevel ab. Auch Arschlöcher können sich gewählt ausdrücken.

    Genau mit diesem "Diskussionskultur-Argument" möchte man agieren, weil diesem dann doch mehr Menschen auf den Leim gehen.

    Das "Problem" (auch, wenn ich mich wiederhole): Den Betreibern geht es nicht darum, das ist vorgeschoben, um Zuspruch zu erhalten. Es geht um vollständige Daten, um wertvollere Nutzerprofile. Thats it.

    • maja m
    • 02.10.2011 um 22:42 Uhr

    also wenn man ein paar jahre im netz unterwegs ist, weiss man mit trollen umzugehen : nicht füttern. (wenn man in der berliner u-bahn doof angemacht wird, steht man ja auch nicht auf und hebt ermahnend den zeigefinger...)
    aber was einfach nicht geht (was ich nach zwanzig jahren internetz immer wieder merke) ist zensur : ob facebook, google oder diskussionsforen - zensiert werden fühlt sich an wie china. da geht es halt nicht um netiquette, sondern eben um marktmodelle. keine pseudonyme, keine fremdwörter, kein humor, keine antikommunistischen ansichten...
    da behaupte noch jemand, willkür sei auch eine art von freiheit...

    • GDH
    • 05.10.2011 um 16:27 Uhr

    "Jede Diskussion muss überwacht werden und das ist ein Aufwand der mehr als nur nervig für Seitenbetreiber ist."

    Dagegen würde es helfen, endlich eine vernünftige Haftungsfreistellung für Seitenbetreiber zu schaffen, wenn Dritte sich dort äußern.

    Mit ein paar dummen Sprüchen, von mir aus auch Rumgepöbel, kann ich leben (zumal das Meiste davon wohl auch mit Klarnamen geschrieben würde). Wenn sich Redaktionen sicher sein könnten, dass es reicht, alle paar (Werk-)Tage den Beschwerden von Lesern nachzugehen, könnten sie mit dem Thema viel entspannter umgehen.

    Es geht nicht um ein vernünftiges Diskussionsklima, das durch Klarnamenzwang entsteht, es geht um den zuordenbaren und gläsernen Nutzer. Das Diskussionsklima kann ich auch mit meinem Klarnamen vergiften, ohne, dass ich dafür Repressionen befürchten muss - das hängt einfach vom Sprachtalent und Aggressionslevel ab. Auch Arschlöcher können sich gewählt ausdrücken.

    Genau mit diesem "Diskussionskultur-Argument" möchte man agieren, weil diesem dann doch mehr Menschen auf den Leim gehen.

    Das "Problem" (auch, wenn ich mich wiederhole): Den Betreibern geht es nicht darum, das ist vorgeschoben, um Zuspruch zu erhalten. Es geht um vollständige Daten, um wertvollere Nutzerprofile. Thats it.

    • maja m
    • 02.10.2011 um 22:42 Uhr

    also wenn man ein paar jahre im netz unterwegs ist, weiss man mit trollen umzugehen : nicht füttern. (wenn man in der berliner u-bahn doof angemacht wird, steht man ja auch nicht auf und hebt ermahnend den zeigefinger...)
    aber was einfach nicht geht (was ich nach zwanzig jahren internetz immer wieder merke) ist zensur : ob facebook, google oder diskussionsforen - zensiert werden fühlt sich an wie china. da geht es halt nicht um netiquette, sondern eben um marktmodelle. keine pseudonyme, keine fremdwörter, kein humor, keine antikommunistischen ansichten...
    da behaupte noch jemand, willkür sei auch eine art von freiheit...

    • GDH
    • 05.10.2011 um 16:27 Uhr

    "Jede Diskussion muss überwacht werden und das ist ein Aufwand der mehr als nur nervig für Seitenbetreiber ist."

    Dagegen würde es helfen, endlich eine vernünftige Haftungsfreistellung für Seitenbetreiber zu schaffen, wenn Dritte sich dort äußern.

    Mit ein paar dummen Sprüchen, von mir aus auch Rumgepöbel, kann ich leben (zumal das Meiste davon wohl auch mit Klarnamen geschrieben würde). Wenn sich Redaktionen sicher sein könnten, dass es reicht, alle paar (Werk-)Tage den Beschwerden von Lesern nachzugehen, könnten sie mit dem Thema viel entspannter umgehen.

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