Pseudonyme : Google gibt sich im Namenskrieg geschlagen

Bisher forderten Facebook und auch Google von ihren Nutzern den Klarnamen. Google+ will nun auch Pseudonyme zulassen. Ein kleiner Sieg, Schutz aber bietet das nicht.

Google will in seinem sozialen Netzwerk G+ künftig auch Pseudonyme und "andere Formen der Identität" zulassen. Das sagte Google-Manager Vic Gundotra beim Web 2.0 Summit in San Francisco . In den kommenden Monaten werde man in dem Dienst die Möglichkeit schaffen, sich mit Pseudonymen und Spitznamen anzumelden.

Für die vielen Nutzer, die seit Jahren gegen die Klarnamenpolitik der sozialen Netzwerke und in letzter Zeit vor allem gegen die von Google kämpfen, ist das eine wichtige Botschaft. "Sieg, Google ergibt sich in den Nym-Kriegen", lautete denn auch die stolze Schlagzeile bei der amerikanischen Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation .

Der Ausdruck Nymwars, der für den Kampf um Pseudonyme und Klarnamen steht, ist im Netz zu einem stehenden Begriff geworden. Bislang traten Facebook und auch Google in diesem Krieg eisenhart auf . Nutzer, die unter offensichtlich erfundenen Namen Konten anmeldeten, wurden bei beiden Netzwerken gelöscht. Selbst Menschen wie der chinesische Blogger Michael Anti , der nicht so heißt, aber unter diesem Namen weltweit bekannt ist, wurden gesperrt.

Die Kritik dagegen ist laut und sie ist fundiert . Einen interessanten Beitrag dazu gab es auch auf dem Web 2.0 Summit. Er kam von Chris Poole. Der ist besser bekannt unter seinem Pseudonym moot und hat das anonyme und sehr beliebte Messageboard 4chan gegründet. "Google und Facebook wollen uns glauben machen, dass wir ein Spiegel sind. Doch eigentlich sind wir viel eher wie Diamanten", sagte Poole und meinte damit , dass wir viele Facetten haben – eben wie geschliffene Diamanten.

Poole ist überzeugt, dass Facebook und Google das Konzept Identität falsch verstehen und falsch abbilden . Denn wir präsentierten uns verschieden, je nach der Umgebung, in der wir uns bewegten. "Es geht nicht darum, mit wem wir etwas teilen, es geht darum, als wer wir etwas mitteilen wollen." Identität sei ein Prisma.

Twitter habe das verstanden, sagte Poole. Die Anmeldung dort akzeptiert selbstverständlich Pseudonyme und wer will, kann in einem freien Textfeld dazu seinen Namen eintragen. Pflicht ist es nicht. Gleichzeitig kann jeder auch mehrere Accounts bei Twitter haben und viele Twitter-Anwendungen lassen es zu, diverse Accounts parallel zu verwalten. 

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Kommentare

27 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Ich zitiere nur mal kurz

§4 Datenschutzrechtliche Pflichten des Diensteanbieters
Der Diensteanbieter hat dem Nutzer die Inanspruchnahme von Telediensten und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist. Der Nutzer ist über diese Möglichkeiten zu informieren.

Man muss ja auch in der realen Welt nicht ständig ein großes Namensschild tragen, wenn man durch eine Fußgängerzone spaziert und man muss es auch nicht hinnehmen, dass einem dabei ständig jemand hinterherschleicht und mitschreibt, mit wem man sich wann, wo unterhalten hat.

Illegal?

"§4 Datenschutzrechtliche Pflichten des Diensteanbieters
Der Diensteanbieter hat dem Nutzer die Inanspruchnahme von Telediensten und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist."
Technisch möglich ist es definitiv und die Zumutbarkeit ließe sich höchstens noch dadurch einschränken, dass FB und G+ mit anonymen Kundne weniger Geld machen können, aber angesichts der Milliardengewinne beider Unternehmen scheint mir das durchaus zumutbar...
Sind die Dienste also illegal? Wieso tut niemand aus der Politik etwas dagegen? Staatsanwälte etc.? Bin ratlos...
Jetzt kommen wahrscheinlich wieder jene Leute, die sagen, dass FB ein Privatunternehmen ist und ich mich ihren AGBs beugen muss. Wie ist dieser aber mit obigem §4 vereinbar? Nicht ich muss mich beugen, sondern die Anbieter, die ihre Dienste in Deutschland anbieten, müssen sich den hiesigen Gesetzen beugen, wenn sie hier Geld machen wollen!

FB u. G+ haben keinen Standort in D

Das Problem ist, dass Facebook und Google keine Standorte in Deutschland haben, womit das Deutsche gesetzt denen sowas von egal sein kann.

Genauso ist es, wenn ein Land kein Urheberrechtsschutz hat, können die Personen in diesem Land alles legal kopieren. Nehmen wir an, ein Land würde die Pornographie verbieten und in einem anderem Land würde ein Betreiber Pornographische Inhalte im Internet anbieten. Da kann sich das Land mit dem Verbot kaum gegen wehren, wenn die eigene Bevölkerung dieses Angebot nutz.

Somit ist das Angebot von FB u. G+ nicht illegal, da die Ammerikaner deutlich lockere Datenschutzbestimmungen haben.

Definitiv ein Fortschritt

Auch wenn es im Artikel am Ende heißt:
"Die Neuerung könnte sich damit sogar als Rückschritt erweisen. Denn jene, die ein Pseudonym verwenden wollen, müssen Google dann definitiv verraten, wer sie wirklich sind. "

Ich muss weder Google noch Facebook etwas verraten, denn natürlich kann ich mich weiterhin als Thomas Schmidt, Andreas Müller oder Michael Schneider anmelden. Dies ließe sich nur verhindern, indem die Anbieter bei der Anmeldung eine Identifizierung über die Personalausweisnummer oder ähnliches verlangen würden. Aber davor dürften sie zum Glück zurückscheuen, da dies (hoffentlich) viele potentielle Nutzer abschrecken dürfte. Somit haben Facebook und Google nichts weiter als meine IP-Adresse und die kann ich notfalls ändern...

PS: Die Timeline sehe ich ironischerweise aus folgendem Grund positiv: Endlich habe ich einen leichten Zugang zu all meinen öffentlichen Kommentaren, Likes etc. und kann sie ohne langes Suches löschen (zumindest wenn ich das Prinzip richtig verstanden habe). Ja, bei FB lagern die Sachen immer noch, aber hier geht's mir gerade um die Beeinflussung meines Bildes in der Öffentlichkeit, die ja angeblich spätestens durch die Timeline für immer im Netz einsehbar bleibt.

Re: Definitiv ein Fortschritt

[...]Dies ließe sich nur verhindern, indem die Anbieter bei der Anmeldung eine Identifizierung über die Personalausweisnummer oder ähnliches verlangen würden. Aber davor dürften sie zum Glück zurückscheuen, da dies (hoffentlich) viele potentielle Nutzer abschrecken dürfte. [...]

Facebook tut das schon. Man kann sich zwar ohne Identifizierung registrieren, aber dann bleibt einem der Zugang zu einigen Funktionen verwehrt. Zum Beispiel kann man kein externes Chat-Programm verwenden um sich mit seinen Facebook-Freunden zu unterhalten. Auch die Entsprerrung eines einmal gesperrten Kontos gestaltet sich schwierig bis unmöglich, wenn man nicht seine Identität preisgibt.

Auch Google

tut das irgendwo schon. Zum ersten ist da die penetrante, wiederholte Bitte, doch für den Notfall eine Mobiltelefonnummer anzugeben.
Und gerade in der Debatte um G+ Anmeldungen hat sich Google nicht entblödet, vielen (auch mir) sämtliche Dienste des Accounts zu sperren. In einigen Fällen (auch meinem) war eine Freischaltung an die Bedingung geknüpft, sich auszuweisen bzw. den Account via Kreditkarte zu authentifizieren. Für eine solche Sperrung reicht, wie eine Recherche ergab, Google bereits „verdächtiges Verhalten“ auf dem Account, bspw. sehr häufiges Mailen, häufig große Anhänge verschicken o.ä. Also bitte nicht wundern, denn der Suchmaschinenriese morgen mal spontan Euer Konto sperrt.

Möglich oder gelöscht?

Wenn ich mich mit einem Pseudonym bei G+ anmelde, dann kann keiner etwas dagegen machen, außer die Ausweispflicht wird eingeführt.
Weder Facebook noch G+ können Klarnamen durchsetzen. Ich bin seit 2 Jahren mit deinem Nachnamen bestehend aus 2 Buchstaben angemeldet. Ich werde nicht gelöscht werden. Und wenn ich bei G+ als Klarname ''Dieter Müller'' angeben und als Pseudonym ''Hans MagAutos'' und ich in Wirklichkeit ''Hans Meyer'' heiße, hat Google dagegen keine Handhabe außer meinen Ausweis....den wrden sie aber nicht in die Finger kriegen.
Seit doch nicht so naiv, Leute. G+ (und FB) nutzt doch nur die Angst der User, gelöscht zu werden, damit sich mehr mit ihrem richtigen Namen anmelden!

Die Angst der User!?!

Sehe ich ähnlich. Sicherlich wurden ein paar Exempel statuiert, aber man braucht sich doch nur mal bei FB umschauen, wie viele Leute da definitiv nicht mit ihrem eigenen Namen unterwegs sind - damit meine ich weniger, dass sie falsche aber mögliche Namen benutzen, nein, sie benutzen eindeutig Fantasienamen. Gelöscht wird (so gut wie) keiner. Anderserseits wüsste ich nicht mal so recht, vor was ich da Angst haben sollte. Wenn mein Account mit falschem Namen gelöscht wird, kann ich mir ja immer noch wieder einen neuen unter richtigem Namen zulegen (was ja nicht mal meiner sein muss, s.o.). Was wäre denn verloren? Meine Freunde? Die zehn Freunde, mit denen ich wirklich etwas zu tun habe sind schnell wieder hinzugefügt - tut vielleicht mal ganz gut. Hochgeladene Fotos? Sollten wirklich kein Verlust sein. Wer FB zur persönlichen Selbstdarstellung braucht tut mir leid. Freunde auf dem Laufenden halten schön und gut, aber die haben die letzten Urlaubsfotos schon gesehen und meine Kommentare schon gelesen. Und gab es nicht sogar Fälle, wo Leute ihre "gelöschten" Account wieder bekommen haben und es war noch alles da?
Also Leute: Keine Angst. Nennt euch wie ihr wollt oder macht es einfach wie Enno Park (http://www.zeit.de/digita...) & dreht den Spieß um: Er postet nämlich unter seinem Klarnamen ein völlig erfundenes Leben. FB sagt in seinen AGBs, dass die Angaben über mich der Wahrheit entsprechen müssen? Ganz ehrlich: Die können mich mal!

Objekt-Datenbank

Anonymität gibt es nicht. Was puncto Rasterfahndung für die konventionelle Kriminalistik vereitelt wurde, findet im kommerziellen Netz tagtäglich statt. Es genügen wenige Achsen, die miteinander abgeglichen werden. Diverse Community-Accounts (persönliche Daten, Identifizierung durch Dritte), gratis Email-Accounts (Anrede, Signatur, IP, Kontakte), Android-Mobiles (Kontakte, IMEI, IP), WLAN (MAC-Adresse, IP, Kombination mit genutzen Services), Domains (WHOIS-Daten), Firmen-/Veranstaltungs-Websites (Mitwirkende), ... Fast jeder ist mit voller Identität, Adresse, Email, Foto, Interessen, Kontakten usw bekannt. All diese Daten besitzen wenige Eigenschafts-'Achsen', welche in einer mehrdimensionalen objektorientierten Datenbank intuitiv und ressourcen-schonend verwaltet werden können. Die vorgebliche Anonymisierung dient nur dazu, die User unbefangener auftreten zu lassen.

Anonymität ist möglich

Sie scheinen sich ja gut auszukennen oder gehören doch nur zu den ewigen Schwarzsehern. Es ist garantiert nicht jeder mit seiner vollen Identität im Netz und was ist wenn ich mit mehreren Identitäten vertreten bin? Stürzt Ihre tolle objektorientierte Datenbank dann ab? Haben Sie bei gmx etwa ihre echte Adresse angegeben? Selber schuld. Und woher soll FB Zugriff auf meine gratis E-Mail-Accounts haben (insofern man den Friend-Finder nicht benutzt; selbst wenn, lesen die nicht meine ganzen Mail, das traue ich nicht mal FB zu). "Anrede"? "Signatur"? Klingt schon etwas paranoid. Außerdem habe ich mir erst heute von meinem im Internetcafe angelegten FB-Account ein paar Nachrichten geschick à la: "Hallo Stefan, na wie ist es so in der Goethe-Straße 15? Lg, Thomas". Zu den Firmenveranstaltungen: Da steht bin ich mit meinem richtigen Namen vermekrt, den kennt aber FB nicht... Zum Thema MAC-Adresse und WLan: Das klingt reichlich paranoid oder glauben Sie, dass alle Welt (zB Hotspot-Anbieter) ihre Daten an FB weiterleiten?

Ach so ist das?

können Sie diese gewagten Behauptungen auch belegen?

Nichtmal der ISP weiß wer genau sich hinter dieser oder jener IP verbirgt, da nicht ersichtlich ist, wer letztendlich den Rechner bedient. Wer mit Klarnamen und validen Angaben zur Person incl. Photo im Netz unterwegs ist, dem ist sowie nicht mehr zu helfen.

Mit ein bisschen know how lässt es sich weitgehend anonym im Netz leben, sofern man das will.

- shareaccounts, multiaccounts
- browser uniqueness vermeiden (http://panopticlick.eff.org/)
- kein referrer
- cookie whitelist
- noscript
- socks proxy, vpn, onion routing, in gewissem maße sogar dyn ip etc.
- common sense
- beliebig fortsetzbar...

Das ist zwar richtig,

aber ist das die Welt, wie man Probleme angeht? Sie zu umschiffen? Statt sich über 20 Kameras in der Fußgängerzone aufregen lieber kreative Masken basteln, Hüte und Schleier tragen? Da stimmt doch was mit unserem Grundrechtsverständnis nicht. Ganz zu schweigen davon, dass nicht alle Nutzer (eher sogar der Großteil) digital natives oder Computer-affin sind. Und wer wills ihnen verdenken, einfach nur ungestört einen Dienst nutzen zu wollen, der auf lange Sicht vielleicht langsam das Telefon ablöst? (man kann sich auch am Telefon geheime Codes und „Klopfzeichen“ ausdenken, ein Rechtsschutz meiner privaten Kommunikation ist mir dann aber doch lieber)