US-Behörden sind für ihren Datenhunger berüchtigt: Nach dem 11. September 2001 hörte etwa der Geheimdienst NSA ohne richterliche Genehmigung zahllose Bürger ab. Der ehemalige NSA-Mitarbeiter Bill Binney glaubt sogar, dass die Behörde vorsorglich die E-Mails aller US-Bürger speichert  – für den Fall, dass Ermittlungsbehörden sie irgendwann brauchen. Entsprechend hoch soll die Saugkraft des vor allem für die Überwachung weltweiter Kommunikation zuständigen Geheimdienstes sein: Berichten zufolge kann er innerhalb von sechs Stunden so viele Daten abgreifen und speichern, wie in der Library of Congress lagern, der zweitgrößten Bibliothek der Welt.

Die Daten zu sammeln ist aber nur der Anfang. Derzeit arbeiten die US-Sicherheitsbehörden am nächsten Schritt: Die Vergangenheit auszuwerten reicht ihnen nicht mehr, sie wollen mit neuen Techniken die Zukunft vorhersagen. Die Liste der entsprechenden Versuche ist lang und bedrückend. Und der Drang, immer mehr Informationen zu bekommen, wird dabei zunehmend zur Gefahr für den Rechtsstaat.

Es ist ein alter Traum, in der neuen Welt der Zukunft sollen Verbrechen gar nicht erst begangen werden. "Ende des 19. Jahrhunderts glaubte man daran, aus den Gesichtszügen kriminelle Veranlagungen ablesen zu können", sagt Lillie Coney von der US-Bürgerrechtsorganisation Epic. Heute versuche man etwas Ähnliches, aber mit neuen Technologien.

Derzeit testet etwa das Heimatschutzministerium den Nachfolger des Nacktscanners, den Gedanken-Scanner. Laut Dokumenten, die Epic veröffentlicht hat, soll das neue Gerät anhand von Stimmhöhe, Herzfrequenz oder Atmung böse Absichten erkennen. Das Ziel: Die Attentäter sollen gefunden werden, bevor sie die Bombe zünden.

Geschwärzte Dokumente

Was nach Science Fiction klingt, könnte tatsächlich bald zum Standard an amerikanischen Flughäfen werden. Ein Prototyp wurde bereits im Frühjahr getestet. Ob die Menschen, die gescannt wurden, wussten, bei welchem Test sie da mitmachen, ist den Dokumenten, die die US-Regierung jetzt herausgeben musste, nicht zu entnehmen. Große Teile sind geschwärzt.

Dem Prototypen ist auf den ersten Blick nicht anzusehen, dass er letztlich in den Kopf hineinschauen soll. Er erinnert an eine Sicherheitsschleuse, wie man sie vom Flughafen kennt. Wer gescannt wird, muss sich auf eine Matte stellen und in eine Kamera schauen. Anschließend muss er durch ein Tor laufen, das einem Metalldetektor ähnelt.

Doch nicht nur ein schneller Herzschlag soll Täter verraten. Auch der Gang eines Menschen kann etwas über ihn aussagen. Biometrie-Experten der Universität Notre Dame im Bundesstaat Indiana arbeiten daran, neue Instrumente zu entwickeln, damit Sicherheitsbehörden die Bilderfluten von Überwachungskameras verarbeiten können. Ihre Software soll künftig Menschen, die sich auffällig verhalten, aus dem Bilderstrom der Überwachungskameras auf Flughäfen oder Bahnhöfen herausfiltern. 

So sei etwa bekannt, dass Selbstmordattentäter ihren Tatort vor der Tat mehrfach aufsuchen. Anders als Pendler kämen sie aber nicht in regelmäßigen, sondern eher in unregelmäßigen Abständen an den Kameras vorbei. Die neue Software soll das Sicherheitspersonal auf diese Verdächtigen aufmerksam machen – für weitere Ermittlungen.