Koalition : Stiftung Datenschutz ist auf dem Weg zum Papiertiger

Entgegen allen Beteuerungen wird die Stiftung Datenschutz nicht mehr in diesem Jahr gegründet. Und die wenigen Details, die bislang feststehen, erzürnen die Opposition.
Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) © Wolfgang Kumm / dpa

Die Stiftung Datenschutz entwickelt sich zu einer Art Running Gag der Bundesregierung. Wirklich lustig ist das aber nicht. Seit zwei Jahren verspricht die Koalition, die Stiftung ins Leben zu rufen. In dieser Woche hieß es nun aus dem Innen- und dem Justizministerium , der Gründungstermin verschiebe sich auf einen unbekannten Zeitpunkt im kommenden Jahr. Die Abstimmung der Satzung sei innerhalb der Bundesregierung noch nicht abgeschlossen, heißt es als offizielle Begründung.

Die Stiftung soll, angelehnt an das Modell der Stiftung Warentest, Produkte und Dienstleistungen auf ihre Datenschutzfreundlichkeit hin überprüfen, ein Gütesiegel entwickeln und die Bürger über das Thema Datenschutz informieren und aufklären.

Inoffiziell geht es dabei nicht zuletzt ums Geld. Zehn Millionen Euro sind als Gründungskapital im Haushalt für 2011 eingeplant. Laut Leipziger Volkszeitung plant das Innenministerium nicht, danach weiteres Geld in die Stiftung zu stecken. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) jedoch hält die zehn Millionen Euro allenfalls für eine "erste gute Grundlage für den Start". Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, sieht das ähnlich.

Doch drängt sich der Eindruck auf, dass die Einrichtung der Stiftung grundsätzlich keine hohe Priorität genießt. Obwohl schon mehrmals Regierungsvertreter sagten, dass sie das Projekt für wichtig halten, ist bislang nichts passiert. Erstmals angekündigt war die Stiftung auf Seite 106 des Koalitionsvertrages worden. Der Vertrag wurde am 26. Oktober 2009 geschlossen.

Mitte 2010, also ein Dreivierteljahr später, legte die FDP ein erstes Eckpunktepapier vor. Im Februar 2011 präsentierte Peter Schaar ein eigenes Diskussionspapier . Weitere zwei Monate später betonte ein Sprecher von Leutheusser-Schnarrenberger , die Ministerin werde sich "persönlich weiter stark dafür einsetzen, dass die von ihr vorangetriebene Stiftung zügig auf den Weg gebracht wird". Die Ministerin werde das Thema Anfang Mai 2011 mit ihrem Kollegen im Innenressort, Hans-Peter Friedrich (CSU), besprechen.

Auf eine kleine Anfrage der SPD-Bundestagsfraktion im Juli dieses Jahres antwortete die Regierung dann, die geplante Stiftung Datenschutz solle "auch im Hinblick auf die bewilligten Haushaltsmittel schnellstmöglich gegründet werden“. "Konkrete Festlegungen im Hinblick auf die Rechtsform der Stiftung, ihre Aufgabenerfüllung sowie die Sicherstellung einer langfristigen Finanzierung" seien jedoch "noch nicht erfolgt". Kurz gesagt: Geklärt ist praktisch noch gar nichts.

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Kommentare

10 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Naja, naklar ...

Als erstes müsste die CDU die Ergebnisse ihrer eigenen Politik prüfen lassen. Darum will man selber den Vorsitz übernehmen.

Mit einem Fatenschutzrat lässt sich kein Geld machen. Darum lässt sich die CDU mit dem auch Zeit.

Wie bürgerfeindlich kann man eigentlich eine Politik noch gestalten. Für die CDU sind die Wähler scheinbar nur ein Verbund aus terrorverdächtigen Datenquellen die es zu sammeln und überwachen gilt.

Bitte? Innenministerium u. Datenschutz

"Das Innenministerium behalte sich vor, sowohl den Vorstand als auch den Verwaltungsrat der Stiftung alleine zu benennen"

Also wenn das Innenministerium alle Zügel in der Hand halten will, ist das ganze mehr als zweifelhaft. Eine solche Stiftung sollte unabhängig von Innen u. Justitzministerium sein (wie etwa der CCC). Denn beide Ministerien haben doch längst bewiesen, daß sie kein interesse an echten Datenschutz haben.

Fazit überflüssig!

@ trashmaster2011

Ich kann ihren Beitrag nicht recht verstehen...

Was erwarten sie denn?

Dass eine merkelsche Regierung etwas unternimmt, das ihren eigenen Interessen zuwieder läuft? Dass sie gar etwas tut, das den Bürgern nützen könnte?

Die Bürger haben diese Regierung gwählt, die Mehrheit wird also schon damit einverstanden sein, was die tun.
Wenn sie Beschwerden haben, dann wenden sie sich an die Wähler.....

Mit dieser Vorgehensweise wird die Akzeptanz verspielt!

Mal abgesehen von der eigentlichen Perspektive dem Schutz der Persönlichkeitsrechte eines Jeden, mit dieser Vorgehensweise wird auch jegliche Akzeptanz in der Wirtschaft für diese Stiftung verspielt.

Es zeigt ein weiteres Mal auf wie CDU/CSU aber auch FDP beweisen, dass Wirtschaftspolitik schon lange nicht mehr Ihre Kernkompetenz ist.

Das veraltetete BDSG und dessen Unlesbar- und Umsetzbarkeit in aktuelle Prozesse der Firmen, sowie das Gezehre um einen zeitgemäßen Beschäftigtendatenschutz, der logischerweise aber auch eingebettet in ein Gesamt-Gesetzeskonstrukt ist, wo Compliancevorgaben für Firmen eine wesentliche Rolle spielen, zeigt auf, dass die Politik mittlerweile wirklich nicht mehr versteht was in diesem Land von Nöten ist.

Gerade KMU's benötigen Unterstützung und klare Vorgaben bei der Umsetzung immer weiterer Vorgaben in immer komplexeren Prozesslandschaften. Die Stiftung soll hier mit Ausarbeitungen für praktikable Standards aber auch mittels Audits einen wesentlichen Beitrag leisten. Nur so wird Akzeptanz in den Firmen gefördert und Datenschutz auch wieder gelebt.

In diesem Sinne wünsche ich mir, dass die Politik endlich aufwacht und Ihre Hausaufgaben macht! Verzögerungen sind jedenfalls das Gegenteil.

Thomas Gutte