Handy-DatenCarrier IQ weist Schnüffel-Vorwurf zurück

Die Software Carrier IQ sammelt Daten in 140 Millionen Smartphones in den USA. Die Politik ist aufgeschreckt. Der Hersteller versucht zu beschwichtigen. von 

Der Verdacht, dass auf mehr als 140 Millionen Handys verschiedener Hersteller in den USA zahlreiche Nutzerdaten aufgezeichnet und ausgewertet werden, beunruhigt die Politik. Der demokratische US-Senator Al Franken hat den Telekom-Dienstleister Carrier IQ sowie Netzbetreiber und Handyhersteller aufgefordert, bis Mitte Dezember ausführliche Informationen vorzulegen. Unter anderem will der Vorsitzende des Unterausschusses für Datenschutz und Technologie wissen, ob wirklich gewählte Telefonnummern und SMS-Inhalte aufgezeichnet werden, wie es eine Analyse des Software-Spezialisten Trevor Eckhart nahelegt.

Eckhart hatte ein Video veröffentlicht, in dem zu sehen ist, wie die Software von Carrier IQ auf seinem HTC-Handy Suchanfragen und gewählte Telefonnummern schon beim Eintippen aufzeichnet. Nicht zu sehen ist aber, ob diese Daten an die Firma Carrier IQ, die Mobilfunkanbieter oder die Hersteller gesendet werden.

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Carrier IQ legt großen Wert darauf, dass private Informationen nicht aufgezeichnet oder weitergeleitet werden. Das sagte Carrier-IQ-Manager Andrew Coward dem US-Blog All Things D in einer Reaktion auf Eckharts Video. "Wir lesen keine SMS. Wir sehen nur, dass sie ankommen. Wir sehen die Telefonnummer des Absenders. Aber wir speichern, analysieren oder verarbeiten den Inhalt der SMS nicht." Das gelte ebenso für URLs von Websites, die über das Smartphone aufgerufen werden. Die Software erkenne, wenn der Nutzer Probleme habe, Facebook aufzurufen. Aber die Inhalte auf Facebook erkenne Carrier IQ nicht.

Die Software verfolge Tastatureingaben mit – aber nur, um in bestimmten, von den Netzbetreibern vorgegebenen Fällen einzugreifen, etwa wenn Nutzer im Telefonat mit einer Kunden-Hotline gebeten werden, einen Code einzutippen. Carrier IQ agiere ausschließlich im Auftrag der Netzbetreiber, so die Firma. Die bestimmten, welche Daten gesammelt und wie lange sie gespeichert würden, sagte der Chef von Carrier IQ, Larry Lenhart, dem Blog. Die Netzbetreiber würden das auf Basis ihrer Datenschutzbestimmungen und Nutzervereinbarungen entscheiden. "Wir sammeln ausschließlich die verlangten Daten und geben sie an die Netzbetreiber weiter", betonte er. Niemals würden die Daten an Dritte weitergegeben.

Inzwischen ist klarer, bei wem die Software zum Einsatz kommt. So räumten AT&T und Sprint ein, dass sie auf Dienste von Carrier IQ zurückgreifen. Der größte amerikanische Mobilfunkbetreiber Verizon Wireless hingegen ist keine Kunde.

Außerhalb der USA wird Carrier IQ nach derzeitigem Stand der Informationen nicht eingesetzt. Handy-Hersteller HTC teilt mit, dass seine Geräte in der EMEA-Region, also in West- und Osteuropa, dem Nahen Osten und Afrika, "nicht mit Carrier IQ ausgeliefert werden". Das Unternehmen betont, HTC sei kein Kunde oder Partner von Carrier IQ und erhalte "Daten weder von der Anwendung und Firma noch von irgendwelchen Mobilfunkanbietern, die mit Carrier IQ zusammenarbeiten". Wer wissen wolle, ob und wie die Software Daten sammelt, möge die Mobilfunkanbieter fragen.

Leserkommentare
  1. Natürlich! Carrier IQ hat keine Personenbezogenen Daten ausgelesen und weitergeleitet. Ähnliche Wahrheiten sind vom Schlage:

    - Bankenrettungen sind systemkritisch und alternativlos.
    -Guttenberg hat nicht abgeschrieben.
    - Die Renten sind sicher.

    Privatsphäre. Nun sogar ein unfreiwillig seltenes Gut, wenn man sich gänzlich Datenkraken wie Social Networks und Großkonzernen verweigert.

    4 Leserempfehlungen
  2. Wenn ich König wär gäbs jetzt Köpfe.
    Aber bin ich ja nicht, deshalb gibts warscheinlich Bestrafungen die den US-Haushalt aufbessern und ein paar böse Blicke

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