Angriff auf Stratfor Hacker-Gruppe veröffentlicht Kundendaten von Sicherheitsfirma

Nach dem Angriff auf die US-Firma Stratfor haben Hacker große Mengen an Kundendaten veröffentlicht. Für die Silvesternacht wurden weitere Übergriffe angekündigt.

Die Guy-Fawkes-Maske ist ein gern verwendetes Symbol der Anonymous-Gruppierung

Die Guy-Fawkes-Maske ist ein gern verwendetes Symbol der Anonymous-Gruppierung

Nach ihrem Angriff auf die US-Sicherheitsberater Stratfor haben die verantwortlichen Hacker laut eigener Erklärung nun große Mengen der dort erbeuteten Kundendaten im Netz veröffentlicht. Die Aktivisten, die sich als Teil der lose organisierten Gruppe Anonymous bezeichnen, veröffentlichten Links zu einer Datei, die rund 75.000 Namen, E-Mail-Adressen, Kreditkartennummern und Passwörter von Stratfor-Kunden enthalten soll.

Zudem seien darin 860.000 Benutzernamen und E-Mail-Adressen von Personen aufgelistet, die sich auf der Stratfor-Seite registriert hatten. Ganze 50.000 dieser E-Mail-Adressen gehören laut den Hackern Vertretern des US-Militärs und Regierungsbeamten. Inzwischen wurden die Inhalte auf den verlinkten Seiten jedoch gelöscht.

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Weitere Attacken für Silvesternacht angekündigt

"Wir rufen alle verbündeten Schlachtschiffe, alle Armeen der Dunkelheit auf, diese Passwort-Listen und Kreditkarteninformationen zu nutzen und zu missbrauchen", teilten die Hacker in ihrer Meldung mit. Ziel sei "unheiliges Chaos über die Systeme und persönlichen E-Mail-Konten dieser reichen und mächtigen Unterdrücker zu bringen". 

Ohne Gesicht

Der Name ist Programm – die Gruppe Anonymous agiert als Bewegung ohne sichtbare Hierarchie und Gesichter. Anhänger ihrer Aktionen (Anons) verkleiden sich gern mit einer Maske von Guy Fawkes. Der hatte 1605 ein Attentat auf den englischen König versucht. Das wiederum inspirierte die Autoren der Comicserie V – wie Vendetta in den achtziger Jahren, ihren Protagonisten hinter einer Fawkes-Maske versteckt zu zeigen. Er protestierte mit seinen Aktionen gegen einen unterdrückenden und überwachenden Staat, was wiederum einige Anons als Symbol für den eigenen Kampf aufgriffen.

Ursprung der Bewegung und des Namens ist das Imageboard 4chan. Auf der Seite kann jeder unzensiert und unmoderiert Bilder und Botschaften hinterlassen und dabei auch seinen Namen angeben. Allerdings tut das kaum jemand, weswegen die meisten Texte mit dem Namen "Anonymous" gekennzeichnet sind.

Ohne Hierarchie

Anonymous existiert nicht als Organisation. Es ist viel mehr eine Idee, eine Bewegung, der sich jeder anschließen und derer sich jeder bedienen kann. Auch Koordination gibt es nicht direkt. Wichtigstes Instrument dieser Nicht-Koordination ist der Internet Relay Chat (IRC). In diesem kostenlosen Dienst kann jeder Diskussionskanäle eröffnen und sich in ihnen mit beliebig vielen anderen Nachrichten schreiben.

In wechselnden Kanälen werden dort mögliche Ziele debattiert und Angriffe auf Websites koordiniert. Seit 2010 gibt es auch eine Website, auf der Botschaften verbreitet und neue Aktionen angekündigt werden. Derzeit ist sie erreichbar unter anonops.blogspot.net. Außerdem werden Informationen via Twitter und Facebook verbreitet.

Doch muss niemand in solchen Foren und Kanälen auftauchen, um ein Anon zu sein. Im Zweifel genügt es, Anonymous öffentlich zu unterstützen, wie es der amerikanische Bürgerrechtler John Perry Barlow tut, oder sich an den Attacken auf Server zu beteiligen. Die Software dazu, Low Orbit Ion Cannon genannt, gibt es kostenlos im Netz.

Ohne Führer

Es gibt keinen Chef, Leiter, Anführer oder ähnliches. Im Gegenteil: Jeder, der sich als solcher in Medien oder Internet präsentiert, kann davon ausgehen, in kürzester Zeit von den Anhängern von Anonymous beschimpft zu werden oder selbst Ziel von Angriffen zu sein. Das Selbstverständnis ist das eines Ameisenstaates. Damit ist Anonymous eine Umsetzung der Idee des Hive Minds, der Schwarmintelligenz. In der Masse, so die Idee, lässt sich enorme Wirkung entfalten, also sollte auch nur die Masse das Ergebnis für sich beanspruchen.

Trotzdem existiert so etwas wie eine Operationsebene innerhalb der Gruppe. Zumindest existieren einige Personen, die im IRC als Operator agieren, also auf die Einhaltung gewisser Regeln in den Chats achten und Verstöße dagegen ahnden. Sie haben aber nicht unbedingt etwas mit der Planung von Aktionen zu tun.

Gleichzeitig legt Anonymous Wert darauf, Verantwortung für die Aktionen zu übernehmen, die durch das Netzwerk koordiniert wurden. Daher werden üblicherweise Bekennerschreiben verfasst. Jedoch hat die Bewegung keinen Einfluss auf "Einzeltäter", die ihren Namen benutzen und will den auch nicht haben.

Ohne Ziel

Anonymous versteht sich als Bewegung, die für Netzfreiheit und gegen Zensur kämpft. Darüber hinaus aber gibt es keine klar formulierten Ziele. Aktionen können sich gegen Sekten ebenso richten (die älteste bekannte ist eine gegen Scientology) wie gegen rechtsradikale Foren, Kreditkartenkonzerne oder Manager von Unterhaltungskonzernen.

Auch ist es im Kern eigentlich keine politische Bewegung. Ursprünglich ging es um Streiche – im Namen unliebsamer Personen beispielsweise Unmengen Pizza zu bestellen. Der Spaß stand im Vordergrund, oder im Jargon des Netzes: the lulz. Gemeint sind Lacher, vor allem im Sinne von Schadenfreude.

Erst nach und nach ist daraus in den vergangenen Jahren so etwas wie eine Graswurzelbewegung erwachsen, bei der der Spaß aber immer noch im Vordergrund steht. Wie ZEIT-ONLINE-Leser BadLuckin einem Kommentar schrieb: "I came for the Lulz, but now i fight for Freedom of speech and for the free interweb." ("Ich kam wegen des Spaßes, nun kämpfe ich für Redefreiheit und ein freies Netz.")

Für die Teilnehmer allerdings können die Aktionen im Zweifel durchaus riskant sein, da einige Länder wie die USA, Großbritannien und die Niederlande begonnen haben, Attacken von Anonymous strafrechtlich zu verfolgen.

Die Hacker kündigten für die Silvesternacht erneute Angriffe an. "Von Küste zu Küste" werde man eine Reihe amerikanischer Sicherheits- und Justizbehörden ins Visier nehmen. Es werde "Proteste des Lärms" vor Gefängnissen überall auf der Welt geben, "um Solidarität mit all jenen zu zeigen, die eingesperrt sind".

Das Sicherheitsunternehmen Stratfor entschuldigte sich unter anderem auf seiner Facebook-Seite für den Diebstahl. "Wir möchten unseren Kunden und Freunden versichern, dass es sich dabei nicht um eine neue Cyberattacke handelt, sondern um Informationen, die bei einem früheren Eindringen in das System gestohlen worden waren", hieß es.

 
Leser-Kommentare
  1. Soll es nun die Öffentlichkeit gut heißen, dass Anonymous zum missbrauch von Kreditkarten von Leuten wie mitglieder des CCC und vom Spiegel aufruft?

  2. hat bereits dementiert daran beteiligt zu sein! So eine Gruppe zieht halt auch kriminelles Gesindel an! Eine Unterwanderung durch Geheimdienst ist ebenfalls nicht auszuschliessen! Sogar sehr wahrscheinlich!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Verstehe ich nicht. Wie von vielen Symphathisanten behauptet wird, ist doch jeder und niemand Anonymous. Also kann ich in irgendeinem IRC-Chat problemlos behaupten Anonymous hat dies oder das getan / nicht getan. Da hat sich also irgendjemand unter dem Namen der "Masse" von der ganzen Sache distanziert. Ob der- / diejenige weiß, wer was getan hat ist völlig fraglich.

    Das ist halt die Kehrseite von "We are legion" und so: keinerlei Übersicht. Aber zugegeben: Die Presse nimmmt solche Dementis / Bekennersschreiben ja auch ernst und tappt in die selbe Falle. Schon hart, wenn man bedenkt, dass solche Schreiben wirklich jeder erstellen kann (auch die Presse). In diesem Sinne:

    Wir warens nicht,
    Anonymous ;-)

    Verstehe ich nicht. Wie von vielen Symphathisanten behauptet wird, ist doch jeder und niemand Anonymous. Also kann ich in irgendeinem IRC-Chat problemlos behaupten Anonymous hat dies oder das getan / nicht getan. Da hat sich also irgendjemand unter dem Namen der "Masse" von der ganzen Sache distanziert. Ob der- / diejenige weiß, wer was getan hat ist völlig fraglich.

    Das ist halt die Kehrseite von "We are legion" und so: keinerlei Übersicht. Aber zugegeben: Die Presse nimmmt solche Dementis / Bekennersschreiben ja auch ernst und tappt in die selbe Falle. Schon hart, wenn man bedenkt, dass solche Schreiben wirklich jeder erstellen kann (auch die Presse). In diesem Sinne:

    Wir warens nicht,
    Anonymous ;-)

  3. Entfernt. Bemühen Sie sich um einen sachlichen Kommentarstil. Die Redaktion/mak

  4. Der Aufruf ist doof und passt nicht zu den angeblichen Anonymous Zielen.

    Interessant ist aber schon, wer sich alles so bei Stratfor informiert -- vielleicht sollten die Zeitungen diese Daten zumindest anonymisiert analysieren und sich auf fragen was dies bedeutet -- besonders auch für die Medien ... Was sind Medien eigentlich noch mehr als durchgereichte DPA Informationen und Kommentare verwoben mit Startfor Analysen? Gibt es eigentlich noch eigene Korrespondenten oder nur noch selbst verliebte Journalisten die meinen sie hätten den Durchblick nur weil es das Internet gibt?

    Eine Leser-Empfehlung
    • lispm
    • 01.01.2012 um 19:02 Uhr

    Stratfor ist eine Art privater Nachrichtendienst mit Verbindungen zum US-Militär. Typischerweise wird dort neo-konservative Propaganda veröffentlicht.

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das Gerücht hält sich hartnäckig, selbst in den "Qualitäts"medien. Schreibt halt Jeder vom Anderen ab.

    Das Gerücht hält sich hartnäckig, selbst in den "Qualitäts"medien. Schreibt halt Jeder vom Anderen ab.

  5. 6. .....

    Das Gerücht hält sich hartnäckig, selbst in den "Qualitäts"medien. Schreibt halt Jeder vom Anderen ab.

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    • eklipz
    • 02.01.2012 um 18:05 Uhr

    ist dann die Wahrheit?

    • eklipz
    • 02.01.2012 um 18:05 Uhr

    ist dann die Wahrheit?

    • eklipz
    • 02.01.2012 um 18:05 Uhr

    ist dann die Wahrheit?

    Antwort auf "....."
  6. Verstehe ich nicht. Wie von vielen Symphathisanten behauptet wird, ist doch jeder und niemand Anonymous. Also kann ich in irgendeinem IRC-Chat problemlos behaupten Anonymous hat dies oder das getan / nicht getan. Da hat sich also irgendjemand unter dem Namen der "Masse" von der ganzen Sache distanziert. Ob der- / diejenige weiß, wer was getan hat ist völlig fraglich.

    Das ist halt die Kehrseite von "We are legion" und so: keinerlei Übersicht. Aber zugegeben: Die Presse nimmmt solche Dementis / Bekennersschreiben ja auch ernst und tappt in die selbe Falle. Schon hart, wenn man bedenkt, dass solche Schreiben wirklich jeder erstellen kann (auch die Presse). In diesem Sinne:

    Wir warens nicht,
    Anonymous ;-)

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Anonymous"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters
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  • Schlagworte Hacker | Datensicherheit | US-Militär | Diebstahl
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