NutzerdatenIrischer Datenschützer entlastet Facebook

Facebook verstößt nicht gegen irisches und europäisches Datenschutzrecht. Das hat die monatelange Betriebsprüfung in Irland ergeben. Änderungen wird es dennoch geben. von 

Fast drei Monate lang hat die irische Datenschutzbehörde DPC analysiert, ob Facebook irisches und europäisches Datenschutzrecht verletzt oder nicht. Nun hat sie einen ersten Bericht über die Betriebsprüfung und die Gespräche mit Facebook vorgelegt. Die Kernaussage: Das Unternehmen hält sich an irische und europäische Richtlinien. Facebook verspricht dennoch zahlreiche Änderungen, um Nutzer besser zu informieren, was mit ihren Daten geschieht. Weitere Änderungen will das Unternehmen zumindest überdenken.

149 Seiten umfasst der vollständige Bericht der DPC, 77 weitere Seiten die technische Analyse einzelner Facebook-Funktionen. Diese Berichte sind deshalb so wichtig, weil Facebook seinen europäischen Hauptsitz in Dublin hat und sich auf irisches und europäisches Datenschutzrecht beruft.

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Gary Davis, der die Untersuchung leitete, lobt zunächst die Bereitschaft von Facebook, Änderungen vorzunehmen, um die europäischen Datenschutzrichtlinien nicht nur zu erfüllen, sondern sogar "Musterlösungen" ( best practice ) zu bieten. Der wichtigste Satz in dem 149-Seiten-Papier aber steht auf Seite vier: "Die Empfehlungen in diesem Bericht implizieren nicht, dass das derzeitige Vorgehen von Facebook Irland nicht dem irischen Datenschutzrecht entspricht.

Grundsätzlich wollte die Behörde untersuchen,

- ob Facebook Nutzerdaten "fair" sammelt,
- ob die Nutzer verständliche Informationen darüber bekommen, wie ihre Daten verarbeitet werden,
- ob Facebook unverhältnismäßig viele Daten sammelt
- ob die Daten sicher vorgehalten und auch wirklich gelöscht werden, wenn sie nicht mehr gebraucht werden
- ob Facebook seinen Nutzern – mit wenigen Ausnahmen – einen Zugang zu allen persönlichen Daten gewährt.

Weiterhin überprüfte die Behörde, ob sich durch die Gesichtserkennung und das Markieren anderer Nutzer, durch den "Gefällt-mir"-Button und Apps von Drittanbietern weitere datenschutzrechtliche Probleme ergeben.

Einige dieser Punkte standen auf der Liste von Davis, weil die Initiative "Europe versus Facebook", gegründet vom Wiener Jurastudenten Max Schrems, insgesamt 22 Beschwerden bei der Behörde eingereicht hat. Schrems hatte unter anderem beklagt, dass er nach einem Antrag auf Herausgabe seiner persönlichen Daten längst nicht alles bekommen habe , was Facebook über ihn gespeichert hat.

Doch die Datenschutzbehörde kommt zu einem anderen Schluss als Schrems. Er und seine Mitstreiter bei "Europe versus Facebook" zeigen sich in einer ersten Reaktion zwar überglücklich, doch streng genommen, kommt ihnen Facebook nur ein wenig entgegen. Die DPC gibt sich zum Beispiel damit zufrieden, dass Facebook daran arbeiten will, auf Anfrage der Nutzer mehr Daten herauszugeben als bisher. Zu wenig Daten aber waren es nach Ansicht der DPC offenbar nicht.

Solche Aussagen ziehen sich durch den gesamten Bericht, die DPC zeigt sich sehr liberal. So will sie Facebook nicht darüber belehren, ob Opt-in -Funktionen in den Privatsphäre-Einstellungen besser wären als die bisherige Praxis, zunächst einmal fast alles zu aktivieren, also bestenfalls ein Opt-out anzubieten. Facebook möge das einfach "überdenken".

Leserkommentare
    • annocom
    • 21. Dezember 2011 18:06 Uhr

    Die Daten die beweisen, daß der irische Datenschützer für diese gefällige Beurteilung, nach Beendigung seiner Politkarriere einen sicheren, hochdotierten Job als Datenschutzbeauftragter bei Facebook bekommen wird, sind sicherlich umfassend geschützt! So viel ist sicher.

  1. Entfernt. Bitte kommentieren Sie sachlich zum Thema. Danke, die Redaktion/sc

  2. oder braucht man dazu unbedingt ein AppleMacBookPro© ?

    • evidee
    • 21. Dezember 2011 21:23 Uhr

    Datenschutz hin oder her. Die Frage, die sich die Nutzer stellen sollten, ist die, ob und welchem Umfang sie unreflektiert ihre private Daten einem kommerziellen Netzwerk kostenlos zur Verfügung stellen. Nichts ist umsonst. Der Nutzer ist längst zum Objekt der Wirtschaftsinteressen geworden. Ich kenne Menschen, die haben bei Facebook 150 "Freunde", wissen aber nicht, wen Sie anrufen sollen, wenn es ihnen schlecht geht. Und im Leben geht es nicht darum, ob etwas "gefällt" oder nicht. Damit läßt sich weder sozialer Kontakt aufbauen noch erhalten. Das wäre das Ergebnis jahrzehntelange menschlicher Kommunikation, die hier ausgenutzt wird. Die Frage, wie die Daten gesammelt und aufbereitet werden, finde ich hier nicht beantwortet.

  3. Man bekommt momentan nicht den vollen Bericht auf der Webseite, da ist wohl was beim Verlinken schief gegangen.

    http://dataprotection.ie/...

    Facebookauditreport1.pdf = Facebookappendices1.pdf

    Das Symbolfoto bestärkt nur die Vorurteile über die Zeit Online Redaktion ...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Was passiert denn, wenn Sie versuchen, die Links im Text auf den 149-seitigen Hauptbericht und die technische Analyse zu öffnen? Bekommen Sie eine Fehlermeldung? Wenn ja, welche?

    Ich kann einen Fehler nämlich gerade nicht erkennen, bei mir funktioniert die Verlinkung.

  4. Redaktion

    Was passiert denn, wenn Sie versuchen, die Links im Text auf den 149-seitigen Hauptbericht und die technische Analyse zu öffnen? Bekommen Sie eine Fehlermeldung? Wenn ja, welche?

    Ich kann einen Fehler nämlich gerade nicht erkennen, bei mir funktioniert die Verlinkung.

    Antwort auf "Das ueben wir noch mal"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Man muss meinen Kommentar etwas genauer lesen. Es geht nicht um zeit.de es geht um die Webseite http://dataprotection.ie/

    Dort liegt Ursprung des auf zeit.de angebotenen Dokuments. Das besteht aber aus zwei Teilen.

    Der Appendix-Teil entspricht aber auf der Qullenseiten inhaltlich der ersten Datei -- erwartet habe ich den Appendix.

    32788dd2f48da1595ad9728acc3ca6f3 Facebookappendices1.pdf
    32788dd2f48da1595ad9728acc3ca6f3 Facebookauditreport1.pdf

    Falls es so nicht klarer wird kann ich jetzt nicht weiter helfen, evtl. wird es ja bald gefixed.

  5. Der Link im Artikel zu dem Bericht funktioniert bei mir einwandfrei.

  6. wie hoffentlich viele (oder leider nur einige?) überraschen mich diese nachrichten sehr.
    ein konkreter punkt: wie kann es sein, dass ich als nicht-facebook-nutzer auf fotos in facebook getagt werden kann. alle facebooknutzer können dann die fotos von mir betrachten, über die ich keinerlei kontrolle habe. da ich ja nicht bei facebook bin, kann ich ja auch kein tag entfernen.
    ich bin 26 und habe dementsprechend ständig mit leuten zu tun, die facebook regelmäßig nutzen, fotos reinstellen und dann auch taggen.
    mir ist das schon einbischen unangenehm dann personen darauf hinzuweisen, dass sie mein konterfei bitte nicht taggen sollen. das sind dann natürlich menschen, die mir nicht so nahe stehen (die anderen wüssten es wohl, bzw. machen so was eh nicht). dadurch komm ich dann spießig rüber. mitlerweile entzieh ich mich einfach dieser blöden fotoknipserei!

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