NutzerdatenschutzUS-Kongress verlangt Antworten von Facebook

Das Repräsentantenhaus der USA zeigt sich beeindruckt von den europäischen Datenschutz-Diskussionen rund um Facebook. Mark Zuckerberg muss nun einige Fragen beantworten.

Der Streit zwischen Facebook und europäischen Datenschützern hat nun auch den US-Kongress aufgeschreckt. Ein Unterausschuss des Energie- und Handelsausschusses im Repräsentantenhaus verlangt von Facebook-Chef Mark Zuckerberg genaue Erklärungen über die Datenschutzpolitik seines Unternehmens.

Der Ausschussvorsitzende Cliff Stearns hat Zuckerberg einen Brief mit mehreren Fragen zukommen lassen. Bis zum 3. Januar hat der 27-Jährige nun Zeit, dem Unterausschuss genau zu erklären, wie Facebook mit den Daten seiner Nutzer umgeht.

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Stearns möchte unter anderem wissen, ob Facebook Nutzer und Nichtnutzer beim Browsen im Internet verfolgt und ob die dabei gesammelten Daten ausreichen, um einen Menschen zu identifizieren. Er möchte wissen, ob es dafür eine Opt-out-Option gibt und wenn nicht, warum. Weitere Fragen: Wie archiviert Facebook diese Daten, insbesondere solche, die auf Nutzerwunsch gelöscht wurden? Wie viele Mitglieder lesen sich die Datenschutzbestimmungen von Facebook wirklich durch, seit diese länger ist als die Verfassung der Vereinigten Staaten?

Und: Mit Einführung der Timeline, die in Deutschland Chronik heißt, sollen Nutzer fünf Tage Zeit haben, um einzelne Aspekte in ihrem Profil zu verstecken. Stearns fragt: Warum ausgerechnet fünf Tage – und wie sollen Nutzer in dieser Zeit den nötigen Überblick über ihre Daten gewinnen können?

Privatsphäre

Die 2004 gestartete Seite Facebook will nach Aussage ihre Gründers Mark Zuckerberg die Welt offener und vernetzter machen. Das gelingt ihr offensichtlich viel zu gut, gab es doch bereits häufig Proteste, Facebook nötige seine Nutzer zu mehr Offenheit, als diese sich wünschten. So sammelt die Seite E-Mail-Adressen und Telefonnummern auch von Nichtmitgliedern, wenn Mitglieder ihr Adressbuch bei Facebook speichern. Sie nutzt diese Informationen, um Nichtmitglieder zu kontaktieren. Facebook betont, dass dabei keine "Schattenprofile" von Nichtmitgliedern erstellt werden. Der Konzern hat auf den Widerstand seiner Nutzer reagiert und zumindest die möglichen Einstellungen, welche Profilinformationen für wen sichtbar sein sollen, überarbeitet. Auch "Gruppen" wurden eingeführt. Nutzer können ihre Kontakte in solchen organisieren, damit nicht jede Information an alle geht.

Vernetzung

Aufgrund der Struktur der Seite ist es jedoch möglich, Schlüsse über jemanden zu ziehen, die er so nicht beabsichtigt hatte. Allein die als Freunde bezeichneten Mitglieder können durch ihre Interessen beispielsweise nahe legen, dass jemand homosexuell ist, auch wenn er selbst das nicht in seinem Profil angibt. Der hohe Vernetzungsgrad und die vielen verfügbaren Informationen machen es möglich, statistische Wahrscheinlichkeiten zu berechnen und so neue Schlüsse zu ziehen. Kritiker sagen, das Netzwerk könne beispielsweise für Dissidenten lebensgefährlich sein, da es Gruppenstrukturen durchschaubar mache.

Profil

Wer Facebook nutzen, aber so wenig wie möglich über sich verraten will, sollte beispielsweise keinen Gruppen beitreten und keine persönlichen Interessen wie Musik angeben. Was genau das eigene Profil nach außen sichtbar macht, lässt sich unter anderem bei dieser Seite abfragen. Sie nutzt die offizielle API von Facebook, die Schnittstelle also, durch die externe Firmen Informationen über Mitglieder beziehen dürfen. Wer sich darüber hinaus davor schützen will, dass ihm mit einem gestohlenen Passwort sein halbes Leben abhanden kommt, kann inzwischen beim Login in seinen Account temporäre Passwörter nutzen.

Ausdrücklich wird in dem Brief auf zwei Vorfälle in Österreich und Deutschland Bezug genommen. Zum einen geht es dabei um den österreichischen Jura-Studenten Max Schrems, der von dem Unternehmen eine CD mit allen Daten eingefordert hatte, die das Unternehmen in drei Jahren über ihn gespeichert hat. Nach Schrems Angaben tauchten in den 1.200 DIN-A-4-Seiten, die er als PDF-Dokument bekam, selbst solche Nachrichten auf, die er längst gelöscht hatte.

Die Frage nach der Verfolgung von Nutzern durch das Internet bezieht sich auf die Diskussion um den Gefällt-mir-Button, die vom schleswig-holsteinischen Datenschutzbeauftragten Thilo Weichert losgetreten wurde. Weichert und sein Kollege Johannes Casper, der Datenschutzbeauftragte von Hamburg, identifizierten den Gefällt-mir-Button als Werkzeug, mit dem das Surfverhalten von Nutzern wie Nichtnutzern gleichermaßen verfolgt und protokolliert werden könne. Facebook zufolge dient die Datenerhebung in erster Linie der Sicherheit. So soll beispielsweise der Missbrauch von Nutzerkonten verhindert werden. Dass man Tracking-Profile seiner Nutzer und Nicht-Nutzer anlege, bestreitet Facebook stets.

 

Leserkommentare
  1. der Herr Zuckerberg nun Rede und Antwort stehen muss. Da kommen bestimmt sehr interessante Fakten bei raus, falls er nicht lügt.
    Jedoch hört sich das für mich eher so an, als wenn die US-Regierung nur selber vom "Meister der Datensammlung" lernen möchte. Könnte sich ja als vorteilhaft herausstellen, persönliche Daten von den eigenen Bürgern zu haben.

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  2. Darf man hier spekulieren, könnte Zuckerberg mit der CIA eine Symbiose eingegangen sein?
    Soviel Daten verschaffen doch tiefe Einblicke in die Persönlichkeitsbereiche eines jeden Einzelnen.
    Nehme mal an, dass andere Geheimdienste Facebook sie schon längst unterwandert haben.

    Anm.: Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

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    Bernd Witthaut, der verschwörungstheoretischer Umtriebe völlig unverdächtige Vorsitzende der Polizeigewerkschaft GdP:

    "...Facebook ein nachrichtendienstliches Instrument..." powert by CIA

    http://www.youtube.com/wa...

    Aber hey, der CIA foltert und mordet zwar weltweit, aber die würden natürlich NIEMALS NIE Datenschutz-Gesetze brechen oder mithilfe von Privatfirmen die Bevölkerung bespitzeln...
    Die USA sind ja schließlich ein demokratischer Rechtsstaat!

    Ach liebe Redaktion man muss sich ja jedes mal fragen darf man das hier Schreiben. Das Korsett ist gar zu eng!

    Gegenfrage: Ist es vorstellbar, dass ein Unternehmen mit solch einem Datenumsatz überhaupt gegen die Geheimdienste (weiter-)bestehen kann? Die Gesetzgebung in den USA ermöglicht eine komplette Überwachung. Die Geheimabkommen der EU mit den USA zeigen doch, wie Datenhungrig die US-Dienste sind. Die Diskussion über Datenschutz in Europa wirkt angesichts dieser Abkommen lächerlich. Auch nicht zu vergessen der neue EU-Beauftrage für „Internetfreiheit“ mit Rückendeckung aus den USA. Auch die "Aussprache" des Unterausschusses des mächtigen Energie- und Handelsausschusses mit M. Zuckerberg wirkt konstruiert. Was wird wohl dabei herauskommen, wird sich Zuckerberg selbst bezichtigen, nein, sicher nicht. Es wird aber dem Bürger gezeigt, dass er beruhigt auf Facebook seine gesamten Daten veröffentlichen kann, schliesslich hat es die "Regierung" als unbedenklich deklariert.

    Bernd Witthaut, der verschwörungstheoretischer Umtriebe völlig unverdächtige Vorsitzende der Polizeigewerkschaft GdP:

    "...Facebook ein nachrichtendienstliches Instrument..." powert by CIA

    http://www.youtube.com/wa...

    Aber hey, der CIA foltert und mordet zwar weltweit, aber die würden natürlich NIEMALS NIE Datenschutz-Gesetze brechen oder mithilfe von Privatfirmen die Bevölkerung bespitzeln...
    Die USA sind ja schließlich ein demokratischer Rechtsstaat!

    Ach liebe Redaktion man muss sich ja jedes mal fragen darf man das hier Schreiben. Das Korsett ist gar zu eng!

    Gegenfrage: Ist es vorstellbar, dass ein Unternehmen mit solch einem Datenumsatz überhaupt gegen die Geheimdienste (weiter-)bestehen kann? Die Gesetzgebung in den USA ermöglicht eine komplette Überwachung. Die Geheimabkommen der EU mit den USA zeigen doch, wie Datenhungrig die US-Dienste sind. Die Diskussion über Datenschutz in Europa wirkt angesichts dieser Abkommen lächerlich. Auch nicht zu vergessen der neue EU-Beauftrage für „Internetfreiheit“ mit Rückendeckung aus den USA. Auch die "Aussprache" des Unterausschusses des mächtigen Energie- und Handelsausschusses mit M. Zuckerberg wirkt konstruiert. Was wird wohl dabei herauskommen, wird sich Zuckerberg selbst bezichtigen, nein, sicher nicht. Es wird aber dem Bürger gezeigt, dass er beruhigt auf Facebook seine gesamten Daten veröffentlichen kann, schliesslich hat es die "Regierung" als unbedenklich deklariert.

    • jon777
    • 13.12.2011 um 12:17 Uhr

    freiwillige Superstasi. Der Pinky und der Brain, Brain, Brain...

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  3. Bernd Witthaut, der verschwörungstheoretischer Umtriebe völlig unverdächtige Vorsitzende der Polizeigewerkschaft GdP:

    "...Facebook ein nachrichtendienstliches Instrument..." powert by CIA

    http://www.youtube.com/wa...

    Aber hey, der CIA foltert und mordet zwar weltweit, aber die würden natürlich NIEMALS NIE Datenschutz-Gesetze brechen oder mithilfe von Privatfirmen die Bevölkerung bespitzeln...
    Die USA sind ja schließlich ein demokratischer Rechtsstaat!

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  4. Ach liebe Redaktion man muss sich ja jedes mal fragen darf man das hier Schreiben. Das Korsett ist gar zu eng!

  5. Gegenfrage: Ist es vorstellbar, dass ein Unternehmen mit solch einem Datenumsatz überhaupt gegen die Geheimdienste (weiter-)bestehen kann? Die Gesetzgebung in den USA ermöglicht eine komplette Überwachung. Die Geheimabkommen der EU mit den USA zeigen doch, wie Datenhungrig die US-Dienste sind. Die Diskussion über Datenschutz in Europa wirkt angesichts dieser Abkommen lächerlich. Auch nicht zu vergessen der neue EU-Beauftrage für „Internetfreiheit“ mit Rückendeckung aus den USA. Auch die "Aussprache" des Unterausschusses des mächtigen Energie- und Handelsausschusses mit M. Zuckerberg wirkt konstruiert. Was wird wohl dabei herauskommen, wird sich Zuckerberg selbst bezichtigen, nein, sicher nicht. Es wird aber dem Bürger gezeigt, dass er beruhigt auf Facebook seine gesamten Daten veröffentlichen kann, schliesslich hat es die "Regierung" als unbedenklich deklariert.

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  6. ..als jemand der seine ersten, fast 3 Lebensjahre in einem ehem. kommunistischen Land zubrachte und dann mit 22 Jahren aus Südamerika 13 Postkarten nach Deutschland schickte, da wo ich seit 19 Jahren lebte und gemeldet war und sogar mit dem seltsamen Status der "deutschen Nationalität" sozusagen amtlich geboren wurde, also da fiel mir auf das nur 11 Postkarten ankamen und die beiden verschollenen an jemanden gingen der ebenfalls in einem kommunistischen Land geboren wurde, sehr ähnlich wie ich, und an jemanden der sogar Honecker Briefe schrieb, sich praktisch sehr deutlich, wenn auch nicht wirklich politisch engagierte, in solchen Angelegenheiten wie die Nennung von Mißständen, deutlicher wie Udo Lindenberg aber in ähnlicher Manier.
    Als ich dann mal im Fernsehen die tolle Maschine sah die blitzschnell Texte lesen kann während die Schriftstücke nur so durchrauschen, alles automatisiert versteht sich, da war mir schon klar nach welchen Kriterien Kommunikation erlaubt wird. Nun könnte man sagen, das war 1988 und Heute ist das anders, was auch stimmen mag, aber die Technik ist ja nicht gerade auf der Stelle getreten seit dem.
    Wer sehr wichtig sein will, der muß sich eben besonders schlimme Gegner ausdenken die er drangsalieren kann.
    Ein gewisser Gleichmut gegenüber den paranoiden Schwachköpfen dieser medialen Weltzeit täte jedem gut.
    Die sind systemunabhängig, fragen Sie einen Psychater Ihrer Wahl.

  7. Es wird Zeit dass sich die Politik mit dem Thema Datenschutz, Briefgeheimnis und Privatsphäre im Internet bechäftigt. Den sozialen Netzwerken müssen genaue Vorgaben gemacht werden, was diese dürfen und was nicht. Momentan scheidet die Nutzung eines sozialen Netzwerkes für alle Menschen aus, welche noch Wert auf ihre Grundrechte legen.

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