Identität Google+ führt nur bedingt Pseudonyme ein

Drei Monate nach der entsprechenden Ankündigung erlaubt Google endlich auch Pseudonyme in seinem sozialen Netzwerk – vorerst mit erheblichen Einschränkungen.

Google-Manager Bradley Horowitz hat eine veränderte Namenspolitik bei Google+ vorgestellt. Bisher hatte der Konzern auf einer "Gebrauchsnamenpflicht" im Netzwerk Google+ bestanden. Wer Michael Sebastian Müller heißt, sollte sich bei Google+ auch so nennen. Allenfalls Michi Müller oder Basti Müller wären noch erlaubte Abweichungen gewesen. Ab der kommenden Woche sind auch Spitznamen und – mit Einschränkungen – sogar Pseudonyme zulässig.

Horowitz betont, dass die Nachfrage nach Pseudonymen bisher nur sehr gering ist: "Tatsächlich haben nur 0,1 Prozent der Nutzer eine Namensänderung beantragt", schreibt Horowitz auf Google+. Diese Zahl lässt allerdings außer Acht, dass viele, die keinen Realnamen angeben wollen, Google+ bislang boykottieren oder mit einem Fantasienamen angemeldet sind, der einfach nur wie ein normaler Name aussieht.

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Laut Horowitz wollten 60 Prozent der Nutzer, die bei Google eine Namensänderung beantragten, einen Spitznamen in ihrem Google-Profil aufnehmen. 20 Prozent wollten einen Account im Namen ihrer Firma eröffnen. Die Wünsche dieser 80 Prozent erfüllt Google nun. Für Firmen hat das Netzwerk bereits im November eigene Profile eingeführt. Sie können allerdings nur von Personen angelegt werden, die mit Realnamen bei Google+ registriert sind. Wer seinen Spitznamen angeben will, kann dies in den kommenden Tagen auf seiner Profilseite machen und hier beispielsweise den Geburtsnamen oder eine andere Schreibweise seines Namens hinterlegen. Diese Änderungen werden sich auch auf alle anderen Google-Dienste wie zum Beispiel YouTube auswirken.

Für Menschen, die das Netzwerk Google+ unter einem Pseudonym nutzen wollen, hat Google hohe Schranken eingerichtet. Nur bereits etablierte Pseudonyme werden geduldet, zum Beispiel Künstlernamen wie "Lady Gaga". Um ein solches Pseudonym zu registrieren, muss der Betreffende erstens Google beweisen, welche reale Person sich hinter dem Künstlernamen verbirgt – etwa durch das Einsenden eines Führerscheinscans. Zweitens muss der Antragsteller nachweisen, dass der Künstlername, unter dem er künftig bei Google+ auftauchen will, bereits etabliert ist.

Pseudonyme können vor Verfolgung schützen

Google verspricht nach Angaben der New York Times zwar, die eingesandten Dokumente sofort nach der Prüfung zu zerstören. Aber für die Aktivisten, die in den "Nymwars" – den "Nymkriegen" – Google für seinen Realnamenzwang kritisierten, kann das nicht genug sein. Gerade vor dem Hintergrund der Umstürze im Nahen Osten, bei denen repressive Regierungen auch über soziale Netzwerke versuchten, die Identität von Regimegegnern auszuforschen, fordern sie die Möglichkeit zur Teilnahme am Netzwerk, ohne die eigene Identität zu offenbaren. Denn dort, wo Google entsprechenden Gesetzen unterliegt, müsste es die Klarnamen an staatliche Stellen herausgeben, wenn diese das verlangen.

"Jeder, der sagt, dass Google+ nun Pseudonyme unterstützt, hat unrecht", schreibt deshalb die Online-Kolumnistin Violet Blue – die wirklich so heißt. Google+ hatte ihr einst gedroht, den Account zu sperren, weil Google nicht glaubte, dass es ihr echter Name ist.

 

Leser-Kommentare
  1. Google kann man nicht vertrauen. Letztendlich wurde nur das ID System erweitert um noch mehr Informationen a la facebook zu erfassen. Mehr ist nicht passiert.

  2. Interessant ist auch, dass alle kommerziellen Netzwerke und Anbieter eine vollständig saubere Umwelt anbieten wollen (Apple, google, facebook). Bloß eine unsauberen Namen oder etwas "Spam" artiges. Springen sonst Nutzer ab? Was bedeutet dies eigentlich im Rahmen einer kulturelle Verdrängung? Dies wäre mal ein Fall für das Feuilleton.

    • 15thMD
    • 24.01.2012 um 19:36 Uhr

    Wer seinen Führerschein zu Google sendet, ist selbst schuld.
    Wer seinen echten Namen nicht preisgeben will, der versucht es mit Pseudonym oder er meldet sich nicht an. Wird irgendjemand gezwungen den Service von Google zu nutzen? Es ist völlig richtig und gut, was Google macht: Sie schaffen ein Angebot für Menschen, die keine Pseudonyme mögen und eine personalisierte verwenden möchten.
    Ich kauf ja auch nur die Wurst, die mir schmeckt und mecker nicht über das Konkurrenzprodukt, weil da Paprikastückchen drin sind...ich kaufe es einfach nicht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Vergleich ist nicht so gut gelungen. Aber wenn man unbedingt Vergleiche bemühen will, statt über die echte Sache zu reden:

    Nach und nach wird man Wurst mit Paprikastückchen essen müssen, weil es keinen anderen Weg gibt an Essen zu kommen. Und etwas giftig und billig gemacht ist die Wurst übrigens auch, auch wenn sie zuerst prima schmeckt ...

    Der Vergleich ist nicht so gut gelungen. Aber wenn man unbedingt Vergleiche bemühen will, statt über die echte Sache zu reden:

    Nach und nach wird man Wurst mit Paprikastückchen essen müssen, weil es keinen anderen Weg gibt an Essen zu kommen. Und etwas giftig und billig gemacht ist die Wurst übrigens auch, auch wenn sie zuerst prima schmeckt ...

  3. 4. Hinkt

    Der Vergleich ist nicht so gut gelungen. Aber wenn man unbedingt Vergleiche bemühen will, statt über die echte Sache zu reden:

    Nach und nach wird man Wurst mit Paprikastückchen essen müssen, weil es keinen anderen Weg gibt an Essen zu kommen. Und etwas giftig und billig gemacht ist die Wurst übrigens auch, auch wenn sie zuerst prima schmeckt ...

  4. Auch wenn die Gefahren vielleicht nicht direkt mit den Gefahren vergleichbar denen politische Aktivisten ausgesetzt sind, aber meinen Kindern habe ich den Zugang zu "sozialen" Netzwerken nur unter der Bedingung gestattet, dass sie eine weitgehen anonyme e-mail Adresse benutzen, 25 Jahre alt und männlich sind. Unter den von Facebook und Google favorisierten Bedingungen hätte und habe ich es meinen Kindern schlicht verboten (auch wenn ich Realist bin .... :-)).

  5. Was für ein dreister Laden. Aber schlimmer noch sind die Menschen, die diese Firmenphilosophie(wir wollen alle Daten und Vorlieben von allen Menschen, vor allem auch die Leichen im Keller, bis ins Detail wissen) unterstützen, inden sie freiwillig ihre Daten rausgeben.

    Also wenns nach mir ginge würde es nicht heissen: Google erlaubt(grosszügigerweise) Pseudonyme, sondern wir Menschen entziehen Goggle die Erlaubnis zu existieren, schliesslich gibts ja Alternativen(Zur Suchmaschine meine ich, Social Networks finde ich alle zum Kotzen).

  6. "This is the path we’re headed down – a single unified, ‘beautiful’ product across everything. If you don’t get that, then you should probably work somewhere else." Angeblich Larry Page über Google bzw "Google’s Search Plus Your World".

    http://pandodaily.com/201...

  7. "What does this mean in practice? The main change is for users with Google Accounts. Our new Privacy Policy makes clear that, if you’re signed in, we may combine information you've provided from one service with information from other services. In short, we’ll treat you as a single user across all our products, which will mean a simpler, more intuitive Google experience."

    Aus den neuen Google TOS:

    http://googleblog.blogspo...

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