Jacob Appelbaum"Benutzt am besten gar keine Mobiltelefone"
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Appelbaum rät davon ab, Smartphones zu benutzen

ZEIT ONLINE: Was können technisch nicht so versierte Menschen noch tun, um ihre Privatsphäre zu schützen?

Appelbaum: Am besten verzichten sie darauf, ein Mobiltelefon mit sich herumzutragen – insbesondere ein Smartphone. Denn die Gesetzgebung hat noch nicht mit der Tatsache Schritt gehalten, dass wir Peilsender kaufen, mit denen wir auch telefonieren können.

ZEIT ONLINE: Sollte man also statt Smartphones nur alte Handys ohne GPS-Modul nehmen?

Appelbaum: Ich denke, die Antwort ist: Benutzt am besten gar keine Mobiltelefone. Oder wir müssen die Mobilfunktechnik so grundlegend neu entwickeln, dass sie keine Spionagetechnik mehr ist. Aber ich gebe Ihnen noch ein anderes Beispiel: Benennen Sie einfach mal Facebook um in Stasibook. Wie gut fühlen Sie sich jetzt, wenn Sie dort Auskunft über die Aktivitäten Ihrer Freunde geben? Es ist furchteinflößend, wenn man sich vorstellt, dass wir uns alle gegenseitig überwachen. Wir haben den Stasistaat privatisiert und demokratisiert. Wir sollten grundsätzlich nicht in einer Prestigekonsum-Gesellschaft leben, in der es immer darum geht, irgendwelche Belohnungen dafür zu kriegen, Menschen auf Fotos zu markieren.

ZEIT ONLINE: Würde der generelle Verzicht auf diese Technologien nicht bedeuten, dass man den Überwachungsstaat akzeptiert?

Appelbaum: Nein, wir müssen Alternativen entwickeln. Der Punkt ist: Wenn es eine Selbstmordmaschine gäbe, müssten wir sie ja nicht benutzen, nur weil es sie gibt. Wir sind nicht verpflichtet, uns gegenseitig zu überwachen.

ZEIT ONLINE: Ursprünglich wollte ich fragen, ob Anonymität und Privatsphäre zu Luxusgütern werden, verfügbar nur noch für jene, die technisch bewandert genug sind, die Geräte zu kontrollieren, die sie benutzen. Stattdessen muss ich jetzt fragen, ob Anonymität und Privatsphäre nur noch etwas für Asketen sind, die der Technik entsagen.

Appelbaum: Beide Fragen finde ich spannend. Im Moment gibt es einige Parallelen zum Leben eines Klerikers, wenn man seine Privatsphäre erhalten will. Denn so viele Dinge, mit denen wir interagieren, sind Spionagegeräte. Und wer nicht ausspioniert werden möchte, muss widerstehen, muss auf vieles verzichten. Oder man muss Kompromisse eingehen. Wer in die USA einreisen will, muss sich ihrem Überwachungsstaat unterwerfen, so leid es mir tut.

ZEIT ONLINE: Und die erste Frage nach dem vermeintlichen Luxusgut Anonymität?

Appelbaum: Das Tor-Netzwerk besteht aus denjenigen, denen es wichtig ist. Es sind – nach anarchistischem Vorbild – gegenseitige Hilfe und Solidarität, die das Netzwerk bilden. Einer klickt einen Button, auf dem sozusagen steht "Ich will anderen helfen" – und wird so zum Netzwerk. Das bedeutet, es ist eben nichts Elitäres. Es ist allen Menschen im Internet zugänglich. Andere Systeme, die nicht auf gegenseitiger Hilfe aufbauen, stammen von Unternehmen, die man für das Versprechen von Privatsphäre bezahlt – und whoops – geben sie die Daten an die Regierung weiter. In Zukunft werden wir hoffentlich Geräte haben, die uns gehören, nicht den Unternehmen. Das Gleiche gilt für Betriebssysteme und Software. Es muss freie Software sein. "Frei" wie in: Wir haben die Freiheit, sie zu verändern, damit sie tut, was wir wollen und damit wir verstehen, wie sie funktioniert. Das ist für mich das Gegenteil zu elitären Luxusgütern.

ZEIT ONLINE: Sind die meisten Menschen nicht zu bequem, um das aufzugeben, woran sie sich längst gewöhnt haben?

Appelbaum: Kommt drauf an. Menschen ändern ihre Prioritäten. Das tun sie ja auch, wenn sie Kinder bekommen. Dann hören sie auf, so schnell Motorrad zu fahren und fangen an, einen Helm zu tragen. Vielleicht trinken sie weniger – oder mehr, das hängt natürlich von den Kindern ab.

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Leserkommentare
  1. hat mir gefallen, besonders das "stasibook". wer mal sein handy eine woche auslässt, gewöhnt sich dran, dass man eben auch in ruhe gelassen wird, luxuriöserweise NICHT erreichbar, verfügbar, präsent ist. sondern einfach nur - privat.

    2 Leserempfehlungen
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    Natürlich, man kann es ja trotzdem bei sich tragen. Man macht es erst an, wenn man telefonieren will oder einen Anruf erwartet. Das ist allerdings nichts für Leute, die ständig Angst haben, etwas zu verpassen.

    In absehbarer Zeit wird man Sie für einen ganz tollen und erfolgreichen Typen halten, wenn Sie Ihrem Gegenüber lässig erklären, daß Sie zwar über irgendein x-beliebiges Mobiltelefon verfügen, dieses aber nur gelegentlich dann einschalten, wenn Sie mal kurz ein für Sie wichtiges Telefonat führen wollen.
    Ich (Freiberufler) handhabe meine Handynutzung seit fast 15 Jahren genau so und ernte damit inzwischen ganz überwiegend anerkennende und teilweise (im besten Sinne) neidvolle Kommentare meiner Kollegen und Kunden.
    Warum sollte ich mir schließlich ein Sekretariat leisten, wenn ich jederzeit für "Hans und Franz" über eine "elektronische Fußfessel" (aka "Mobiltelefon") erreichbar bin?

    • bugme
    • 08. Februar 2012 17:49 Uhr

    ..trotzdem würde es mir gefallen, wenn der Autor kritischer gegebene Antworten hinterfragen würde. Aber evtl. fehlt da das technische Verständniss oder es wäre auch am Ende schwerer verdaulich für den leser?

    • nelson2
    • 13. Dezember 2012 9:50 Uhr

    ich habe mir sagen lassen, dass dass Handy ausgeschaltet und deren Akku herausgenommen werden muss. Nur so ist man vor Überwachung geschützt.

  2. verblödenden Mist sendet, wie die anderen Medien. Sapere aude!

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    ist immer von Vorteil...

    Allerdings setzt das voraus, dass es zur Prämisse des Einzelnen "erhoben" wird...

    Es ist heute ja in "denken zu lassen" - jedenfall habe ich diese Erfahrung gemacht (auffallend dabei: Die "Freunde" bei den social networks sind davon befallen wie von einem Virus)...

    Die Majorität und das "Volk" - hmmm...

    Scheinbar gilt man bei diesen "angesagten Freunden" als unsozial, wenn man diese Plattformen nicht als "Godfathers" ansieht (räusper wunder)...

    Es schwimmt sich halt auch so wunderbar bequem auf der Welle der gemeinen Allgemeinheit - wozu eine eigene Meinung...

    Erst mal seh'n was die "Freunde' zur eigenen Meinung meinen...

    Bequem und so angesagt und wenn man auf der Nase damit landet - ".!?!."...

    Dieser Marc Zuckerberg - hat eigentlich von all den "Freunden" wirklich einer Ahnung, wie er überhaupt dazu kam diese Art von "social" derart zu "pushen"...

    Den eigenen Verstand hat er sicher dazu benutzt - aber welche Grundmotive da wohl zu Grunde gelegen haben...

    Sicher nur Altruismus pur...

    Und "latürnich" die soziale Kompetenz!?! weltweit zu fördern...

    Ja - jeder ist aufgerufen - Zitat I. Kant: "Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen"...

    Der Verstand des "Freundes" ist hierbei jedenfalls nicht gemeint...

    Aber - "errare humanum est" - dies gilt auch unter "Freunden" - post erat demonstrandum...

    • Chali
    • 08. Februar 2012 12:48 Uhr
    5 Leserempfehlungen
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    @No 3 hej chali,

    da ist soooo viel wahrheit in der kurzen knackigen aussage, die ich voll trage.

    dennoch scheint es heuer entweder

    # hipp zu sein, dienstbote zu sein zu wollen, oder

    # der mensch von heute hat den leitsatz der aufklärung einfach im laufe der zeit vergessen ...

    und folgt eher dem slogan: sind wir nicht alle ein bißchen bluna?! ,-))))

  3. Natürlich, man kann es ja trotzdem bei sich tragen. Man macht es erst an, wenn man telefonieren will oder einen Anruf erwartet. Das ist allerdings nichts für Leute, die ständig Angst haben, etwas zu verpassen.

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    Antwort auf "schönes interview"
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    da müssten sie schon den Akku rausnehmen, sonst bleiben sie ortbar. Auch ohne GPS Modul.

    • war-hog
    • 08. Februar 2012 13:37 Uhr

    ...Akku entfernen nicht vergessen!
    Sonst ist das kleine Mistding unbemerkt Spion.

    Dann müssen Sie aber auch so konsequent sein und Ihr Handy „Stromlos“ machen. Das heißt die Batterie herausnehmen. Sonst ist das Ding immer noch „an“.

    Das können Sie ganz einfach nachprüfen, indem Sie einen Alarmweckruf auf eine beliebige Uhrzeit einstellen und dann Ihr Handy abschalten. Wetten, dass der Alarm trotzdem losgeht?

    Diese Dinger sind wirklich wandelnde Peilsender und Spionagegeräte.
    Es gibt Software mit der man das Handy einschalten kann, ohne das es der Benutzer mitbekommt (also da leuchtet nix und es ertönt auch keine Willkommensmelodie...) um z.B. Gespräche im Raum abzuhören.

    Von permanenter Ortung mit entsprechenden Bewegungsprofilen mal ganz abgesehen.

    Wie gesagt es gibt nur die Möglichkeit die Dinger nicht zu benutzen oder wenigsten stromlos zu machen.

    Oder darauf zu hoffen, dass man in der Anonymität der Masse untergeht.

  4. Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten an der Diskussion und verzichten Sie bitte auf Polemik. Danke. Die Redaktion/sc

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    Entfernt. Bitte wenden Sie sich bei Fragen zur Moderation an community@zeit.de. Danke. Die Redaktion/sc

    • Panic
    • 08. Februar 2012 13:10 Uhr

    ist jut. Richtig jut!

    Eine Leserempfehlung
    • cielo
    • 08. Februar 2012 13:19 Uhr

    Jacob.
    Wenn die Staaaten die Daten von Twitter und Co. anfordern, werden, wie immer, auch Unschuldige unter den Opfern sein. Die Kriminalisierung der friedlichen Occupy Bewegung und die Datenweitergabe von Twitter fangen an zu funktionieren. Die Mächtigen bekommen offensichltich Angst und nutzen nun was in ihrer Macht steht.
    Ohne wirre Theorien zu konstruieren kann man sagen, dass Orwell und Kafka längst überholt wurden - längst!

    2 Leserempfehlungen
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    "kann man sagen, dass Orwell und Kafka längst überholt wurden - längst!"

    Ist es nicht eher Aldous Huxley? Wir werden ja nicht düster unterdrückt, sondern mit Komfort und Geschenken bestens eingesponnen und sind freiwillig willig.

    Oder wie es BAP schon 1980 sangen:

    "Oh, leeven Orwell, Vierunachtzich ess noh,
    t'sinn sind mittlerweile nur noch vier läppsche Johr.
    Et läuf su ähnlich aff, nur unauffällig un vill raffinierter jemaat.
    Dä Trick, dä funktioniert janz zügig un reibungslos.
    Etappenweise Entmündigung klappt famos.
    Freiwillig enjemaat un stekum zum Verblöden gebraat."
    (http://www.bap.de/start/m... )

    Sie haben ja durchaus Recht, dass die schlimmsten Befürchtungen von Kafka und Orwell überschritten wurden.
    Daran sind aber weniger die Betreiber der Onlinedienste schuld, als viele Nutzer, die wirklich jeden Sch..ß von sich ins Internet stellen, vermutlich weil sie einsam sind und nicht verstehen, dass man auf Seiten wie Facebook keine echten, sondern nur Scheinfreundschaften schließen kann.
    Diese einsamen Gestalten wundern sich dann, wenn plötzlich irgend jemand privateste Informationen von ihnen hat , dabei waren es sie selbst, die aus Profilierungssucht damit um sich geschmissen haben und ganze Tage und Nächte damit zugebracht haben, den Informationshaufen auf ihre Seite zu laden.
    Dabei fängt das Drama der Social Networks schon viel früher als bei der durch sie ermöglichten Spionage an:
    Ich hatte mal vor Jahren für genau 2 Monate ein Facebook Profil, da mir eine Bekannte eine Einladung geschickt hatte, ihre Fotos anzusehen. Um diese sehen zu können mußte ich mir ein Profil anlegen. In der Folge erhielt ich jede Woche ein e - mail von der Bekannten, das aber nicht von ihr geschreiben wurde und in dem natürlich auch null Informationen waren, wie es ihr ging. Sie hatte andere Fotos hochgeladen und die Seite hat automatisch an alle, die sie in ihren Kontakten hatte, ein e - mail geschickt.
    Diese Art zu kommunizieren war: 1. langweilg, 2. extrem unpersönlich und 3. zeitaufwendig. Ich habe daher beschlossen, meinen Account zu löschen und gehe lieber aus, um Leute zu treffen.

  5. Als "ALG II-Bezieher" genieße ich seit geraumer Zeit auch die "ständige Begleitung einzelner Freunde". Das einzelne Städte sich Kontrollen vorbehalten, habe ich erahnt, dass ganze Heerscharen "hilfsbereiter Mitmenschen" im Einsatz sind, nicht. Hat jemand konkreten Hintergrund hierzu? Das Daheim lassen des Mobil-Telefons empfiehlt sich auf jeden Fall, falls man zumindest zeitweise, einmal "entkommen möchte".

    via ZEIT ONLINE plus App

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    Also wenn das Schule macht - ganze Heerscharen von Arbeitslosen können nicht vermittelt werden weil sie ihr Handy aus haben... SKANDAL

    Meine Annahme. Ein hilfsbereiter Mitbürger hat Sie beim Jobcenter angezeigt. Entweder aus Neid, Schadensfreude, usw. Viel Raum für Spekulation, warum.

    Wie Sie schon schreiben, die Jobcenter haben keine Zeit und keine Ressourcen für solche Spionage-Operationen. Da geht es darum, Menschen zu helfen, Menschen nachzuspionieren das will keiner. Dazu braucht es einen konkreten Anlaß und die Jobcenter sind wiederrum zu klein, um sowas durchzuführen. Ich glaube, das macht dann die Arbeitsagentur oder Detekteien.

    Sie können soweit ich weiß Mittel für eine rechtliche Beratung beantragen. Damit würde ich an Ihrer Stelle zum Anwalt gehen und mit seiner Hilfe die Informationen einholen, wie und durch wen der Verdacht gegen Sie entstanden ist. Könnte allerdings das Ende einer Ehe oder Freundschaft bedeuten oder den Beginn eines Zaunstreits mit dem bisher so netten Nachbarn.

    Die Totalüberwachung durch Jobcenter, die Sie annehmen, gibt es meines Erachtens pauschal so nicht.

    Es kann aber auch sein, daß Ihre ständigen Begleiter Polizisten sind, die irgendwas ermitteln.

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