NutzerdatenStudent wirft Facebook Neuinterpretation von Gesetzen vor

Der Jurastudent Max Schrems und Facebook haben stundenlang über den Umgang des Unternehmens mit Nutzerdaten geredet. Facebook will daran arbeiten, doch das wird dauern. von Frederik Fischer

Max Schrems bei seiner Pressekonferenz in Wien, am Tag nach dem Gespräch mit Facebook-Vertretern.

Max Schrems bei seiner Pressekonferenz in Wien, am Tag nach dem Gespräch mit Facebook-Vertretern.  |  © Dieter Nagl/AFP/Getty Images

Sechs Stunden dauerte das Gespräch zwischen dem österreichischen Jurastudenten Max Schrems und Richard Allan , dem europäischen Chef-Lobbyisten von Facebook . Beide Seiten berichteten anschließend von konstruktiven Gesprächen, greifbare Ergebnisse gab es allerdings nicht.

22 Anzeigen wegen Facebooks Umgang mit Nutzerdaten hatte Schrems mit seiner Initiative "Europe versus Facebook" beim irischen Datenschutzbeauftragten eingereicht. Am Montag trafen sich nun Schrems und einer seiner Mitstreiter mit Allan und einem Mitarbeiter des amerikanischen "Policy"-Teams von Facebook in Wien . Schrems hatte zuvor von "Verhandlungen" gesprochen, Facebook nur von "Gesprächen."

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Der 24-jährige Student warf Facebook nach dem Treffen eine "Neuinterpretation" des europäischen Datenschutzrechts vor. Für Facebook läge eine "Zustimmung" zur Datennutzung bereits vor, wenn Nutzer dieser nicht ausdrücklich widersprächen. Dieses Verfahren wird als "opt-out" bezeichnet. Sein Gegenvorschlag ist die verbindliche Umsetzung eines "opt-in" Verfahrens, wonach ein Nutzer der jeweiligen Datennutzung zunächst explizit zustimmen müsse.

Beunruhigt zeigte sich Schrems auch über diverse technische Probleme bei der Datenverarbeitung und unklare Zuständigkeiten. Insbesondere das endgültige Löschen von Daten soll sich als schwierig in der Umsetzung erweisen. Momentan können Nutzer zwar eigene Daten aus ihren Profilen löschen. In den Datenbanken des Unternehmens werden diese unter Umständen jedoch weiterhin vorgehalten. Das hatte am Montag auch das Blog Ars Technica berichtet: Wer einen direkten Link auf eine Fotodatei habe, könne das Bild in manchen Fällen sogar noch drei Jahre, nachdem er es "gelöscht" hat, auf Facebooks Servern finden. Facebook versprach Schrems eine rasche Nachbesserung.

Laut einer Pressemitteilung des Unternehmens ist Facebook "bestrebt, die Kritikpunkte zu lösen, die wir über das Büro des Irischen Datenschutzbeauftragten (DPC) erhalten haben und das Gespräch in Wien ist ein hilfreicher Teil dieses Prozesses". Das Unternehmen habe bereits damit begonnen, "das umfangreiche Programm an Privatsphäre-Verbesserungen umzusetzen, das im Dezember im Audit Report des DPC ausgearbeitet wurde". Dieser Audit Report ist der erste Bericht der irischen Datenschutzbehörde DPC, den diese nach einer umfassenden Betriebsprüfung im Dezember veröffentlicht hatte. So sollen etwa IP-Adressen, die von ausgeloggten Nutzern sowie von Nichtmitgliedern über den Gefällt-mir-Button auf Tausenden Websites gesammelt werden, nach zehn Tagen anonymisiert und nach 90 Tagen gelöscht werden.

Formelle Entscheidung von der DPC gefordert

Insgesamt sieht Schrems jedoch bislang "maximal zehn Prozent" der Forderungen im Bericht umgesetzt. Trotz des positiv verlaufenen Gesprächs am Montag fordert er daher von der DPC eine formelle Entscheidung. Gegen diese können die beteiligten Parteien vor dem irischen Bezirksgericht prozessieren.

Das Ergebnis des Verfahrens könnte für Facebook weltweit Auswirkungen haben. Laut den Nutzungsbedingungen des Unternehmens haben alle Nutzer außerhalb der USA und Kanada einen Vertrag mit Facebook Ireland. Damit sei, sagt Schrems, europäisches Datenschutzrecht auch für Nutzer außerhalb Europas anwendbar. "Es war sehr klar, dass Facebook ein starkes Interesse hat, ernsthaft den europäischen Gesetzen zu entsprechen, jedoch haben beide Facebook-Vertreter gesagt, dass das noch ein langer Prozess sein wird", heißt es in einer Mitteilung seiner Initiative. Ein detailliertes Protokoll des Gesprächs am Montag will sie demnächst veröffentlichen.

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Leserkommentare
    • kerle51
    • 07. Februar 2012 18:37 Uhr

    Es wird Zeit, dass denen mal jemand die Flügel stutzt. Facebook ist ein Kindergarten, die wissen nicht, was sie tun. Die haben ihre Technik nicht im Griff, da alles aus einem kleinen Portal heraus entwickelt wurde. Weg mit facebook, es gibt andere, modernere.

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    "Die haben ihre Technik nicht im Griff, da alles aus einem kleinen Portal heraus entwickelt wurde."

    Das kann man so nicht stehen lassen:
    -Google: War mal ein Projekt zweier Studenten.
    -Apple: Zuerst in einer Garage gebaut.
    -...

    Haben die auch ihre Technik nicht im Griff?
    Ich denke schon, dass Facebook weiß, was es tut und warum.

  1. Facebook ist eigentlich eine eDating Plattform.
    Eine weiteres Problem ist die Gesichtserkennung.
    Google ist im Notfall besser.

  2. Max Schrems ist an sich Befürworter von Online-Netzwerken, er handelt nicht gegen facebook als Plattform, sondern lediglich gegen deren (weiterhin geduldeten) Rechtsbrüche und mit dem Anliegen, unklare Handhabungen verbindlich rechtlich abzuklären.
    Ich denke, das ist im Interesse sehr vieler Menschen und bestimmt der meisten seiner Generation. Schade, dass es einer Klage einiger Studenten dazu braucht.
    Ich habe ihn vor einigen Stunden in einem Radiointerview gehört (fm4/Österreich), er ist sympathisch und alles andere als ein Selbstdarsteller.

  3. ... tut mir Leid ich kann mich mit meinem Auto nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten.
    ES HAT EIN TECHNISCHES PROBLEM !!!

    ...gewöhnt euch einfach daran, in 2 Jahren ist der Fehler VIELLEICHT behoben :)

  4. Was heißt "In den Datenbanken des Unternehmens werden diese unter Umständen jedoch weiterhin vorgehalten."?

    Wenn ich auf Facebook eine Information "lösche" dann erscheint die selbe Information "activity log". Dies ist natürlich "nur von mir" einsehbar... wers glaubt. Wer zu blöd ist das zu überschauen (das werden bei dem Infomüll die meisten sein), dessen Daten werden quasi enteignet...

    Man kann also nicht von gewissen "Umständen" sprechen...

  5. Es klingt wie Erfolgsneid. Hat Student Schrems auch gegen
    andere DienstProvider Anzeige geschrieben? Auf jeden Fall,
    es ist kontraproduktiv und kontrainitiativ.

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    Ich glaube, da haben Sie tatsächlich etwas nicht verstanden! Ich finde das Vorgehen von Herrn Schrems sogar sehr produktiv und initiativ!

  6. Bei allem Verständnis für die Klagen Schrems: Niemand wird gezwungen, Facebook zu nutzen. Ich selbst nutze es ganz gerne als Komunikationsplattform, aber ich bin erschrocken darüber, was mancher User dort so alles preisgibt. Da z.B. wird wie selbstverständlich die Ortungsfunktion des Smartphones aktiviert, damit jeder "Freund" auch in 5 Jahren noch weiß, wo man so am 07.02.12 um 20:34 war. AGB's werden prinzipiell nicht gelesen, sondern weggeklickt. Kein Opt-out.
    Und wenn einem dann plötzlich doch was aufstößt? Dann wird der Ruf der nach dem Gesetz laut. Eigenverantwortung beim Datenschutz? - Fehlanzeige.

    Ein anderes Beispiel: Ich habe vor ein paar Jahren versucht, meine Freunde zur Verschlüsselung Ihrer emails (PGP/gnuPG) zu ermuntern - ohne Erfolg. Aber wehe, Google oder sonstwer scant die Emails nach bestimmten Mustern - das soll dann die (zuvor achso böse) EU verbieten!

    Zu Facebook gibt es übrigens weniger bedenkliche Alternativen - da "ist" nur leider niemand...

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    • blurred
    • 07. Februar 2012 23:28 Uhr

    Zitat: "Zu Facebook gibt es übrigens weniger bedenkliche Alternativen - da "ist" nur leider niemand..."

    Facebook ist doch schon maximal out. Spätestens seit Mittelstandsmuttis dort Nachhilfetermine ihrer Sprößlinge koordinieren und endcoole Unternehmen wie Lidl Fanseiten haben, ist ein FacebookAccount wie ein großer "Dumpfbacke"-Aufkleber.

    Myspace war auch mal der Nabel der Welt.

    Und heute - vergessen.

    PS: PGP in Thunderbird ist DAUtauglich.

  7. "Die haben ihre Technik nicht im Griff, da alles aus einem kleinen Portal heraus entwickelt wurde."

    Das kann man so nicht stehen lassen:
    -Google: War mal ein Projekt zweier Studenten.
    -Apple: Zuerst in einer Garage gebaut.
    -...

    Haben die auch ihre Technik nicht im Griff?
    Ich denke schon, dass Facebook weiß, was es tut und warum.

    Antwort auf "Flügel stutzen"
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    "Ich denke schon, dass Facebook weiß, was es tut und warum."

    Und genau das ist das Schlimmste daran!

    >> Ich denke schon, dass Facebook weiß, was es tut und warum. <<

    ... ist das so. Die Nutzerdaten sind ja gerade das "Kapital" von Facebook. Jeder, der Facebook nutzt, sollte sich dessen bewusst sein.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Betriebsprüfung | Blog | Datenverarbeitung | Facebook | Gespräch | IP-Adresse
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