NutzerdatenMicrosoft und Google streiten offen über Datenschutz

Nach Googles Ankündigung, Nutzerdaten zusammenzuführen, will Microsoft von der Kritik am Rivalen profitieren. Der Konzern erklärt sich selbst zur besseren Alternative.

Wo immer Internetnutzer in diesen Tagen ein Google-Angebot aufsuchen, erhalten sie an prominenter Stelle einen Hinweis: "Wir ändern unsere Datenschutzbestimmungen und Nutzungsbedingungen". Damit macht der Konzern auf die neuen Datenschutzbestimmungen aufmerksam, die ab März in Kraft treten sollen. Mit diesen reißt Google die Trennwände zwischen den verschiedenen Angeboten ein und führt die Nutzerdatenbanken der Websuche, YouTube und anderen Diensten wie Google+ zusammen. Jeder Nutzer soll mit einem einzigen Google-Konto repräsentiert werden.

Viele sehen den Schritt kritisch. Schon die Einführung der personalisierten Suche, die klassische Ergebnisse mit Treffern auf Googles sozialem Netzwerk Google+ durchmischt, sorgte für Diskussionen. Der Vorwurf: Google bevorzuge seine eigenen Angebote, die Suchmaschine sei damit nicht mehr neutral. Die neuen Datenschutzbedingungen brachten das Fass für manche zum Überlaufen. So sah der Branchendienst Gizmodo gar Googles alten Vorsatz "Don't be evil" gebrochen – sei nicht böse. Die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation blieb in ihrer Kritik verhaltener: Die Ankündigung von Google habe verschleiert, was sich an den Datenschutzbestimmungen konkret ändere.

Anzeige

Für Microsoft ist dies eine willkommene Gelegenheit. Seit Jahren konkurrieren die Konzerne auf vielen Gebieten. So drängt Google in den Markt für Bürosoftware und hat Microsofts E-Mail-Dienst Hotmail deklassiert, Microsoft revanchierte sich dafür mit der Suchmaschine Bing. Auch bei sozialen Netzwerken konkurrieren die beiden: Microsoft hat Anteile an Facebook und vermarktet die Werbung auf der Plattform.

Nun hat der Konzern aus Redmond eine Kampagne gestartet, um die eigenen Dienste als sichere Alternative zu den Google-Angeboten zu präsentieren. In einer großformatigen Anzeige, die unter anderem in der New York Times und dem Wall Street Journal erschien, stellt sich Microsoft als Freund seiner Kunden dar: "Wir setzen die Menschen an erste Stelle" heißt es dort in großen Lettern. Darunter greift Microsoft seinen Konkurrenten direkt an: "Google ist dabei, einige unpopuläre Änderungen an seinen beliebtesten Produkten vorzunehmen."

Googles Gegenschlag per Blogeintrag

Warum Google dies tue und es den Nutzern dabei schwerer mache, "die Kontrolle über ihre persönlichen Informationen zu behalten", erklärt Microsoft auch: "Ein logischer Grund: Alle Daten die Google sammelt und mit Ihrer Person verknüpfen kann, erhöht Ihren Wert gegenüber Werbekunden", heißt es in der Anzeige. Google habe die Balance zwischen einem verbesserten Werbedienst und den Interessen seiner Nutzer gestört.

Die Botschaft ist klar: Die Nutzer der Google-Dienste sind nur das Produkt, die eigentlichen Kunden von Google sind die Werbetreibenden. Für sich selbst nimmt Microsoft eine andere Unternehmensphilosophie in Anspruch. In der Anzeige steht: "Wenn Sie sich an den Änderungen (von Google, Anmerkung der Redaktion) stören, ziehen Sie bitte in Betracht, unsere preisgekrönten Produkte und Dienste zu benutzen." Microsoft-Sprecher Frank Shaw betonte gegenüber dem Branchendienst Marketing Land, dass die Redmonder auch die Nutzer werbefinanzierter Produkte ernst nähmen: "Wir sehen sie nicht als Ware, sondern als Kunden, die unsere Dienste kaufen", sagte Shaw.

Kurz darauf holte Google zum Gegenschlag aus. In einem eigenen Blogeintrag reagierte der Konzern auf die Vorwürfe von Microsoft und räumte nach eigener Aussage mit einigen "Mythen" auf: "Unsere Privatsphäre-Einstellungen haben sich nicht geändert. Punkt", heißt es dort.

Leserkommentare
  1. Google ist evil, MS und Apple waren es schon immer.

    Lustigerweise fährt man langsam mit Apple besser, da diese (ohne Apps) immer noch weniger Daten sammeln als MS und Google. Das ist schon irgendwie traurig.

    Von AdSense ganz zu schweigen.

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    Zugegebener Maßen sind AdSense und GoogleAnalytics nicht die nutzerfreundlichsten Sachen, aber man kann den Nutzer auch nicht immer vor seiner eigenen Inkompetenz bewahren.
    Bereits einfache Tools wie NoScript unterbinden das Ausführen der Skripte von AdSense und GoogleAnalytics.
    Und mit einem Tool wie AdBlock Plus ist von vielleicht hervorragend personalisierter Werbung fast nichts zu bemerken.

    Warum darauf warten, dass Politik oder Google Meilen voranschreiten, wenn ich für mich innerhalb weniger Minuten das gleiche Ergebnis viel unkomplizieter erreichen kann?

    Zugegebener Maßen sind AdSense und GoogleAnalytics nicht die nutzerfreundlichsten Sachen, aber man kann den Nutzer auch nicht immer vor seiner eigenen Inkompetenz bewahren.
    Bereits einfache Tools wie NoScript unterbinden das Ausführen der Skripte von AdSense und GoogleAnalytics.
    Und mit einem Tool wie AdBlock Plus ist von vielleicht hervorragend personalisierter Werbung fast nichts zu bemerken.

    Warum darauf warten, dass Politik oder Google Meilen voranschreiten, wenn ich für mich innerhalb weniger Minuten das gleiche Ergebnis viel unkomplizieter erreichen kann?

  2. Microsoft war schon immer die bessere Wahl - denn von den Diensten alleine könnte Microsoft schlecht in der jetzigen Form überleben.

    Der (zahlende) Kunde ist wesentlich wichtiger - und wie gewinnt man zahlende Kunden? Indem man Ihnen gute Angebote anbietet welche kostengünstig zu betreiben sind, gleichzeitig aber praktisch sind.
    So zum Beispiel hotmail oder Skydrive.

    Das Geld fällt im Businessgeschäft an. Und wer gern OfficeOnline nutzt wird auch im Büro sein Office haben wollen. (Ich will es auch nicht vermissen - obschon LaTeX für lange Dokumente besser ist als Word - nur der "Spellchecker" in OpenSource-Produkten ist meistens relativ nutzlos...)

  3. Zugegebener Maßen sind AdSense und GoogleAnalytics nicht die nutzerfreundlichsten Sachen, aber man kann den Nutzer auch nicht immer vor seiner eigenen Inkompetenz bewahren.
    Bereits einfache Tools wie NoScript unterbinden das Ausführen der Skripte von AdSense und GoogleAnalytics.
    Und mit einem Tool wie AdBlock Plus ist von vielleicht hervorragend personalisierter Werbung fast nichts zu bemerken.

    Warum darauf warten, dass Politik oder Google Meilen voranschreiten, wenn ich für mich innerhalb weniger Minuten das gleiche Ergebnis viel unkomplizieter erreichen kann?

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    Antwort auf "Google ist evil"
  4. Die Position verführt leicht.
    Ich habe mir die Bestimmungen gerade vorhin durchgelesen weil bei youtube drauf hingewiesen wird. So unterm Strich kann man sagen die "Kundenkartenfetischisten" sind bei Google gut zentralisierbar. Was zwar eher virtuell so ist, aber die Daten um dies es geht, machen das zum unversellen Kundenkarten-Verwalter.
    Der Haken ist das mit dem verwalten. An sich war die Suchmaschine ja eine tolle Sache weil die vielen Adressen dies nötig machten, aber hinter diesen stehen ja wie ehedem ja nicht unbedingt stets aktualisierte Seiten.
    Ich denke das mit den Pages selbst, und dem Aufwandt die stets aktuell zu halten und nicht nur leicht findbar zu machen, das wird Google auch noch lernen.
    "Google is not evil" now "Google explore the difficulty"

    Die Schwierigkeiten gab es schon prinzipiell als es noch gar kein Internet gab aber computerunterstütztes wirtschaften selbst im kleinsten Betrieb gepriesen und verbreitet wurde.
    Ob sich die Verwaltung lohnt, wird sich noch zeigen. Aber nichts ist so uninteressant für die Käufer solcher Daten wie Unaktualität.

  5. MS sammelt die gleichen Daten wie Google mit dem Unterschied dass die nicht so transparent sind welche Daten sie genau sammeln. Und mit Google hat man immer noch volle Kontrolle über seine Daten: ttps://www.google.com/dashboard/ Übersicht über alle Daten die Google über Sie hat, sie können einen Teil oder alle Daten löschen, einstellen ob und welche "ads" sie wollen. Man hat bei Google selbst die volle Kontrolle über seine Daten. Hat man bei MS nicht.
    Und anyway, Google services sind freiwilig, wem´s nicht passt einfach nicht nutzen.
    Besser als rumzumeckern ohne zu wissen von was man eigentlich redet, denn das ist einfach nur peinlich.

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    Die Transparenz der Daten die gesammelt werden ist bei wenigen Unternehmen besser, als bei Google. Und dazu kommt: Die Daten übermittelt man (fast ausschließlich) freiwillig, im Gegensatz zu manch einem Scoring-, oder vergleichbarer IT-Unternehmen.

    Nichtsdestotrotz ist die Meinung hinsichtlich IT-Unternehmen und Datenschutz, die Medien erzeugen, in der Regel äußerst unreflektiert kritisch, fast schon hysterisch - scheint sich halt besser zu verkaufen, oder zeugt von tatsächlichem Unwissen in der Journalistenriege.

    Schade nur, dass so viele die Meinung ebenfalls unreflektiert übernehmen; dadurch entgeht einem vielleicht etwas. Und ja ich weiss, man kann auch ohne Web 2.0, Smartphone, soziale Netzwerke, E-Mail und Telefon (die Argumente die immer kommen!). Man kann auch ohne Auto und man kann auch in Höhlen leben und mit Stöckern und Stroh feuer machen - man kann aber auch einfach den Vorteil und Gewinn aus der technischen Evolution ziehen.

    Die Transparenz der Daten die gesammelt werden ist bei wenigen Unternehmen besser, als bei Google. Und dazu kommt: Die Daten übermittelt man (fast ausschließlich) freiwillig, im Gegensatz zu manch einem Scoring-, oder vergleichbarer IT-Unternehmen.

    Nichtsdestotrotz ist die Meinung hinsichtlich IT-Unternehmen und Datenschutz, die Medien erzeugen, in der Regel äußerst unreflektiert kritisch, fast schon hysterisch - scheint sich halt besser zu verkaufen, oder zeugt von tatsächlichem Unwissen in der Journalistenriege.

    Schade nur, dass so viele die Meinung ebenfalls unreflektiert übernehmen; dadurch entgeht einem vielleicht etwas. Und ja ich weiss, man kann auch ohne Web 2.0, Smartphone, soziale Netzwerke, E-Mail und Telefon (die Argumente die immer kommen!). Man kann auch ohne Auto und man kann auch in Höhlen leben und mit Stöckern und Stroh feuer machen - man kann aber auch einfach den Vorteil und Gewinn aus der technischen Evolution ziehen.

  6. Die Transparenz der Daten die gesammelt werden ist bei wenigen Unternehmen besser, als bei Google. Und dazu kommt: Die Daten übermittelt man (fast ausschließlich) freiwillig, im Gegensatz zu manch einem Scoring-, oder vergleichbarer IT-Unternehmen.

    Nichtsdestotrotz ist die Meinung hinsichtlich IT-Unternehmen und Datenschutz, die Medien erzeugen, in der Regel äußerst unreflektiert kritisch, fast schon hysterisch - scheint sich halt besser zu verkaufen, oder zeugt von tatsächlichem Unwissen in der Journalistenriege.

    Schade nur, dass so viele die Meinung ebenfalls unreflektiert übernehmen; dadurch entgeht einem vielleicht etwas. Und ja ich weiss, man kann auch ohne Web 2.0, Smartphone, soziale Netzwerke, E-Mail und Telefon (die Argumente die immer kommen!). Man kann auch ohne Auto und man kann auch in Höhlen leben und mit Stöckern und Stroh feuer machen - man kann aber auch einfach den Vorteil und Gewinn aus der technischen Evolution ziehen.

  7. "Die Nutzer der Google-Dienste sind nur das Produkt, die eigentlichen Kunden von Google sind die Werbetreibenden."

    Gibt es Menschen, die der Illusion anhängen, dass das anders sei? In unserer Welt ist derjenige wichtig, der die Party bezahlt, also die Werbetreibenden. Der Zugang zu und das Wissen über die Dienstenutzer ist die Ware, mit der gehandelt wird, und es sind alleine die Interessen der Werbenden, die am Ende zählen.

    Das ist im Übrigen bei anderen Massenmedien genau so, das Programm von z.B. RTL wird nicht für die Zuschauer gemacht. Es wird gemacht orientiert an den Interessen der Werbenden, um diesen einen optimalen Zugang zu möglichst vielen potentiellen Kunden zu bieten.

    Welche Folgen das für die Themenauswahl und die Programminhalte hat, das kann sich jeder vorstellen. Ich als RTL-Verantwortlicher muss ja den Beitrag über wachsenden Jugendalkoholismus nicht gerade zur Prime Time bringen, wenn mir Alcopop-Hersteller XY gerade 2 Millionen Euro überwiesen hat für die neuen Werbespots. Da reicht es auch, den spätabends in einer weniger populären Sendung zu platzieren.

    Oder ich lasse ihn gleich ganz weg, ist vielleicht ehrlicher. Ich bin sicher, bei Google und Co. lassen sich ähnliche Interessenskollisionen finden.

  8. .... die Nutzung der Google-Dienste sei ja "freiwillig", der übersieht/verschweigt, dass die Datenkrake Google ihre langen Tentakel in viele Bereiche des Internet ausgefahren hat, und es schwierig bis unmöglich ist, dem auszuweichen. Außer durch Einstellung der Internetnutzung.

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