NutzerdatenStudent Max Schrems spricht nun direkt mit Facebook

Schrems trifft Facebook-Mitarbeiter, um über seine 22 Beschwerden bei Irlands Datenschutzbeauftragtem zu reden. "Verhandlungen" seien das nicht, sagt das Unternehmen. von Frederik Fischer

Der Wiener Jurastudent Max Schrems verhandelt nun direkt mit Facebook über Änderungen im Umgang mit Nutzerdaten.

Der Wiener Jurastudent Max Schrems verhandelt nun direkt mit Facebook über Änderungen im Umgang mit Nutzerdaten.  |  © Dieter Nagl/AFP/Getty Images

UPDATE:  Facebook-Mitarbeiter aus den USA und Irland reisen am Montag nach Wien , um mit dem 24-jährigen Max Schrems über Änderungen beim Umgang mit Nutzerdaten zu reden. Er selbst spricht von Verhandlungen. Ein Facebook-Sprecher aber dementierte am Donnerstag, dass es sich um Verhandlungen handele. Man werde lediglich versuchen, Schrems von der Sichtweise des Unternehmens zu überzeugen. Ob es dabei dennoch zu einer Einigung über konkrete Maßnahmen des Unternehmens kommen könnte, von denen dann alle Facebook-Nutzer in Europa betroffen wären, konnte der Facebook-Sprecher nicht sagen.

Die von Schrems gegründete Studenteninitiative "Europe versus Facebook" hatte bei der irischen Datenschutzbehörde DPC 22 Anzeigen wegen Verstößen gegen europäische Datenschutzbestimmungen eingereicht. Als Standort des europäischen Firmensitzes von Facebook ist Irland in diesem Fall zuständig. Entgegen anderslautender Meldungen sieht das irische Datenschutzrecht solche direkten Gespräche nicht ausdrücklich vor. Sie sind einzig der besonderen Bedeutung dieses Falls geschuldet.

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Schrems ist von der Ausnahme nicht begeistert: "Aus demokratischer Sicht ist es absurd, dass ein paar Studenten nun stellvertretend für alle anderen Nutzer mit einem Multi verhandeln sollen."

Dem Treffen ging eine umfassende Betriebsprüfung von Facebook voraus, im Dezember legte die DPC einen ersten Bericht vor . Die Anzeigen von Schrems wurden in der ohnehin geplanten Betriebsprüfung teilweise berücksichtigt, weil es starke thematische Überschneidungen gab.

Im ersten Untersuchungsbericht nach der Prüfung stellte die DPC keine Verstöße gegen irisches Datenschutzrecht fest, einigte sich mit Facebook aber dennoch auf zahlreiche Änderungen. Der Bericht enthält deshalb einen umfassenden Forderungskatalog, den Facebook eigenverantwortlich binnen sechs Monaten umzusetzen hat . Nach Ablauf der Frist wird nachverhandelt. Das Treffen am Montag hat darauf keine Auswirkungen, da die Beschwerden von Schrems formal gesehen ein eigener Vorgang sind.

Bislang "maximal 10 Prozent" der Forderungen umgesetzt

In einigen Bereichen lenkte Facebook bereits ein. So sollen IP-Adressen, die von ausgeloggten Nutzern sowie von Nichtmitgliedern über den "Gefällt-mir"-Button auf Tausenden Websites gesammelt werden, nach zehn Tagen anonymisiert und nach 90 Tagen gelöscht werden.

Insgesamt sieht Schrems jedoch bislang "maximal 10 Prozent" der Forderungen im Bericht umgesetzt. Deshalb fordert er eine formelle Entscheidung der DPC. Einer solchen Entscheidung geht nun aber erst einmal das direkte Gespräch zwischen ihm und Facebook voraus. Muss die DPC letztlich doch einen formellen Beschluss fassen, können die Beteiligten dann noch vor dem zuständigen irischen Bezirksgericht prozessieren.

Leserkommentare
  1. facebook ist und bleibt die Offenbarung des eigenen Lebens in der Öffentlichkeit und das will doch keiner, oder...?

    http://tinyurl.com/6s2y2hk

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    ...denn Facebook ist die Offenlegung dessen, was ich ins Netz gebe. Nur was ich veröffentliche, kann auch verarbeitet werden. Ich nehme damit ausdrücklich nicht Facebook und Co. in Schutz, aber diese simple Einsicht sollte sich jeder Nutzer solcher und ähnlicher Dienste dringendst zu eigen machen.

    Nicht auf den Datenschutz der Dienste vertrauen, sondern nur das Einstellen, was Einem sicherlich nicht unangenehm zu sein braucht.

  2. Man kann der EU viel vorwerfen, aber nicht, dass sie ihren Einwohnern beim Umgang mit Unternehmen viel unter die Arme greifen würde.

    Da ist es nur logisch, dass die EU-Kommission, das Sprachrohr der Wirtschaft, mit mehr Macht und Befugnissen ausgestattet ist, als das vom Volk gewählte EU-Parlament.

    Naja, zumindest wir Deutschen sind aus der Verantwortung. Wir wurden nie gefragt, ob wir EU-Europäer sein wollen oder nicht. Die EU wurde uns übergestülpt wie irgend eine andere Fremdherrschaft.

    3 Leserempfehlungen
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    Tolle Einstellung haben Sie da.
    "Wir wollten nicht in die EU, wurden auch nie gefragt, also kann uns das alles auch am Arsch vorbei gehen."
    Deutschland hat aber von allen EU-Ländern die meisten Sitze im Parlament und damit auch den größten Einfluss. Als Volk sollte es uns deshalb nicht egal sein, welche Flachpfeifen von den Parteien dorthin entsandt werden und was sie dort entscheiden - am Ende leiden wir nämlich genauso darunter.

  3. Dass Studenten und nicht EU-Behörden den Datenschutz für EU-Bürger gegenüber US-Konzernen einklagen ist ein Armutszeugnis der EU.

    Man steckt schon zu tief drinnen (Indect Überwachung). Ich wollte die EU aber ich wollte nicht in einer US-Provinz der EU leben.

    10 Leserempfehlungen
    • OZE
    • 01. Februar 2012 16:47 Uhr

    Irgendwie muß Max ja wohl in ein Wespennest gestochen haben. Sonst würde doch wohl niemand aus Amerika mit einer Privatperson sprechen.

    Aber der Fall Megaupload zeigt was möglich ist:
    Ein Deutscher wird vom FBI in Neuseeland wegen Mordes, sorry Urheberrecht, festgenommen. Darf unsere Bundespolizei auch im Ausland vollstrecken?

    4 Leserempfehlungen
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    • tobmat
    • 02. Februar 2012 13:43 Uhr

    Seit wann war das in Neuseeland das FBI? Das waren die Behörden Neuseelands, auf Grund eines Rechtshilfeersuchens der USA. Das könnte Deutschland genauso machen.

  4. Tolle Einstellung haben Sie da.
    "Wir wollten nicht in die EU, wurden auch nie gefragt, also kann uns das alles auch am Arsch vorbei gehen."
    Deutschland hat aber von allen EU-Ländern die meisten Sitze im Parlament und damit auch den größten Einfluss. Als Volk sollte es uns deshalb nicht egal sein, welche Flachpfeifen von den Parteien dorthin entsandt werden und was sie dort entscheiden - am Ende leiden wir nämlich genauso darunter.

    2 Leserempfehlungen
  5. Gerne ohne diese Flachpfeifen!
    Auch das Problem ist lösbar.

    Und zu Facebook:
    Ein echter Freund, der an meine Tür klopft ist mir immer lieber; nützlicher, als eine Horte von virtuellen "Freunden"

    Portale, wie Facebook könnten durchaus Sinn machen, wenn sie nicht nur eine Geldmaschine ist.

    Die User sind jedenfalls, nur nützliches Beiwerk.

    • ralf
    • 01. Februar 2012 18:23 Uhr

    Hat die EU-Behörde unter Vivian Reding gepennt? Warum hat sie sich nicht eingeschaltet? Wollte sie evtl. gar nicht? Man kann doch nicht so tun, als wenn Facebook plötzlich über Nacht aufgetaucht ist. Wenn die Juristen von Facebook mit dem Studentenvertreter verhandeln, dann doch nur, weil es offenbar keinen anderen Verhandlungspartner gibt.

    Eine Leserempfehlung
  6. 8. Warum?

    soll mann/frau bei FB sein? Und warum werben so viele Firmen dafür, dass man sich da anmelden soll?

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