Nutzungsbedingungen : Facebook gibt nicht mal mehr vor, Daten zu schützen

Wer Facebook nutzt, ist selbst schuld. So lassen sich die neuen Nutzungsbedingungen zusammenfassen, die seit heute in Kraft sind. Datenschützer kritisieren diese Chuzpe.
Facebook-Firmensitz in Menlo Park in Kalifornien © Justin Sullivan/Getty Images

Die Ankündigung von Facebook erweckt den Eindruck, die Meinung der Leser sei den Autoren wichtig und sie würden ihnen unter Umständen sogar die Möglichkeit zur Mitsprache einräumen. Dieser Eindruck täuscht: Am 15. März 2012 teilte Facebook seinen Nutzern mit, dass eine Änderung der Nutzungsbedingungen geplant sei . Verbunden war das mit der Bemerkung, diese Änderungen könnten nun sieben Tage lang diskutiert werden: " Please review these proposed updates under the 'Documents' tab of the Facebook Site Governance Page and leave any comments ."

Facebook schreibt auch bislang schon in seinen Nutzungsbedingungen, dass man mehrere Alternativen eines Plans zur Abstimmung stellen wird, wenn es mehr als 7.000 Kommentare zu einer Änderung gibt.

Kommentiert wurde recht ausführlich, Hunderte Kommentare stehen darunter. Auch die deutsche Version wurde offensichtlich von einigen gefunden, dort sind ebenfalls mehrere Hundert Kommentare versammelt. Aber 7.000 Postings zu einer konkreten Änderung sind es nicht. Wohl, weil das entsprechende Dokument mit den neuen Regeln gut versteckt war. Lediglich zwei Millionen der über 800 Millionen Facebook-Nutzer folgen der Governance-Seite, auf der es stand und wurden somit davon benachrichtigt.

Kai Biermann

Kai Biermann ist Redakteur im Team Investigativ/Daten bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Trotzdem sollte es das Unternehmen bedenklich finden, dass keiner der Kommentare positiv ausfiel. Viele schrieben darunter, dass sie die Änderung komplett ablehnen oder sie schrieben Bemerkungen wie die folgende: " Dear Facebook, if you want to own, exploit and sell even more of my personal information and the content presented by me: 1) ask for it very, very, very nicely 2) pay me 3) give me an opportunity to say 'no'. " Übersetzt: Wenn Ihr mehr von meinen Daten wollt, dann solltet ihr sehr nett fragen, mich dafür bezahlen, oder mir die Möglichkeit geben, Nein zu sagen.

Ein Nein ist nicht vorgesehen

Doch eine Möglichkeit, die Änderung abzulehnen, ist nicht vorgesehen. Die Frist zum Kommentieren endete am 22. März, dem heutigen Donnerstag, ohne dass irgendeine Reaktion auf die Beschwerden der Nutzer erkennbar war. Die Nutzungsbedingungen sind unverändert in Kraft getreten. Deutschland ist allerdings ein Sonderfall, hier dauert es immerhin aber noch 30 Tage, bis die Änderungen gelten.

Diese Änderungen wirken dabei auf den ersten Blick unbedeutend, hier ein Wort, da ein klärender Halbsatz. Doch zeigen die Art der Ankündigung und der Inhalt der veränderten Halbsätze recht genau, was das Netzwerk von seinen Nutzern will und was es von ihnen hält.

Den deutlichsten Hinweis liefert gleich einer der ersten Punkte der Revision. Bislang stand in dem Dokument unter " Privacy ", was Datenschutz oder Privatsphäre heißen kann: " We designed our Privacy Policy to make important disclosures (...) " Im neuen Text heißt es dagegen: " We designed our Data Use Policy (...) " Aus der Datenschutz-Richtlinie ist damit eine Datennutzungsrichtlinie geworden, beziehungsweise eine Datenverwendungsrichtlinie, wie sie in der deutschen Version von Facebook genannt wird.

Zyniker könnten einwenden, dass das ehrlicher ist, da es Facebook schon immer um die Datennutzung ging und nie um den Datenschutz . Doch zeigt es, dass der Konzern inzwischen nicht einmal mehr vorgibt, sich um Datenschutz zu scheren. Dabei wurden seine Geschäftsbedingungen hierzulande gerade erst vom Landgericht Berlin bemängelt.

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Kommentare

71 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

Natürlich nicht

Ganz ehrlich, mich kratzt es nen feuchten Dreck was mit meinen Facebookdaten passiert. Jeder muß sich halt selber dadrüber im klaren sein, was er über das Netzwerk postet, welche Daten er da einpflegt und wie er seinen Rechner entsprechend pflegt das er nicht 1 Millionen Fußspuren im Netz hinterläßt....und gut ist. Wem das bisschen gesunder Menschenverstand fehlt, ja, der sollte einen großen Bogen machen... aber nicht um Facebook, sondern um das Internet im großen und ganzen.

Bitte achten Sie auf einen sachlichen Diskussionston. Danke, die Redaktion/lv

Hm OK,

aber ich glaube die wenigsten sind sich auch wirklich bewusst, wieviel Einfluss die angegebenen Daten haben. In größeren Unternehmen reicht es schon ein paar betrunkene Partybilder auf seinem Facebook-Account zu haben, um nicht zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden. Und das können auch Bilder sein, die andere Hochgeladen haben, die dann deinen Account darauf verlinkt haben.
Und vielen ist auch nicht bewusst dass Facebook nicht vergisst. Es löscht zwar auf Anfrage die Daten auf den Seiten, auf ihrem Internen Sammel-Server bleiben aber alle Daten für die Ewigkeit gespeichert.

Eine relativ verbreitete und relativ dumme Meinung.

1. Nicht von sich auf andere schließen
2. Niemand beherrscht diese Mechanismen vollständig. Die Netzwerke sind geschlossene Systeme, die Weitergabe von Daten, deren Wege und Verknüpfung sind nicht bekannt. Ein entstehender Datenpool ist abhängig von der Zusammenarbeit oder dem Aufkauf von Unternehmen, vom Interesse von Zielgruppen, daraus entstehenden Marktpreisen und Motivation. Dass FB einen Dürfschein für quasi-beliebige Datennutzung unterschreiben lässt, spricht Bände. Sammeln, Sammeln, Sammeln und irgendwann platzt die Bombe.
3. Nicht jeder Nutzer ist Technologiejunkie und kann oder will sich geistig mit den zugrundeliegenden Techniken auseinandersetzen. Im Gegenteil wird der Großteil der User den Dienst einfach nur nutzen wollen.
4. Wenn jemand behauptet, FB zu nutzen und von dieser Debatte nicht betroffen zu sein, frage ich mich doch, _wie_ er FB ernstaft nutzt. Statusmeldungen, Gespräche über Interessen, Verlinken politischer Artikel, Verlinken interessanter Produkte, … fast jede Kommunikation - mal vom Plausch übers Wetter abgesehen - ist kommerziell auswertbar oder hat eine andere DS-Relevanz (bspw. die Kontrolle von politischen Aussagen durch Interessengruppen). Selbst die Information, wem man folgt oder mit wem man befreundet ist, hat schon Aussagekraft. Die Uhrzeit, wann man postet. Welche Seiten man angemeldet (oder auch abgemeldet) besucht. Usw. Was soll da noch bleiben, was man auf Facebook tut? Farmville spielen? Ok, das ist vermutlich unbedenklich.

"Was soll da noch bleiben, was man auf Facebook tut?

Farmville spielen? Ok, das ist vermutlich unbedenklich."

Und genau das ist falsch, denn Facebook "verkauft" keine Daten. Schön blöd wären sie, denn diese Daten sind ihre Werbeeinnahmen.
Wer aber Apps benutzt, wie eben Farmville und zig andere, wird gezwungen seine Facebook-Daten an diese Anbieter weitergzugeben. Wer immer da dahintersteckt bleibt oft im Dunkeln.

Wir haben jetzt hier in der Diskussion massig Facebook-Kenner, die meisten wohl ohne jemals drin gewesen zu sein.
Da sollte mir doch mal einer jetzt klipp und klar sagen was Facebook mit meinen Daten konkret macht - und bitte nicht mit CIA und meiner Gesinnung und ähnlichem dummen Zeug anfangen.

Ich behaupte, Facebook macht nichts anderes als hier Zeit-online, oder Google, oder jede andere Webseite die ich besuche, naemlich mir Werbung auf meinen Browser zu schalten. Deswegen ist nämlich Zeit-online kostenlos, jedenfalls solange es sich rechnet.

Übrigens, meine Freunde auf Facebook suche ich mir alle selbst aus, es werden nicht hunderte anonyme Gestalten "gesammelt". Ich kenne über 90% perönlich.

Und wer glaubt die Daten können nur mal so einfach "geheimdienstlich", "gesinnungsmässig" ausgeschnüffelt und zugeordnet werden sollte sich mal überlegen wieso man Jahre lang das rechtsaussen Mördertrio in Deutschland nicht schnappen konnte obwohl ALLES über sie bekannt war.

Man dichtet dem Internet viel zu viel "misteriöse Macht" an.
Meist auch weil es bisher keine deutsche Firma geschafft hat dort Fuss zu fassen.

Gebrauchseinweisung

Man kann dafür sorgen, sich nicht öffentlich zu entblößen oder zu betrinekn, ist gar nicht schwer. Meinen account kann ich so einstellen, daß nur diejenigen daruf zugriff haben, die meine Freunde sind.
Die Zahl der Freunde halte ich sehr übersichtlich, es befinden sich lediglich Personen in der Liste, die ich im echten Leben bereits in meiner Wohnung hatte - die aber zum Teil so weit weg wohnen, daß wir uns nicht so oft sehen können wie wir es gerne hätten.
Wenn ich auf einem Bild markiert werde, kann ich die Markierung rückgängig machen. Ein erneutes markieren durch eine andere Person ist dann nicht mehr möglich.
Facebook ist eine schöne Möglichkeit, unkompliziert in Kontakt zu bleiben. Nicht mehr und nicht wenigerMan sollte allerdings sein Hirn einschalten und die Privatsphäreneinstellungen gestalten.

Die Geschäftsgrundlage

von Facebook ist die Speicherung, Verarbeitung und Weiterreichung der Daten seiner Nutzer. Jegliches zurückweichen hinter die bisherige Geschäftspraxis, diese Datennutzung zu manifestieren und auszuweiten würde nicht nur eine Beschneidung des wirtschaftlichen Wachstums von Facebook bedeuten sondern dem Unternehmen geradezu die Geschäftsgrundlage entziehen. Die Betreiber müssten sich fragen, wozu sie die Seite dann überhaupt noch betreiben, wenn nicht um größtmöglichen Profit aus dem Social-Network-Trend zu ziehen. Think American! Think BIG!

Ich bin zwar nicht Clemens Ritter,

habe jedoch auch vor einiger Zeit mein Facebook-Konto "löschen" lassen. Mir ist durchaus bewusst, dass FB meine einmal eingegebenen Daten nicht löscht, aber ich habe dem Unternehmen immerhin die Chance genommen, gegenwärtig und zukünftig meine Daten zu verwenden. Meinen Browser habe ich zusätzlich so eingestellt, dass er keine Cookies von FB akzeptiert.