FacebookNutzer, kämpft gegen Eure Unmündigkeit

Facebook ist so groß, dass es Regeln des Zusammenlebens definiert, ohne zu sagen, wie sie lauten. Transparenz kann diese Unfreiheit beenden. Nutzer sollten sie einfordern. von 

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bei der firmeneigenen Entwicklermesse f8

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bei der firmeneigenen Entwicklermesse f8  |  © KIMIHIRO HOSHINO/AFP/Getty Images

Facebook hat derzeit nach eigenen Angaben 845 Millionen Nutzer . Wäre das soziale Netzwerk ein Staat, es wäre mit dieser Einwohnerzahl der drittgrößte der Erde, nach China und Indien . Das ist ein Bild, das Facebook-Vertreter gern nutzen . Allerdings hört die Vergleichbarkeit bei der Größe auf.

Facebook ist kein Staat. Leider, muss man inzwischen fast sagen. Denn wäre es einer, könnten die Nutzer ein paar Dinge einfordern, die angesichts der erheblichen Relevanz, die das System für öffentliche Wahrnehmung und Kommunikation hat, gut wären: Einfluss auf die Entwicklung beispielsweise. Oder wenigstens Transparenz.

Das soll kein Aufruf sein, Facebook zu verstaatlichen. Keinem Staat sollte so viel Wissen über seine Bürger übertragen werden, wie es Facebook über seine Nutzer hat.

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Das soll auch kein Aufruf sein, den Konzern dichtzumachen oder zu zerschlagen. Facebook ist ein Unternehmen und muss per definitionem Geld verdienen, um zu überleben und seinen Dienst anbieten zu können.

Zu groß, um es einfach hinzunehmen

Kai Biermann
Kai Biermann

Kai Biermann ist Redakteur im Team Investigativ/Daten bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Doch Facebook ist inzwischen so groß, dass es definiert, wie wir miteinander reden, dass es bestimmt, was wir im gegenseitigen Miteinander akzeptieren und was wir als inakzeptabel ansehen. So viele Menschen sind dort Mitglied, dass sich dort verordnete Konventionen weltweit ausbreiten.

Ein Beispiel: Facebook löscht Bilder stillender Mütter ( "Mothers breastfeeding without clothes on" ). Seit Jahren verschwinden Fotos, wenn darauf eine Brust zu sehen ist, weil sie angeblich pornografisch sind. Kinder in der Öffentlichkeit zu stillen, ist in den USA legal – wenn auch nicht gern gesehen – in Ländern wie Deutschland sogar völlig normal. Dank der rigiden Politik Facebooks besteht zumindest die Chance, dass stillende Mütter irgendwann als etwas Aufsehenerregendes, ja gar Ekel Auslösendes angesehen werden, das nicht in die Öffentlichkeit gehört.

Alle Regeln des menschlichen Miteinanders sind Verabredungen, die sich ändern können, sie sind verhandelbar. Gesellschaftliche Verhandlungen sind jedoch nur möglich, wenn alle von den Fakten wissen und sie diskutieren können. Facebook aber will die Regeln, die der Konzern sich und damit uns gibt, nicht kommunizieren. Sie werden im Zweifel nur deswegen bekannt, weil sich ein ehemaliger Mitarbeiter traut , sie öffentlich zu machen.

Leserkommentare
  1. veranstalten kann und vermisse bisher nichts in meinem Leben (außer den üblichen Verdächtigten wie Geld und Co..).
    Mir ist leider klar, dass so ziemlich alles, was der "moderne" Zeitgeist zu bieten hat, Blend- und Zauberwerke sind, superviel Verarsche zum Nutzen der Anbieter, sonst nichts.. Warum aber die Herde ihrem Metzger so gerne hinterherläuft, kann ich mir bisher nicht erklären. Muss so eine Art Lemminge-Krankheit sein. Erschreckend ist für mich nur die Riesenmasse, die nicht spürt, wie man sie am Kragen hat...verrät und verkauft!

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  2. .. ein kommerzielles Unternehmen, dessen Geschäftsmodell das Erlangen von Wissen über die Nutzer seines Angebots ist. Mein Eindruck ist, dass der Drang zur Mündigkeit bei diesen Nutzern nicht besonders ausgeprägt ist, schon seit längerem kann die Konsequenz einer mündigen Haltung eigentlich nur sein, von der Nutzung dieses Angebots abzusehen.

    Facebook und auch Google haben mit der Änderung ihrer AGB bzgl. "Datenverwendung" die Maske fallen lassen, wer dort noch teilnimmt, entscheidet sich bewusst dafür. Es gibt auch andere Wege, in Kontakt mit Freunden und Bekannten zu bleiben.

    http://www.faz.net/aktuel...

    19 Leserempfehlungen
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    Mich würden auch die fairen Alternativen, insbesondere zum Email-Service von Google interessieren.

    • xpeten
    • 07. März 2012 22:27 Uhr

    Sie haben völlig recht, wenn Sie das Label "Soziales Netzwerk" infrage stellen und diese Funktion eher als Abfallprodukt des eigentlichen Geschäftsmodelles deuten,

    allerdings würde ja die "bewusste Entscheidung" das Mitdenken des Users voraussetzen, weshalb ich eher davon ausgehe, dass es den meisten Leuten einfach nur völlig egal ist, wer was mit ihren Daten anfängt, wer über sie Einblick in ihre Intimsphäre nehmen kann, oder wem man sie aus kommerziellen Gründen überlässt - auch verkauft genannt.

  3. .. wie "facebook" die verlogene US-amerikanische "Moral", z.B. bzgl. Sexualität, weltweit exportiert wird.

    Immer öfter höre ich jetzt auch in unseren Breiten Begriffe wie "inappropriate" oder "offensive". Das Löschen von Fotos stillender Mütter geht in diese Richtung.

    Nur Gewalt, das geht immer, und da ist man nicht so zimperlich.

    13 Leserempfehlungen
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    Lieber Schreiber dieser Zeilen,

    falls es auch im Deutschen Sozialen Umfeld
    sich durchsetzen sollte, daß per Staatsräson
    keine freizügigen Bilder der Menschlichen
    Sexualität mehr zu Werbezwecken noch zu
    kommerzialisierten Bedeutungstransporten...
    eine bildliche wie auch phonetische sowie
    schriftliche Darstellung... abgebildet
    werden dürfen..., auschließlich zu medizinischer
    Aufklärung in diesem Bereich sollte die
    Sexualität im sozialen Umfeld, der allgemeinen
    Wahrnehmung in Wort, Schrift und Bild eine
    Akzeptanz finden.

    Sie haben ein Faß aufgemacht, lieber Schreiber,
    ich habe dieses Faß nun wieder geschlossen.

    aus tiefstem Herzen. Gewalt geht immer. Gewalt geht immer mehr. Leider. Verfolgt man den US Wahlkampf, kann man nur ungläubig staunen, dass Darwin auf eine Art Index gesetzt werden soll. Waffen und Gewalt scheinen aber der Inbegriff amerikanischer Freiheit zu sein. Facebook ist die freiwillige Aufgabe von Persönlichkeitsrechten. Unglaublich, aber wahr.

    Dass dies auch in D nicht erlaubt ist nur keiner ettwas gegen nackte in Werbung und TV sagt/unternimmt. Denn sehen tun dies ja dann auch kinder zum beispiel die sexualisierte werbung an einer Werbetafel. Man kann sich dessen auch als Kind nicht entziehen.

  4. Nach diesem maßlos übertriebenen hype heute kann man sich doch wundern wozu fb noch gut ist. wäre kony durch eine nicht existente person ersetzt worden, die wenigsten hätten es gemerkt. und auf die idee mal etwas über inivisble children zu recherchieren kommt kaum einer. der selbstdarstellungszwang der meisten kann zu einem gefährlichen mitläufertum führen. naja wenigstens wissen jetzt 800 millionen menschen das die hauptprobleme zentralafrikas durch eine Person begründet sind.

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  5. Im Grunde gibt es doch drei Möglichkeiten:
    1. Facebook nicht beitreten bzw. verlassen
    2. Mitmachen wie es sich FB wünscht (Vorlieben posten, Bilder hochladen etc.)
    3. Facebook "kreativ" nutzen: keine Bilder/Videos hochladen, keine persönlichen Daten angeben, FDP und Linkspartei "liken", kurz: das Profil einfach als spaßige Dependance nutzen und sich über die personalisierte Werbung rechts freuen.

    5 Leserempfehlungen
  6. ...das es seine Spielregeln öffentlich obwohl es genau damit, der Unkenntniss des Produktes ("Kunde" ist man ja nicht!), sein Geld verdient, halte ich für blauäugig.
    Wiki ist kein gutes Beispiel weil Wiki bei Definition nicht an Profit interessiert ist - Gott/Allah/Buddah/Atheismo sei Dank!
    Das die amerikanische Prüderie in einem amerikanischen Unternehmen dann irgendwann erscheint sollte auch niemanden wundern.
    Und als Eurpäer wird man sich da auch nicht durchsetzen, da kann man sich noch so viel beschweren - und befindet sich meiner, zugegeben subjektiven, Meinung in der Minderheit.
    Viele arabische und asiatische Facebook Produkte stehen eher auf der Seite der amerikanischen.

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  7. Dafür reichen mir meine bisherigen Erfahrungen mit dieser "Firma".

    Irgend jemand hat 2009 bei Facebook ein Konto angelegt und dabei fälschlich eine meiner privaten Email-Adressen hinterlegt. Seitdem werde ich regelmäßig mit blödsinnigen Mails von Facebook beharkt, ich solle doch über einen Link in diesen Mails mein Konto bestätigen.

    Ich habe schon alles versucht, um das abzustellen - ohne Ergebnis.

    Der Link führt zu einer Seite, auf der ich mich zuerst einloggen soll, was nicht geht - ich habe schließlich gar kein Konto und weiss natürlich auch kein Passwort. Der Versuch, mit der angegebenen EMail-Adresse ein neues Passwort anzufordern führt zu der Meldung, dass diese Mail-Adresse unbekannt sei.

    Meldungen an Facebook sind nur möglich, wenn man ein Facebook-Konto hat - hier beißt sich die Schlange wieder in den Schwanz.

    Einer Firma, die nicht einmal zu solch simplen Dingen wie der Verifizierung von bei Kontenanlagen angegebenen Mailadressen in der Lage zu sein scheint und deren Software so kaputt ist, dass sie mit inkonsistenten Datenbeständen herumzuhantieren scheint, werde ich ganz sicher nicht einen einzigen Millimeter über den Weg trauen.

    Wer so arbeitet, dem traue ich alles zu - außer einem in irgendeiner Weise sinnvollen Umgang mit sensiblen Daten

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    • Hermez
    • 07. März 2012 18:30 Uhr

    ...nicht mit mir.
    Zuckerberg ist mir immer höchst suspekt gewesen, mag ihn nicht.
    Facebook braucht kein Mensch. Gottseidank kann man sich ja (noch) entscheiden ob man es nutz oder nicht.
    Zugegeben...

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke, die Redaktion/se

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