Screenshot der App "Girls Around Me": Links die Startseite, rechts die Darstellung der Funktionsweise. © cultofmac.com

Name und Gestaltung lassen keine Missverständnisse aufkommen: Girls Around Me ist eine iPhone-App für Männer, die Frauen in ihrer Umgebung kennenlernen wollen – es geht auch umgekehrt, aber angesichts des Namens kommt da wohl erst einmal niemand drauf. Diese App führt öffentlich zugängliche Daten von Foursquare, Facebook und Google Maps zusammen und zeigt an, wo in der Nähe des App-Nutzers welche Frau oder welcher Mann unterwegs ist und was dessen Facebook-Profil alles über den oder die Betreffende/-n verrät. Genauer gesagt: Die App führte zusammen. Vergangenheitsform. Denn jetzt ist sie aus iTunes verschwunden.

Die Startseite von Girls Around Me : Silhouetten von Frauen in sexy Posen, dargestellt auf einer Art Radarschirm. Hier geht es nicht um "die leichte und einfache geo-soziale Erkundung von beliebten Veranstaltungsorten", wie es der Hersteller nennt. Hier geht es ums Stalken, um das gezielte Ausspähen von Frauen – zumindest hat das Blog Cult of Mac es so dargestellt, in einem aufsehenerregenden Blogeintrag .

Autor John Brownlee beschreibt darin, wie er sechs guten Freunden die App erklärte und wie diese Freunde, Männer wie Frauen, darauf reagierten: schockiert.

Im Prinzip ist Girls Around Me ein typisches Mash-up, das Daten aus drei anderen Diensten miteinander kombiniert: Der Lokalisierungsdienst Foursquare erlaubt es seinen Nutzern, an bestimmten Orten "einzuchecken", also öffentlich zu machen, wo sie sich gerade befinden. Google Maps zeigt den entsprechenden Ort an. Verlinkt die betreffende Person innerhalb von Foursquare auch noch auf ihr Facebook-Profil mit öffentlich einsehbaren Daten, zeigt Girls Around Me alles zusammen an: wer ist gerade wo und was ist über diese Person bekannt? So etwas können andere Apps wie Ban.jo oder Sonar auch, bei Girls Around Me fällt allerdings der Name auf sowie zwei bestimmte Funktionen: Wahlweise zeigt die App nur Frauen oder nur Männer an, und diese sortiert nach einzelnen Locations auf einer Karte.

Brownlee demonstrierte seinen Freunden mit der App, welche Folgen es haben kann, wenn jemand viele private Informationen über sich öffentlich macht – absichtlich oder aus Unwissen. Eine Frau namens Zoe war laut Foursquare in einem nahen Club. Ihr Facebook-Profil verriet, wie alt sie war, welche Schule und welches College sie besucht hat, dass sie Single und liberal ist und einiges mehr. Auch über ihren Bruder war vieles bei Facebook einsehbar. Weitere Vorlieben konnte Brownlee den vielen Facebook-Fotos von Zoe entnehmen: dass sie zuletzt Urlaub in Rom gemacht hat, welchen Drink sie offensichtlich besonders mag, wie sie im Bikini aussieht und dass sie, wenn sie angetrunken ist, offenbar schnell anhänglich wird.

"Alles, was ich jetzt tun müsste, um mich an sie heranzumachen", schreibt Brownlee, "ist in den Club zu gehen. Ich weiß ja, wie sie aussieht. Dort frage ich sie, ob sie sich an mich erinnert, aus Schulzeiten, und wie es ihrem Bruder Mike geht. Dann kaufe ich ihr ihren Lieblingsdrink und erzähle ihr ein bisschen was über meinen tollen Sommer in Rom. Und wenn es mit Zoe nicht klappt, sind laut Girls Around Me jetzt gerade ja noch neun andere Frauen im selben Club."

Das ist eine durchaus reale Gefahr. Doch ist nicht die App das Problem dabei, wie auch Brownlee zugibt. Schließlich kombiniere sie nur Daten, die ohnehin öffentlich sind. Die Entwickler des Programms nimmt er deshalb ausdrücklich in Schutz. Brownlee empfiehlt sogar, sich die kostenlose App herunterzuladen, um damit anderen Menschen zu demonstrieren, wie wichtig es ist, sich mit den eigenen Privatsphäre-Einstellungen auszukennen.

Sein Blogeintrag wirkt deshalb auf den ersten Blick ausgewogen und sachlich. Doch auf den zweiten Blick wird klar, dass sein Beispiel alarmistisch ist und von sehr speziellen und eher unwahrscheinlichen Voraussetzungen ausgeht.