NutzerdatenFacebook bricht seine Datenschutz-Versprechen

Bis Ende März, so hatte es Facebook den irischen Behörden versprochen, würde der Datenschutz im Netzwerk verbessert. Passiert ist wenig – bestraft wird Facebook nicht. von 

Max Schrems von der Initiative "Europe versus Facebook"

Max Schrems von der Initiative "Europe versus Facebook"  |  © Herwig Prammer / rtr

Max Schrems ist erbost. "Jeder normale Bürger muss sich an Gesetze halten, Facebook anscheinend nicht", sagt der Gründer der Initiative "Europe versus Facebook ".

Er weist darauf hin, dass Facebook sich gegenüber der irischen Datenschutzbehörde DPC verpflichtet hatte, bis zum 31. März verschiedene Verbesserungen einzuführen. Zuständig ist die DPC, weil Facebook seinen europäischen Sitz in Dublin hat. Geschehen sei im Umgang mit Nutzerdaten jedoch nichts, beschwert sich Schrems.

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Konsequenzen muss das Unternehme trotzdem nicht nicht fürchten. Stattdessen hofft die DPC nun, bis Ende April zu einer Lösung zu gelangen. Das habe die Behörde ihm im direkten Gespräch mitgeteilt, sagte Schrems. Und weiter: "Es scheint, als lasse sich die irische Behörde mit Freuden auf der Nase herumtanzen. Mit ernsthafter Rechtsdurchsetzung hat das leider nichts mehr zu tun."

Der Wiener Jurastudent hatte aufmerksam verfolgt, zu welchen Schlussfolgerungen die DPC nach ihrer mehrmonatigen Betriebsprüfung von Facebook vergangenen Dezember gelangt ist. Denn die DPC hatte auch die 22 Anzeigen seiner Initiative in ihrem ersten Bericht berücksichtigt. "Europe versus Facebook" wirft dem Unternehmen unter anderem vor, Daten nicht vollständig zu löschen und ungültige Datenschutzbestimmungen zu verwenden.

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Facebook hatte sich laut DPC-Bericht dazu verpflichtet, bis zum Ende des ersten Quartals 2012 zumindest an neuen Datenschutzbestimmungen zu arbeiten, die in mehreren Punkten verständlicher und eindeutiger sind als bisher. Die Einstellungen zu sozialen Anzeigen wollte Facebook mit den Privatsphäre-Einstellungen zusammenlegen. Außerdem sollen die Nutzer darauf aufmerksam gemacht werden, dass ihre Adressbuchdaten unverschlüsselt übertragen werden, wenn sie ihre Smartphone-Kontakte mit Facebook synchronisieren.

Bislang hat Facebook davon nichts umgesetzt, sagt Schrems. Die Datenschutzrichtlinien heißen mittlerweile lediglich Datenverwendungsrichtlinien , die letzte Überarbeitung fand aber im September 2011 statt. Geändert werden dagegen die Nutzungsbedingungen, was den Nutzern allerdings keine Vorteile bringt .

Privatsphäre

Die 2004 gestartete Seite Facebook will nach Aussage ihre Gründers Mark Zuckerberg die Welt offener und vernetzter machen. Das gelingt ihr offensichtlich viel zu gut, gab es doch bereits häufig Proteste, Facebook nötige seine Nutzer zu mehr Offenheit, als diese sich wünschten. So sammelt die Seite E-Mail-Adressen und Telefonnummern auch von Nichtmitgliedern, wenn Mitglieder ihr Adressbuch bei Facebook speichern. Sie nutzt diese Informationen, um Nichtmitglieder zu kontaktieren. Facebook betont, dass dabei keine "Schattenprofile" von Nichtmitgliedern erstellt werden. Der Konzern hat auf den Widerstand seiner Nutzer reagiert und zumindest die möglichen Einstellungen, welche Profilinformationen für wen sichtbar sein sollen, überarbeitet. Auch "Gruppen" wurden eingeführt. Nutzer können ihre Kontakte in solchen organisieren, damit nicht jede Information an alle geht.

Vernetzung

Aufgrund der Struktur der Seite ist es jedoch möglich, Schlüsse über jemanden zu ziehen, die er so nicht beabsichtigt hatte. Allein die als Freunde bezeichneten Mitglieder können durch ihre Interessen beispielsweise nahe legen, dass jemand homosexuell ist, auch wenn er selbst das nicht in seinem Profil angibt. Der hohe Vernetzungsgrad und die vielen verfügbaren Informationen machen es möglich, statistische Wahrscheinlichkeiten zu berechnen und so neue Schlüsse zu ziehen. Kritiker sagen, das Netzwerk könne beispielsweise für Dissidenten lebensgefährlich sein, da es Gruppenstrukturen durchschaubar mache.

Profil

Wer Facebook nutzen, aber so wenig wie möglich über sich verraten will, sollte beispielsweise keinen Gruppen beitreten und keine persönlichen Interessen wie Musik angeben. Was genau das eigene Profil nach außen sichtbar macht, lässt sich unter anderem bei dieser Seite abfragen. Sie nutzt die offizielle API von Facebook, die Schnittstelle also, durch die externe Firmen Informationen über Mitglieder beziehen dürfen. Wer sich darüber hinaus davor schützen will, dass ihm mit einem gestohlenen Passwort sein halbes Leben abhanden kommt, kann inzwischen beim Login in seinen Account temporäre Passwörter nutzen.

Die Einstellungen zu sozialen Anzeigen muss der Nutzer weiterhin in den Kontoeinstellungen vornehmen. Und zur unverschlüsselten Übertragung von Adressbuchdaten ist auf den Facebook-Seiten weiterhin nichts zu finden.

Allein Änderungen, die spätestens im Januar oder Februar umgesetzt werden mussten , hat Facebook mittlerweile vorgenommen – jedenfalls teilweise. So werden Mitglieder mittlerweile dreimal über die Gesichtserkennung in Facebooks Fotoprogramm informiert.

Facebook selbst gab bei zdnet.com folgendes Statement zu der verzögerten Umsetzung ab: "Facebook Irland investiert sehr große Anstrengungen, um sicherzustellen, einen Fortschritt bei der Erfüllung unserer Versprechen zu erzielen. Wir stehen in ständigem Kontakt mit der irischen Datenschutzbehörde. (...) Wir haben ihr kürzlich berichtet, dass wir einige ihrer Anforderungen vorzeitig umgesetzt haben und erwarten, dass alle Ziele, die wir zum Ende des ersten Quartals erreichen wollten, in den kommende Wochen umsetzen werden."

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Leserkommentare
  1. Sicher hat Facebook etwas getan. Es hat die Datenschutzbestimmungen in Datennutzungsbestimmungen umbenannt. *eyeroll*

    Diese Aktion sagt mehr als tausend Worte....

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    Das hier...

    "Facebook Irland investiert sehr große Anstrengungen, um sicherzustellen, einen Fortschritt bei der Erfüllung unserer Versprechen zu erzielen."

    ...klingt doch sehr nach den Jubelmeldungen der staatlichen Planungsbehörde der DDR. Deren Maß an Glaubhaftigkeit ist ja sattsam bekannt.

  2. ... Mann/Frau kann "Face to Face" ohne Rechner, a"soziale" Netzwerke, usw. .... kommunizieren.Mit 'nem Bier,Kaffee.... so richtig mit Sprache. Und wenn das nicht geht,gibes Briefe, Telefon, Mail......
    .
    Find ich GUT (.)
    .
    Sagt Sikasuu
    .
    Status: Bin Kaffetrinken:-)))
    Werd gleich auf Rotwein umsteigen.

    4 Leserempfehlungen
  3. ch halte es für völlig illusorisch, FB mit Aktionen welcher Art auch immer dazu zu bewegen, den Datenschutz zu beachten. FB ist weder ein Open-Source-Projekt noch ein gemeinnütziger Verein - es ist ein gewerblicher Anbieter, der Geld verdienen will. Und das heißt nun mal, daß er sein Produkt immer weiter verbessern muß im Sinne seiner KUNDEN. Und das sind nun mal nicht die User.

    Wer Datenschutz will, muß die notwendigen Konsequenzen ziehen und FB nicht nutzen. Man muß sich, wenn man Soziale Netze will, die aber den Datenschutz beachten, über Alternativen Gedanken machen. Die gibt es durchaus, sind aber in den Kinderschuhen.

    Man kann den Apfel nicht essen und ihn behalten wollen.

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    • dubie
    • 06. April 2012 13:29 Uhr

    könnte man den usern aber vielleicht eine möglichkeit geben, einen teil des apfelbaums zu erwerben?

    wenn man die user zu kunden machte, das wär doch was.
    also, für diejenigen, die keinen wert auf ihre daten legen bleibt facebook frei. facebook kann diese daten dann an seine gewerblichen kunden weiterverkaufen.
    diejenigen aber, die ihre daten wirklich nur ihrem 'freundeskreis' preisgeben möchten, die sollen halt dafür bezahlen.
    ich hab natürlich keine ahnung, wieviel man pro nutzer dafür zahlen müsste, damit es für facebook nicht zum verlust wird, aber sofern das nicht andere kommunikationskosten überschreitet, wäre mir der schutz meiner daten schon was wert.

  4. Nico Semsrott:

    "Mögest Du der werden, als den die dich bei Facebook darstellst"

  5. ..." Mögest Du der werden, als den "Du" dich bei Facebook darstellst"

  6. Bewege Dich so und dahin, wohin sich die Dich umgebenden bewegen.

    Man glaubt die Verwunderung in den Augen der Sardinen zu sehen, derer, die sich im Netz verfangen haben, auf den Fischtrawler gehievt, kurz vor dem Eindosen.

    " Ich hab doch nur das getan, was alle getan haben ?! "

    Genau. Willkommen im Netz.

    4 Leserempfehlungen
    • bugme
    • 05. April 2012 20:28 Uhr

    Warum nicht Facebook verbieten, dass sie ihren Content in Irland anbieten dürfen, bis die Datenschutzsache geklärt ist?

    2 Leserempfehlungen
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    >> Warum nicht Facebook verbieten, dass sie ihren Content in Irland anbieten dürfen, bis die Datenschutzsache geklärt ist? <<

    Weil das erstens technisch so gut wie unmöglich ist, zweitens ökonomisch unmöglich ist, drittens rechtlich unverhältnismäßig wäre, und viertens so etwas niemand auch nur erwähnen würde, der nicht darauf steht, den sofortigen Zorn von Millionen Nutzern auf sich zu ziehen.

    Der durchschnittliche Facebooknutzer sieht Datenschutz vermutlich eher nicht als dringliches Problem.

  7. Die Daten sind Facebooks Kapital. Das Facebook dieses durch neue/strengere Richtlinien schmälern würde, hat doch niemand ernstlich gedacht!? Ach halt, doch...unser Innenminister Friedrich setzte genau da auf Selbstverpflichtung. Wenn jemand in einem solchem Amt somit indirekt ein Unternehmen bittet, freiwillig(!) auf Umsatz und Gewinn zu verzichten und das für ihn konsequenzlos bleibt, dann muss das Verhalten der anderen Behörden ebenfalls nicht überraschen...

    Aber selbst schuld, wer bei Facebook zuviele/relevante wahre Daten über sich preisgibt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Anzeige | Behörde | Betriebsprüfung | Einstellung | Facebook | Gesichtserkennung
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