Street ViewGoogle sammelte Daten von WLANs absichtlich

Bislang hat Google beteuert, dass Street-View-Autos nur aus Versehen in WLANs auch E-Mails und Passwörter abgriffen. Ein öffentlicher FCC-Bericht zeigt nun etwas anderes. von 

Ein Street-View-Fahrzeug in Brasilien

Ein Street-View-Fahrzeug in Brasilien  |  © PEDRO LADEIRA/AFP/Getty Images

Der eigentliche Fakt war letztlich nicht so dramatisch , die Kommunikationspolitik von Google dazu darf jedoch getrost als Desaster gelten: Seit 2010 gab es Gerüchte, die Street-View-Fahrzeuge hätten auch Daten privater WLANs mitgeschnitten. Im April 2011 drohten deutsche Datenschützer mit Klage und erreichten zumindest, dass Google sich öffentlich dazu äußerte. Doch erst jetzt, nach einem Jahr mit diversen Dementis und Beteuerungen von Google, alles sei ein Zufall und ein Versehen gewesen, kommt heraus, dass die Datensammlung wohl doch Absicht war.

Das Ganze ist eine Geschichte über Verschleppung und miserable Transparenz, die viel darüber aussagt, wie schwierig es ist, mit einem so großen, so neugierigen und so verschlossenen Konzern wie Google umzugehen. So waren mehrere Klagedrohungen nötig, vor allem von deutschen Datenschützern und von amerikanischen Bürgerrechtlern wie denen von Epic , um die amerikanische Handelsaufsicht FTC zu einer Untersuchung der Vorwürfe zu bewegen. Nach einiger Zeit schloss diese jedoch den Fall ab, indem sie sich für nicht zuständig erklärte.

Anzeige

Auf das Drängen von Bürgerrechtlern hin entschloss sich dann die amerikanische Kontrollbehörde für Telekommunikation FCC im Oktober 2010, die Datensammlung zu untersuchen und einen Bericht darüber anzulegen. Ohne großen Elan, wie es scheint, denn mehrere Abgeordnete des US-Kongresses äußerten Ärger über den schleppenden Fortgang und baten, über Ergebnisse informiert zu werden .

Dann veröffentlichte die FCC eine erste, jedoch massiv geschwärzte Version dieses Berichtes. Daraufhin klagten erneut Bürgerrechtler. Dieses Mal auf Herausgabe des Dokuments unter Verweis auf das amerikanische Informationsfreiheitsrecht. Und erst jetzt, Ende April 2012, entschloss sich Google, den FCC-Bericht zu veröffentlichen. Er steht auf der Cloudplattform Scribd , geschwärzt sind nur noch einzelne Namen. Damit soll unter anderem der verantwortliche Entwickler, der sich auf sein Recht, die Aussage zu verweigern, beruft, geschützt werden.

Software wurde bewusst programmiert

Ähnlich häppchenweise waren die Aussagen Googles zu dem Fall. Zuerst bestritt das Unternehmen, solche Daten überhaupt zu sammeln. Dann hieß es, die Street-View-Fahrzeuge hätten versehentlich Datenfragmente mitgeschnitten . Schließlich erklärte der Konzern, das Ganze sei wohl doch systematisch erfolgt und auf den Festplatten fänden sich ganze E-Mails, Suchhistorien und über WLAN verschickte Passworte. Immer aber blieb Google dabei, es sei ein Versehen gewesen. Ohne Absicht sei in dem entsprechenden Programm Code aus einem anderen Projekt verwendet worden.

Der nun einsehbare FCC-Bericht kommt zu einem anderen Schluss: Der verantwortliche Entwickler hat demnach die Software bewusst geschrieben. Er habe gedacht, dass mithilfe von Informationen wie zum Beispiel Suchanfragen möglicherweise die Internet-Suche verbessert werden könne, heißt es als Begründung. Der Software-Entwickler soll sich auch mindestens einmal die eingesammelten Daten angesehen haben, um nach oft besuchten Websites Ausschau zu halten. Erst als ihm ein Mitarbeiter des Suchmaschinen-Bereichs gesagt habe, solche Informationen hätten für Google keinen Wert, habe er die Idee aufgegeben.

Leserkommentare
    • JayB
    • 30. April 2012 15:26 Uhr

    Das war von Anfang an klar. Wifi-Scanner wie Kismet/KisMAC oder andere Scan-/Analyse-Tools wie Ethereal/Wireshark saugen erstmal alle Daten aus dem Äther, ob Handshakes, Beacon-Pakete, verschlüsselte oder unverschlüsselte Datenpakete etc. Gespeichert wird das aber nur, wenn in den Voreinstellungen der Programme die Speicherung der Datenpakete auch aktiviert ist. Und es kann mir keiner erzählen, dass der oder die Administrator(en) der Google-Aktion nicht wussten, was man mit solchen Programmen anstellen kann. Also kann es gar nichts anderes als eine bewusste Datensammlung gewesen sein: entweder haben sie bewusst die Speicherung aktiviert, oder sie haben die Deaktivierung der Speicherung bewusst unterlassen. Es liegt einfach in der technischen Natur der Sache, und das hätten die werten Mainstream-Journalisten schon von Anfang an der Öffentlichkeit mitteilen können.

    • incei
    • 30. April 2012 15:37 Uhr
    2. [...]

    Auf Ihre Bitte hin entfernt. Die Redaktion/ds

    • incei
    • 30. April 2012 15:43 Uhr
    3. [...]

    Auf Ihre Bitte hin entfernt. Die Redaktion/ds

  1. also ich hoffe mal, dass es der regel entspricht, dass software bewusst programmiert wird. und nicht einfach so irgendwie zufällig

  2. - technisch unausgereift
    - Krimininalität fördernd
    - gesundheitsschädlich
    Freiwillig benutze ich kein wlan.

  3. Nichts neues mehr. Google sammelt doch schon zu Beginn an die ganzeng User Daten. Was Sie damit wirklich anstellen, kann man nicht wirklich wissen.

    Zu einer wirksamen Klage wird es eh nicht kommen. Wie soll man einen Riesen stürzen?!

    LG Julia
    http://www.usenet-verglei...

    • incei
    • 30. April 2012 16:14 Uhr
    7. [...]

    Auf Ihre Bitte hin entfernt. Die Redaktion/ds

    • incei
    • 30. April 2012 16:17 Uhr
    8. [...]

    Auf Ihre Bitte hin entfernt. Die Redaktion/ds

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Riesenbaum hat auch einen Namen und nennt sich NSA.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Google | Justizministerium | Information | Software | US-Kongress | USA
Service