Dieser Text ist für jene, die Punkte und Rabatte sammeln wollen und dafür gern in Kauf nehmen, ihre Daten herzugeben. Für sie gibt es eine Smartphone-App, dank derer es nicht mehr nötig ist, Plastikkarten mit sich herumzutragen.
Kundenkarten, Rabattkarten, Punktesammelkarten – der moderne Einkäufer hat oft ein ganzes Bündel Plastikscheiben im Format 8,6 mal 5,4 Zentimeter dabei. Jedes Sportstudio, jede Handelskette gibt ihre eigenen aus. Dabei dienen sie alle nur einem Zweck: Sie sind Träger eines maschinenlesbaren Barcodes, der die Kundennummer enthält, um sie einer Kasse präsentieren zu können. Mehr nicht.
David Handlos, damals noch Student an der Uni Mannheim, las irgendwo, dass modernere Scanner einen Barcode auch vom Handydisplay ablesen können. Bahn und Lufthansa nutzen das beispielsweise, um ihren Fahrschein- und Ticketverkauf mobil zu machen. Und Handlos dachte, das könne ein Weg sein, das Portemonnaie seiner Freundin zu entrümpeln. Denn wenn sie abends weggehen wolle, erzählt er, räume sie alle Plastikkarten aus ihrer dicken Brieftasche und nehme nur Geld, EC-Karte und Führerschein mit. Dank seiner Idee muss sie die Karten nun nicht mehr zurückräumen, sofern sie ihr Handy mitnimmt.
Speicher für die Barcodes der Kundennummer
Gemeinsam mit zwei Kommilitonen entwickelte Handlos 2011 eine App namens Stocard , die zunächst nichts weiter tut, als den Barcode einer solchen Kundenkarte zu fotografieren, zu speichern und auf Wunsch im Display des Mobiltelefons anzuzeigen. An der Kasse muss statt der Karte also das Handy gezückt und vor den Scanner gehalten werden.
Da Mobiltelefone inzwischen große Speicher haben, lassen sich auf diese Weise problemlos alle Karten in einem Gerät vereinen, das man sowieso immer dabei hat. Viele Rabatt- und Kundenkarten sind bereits mit einem Logo in der App-eigenen Datenbank, aber es kann jede beliebige Karte hinzugefügt werden, die einen Barcode hat, egal ob von der Videothek oder von der Klamottenkette.
Die App ist kostenlos, es gibt sie für Android und fürs iPhone und sie ist leicht zu bedienen. Schnell wurde sie zum Renner. Gleich mehrfach hatte Apple sie auf die Startseite des App-Stores gestellt, inzwischen sei sie 135.000 Mal heruntergeladen worden, sagt Handlos.
Noch studiert er mit einem der beiden Mitentwickler an der London School of Economics, der dritte macht derzeit in Mannheim seinen Doktor in Softwaretechnik. Bald aber wollen sie die App zu ihrem Beruf machen und davon leben.
Denn sie ist nicht nur ein Speicher für die Fotos von Barcodes. Sie ist vor allem ein Weg für die Anbieter solcher Kundenkarten, Rabatte und Coupons an den Kunden oder die Kundin zu bringen. Und das wollen sich die drei bezahlen lassen.
Kommentare
Konsum 2.0
Mit solidarischen Grüßen,
besorgter_mitbuerger
Digitale Diarrhöe
Da ich keine Rabattmarken / Karten habe, ist mir auch die digitale Version egal.
Wie sieht es eigentlich mit den Geschäften aus? Können die dann nicht viel einfacher mit gefakten (digitalen) Rabattmarken abgezockt werden?
Wer so wahnsinnig ist
dass er Kundenkarten hat, hat auch nichts anderes verdient.
Rabtte in der Gruppe sammeln
"Wer es schafft, seine Freunde oder die Oma zu überzeugen, für ihn Rabatte zu sammeln, kann das nun leichter, da er die Karte dazu nicht mehr verborgen muss."
Das ging auch bisher superleicht. Beispiel: Oma + alle Freunde + man selbst bestellt die gewünschte Rabattkarte. Nun kopiert man den Barcode der eigenen Karte, schneidet diesen aus und klebt ihn *über* den Barcode aller anderen Rabattkarten. Ab sofort sammelt man mehrfach und produziert Datensalat der nicht so leicht/sinnvoll ausgewertet werden kann da die Daten mehrerer Personen beim Sammeln in einen Topf geworfen werden.
Außerdem kommt man so schneller an interessante Prämien da nicht nur eine sondern mehrere Personen gleichzeitig sammeln. Sinnvoll für Familien und WGs - vom Punktekonto können dann sinnvolle aber viel zu selten gekaufte Dinge
wie Klopapier gekauft werden.
Bestellt man nun auch noch alle Plastikkarten auf Phantasienamen (die man auf den Briefkasten klebt damit die Karten/Gutscheine auch ankommen) geschieht dies sogar noch angenehm anonym (jedenfalls anonymer als wenn man mit richtigem Namen sammelt nur für sich selbst sammelt).
(Interessanterweise gab es auch einmal Rabattkarten einer Umweltschutzorganisation welche die gemeinsam gesammelten Punkte guten Zwecken zuführen wollte. Dies wurde unterbunden/verboten da die daraus gewonnen Daten für die Unternehmen wertlos waren)