Proteste 2010 in den USA gegen die Datenschutz-Politik von Facebook © Justin Sullivan/Getty Images

Am heutigen Freitag geht Facebook an die New Yorker Technologiebörse Nasdaq . Rund 100 Milliarden soll das Unternehmen wert sein, dessen Geschäft darin besteht, Kontakte zwischen seinen Nutzern und der Werbeindustrie zu vermitteln. Je mehr Daten Facebook-Mitglieder generieren, desto wertvoller werden sie und der Konzern. Im Schnitt, so ist dem angepeilten Börsenwert zu entnehmen, wird jedes Mitglied wohl 110 Dollar wert sein.

Kein Wunder, dass Facebook  in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Neuerungen und Änderungen vor allem darauf zielte, dass Nutzer möglichst viele Daten von sich preisgeben. Apps spielen dabei eine zentrale Rolle .

Das Wall Street Journal untersuchte erst kürzlich hundert der beliebtesten Facebook-Apps. Das Fazit: Sie wollen möglichst viel über die Nutzer wissen, ohne dass es für den angebotenen Dienst unbedingt notwendig wäre. Sie spionieren die E-Mail-Adressen der Nutzer aus, ihren Standort sowie ihre persönlichen Vorlieben. Die Skype-App etwa sucht nach den Fotos der Facebook-Kontakte und ihren Geburtsdaten. Yahoo will alles über politische und religiöse Neigungen erfahren.

Nicht zuletzt der Börsengang hat die Debatte um Datenschutz bei Facebook verstärkt. So schrieb die Verbraucherzentrale Bundesverband gerade einen offenen Brief an Gründer Mark Zuckerberg . Unter Verweis auf den hohen Erlös des Börsengangs schreiben die Verbraucherschützer: "Zu unserem Bedauern sind jedoch derzeit keine Pläne zu einer nachhaltigen Verbesserung des Verbraucher- und Datenschutzes durch Investitionen geplant."

Kurz vor dem Börsengang hat Facebook seine Datenverwendungsrichtlinien aktualisiert . Die Überarbeitung bezieht sich ausdrücklich nur auf die Datenverwendungsregeln, nicht aber auf die allgemeinen Nutzungsbedingungen. Ende April hatten deutschsprachige Nutzer in rund 13.000 Kommentaren die in den Nutzungsbedingungen vorgeschlagenen Änderungen abgelehnt.

Auch die neuen Datenverwendungsrichtlinien kommen nicht gut an. Die inzwischen 35.000 deutschsprachigen Kommentare dürften dafür sorgen, dass Facebook auch hier nachbessern muss. Was dringend nötig wäre. Denn auffällig ist, dass der Konzern in dem Text jede Verantwortung für die Einhaltung des Datenschutzes durch Drittanbieter von sich weist.

Facebook übernimmt für Apps keine Verantwortung

Facebook schreibt App-Entwicklern zwar in einer eigenen Richtlinie vor , wie sie sich verhalten sollen. So muss jede Facebook-App über eigene Datenschutz-Bestimmungen verfügen. Doch die werden offensichtlich nicht gründlich genug geprüft. Sonst wären Funde wie der folgende unmöglich: Das Wall Street Journal entdeckte in der Datenschutzerklärung der App MyPad für iPad lediglich die Ankündigung: "Einstellungen zum Datenschutz werden in Kürze beigefügt."

Aus Sicht der Nutzer mangelhaft ist auch die recht einseitige Regelung zum Thema "Daten löschen": In den Entwickler-Richtlinien verlangt Facebook zwar, dass Entwickler "sämtliche Daten löschen" müssen, die sie über die Facebook-Schnittstelle erhalten haben, wenn sie das Netzwerk nicht mehr als Plattform nutzen. Das aber "dient vor allem den Interessen von Facebook", sagt Facebook-Experte Henry Krasemann vom schleswig-holsteinischen Landeszentrum für Datenschutz.