DatenverwendungFacebook verdeutlicht die eigenen Mängel

Facebook legt nach Nutzerprotesten eine neue Formulierung zum Datenschutz vor. Besser als die jetzige Version ist der Vorschlag aber nicht, sagen Kritiker – im Gegenteil. von Christiane Schulzki-Haddouti

Facebook will seine Datenverwendungsrichtlinien (früher hießen die noch "Datenschutzbestimmungen") erneut überarbeiten.

Facebook will seine Datenverwendungsrichtlinien (früher hießen die noch "Datenschutzbestimmungen") erneut überarbeiten.  |  © Raul Arboleda/AFP/GettyImages

Es ist schon die dritte Runde: Facebook hat seinen Nutzern erneut Vorschläge für eine Aktualisierung der Nutzungsbedingungen vorgelegt. Dieses Mal geht es ausschließlich um die Datenverwendungsrichtlinien, die früher noch Datenschutzrichtlinien hießen . Doch auch diese neuen Vorschläge stoßen bei vielen deutschsprachigen Facebook-Nutzern auf Widerstand.

Das hat gleich mehrere Gründe, auch wenn sich Facebooks Datenschutzbeauftragte Erin Egan rühmt , in den künftigen Datenverwendungsrichtlinien endlich auch die Vorschläge des irischen Datenschutzbeauftragten berücksichtigt zu haben. Die vorgeschlagenen neuen Richtlinien erklären genauer als bisher, was Facebook im Einzelnen mit Daten tut oder nicht tut – sie offenbaren dabei aber auch die Schwächen im Datenschutzverständnis des Unternehmens.

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So erläutert Facebook erstmals die Funktionsweise seiner Cookies. Allerdings gibt das Unternehmen nicht an, wie viele Cookies es auf den Rechnern seiner Nutzer setzt und wie lange die Cookies dort gespeichert werden, wenn der Nutzer nichts dagegen unternimmt. Auch wird nicht erläutert, welche Cookie-Arten verwendet werden und welches Cookie was genau tut. Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hatte in einer eigenen Untersuchung festgestellt, dass das so genannte Datr-Cookie zwei Jahre auf dem Rechner bleibt, auch wenn der Nutzer kein Facebook-Mitglied ist. Immerhin: Informationen über Datr-Cookies kann sich ein Nutzer mittlerweile selbst im Download-Tool herunterladen .

Aus den nun vorgeschlagenen Richtlinien geht außerdem hervor, dass die aus Sicht vieler Nutzer wichtigste Regelung, das Löschen, nicht in allen Fällen sofort funktioniert: Nutzer können zwar inzwischen Einträge in ihrer Chronik nicht nur unterdrücken, sondern dauerhaft löschen. Generell können aber nicht alle Daten, die ein Nutzer generiert hat, gelöscht werden: Nachdem ein Nutzer sein Konto gelöscht hat, dauert es etwa einen Monat, bis die Löschung vollzogen ist. Dennoch können manche Daten noch bis zu 90 Tage etwa in Sicherungskopien vorhanden sein. Gar nicht gelöscht werden die in einer Gruppe veröffentlichten Nachrichten, ebenso wenig solche Nachrichten, die an Kontakte versandt wurden.

Privatsphäre

Die 2004 gestartete Seite Facebook will nach Aussage ihre Gründers Mark Zuckerberg die Welt offener und vernetzter machen. Das gelingt ihr offensichtlich viel zu gut, gab es doch bereits häufig Proteste, Facebook nötige seine Nutzer zu mehr Offenheit, als diese sich wünschten. So sammelt die Seite E-Mail-Adressen und Telefonnummern auch von Nichtmitgliedern, wenn Mitglieder ihr Adressbuch bei Facebook speichern. Sie nutzt diese Informationen, um Nichtmitglieder zu kontaktieren. Facebook betont, dass dabei keine "Schattenprofile" von Nichtmitgliedern erstellt werden. Der Konzern hat auf den Widerstand seiner Nutzer reagiert und zumindest die möglichen Einstellungen, welche Profilinformationen für wen sichtbar sein sollen, überarbeitet. Auch "Gruppen" wurden eingeführt. Nutzer können ihre Kontakte in solchen organisieren, damit nicht jede Information an alle geht.

Vernetzung

Aufgrund der Struktur der Seite ist es jedoch möglich, Schlüsse über jemanden zu ziehen, die er so nicht beabsichtigt hatte. Allein die als Freunde bezeichneten Mitglieder können durch ihre Interessen beispielsweise nahe legen, dass jemand homosexuell ist, auch wenn er selbst das nicht in seinem Profil angibt. Der hohe Vernetzungsgrad und die vielen verfügbaren Informationen machen es möglich, statistische Wahrscheinlichkeiten zu berechnen und so neue Schlüsse zu ziehen. Kritiker sagen, das Netzwerk könne beispielsweise für Dissidenten lebensgefährlich sein, da es Gruppenstrukturen durchschaubar mache.

Profil

Wer Facebook nutzen, aber so wenig wie möglich über sich verraten will, sollte beispielsweise keinen Gruppen beitreten und keine persönlichen Interessen wie Musik angeben. Was genau das eigene Profil nach außen sichtbar macht, lässt sich unter anderem bei dieser Seite abfragen. Sie nutzt die offizielle API von Facebook, die Schnittstelle also, durch die externe Firmen Informationen über Mitglieder beziehen dürfen. Wer sich darüber hinaus davor schützen will, dass ihm mit einem gestohlenen Passwort sein halbes Leben abhanden kommt, kann inzwischen beim Login in seinen Account temporäre Passwörter nutzen.

Kritisch ist auch das Verhältnis zu externen Anwendungen: So kann man diese Anwendungen zwar jederzeit entfernen. Doch diese können weiterhin Zugriff auf die Nutzerdaten haben. Der Nutzer soll daher nach Vorstellung von Facebook selbst aktiv werden und "die Anwendung kontaktieren und sie bitten, die Informationen zu löschen". Facebook selbst sieht sich nicht in der Pflicht dafür zu sorgen, dass die Anwendungen sich an die Datenverwendungsregeln auch tatsächlich halten.

Außerdem will Facebook Nutzungsdaten länger als bisher speichern. In den vorgeschlagenen Nutzungsbedingungen heißt es: "Wir werden Daten so lange einbehalten, wie dies erforderlich ist, um den Nutzern und anderen Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen." Dazu sollen auch Daten gehören, die Facebook für Werbezwecke sammelt.

Die Wiener Studentengruppe "Europe versus Facebook" sieht in den vorgeschlagenen Richtlinien den Versuch "illegale Praktiken nun einfach 'weißzuwaschen'", sagt deren Sprecher Max Schrems. Die Initiative hat daher auf der neuen Website our-policy.org eine Reihe von eigenen Verbesserungsvorschlägen zusammengestellt. Viele deutschsprachige Nutzer haben die von Facebook vorgelegten Änderungen bereits mit einem Verweis auf diese Website kommentiert.

Leserkommentare
    • Puqio
    • 14. Mai 2012 20:29 Uhr

    Aber warum gerade Facebook mit all den Problemen, wenn es doch so viele bessere saubere Alternativen gibt?
    Ich kann das nicht verstehen . .

  1. Natürlich wäre es toll, wenn die ganze Welt für umsonst wäre. Wenn ich Facebook benutze, und niemand zwingt mich dazu, dann zahle ich natürlich auch einen Preis dafür - und der Preis ist, dass meine Daten kommerziell verwendet werden. Ist das so schlimm?

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    Man muss mit seiner Informationspreisgabe sehr vorsichtig umgehen. Aber dieses Bewusstsein fehlt vielen und muss deswegen auch irgendwie erzeugt und geschärft werden.

  2. Es wird vielleicht einige überraschen, aber Facebook und seine Betreiber wissen nur das von einem User, was dieser den Betreibern preis gibt. Manchmal kann die Wahrheit so einfach sein.

    Jeder User sollte sich vergegenwertigen, was dieser zum Ausgleich seiner Transparenz erhält? Profitieren tun derzeit die Macher sozialer Netzwerke und deren gewerbliche Kunden. Alles was über diese sozialen Netzwerke ausgetauscht wird, wird zum Bestandteil des Marktwertes. Jeder einzelne Nutzer trägt dazu bei, erhält aber im Grunde keinen echten Gegenwert.

    Das Kapital eines hohen Aktienwertes, wie bei Facebook, liegt in der Transparenz der Nutzer. Es besteht nicht die Möglichkeit diese verschlüsselt anderen zugänglich zu machen und den Betreiber außen vor zu lassen. Dadurch das dieser dem Nutzer es ermöglicht, kostenlos sein Portal beizutreten, möchte dieser im Gegenzug soviel Transparenz wie nur möglich. Und in dieser Transparenz liegt auch die Gefahr. Sie wird mehr und mehr unkontrollierbar.

    Da ist es schon besser, wenn man Fotos per Email und am besten verschlüsselt austauscht. Das man in sozialen Netzwerken, um Mobbingangriffe ins Leere laufen zu lassen, sich ein Anonymus zulegt. Zum Fototausch eignen sich auch sehr gut Online-Fotoalben, deren Zugriff man mitunter mittels einem Passwort verschlüsseln kann. Es ist besser, die eigene Privatsphäre im Internet über mehrere Kanäle zu verteilen, so dass diese nur schwer zu einem Gesamtbild zusammen zu bringen ist.

    • jnwbr
    • 14. Mai 2012 23:38 Uhr

    1.) Wie wird man eigentlich Datenschützer?

    2.) Solltet ihr den Leuten einfach folgendes vermitteln: If you don't want to be your stuff to be on the internet, don't put it on the internet.

    Wer kostenlose Dienste nutzen will, sollte halt damit leben können, dass die zur Verfügung gestellten Daten die "Währung" sind, mit der man die Nutzung bezahlt. So einfach ist das. Datenschützer... pah... ahnungslos...

    • pismo
    • 14. Mai 2012 23:45 Uhr

    Wer Facebook heutzutage immer noch als Spielwiese sieht und benutzt, hat immer noch nicht kapiert wo die Reise hingeht.
    Wie war es denn bei EBAY? Das war anfangs ein riesiger Flohmarkt mit ein paar gewerblichen Händlern. Jetzt muss man den Flohmarkt suchen weil fast alle Angebote von gewerblichen Händlern kommen. Wer noch was sucht oder anbieten will, geht besser den alten Weg über die lokalen Print-Blätter.
    Facebook entwickelt sich auch zunehmend zur kommerziellen Marketingplattform für Firmen oder Organisationen. Und Facebook erklärt dies auch ausdrücklich als Ziel. Als solches nutze ich es auch. Meine privaten Informationen, abgesehen von denen die es braucht, einen Account zu eröffnen, hat Facebook bis heute nicht und wird es auch nicht bekommen. Jedenfalls nicht freiwillig.

  3. ausgetreten & ich lebe noch! die meisten beschweren sich so halbherzig über facebook.allerdings bleiben sie dabei... dadruch ändert sich eben nix!
    mit wahren freunden trifft man sich auch ohne facebook &
    fürs chatten etc gibt es genügend andere,bessere programme...
    warum also bei facebook bleiben?

    • Meykos
    • 15. Mai 2012 9:19 Uhr

    Facebook ist genau wie Sex - einfach vollkommen überbewertet!

    ;-)

    • NomisW
    • 15. Mai 2012 9:43 Uhr

    Das Aktuelle Geschäftsmodell findet in der Diskussion nicht den angemessenen Platz. Ja gut, Facebook wird irgendwann 1 Mrd. Nutzer und deren Persönliche Daten haben. Aber was ihnen im Vergleich zu Google fehlt, ist das potenziell kommerzielle Interesse der Nutzer. Bei Google suchen die Nutzer hin und wieder mit einer Kaufabsicht nach Produkten und Dienstleistungen. Bei Facebook hingegen ist das Ziel des meistens nicht, ein Produkt zu erwerben oder Geld in die Hand zu nehmen.

    Hat Facebook ein auf Dauer erfolgversprechendes Geschäftsmodell? Wie lange werden Unternehmen, unter diesen Bedingungen, noch im größeren Maßstab in Facebook Werbung investieren? Solange sie keine solventen Nutzer mit Kaufabsicht anziehen wahrscheinlich nicht. Irgendwann wollen die Werbenden Unternehmen, die eigentlichen Kunden von Facebook, das in Werbung investierte Geld ja wieder sehen.

    Meine These ist: Facebook muss jetzt an die Börse gehen. Sie werden wahrscheinlich nie wieder so viel Geld für ihre Aktien bekommen, wenn Facebook sein Geschäftsmodell nicht erweitert. Potenziale gäbe es genug, nur hat Facebook auch die nötige Phantasie? Und sind diese Bereiche nicht schon mit Sehr starken Wettbewerbern besetzt? Bisher haben Sie nach der Erfindung des eigentlichen Tools, Facebook, noch nicht viel Phantasie bewiesen. Allein der jetzt angekündigte App-Store überzeugt mich noch nicht. Schließlich hat Facebook erst Google+ gebraucht um die Bedürfnisse der Nutzer zu beachten.

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