In der realen Welt kann man Freiheit gut definieren. Das Recht auf Privatsphäre und Anonymität zählen für mich auf jeden Fall dazu. So selbstverständlich, wie wir dieses Recht in der realen Welt in Anspruch nehmen, sollte es auch im Internet zur Verfügung stehen.

Wenn ich im realen Leben ins Museum gehe, mich in Geschäften umsehe und bar zahle, kann ich dabei völlig anonym sein. Das muss mir auch im Internet möglich sein. Mein Recht auf Anonymität heißt auch: Wenn ich im Netz jemandem schreibe, mit ihm telefoniere oder eine Videokonferenz abhalte, muss ich diese Unterhaltung privat führen können, ohne dass Dritte technisch in der Lage sind, mitzuhören.

Komplett private Kommunikation ist bei Facebook, Skype und Twitter unmöglich: Alle dort eingestellten Informationen können von den jeweiligen Unternehmen gespeichert werden und unterliegen dessen Richtlinien. Aber es gibt Alternativen, um persönliche Daten besser zu schützen: Statt Facebook können Nutzer die sozialen Netzwerke Diaspora und Friendica verwenden und statt Twitter den Nachrichtendienst Identi.ca

Um anonym chatten oder telefonieren zu können, sollten die Gesprächsteilnehmer ein Chatprogramm nutzen, das die Protokolle OTR (Off The Record Messaging) oder ZRTP (für Audio und Video) unterstützt. Ein Beispiel dafür ist die Software Jitsi. Das Programm The Onion Router (TOR) anonymisiert außerdem die eigenen Verbindungsdaten.

Ohne die Möglichkeit auf Anonymität gibt es keine wirklich freie Meinungsäußerung. Jeder Versuch, Internetsperren, Zensur oder Überwachung einzuführen, ist ein Versuch, Machtverhältnisse zu schaffen, die jenseits des Internets schon oft zu Recht abgelehnt wurden. Sobald es Organisationen oder Behörden gibt, die in großem Maßstab Datenbanken über Menschen anlegen, zieht das unweigerlich Missbrauch nach sich.

Informationen privat zu teilen ist ein Grundrecht. Die Wahrung der eigenen Privatsphäre und Anonymität sollte im Internet also immer möglich bleiben. Allen Nutzern sollten die dafür notwendigen Werkzeuge zur Verfügung stehen. Davon müssen die richtigen Menschen überzeugt werden, zum Beispiel die Hersteller von Software und Betriebssystemen. Außerdem sollte es schon in der Grundschule das Fach Medienkompetenz geben, in dem solche Themen für Kinder verständlich erklärt werden. Vielleicht werden dann in Zukunft Gesetzesvorhaben wie ACTA, SOPA und die Vorratsdatenspeicherung kein Thema mehr sein.