Leserartikel

InternetfreiheitPrivatsphäre und Anonymität auch im Internet

Leser Martin Kepplinger findet, dass im Netz das möglich sein sollte, was im realen Leben selbstverständlich ist: private Gespräche und unbeobachtetes Einkaufen.

In der realen Welt kann man Freiheit gut definieren. Das Recht auf Privatsphäre und Anonymität zählen für mich auf jeden Fall dazu. So selbstverständlich, wie wir dieses Recht in der realen Welt in Anspruch nehmen, sollte es auch im Internet zur Verfügung stehen.

Wenn ich im realen Leben ins Museum gehe, mich in Geschäften umsehe und bar zahle, kann ich dabei völlig anonym sein. Das muss mir auch im Internet möglich sein. Mein Recht auf Anonymität heißt auch: Wenn ich im Netz jemandem schreibe, mit ihm telefoniere oder eine Videokonferenz abhalte, muss ich diese Unterhaltung privat führen können, ohne dass Dritte technisch in der Lage sind, mitzuhören.

Komplett private Kommunikation ist bei Facebook, Skype und Twitter unmöglich: Alle dort eingestellten Informationen können von den jeweiligen Unternehmen gespeichert werden und unterliegen dessen Richtlinien. Aber es gibt Alternativen, um persönliche Daten besser zu schützen: Statt Facebook können Nutzer die sozialen Netzwerke Diaspora und Friendica verwenden und statt Twitter den Nachrichtendienst Identi.ca

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Um anonym chatten oder telefonieren zu können, sollten die Gesprächsteilnehmer ein Chatprogramm nutzen, das die Protokolle OTR (Off The Record Messaging) oder ZRTP (für Audio und Video) unterstützt. Ein Beispiel dafür ist die Software Jitsi. Das Programm The Onion Router (TOR) anonymisiert außerdem die eigenen Verbindungsdaten.

Ohne die Möglichkeit auf Anonymität gibt es keine wirklich freie Meinungsäußerung. Jeder Versuch, Internetsperren, Zensur oder Überwachung einzuführen, ist ein Versuch, Machtverhältnisse zu schaffen, die jenseits des Internets schon oft zu Recht abgelehnt wurden. Sobald es Organisationen oder Behörden gibt, die in großem Maßstab Datenbanken über Menschen anlegen, zieht das unweigerlich Missbrauch nach sich.

Informationen privat zu teilen ist ein Grundrecht. Die Wahrung der eigenen Privatsphäre und Anonymität sollte im Internet also immer möglich bleiben. Allen Nutzern sollten die dafür notwendigen Werkzeuge zur Verfügung stehen. Davon müssen die richtigen Menschen überzeugt werden, zum Beispiel die Hersteller von Software und Betriebssystemen. Außerdem sollte es schon in der Grundschule das Fach Medienkompetenz geben, in dem solche Themen für Kinder verständlich erklärt werden. Vielleicht werden dann in Zukunft Gesetzesvorhaben wie ACTA, SOPA und die Vorratsdatenspeicherung kein Thema mehr sein.

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Leserkommentare
  1. Die fehlende kritische Medienkompetenz und deren Ausbildung in unseren Schulen und der Gesellschaft bezüglich der neuen Technik und ihrer Möglichkeiten hatte vor über 10 Jahren der Pädagoge Hartmut von Hentig angemahnt. Der technischen Zivilisation gewachsen bleiben http://books.google.de/bo... Schaut man sich das Verhalten der Menschen (Facebook, Xing, Twitter usw.) an, so kommt man zu der Überzeugung, dass dieser Appell nahezu wirkungslos verhallt ist. Appellieren wir also erneut und immer wieder, in der Hoffnung, dass es doch noch fruchtet.

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  2. Wenn The Onion Router zu langsam ist, um den Datenverkehr zu anonymisieren kann man den JAP Anon Proxy nehmen. Die Premium Variante ist sehr schnell: https://www.anonym-surfen...

    Dort findet man auch einige Datensammler im Kurzporträt und die Techniken der Datensammler kurz beschrieben: https://www.anonym-surfen...

    2 Leserempfehlungen
  3. Ich finde eher ihre Ansicht zurückgeblieben. Statt also Mittel und Wege zu benutzen die zb das briefgeheimniss im internet wahren, sollen wir unseren kindern lieber beibringen das netz nicht in seinen vollen möglichkeiten zu nutzen, und sich lieber zu verstecken?
    Aufklärung ist extrem wichtig, ich möchte wetten das 90% mit dem kürzel https nichts verbinden, aber zu sagen lasst lieber eh alles aus dem netz, nur dann habt ihr privatsphäre,das is der falsche ansatz.

    7 Leserempfehlungen
  4. Sie sollten meinen Kommentar nochmals durchlesen, damit sie ihn verstehen. Ich äußere nur die Bedenken, dass man über die Gefahren des Internets aufklären muss. Viele gehen sehr unbedarft damit um. Diese Interessenslosigkeit sollte nicht durch irgendwelche Mechanismen gefördert werden.

    Wenn Menschen meinen, ihre virtuelle Beliebtheit dadurch zu fördern, dass sie auch das Kleinste von sich preisgeben, dann dürfe jene auch nicht jammern, wenn sie Opfer von Mobbing werden. Das Internet kennt keine echte Zensur und auch kein Vergessen.

    Es gilt das Internet intelligent zu nutzen. Mit Sachverstand und in vollem Bewusstsein. Und nicht im Sinne eines schnellen "I like it".

    Eine Leserempfehlung
  5. An silschwa

    Dann sollte man langsam anfangen, sich über Alternativen zu Facebook gedanken zu machen. Ich kann mir durchaus eine schulinterne Lösung vorstellen, die nicht soviele Daten erhebt wie Facebook. Die andere Möglichkeiten, wie z. B. Online-Fotoalben beinhaltet und vernetzt.

    Wenn es an Alternativen fehlt, dann sicherlich nur deshalb, weil jene zur Umsetzung in Deutschland nicht die Möglichkeit hierfür erhalten. Ein Gegenportal zu Facebook schreibt man nicht ebenmal in 6 Monaten an zwei Stunden am Wochenende. Aber vielleicht wäre es nicht schlecht, wenn hier mal eine vernünftige Alternative entstehen würde, die nicht auf Datenfang zur kommerziellen Ausbeutung geht. Man muss es nur wollen und ermöglichen. Aber Deutschland will weder das Eine, noch das Andere.

    Der beste Schutz der Privatsphäre in sozialen Netzwerken liegt nicht nur in der Aufklärung, sondern auch in besseren, userfreundlicheren Alternativen.

  6. "Wenn ich im realen Leben ins Museum gehe, mich in Geschäften umsehe und bar zahle, kann ich dabei völlig anonym sein."

    Der Vergleich ist zwar nachvollziehbar, aber irgendwie wirkt er für mich ge- bzw. erzwungen und auf 2. Blick auch nicht plausibel - die von ihnen geforderte Anonymität im Internet ist nicht die gleiche wie "im echten Leben". Weil ich im öffentlichen Raum vielleicht den meisten Leuten anonym sein kann, aber was ist mit Leuten, die mich kennen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • merch
    • 15.05.2012 um 15:41 Uhr

    "(...) die von ihnen geforderte Anonymität im Internet ist nicht die gleiche wie "im echten Leben". Weil ich im öffentlichen Raum vielleicht den meisten Leuten anonym sein kann, aber was ist mit Leuten, die mich kennen?"

    Online identifiziere ich mich natürlich zum Beispiel meinen Freunden gegenüber im Chat oder Firmen auf Websiten mit meinem Account. Ich finde das schon vergleichbar. Doch auch dann geht es um "Ortsanonymität" (wenn man das so nennen kann) bzw. darum, Dritten gegenüber anonym zu bleiben und vor allem, genau zu wissen, was passiert, ohne implizit ständig auf die guten Intentionen und Versprechen von Dritten angewiesen zu sein. Eben wie das ohne Internet ganz normal ist.

    aber man KANN zumindest anonym bleiben (bis auf Facebook vielleicht, wobei man hier auch falsche Daten bezüglich der Person angeben kann)....

    • merch
    • 15.05.2012 um 15:41 Uhr

    "(...) die von ihnen geforderte Anonymität im Internet ist nicht die gleiche wie "im echten Leben". Weil ich im öffentlichen Raum vielleicht den meisten Leuten anonym sein kann, aber was ist mit Leuten, die mich kennen?"

    Online identifiziere ich mich natürlich zum Beispiel meinen Freunden gegenüber im Chat oder Firmen auf Websiten mit meinem Account. Ich finde das schon vergleichbar. Doch auch dann geht es um "Ortsanonymität" (wenn man das so nennen kann) bzw. darum, Dritten gegenüber anonym zu bleiben und vor allem, genau zu wissen, was passiert, ohne implizit ständig auf die guten Intentionen und Versprechen von Dritten angewiesen zu sein. Eben wie das ohne Internet ganz normal ist.

    aber man KANN zumindest anonym bleiben (bis auf Facebook vielleicht, wobei man hier auch falsche Daten bezüglich der Person angeben kann)....

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