Der Kurznachrichtendienst Twitter hat seine Datenschutzrichtlinie und seine Nutzungsbedingungen geändert. Wichtigste Neuerung: Der Twitter-Knopf, der auf vielen Websites eingebaut ist, um deren Inhalte zu teilen, hat nun eine Spionagefunktion.

Im firmeneigenen Blog kündigte der für "Wachstum" zuständige Manager Othman Laraki an, man wolle Twitter vor allem für neue Nutzer leichter zugänglich machen und führe dazu sogenannte tailored suggestions ein, also auf den Nutzer zugeschnittene Empfehlungen.

Twitter ist für Anfänger tatsächlich ein Kreuz. Wirklichen Nutzen kann aus dem Dienst erst ziehen, wer sich in mühevoller Suche eine Liste von Leuten zusammengestellt hat, die ihn interessieren und deren Tweets er deswegen folgen will. Diese Suche aber kann in dem Meer an Pseudonymen und Spitznamen frustrierend sein. Neue Nutzer bekommen daher künftig für sie interessante Accounts vorgeschlagen.

Eine nachvollziehbare Idee für einen Manager, der sich um das Wachstum des Unternehmens kümmert. Das Problem sind die dafür notwendigen Daten. Denn Twitter muss, um einem neuen Nutzer etwas vorschlagen zu können, diesen schon kennen, bevor er sich überhaupt anmeldet. Genau das wird nun versucht.

Tracking Cookies

Der Twitter-Knopf, der auf vielen Seiten und auch bei ZEIT ONLINE eingebaut ist, um Texte, Videos oder Bilder zu teilen, kann deshalb künftig noch mehr. Er enthält nun ein Script, dass sich jeden vorbeisurfenden Browser anschaut und ihm einen sogenannten Cookie verpasst.

Das ist ungefähr so, als wenn auf dem Schulhof ein paar Scherzbolde jedem Vorbeikommenden einen Zettel auf den Rücken kleben. Jeder, der anschließend den Zettel sehen kann, weiß nun, dass der Träger an den Rüpeln vorbeigelaufen ist. Und Twitter weiß dank dieser sogenannten Tracking-Cookies nun, welche Websites ein Browser und damit dessen Nutzer zuvor besucht hat.

Kommt ein neuer Nutzer auf die Seite von Twitter, sucht diese nach den Cookies und sieht beispielsweise, dass derjenige oft bei Spiegel Online war und selten beim Focus . Daraufhin schlägt Twitter ihm Nutzer zum Folgen vor, die ein ähnliches Surfverhalten haben – tailored suggestions . Das werde derzeit mit "einigen Nutzern" getestet, heißt es in der Ankündigung. Künftig aber könnte es zum Standard werden, um auch regelmäßigen Twitternutzern interessante Dinge zu empfehlen.