Tracking CookiesTwitter verfolgt Surfer durchs Netz

Um mehr über Nutzer zu erfahren, verwendet Twitter nun auch sogenannte Tracking-Cookies. Wer beim Surfen nicht beobachtet werden will, kann sie aber ausschalten. von 

"Folge Deinen Interessen", heißt es auf der Twitter-Startseite. Twitter folgt nun zurück und interessiert sich für seine Nutzer.

"Folge Deinen Interessen", heißt es auf der Twitter-Startseite. Twitter folgt nun zurück und interessiert sich für seine Nutzer.  |  © Oli Scarff/Getty Images

Der Kurznachrichtendienst Twitter hat seine Datenschutzrichtlinie und seine Nutzungsbedingungen geändert. Wichtigste Neuerung: Der Twitter-Knopf, der auf vielen Websites eingebaut ist, um deren Inhalte zu teilen, hat nun eine Spionagefunktion.

Im firmeneigenen Blog kündigte der für "Wachstum" zuständige Manager Othman Laraki an, man wolle Twitter vor allem für neue Nutzer leichter zugänglich machen und führe dazu sogenannte tailored suggestions ein, also auf den Nutzer zugeschnittene Empfehlungen.

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Twitter ist für Anfänger tatsächlich ein Kreuz. Wirklichen Nutzen kann aus dem Dienst erst ziehen, wer sich in mühevoller Suche eine Liste von Leuten zusammengestellt hat, die ihn interessieren und deren Tweets er deswegen folgen will. Diese Suche aber kann in dem Meer an Pseudonymen und Spitznamen frustrierend sein. Neue Nutzer bekommen daher künftig für sie interessante Accounts vorgeschlagen.

Eine nachvollziehbare Idee für einen Manager, der sich um das Wachstum des Unternehmens kümmert. Das Problem sind die dafür notwendigen Daten. Denn Twitter muss, um einem neuen Nutzer etwas vorschlagen zu können, diesen schon kennen, bevor er sich überhaupt anmeldet. Genau das wird nun versucht.

Tracking Cookies

Der Twitter-Knopf, der auf vielen Seiten und auch bei ZEIT ONLINE eingebaut ist, um Texte, Videos oder Bilder zu teilen, kann deshalb künftig noch mehr. Er enthält nun ein Script, dass sich jeden vorbeisurfenden Browser anschaut und ihm einen sogenannten Cookie verpasst.

Cookies

Kleine Textdateien, in denen in erster Linie Datum und Uhrzeit gespeichert werden, wann ein Nutzer eine Seite besucht hat. Besucht er diese Seite erneut und hat den Cookie bis dahin nicht gelöscht, wird er von dem Server der Seite ausgelesen und verrät damit über längere Zeiträume, wie oft jemand wiederkommt. Notwendig sind sie beispielsweise bei Onlineshops, da nur so sicher gestellt werden kann, dass der Nutzer, der auf Seite A die Bestellung eingab der gleiche ist, der anschließend auf Seite B seine Bezahlinformationen eingibt.

Flash-Cookies

Dateien, die Angaben über den Rechner eines Nutzers enthalten und von Seiten mit Flash-Animationen erzeugt werden. Während klassische Cookies nur für einen bestimmten Browser wie Firefox gelten, sind Flash-Cookies browserunabhängig. Außerdem sind sie in der Größe nicht begrenzt. Normale Cookies können nur vier Kilobyte groß sein, für Flash-Cookies gilt diese Grenze nicht, weswegen sie sehr viel mehr Informationen übertragen können. Sie können nur über den Adobe-Einstellungsmanager oder über spezielle Programme und Add-ons wie Better Privacy gelöscht werden.

Eine besonders hartnäckige Cookie-Version sind die sogenannten Zombie-Cookies oder Evercookies. Sie kopieren sich an mehrere Stellen, auch in die Ordner für Flash-Cookies. Um sie zu entfernen, müssen sie in allen Ordnern gleichzeitig gelöscht werden. Andernfalls verteilen sie sich beim nächsten Aufruf der Website, von der sie stammen, wieder in alle vorherigen Ordner.

Beacons

Auch Zählpixel genannt, sind in Webseiten oder E-Mails eingebettete Bilddateien, die nur ein Pixel groß sind. Über die Kommunikationsdaten des Internetprotokolls verrät ihr Aufruf Uhrzeit, Browser, Betriebssystem und IP-Adresse des Nutzers. Hilfsprogramme können sie sichtbar machen oder gänzlich blockieren.

Drittanbieter-Cookies

Die permanenten Cookies lassen sich in zwei Gruppen unterteilen, in Erstanbieter- und Drittanbieter-Cookies: Erstanbieter-Cookies stammen von der Website, die ein Nutzer selbst angesteuert hat. Drittanbieter-Cookies werden von den Anzeigenkunden dieser Seite gesetzt. Und zwar auch ohne dass der User die Anzeige überhaupt angeklickt hat.

Das ist ungefähr so, als wenn auf dem Schulhof ein paar Scherzbolde jedem Vorbeikommenden einen Zettel auf den Rücken kleben. Jeder, der anschließend den Zettel sehen kann, weiß nun, dass der Träger an den Rüpeln vorbeigelaufen ist. Und Twitter weiß dank dieser sogenannten Tracking-Cookies nun, welche Websites ein Browser und damit dessen Nutzer zuvor besucht hat.

Kommt ein neuer Nutzer auf die Seite von Twitter, sucht diese nach den Cookies und sieht beispielsweise, dass derjenige oft bei Spiegel Online war und selten beim Focus . Daraufhin schlägt Twitter ihm Nutzer zum Folgen vor, die ein ähnliches Surfverhalten haben – tailored suggestions . Das werde derzeit mit "einigen Nutzern" getestet, heißt es in der Ankündigung. Künftig aber könnte es zum Standard werden, um auch regelmäßigen Twitternutzern interessante Dinge zu empfehlen.

Leserkommentare
    • 15thMD
    • 18. Mai 2012 16:07 Uhr

    Das sit ja schonmal ein erster Schritt in die richtige Richtung, den Twitter da vollzieht.

    Trotzdem ist es immernoch die BEste Alternative Ghostery/einen AdBlock zu installieren, da ist man alles los, was man auf den Webseiten nicht haben will, inklusive GefälltMir-Button und Werbung. Wer natürlich einzelne Websites unterstützden will, der solle s da einfach deaktivieren.

  1. 4. schade

    Twitter gleicht seine Praktiken damit denen von Google und Facebook an. Ist zwar verständlich für ein Unternehmen, dass noch immer kein überzeugendes Geschäftsmodell hat. Nur dann ist umso mehr davon auszugehen, dass mit den Daten eines Tages Schindluder getrieben wird.

  2. ...wie oft muss man das noch erwähnen. Macht im Übrigen auch zeit.de schöner [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Danke, die Redaktion/au.

    • RGFG
    • 18. Mai 2012 17:42 Uhr

    ...aber nicht gegen IP-based tracking. Da braucht man dann doch wieder spezielle Browser plugins.

    Übrigens sind third-party cookies in den aktuellen Safari-Browsern von vornherein aktiviert. Wie sich das dann auf der anderen Seite des Zauns anhört, siehe hier:

    http://blog.stuffedguys.com/2005/11/15/why-your-tracking-software-needs-...

    • RGFG
    • 18. Mai 2012 17:45 Uhr

    Hoffentlich gewöhne ich mich nochmal an die aggressive Rechtschreibkontrolle im neuen Mac OS - was sind mir da schon sinnentstellte Postings rausgerutscht mittlerweile...

    • pat
    • 18. Mai 2012 17:49 Uhr

    Autos einen Peilsender einzubauen, ab Werk versteht sich, um sicherzustellen, wo sich der Fahrer des Autos immer so aufhält. Diese Peilsender müssen nicht unbedingt personalisiert sein. Dort weiß der Konzern nicht, wer am Steuer sitzt. Da ist bestimmt noch viel Geld zu machen mit den Daten der Nutzer. Bei den Handies kann man das doch auch einfach machen. Ich verstehe nicht, warum es nicht erlaubt ist, die Bewegungsprofile der Handybesitzer, anonym versteht sich, zu speichern und zu verkaufen. Oder wenn H&M einfach mal die Kleidung mit RFID Chips versehen würde und dann die Kassiererin auf den Kunden direkt zu geht und ihn bestmöglich beraten kann. Der Konzern könnte somit evtl. mit Banken zusammenarbeiten und einem Kunden, der oft viel Geld ausgibt, einfach mal einen Kredit anbieten. Da ist auf jeden Fall noch sehr viel zu tun in diesem "Überwachungssektor", es werden nur anonyme DAten gesammelt, das versteht sich ja von selbst.
    Ich denke dass man die RFID Chips ganz einfach mit Alufolie abschirmen kann oder am besten man schneidet sich die Dinger dann einfach aus der Kleidung heraus, damit man nicht getrackt wird.

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    • RGFG
    • 18. Mai 2012 18:00 Uhr

    Bei BMW werden (...so man die Sonderausstattung geordert hat) bei einem Umfall automatisch GPS-Koordinaten, Fahrzeugmodell, Fahrzeugfarbe, Anzahl der Insassen und Anzahl der ausgelösten Airbags. Außerdem kriegt man einen Anruf von der Leitstelle ins Auto. Man kann das auch manuell aktivieren, wenn man z.B. im Ausland Unfallzeuge wurde und nicht genau weiß, wie man am Schnellsten Hilfe ruft.

    Kurz: Die Technik ist oft bereits an Bord - und für den geschilderten Fall eigentlich auch sehr sinnvoll. Ob einem das Mißbrauchspotenzial oder der Nutzen wichtiger ist, muss man selber entscheiden.

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