NutzungsbedingungenFacebook setzt neue Datenschutz-Regeln in Kraft

Der Konzern führt neue Nutzungsbedingungen ein. Zuvor hatten sich zu wenig Nutzer an einer Abstimmung beteiligt, um den Plan zu stoppen. Kritiker sagen: eine Farce. von afp und dpa

Facebook hat wie geplant neue Nutzungsbedingungen in Kraft gesetzt. Zuvor war eine Abstimmung der Mitglieder gescheitert, weil zu wenige Nutzer des Netzwerkes sich beteiligt hatten. Der Kommunikationschef von Facebook, Elliot Schrage, verteidigte die Entscheidung . Die neuen Richtlinien sorgten für mehr Transparenz. Es gebe positive Reaktionen von Regulierern und Datenschützern.

In den neuen Nutzungsbedingungen beschreibt Facebook genauer als bislang, was es mit den Daten seiner Nutzern macht. Dabei lässt sich der Konzern weitgehende Rechte einräumen, vor allem was die Verwertung von Statusmeldungen, Links, Fotos und privaten Nachrichten betrifft. Das Unternehmen darf diese Daten verwenden, um personalisierte Werbung zu zeigen. Auch erlauben die Mitglieder Facebook, die Daten noch weitgehender verwenden zu dürfen, falls sich das Angebot weiter entwickelt.

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Der Entwurf sieht außerdem vor, dass einige Daten länger als bisher aufgehoben werden können. "Wir werden Daten so lange einbehalten, wie dies erforderlich ist, um sie den Nutzern und anderen Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Diese umfassendere Verpflichtung gilt für alle Daten, die wir über dich sammeln und erhalten, einschließlich Informationen von Werbetreibenden", heißt es. Daten zu sogenannten Social Plugins wie dem "Gefällt mir"-Button sollen maximal 90 Tage gespeichert werden.

Zu der Abstimmung über die neuen Regeln war es gekommen, weil mehr als 7.000 Nutzer Kommentare zu den veröffentlichten Änderungsvorschlägen an der Richtlinie zur Datenverwendung abgegeben hatten. Für diesen Fall sehen die Facebook-Regeln vor, dass alle Mitglieder über einen Entwurf abstimmen können. Damit das Abstimmungsergebnis für das Online-Netzwerk bindend ist, müssen daran allerdings 30 Prozent der aktiven Nutzer teilnehmen. Das wären nach jüngsten Mitgliederzahlen rund 270 Millionen.

Bis Ablauf der Wochenfrist am Freitagabend hatten aber nur 342.632 Facebook-Mitglieder ihre Stimme abgegeben – weniger als 0,04 Prozent. Dabei gab es unter den Teilnehmern der Abstimmung eine überwältigende Ablehnung der neuen Richtlinien: Lediglich 44.749 stimmten dafür, 297.883 dagegen. Wie das Unternehmen mitteilte, gaben bis Freitag lediglich etwa 343.000 der insgesamt mehr als 900 Millionen Nutzer ihre Stimme ab. Daher gilt das Votum lediglich als "Ratschlag".

Opt-In statt Opt-Out gefordert

Daten- und Verbraucherschützer kritisierten, die neuen Bestimmungen brächten für Nutzer keine entscheidenden Verbesserungen. Sie forderten von Facebook unter anderem, dass Nutzer die besonders weitgehende Datenverwertung nicht mehr – wie bislang – ausdrücklich ablehnen müssen (Opt-out). Das Netzwerk solle sich stattdessen aktiv die Zustimmung holen (Opt-in).

Angesichts der hohen Beteiligungshürde kritisierten Datenschützer das Verfahren als Farce. Die Wiener Kritiker-Gruppe " europe-v-facebook.org ", die mit ihren Aufrufen die Abstimmung mit ausgelöst hatte, warf Facebook vor, "die Wahlurne versteckt" zu haben und sprach von einem "Demokratieverständnis wie in China ".

Facebook-Kommunikationschef Schrage verteidigte das Vorgehen des Konzerns mit den Worten, Facebook habe "erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Abstimmung einfach und zugänglich zu machen". Nutzer seien mit Anzeigen über die Abstimmung informiert worden. Angesichts der Bemühungen und der am Ende niedrigen Beteiligung wolle Facebook den Prozess auf den Prüfstand stellen und überlegen, wie man in Zukunft die Beteiligung der Nutzer verbessern könne. Die 30-Prozent-Regelung stammt aus einer Zeit, als das Netzwerk deutlich weniger Mitglieder hatte.
 

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Leserkommentare
  1. mit seiner Teilnahme unterstützt dem ist auch nicht mehr zu helfen -

  2. Wer es immer noch nicht gemerkt hat, da gab es mal einen Spruch mit " zuerst hohlten sie die Juden. Aber ich war ja keiner ....... "

    Die Regeln die jetzt mit facebook festgesetzt werden sind duch die Grosse Antzahl der Accounts die Marktüblichen Regeln.

    Das heist auch jedes andern Unternhmen kann sich darauf berufen das man die Marktüblichen Reglen für den datenschutz befolgt, und damit den Facebook standart einführen.

    Wer keine Facebook-Acount hat ist damit trotzdem betroffen da momentahn die Eglungen für die nächsten Jahrzente festgelegt werden und sich später die Leute ebend nicht mehr darauf berufne können das sie ja nicht gefragt wurden, da dann dei marktülichen Rgenl mit 600 Millionen und mehr accounts bereits ausgehandelt wurden und sie einfach nur noch übernommen werden von anderen Platformen wenn es diesen gefällt.

    Die Schadenfreude " das befrifft nicht mich, ich habe keinen Facebook Account " kommt übrigents auch in dem Spruch am ende zur einsicht.

    " Und als sie mich hohlten ,gab es niemanden mehr der Einspruch erheben konnte."

    Demokratie funktioniert nicht mit Schadenfreude über einige Gruppen und der Annahme das wird mich schon nicht treffen.

  3. Leider ist es ein Trugschluss zu glauben der Klick auf den "Logout-Button" genüge um keine Onlinespuren für Facebook mehr zu hinterlassen.

    Wer sich bei Facebook einloggt bekommt ein sogenanntes Cookie gesetzt, ein kleiner Dateneintrag im Browser. Dieser sagt "michaelrenner Loginnummer 08154711". Wann immer ich nach dem Login also Seiten auf facebook.com anklicke wird dieser Code übertragen. Das Cookie ist quasi das Eintrittsbändchen, das mein Browser facebook.com vorzeigt.

    Nun verdient Facebook Geld mit dem Wissen dass ich die Frankfuter Rundschau lese. Das Wissen um die FR (und auch den Spiegel) liefere ich Facebook selbst. Denn rufe ich die Seite der "Frankfurter Rundschau" auf, gibt es dort einen "I like" Button. Der liegt aber nicht auf den Servern in Hessen, sondern auf den Servern von Facebook - auch wenn das auf den 1. Blick nicht erkennbar ist.

    Und jetzt kommt das Cookie aus Absatz 2 wieder ins Spiel. Da mein Browser den "I like" Button von facebook.com lädt wird auch mein Loginschnipsel übertragen. Und: im welchem Context das passiert. Das bedeutet: "michaelrenner liest frankfurter-rundschau.de".

    Will ich das unterbinden genügt es nicht bei Facebook auf den "Logout-Button" zu klicken, denn dann wird das Cookie nur anders genannt, aber nicht gelöscht. Beispielsweise "michaelrenner Logout 47110815". Eindeutig und zuordenbar ist das immer noch. Und übertragen wird es auch [1].

    [1] http://flaschenpost.piratenpartei.de/wp-content/uploads/2011/05/http_hea...

  4. "erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Abstimmung einfach und zugänglich zu machen"
    hätten einfach jedem Nutzer eine link schicken können, aber dann lässt sich die Kuh vielleicht nicht mehr melken.

  5. Will man sich eines Cookies entledigen, das auch nach dem Logout die Identität verrädt muss es von Hand aus dem Browser gelöscht werden. Für den Firefox ist unter [1] beschrieben wie es funktioniert, Microsoft zeigt das Vorgehen unter [2]. Gesucht werden Cookies von "facebook.com", sie werden anschliessend gelöscht. Es können durchaus viele Cookies mit verschiedenen Namen gesprichert sein: alle weg!

    Damit herrscht dann erstmal Ruhe beim Datenschnüffeln. Egal welche Onlinezeitung, welcher Onlinehändler oder welche Partei mit dem Browser angesurft wird: Facebook erfährt jetzt nichts mehr dayon. Zumindest nicht bis zum nächsten Login dort.

    [1] http://support.mozilla.org/de/kb/Cookies%20l%C3%B6schen
    [2] http://windows.microsoft.com/de-de/windows-vista/Delete-your-Internet-co...

  6. "Nutzer seien mit Anzeigen über die Abstimmung informiert worden. "

    Ich hab nirgends einen Button oder eine Anzeige gesehen, der mich zu der Abstimmung geführt hat, sondern nur über Zeitungsartikel die darüber berichten erfahren.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Puki
    • 09. Juni 2012 19:24 Uhr

    habs über ne Info im rechten Frame, wo sonst Werbung ist, mitbekommen.
    Generell muss man sagen, es ist auch soviel durch die Medien gegangen, vor allem hier in Deutschland, das es als Schlussfolgerung nur eins zu lässt: Den Leuten ist es egal.

    Alle wollen sich immer beschweren wie böse Facebook ist, das man keinen Einfluss hat, das die eh machen was sie wollen... aber wenn es dann mal die Möglichkeit gibt sich zu äußern reicht es nicht einmal dafür, das 1% der Deutschen Nutzer sich äußert.... also selber Schuld, der Konsument will es nicht anders.

  7. Ich lach mich grad kaputt!
    Es ist leichter seinen Facebook-Account zu löschen als bei der Abstimmung mitzumachen.
    Und für die Accountlöschung durchzuführen sollte man mindestens zwei Semester Informatik studieren.

    Leicht ersichtlich werden wir mit Werbung zugebombt aber wenn es um meine Privatsphäre geht, um eine Abstimmung, dann muss ich es hier aus der Zeitung erfahren.

    Dazu kommt noch, bei einer Beteiligung von 0.04%(die meisten stimmten dagegen) sind die neuen Regeln durch.

    Später können wir ja sagen, "Hey ihr hattet die Möglichkeit abzustimmen"

  8. Diese "Abstimmung" ist der Versuch, die Illusion zu erzeugen, als achte die Fa. Facebook die Meinung der Nutzer, als würde dort irgend etwas demokratisch erfolgen.

    Es geht dabei nur um PR, und darum, schädliche Schlagzeilen zum Gebaren dieses Unternehmens zu vermeiden.

    Wer jetzt noch nicht sein persönliches, dauerhaftes "Log Out" vollzogen hat, wird sich auch daran nicht stören.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Facebook | Anzeige | Dienstleistung | Werbung | China
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