Es ist nur eine kleine Randnotiz in der Goslarschen Zeitung : In Braunlage im Harz wurden sechs Schüler von einer Unterrichtsstunde mit einem Geschichtenerzähler ausgeschlossen, weil ihre Eltern einer Veröffentlichung von Fotos der Veranstaltung bei Facebook nicht zugestimmt hatten.

Diese kleine Meldung zeigt, wie schwer sich Eltern, Medien und Schulen noch immer mit einem Thema tun, über das schon seit langer Zeit nicht nur in Elternforen diskutiert wird: Dürfen Kinderbilder auf sozialen Plattformen wie Facebook veröffentlicht werden?

Während Eltern teilweise sorglos die Bilder ihrer Kinder bei Facebook posten, sehen andere wie die Facebook-Gruppe "Keine Kinderfotos im Social Web" die Eltern sogar in der Pflicht, ihre Kinder vor der Veröffentlichung ihrer Bilder dort zu schützen – sei es auf eigenen Seiten der Eltern, auf fremden Seiten wie der des Geschichtenerzählers oder auf der Facebook-Seite der Schule oder des Kindergartens.

Datenschutzgründe und die Tatsache, dass mit der Veröffentlichung gewisse Rechte am Bild an Facebook übertragen werden, sind dabei nur ein Nebenargument. Für den Initiator der Gruppe geht es vor allem um die Privatsphäre des Kindes, die die Eltern schützen sollen: "Vermutlich herrscht Konsens, dass es sich nicht gehört, über andere im Web zu plaudern. Warum sollte das also bei (meinen) Kindern anders sein? Weil die mir gehören? Blödsinn! Weil die das selber lustig finden? Blödsinn! Weil die sich nicht wehren und beschweren können? Vermutlich ist da die Lücke."

Doch Abbildungen von Kindern auf sozialen Plattformen zu verbreiten, birgt für die Kinder auch ganz reale Gefahren: Pädophile suchen gezielt bei Facebook nach Opfern. Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP) zitierte aus einer Studie zur potenziellen Nutzung der Fotos durch Pädophile. "86,1 Prozent der Teilnehmer (gaben) an, Bildmaterial aus dem legalen und/oder illegalen Bereich zu nutzen."

Grundsätzlich müssen Eltern gefragt werden, bevor Bilder ihrer Kinder auf Facebook gepostet werden dürfen. Das gilt auch für die Seiten der Schulen. Facebook-Seiten von Schulen halten Datenschützer allerdings generell für rechtlich unzulässig und sind empört, dass es sie trotzdem gibt. In einer Erklärung vom 17. April 2012 bezeichnete der schleswig-holsteinische Landesdatenschützer Thilo Weichert Facebook-Seiten von Schulen als "pädagogisch katastrophales Vorbild für die Kinder und Jugendlichen". Weichert sagte: "Facebook legt alles darauf an, nicht nur den Kindern, sondern auch den Schulleitungen den Kopf zu verdrehen."

Vorherige Information über Risiken

Vor jeder Veröffentlichung von Kinderbildern muss die Schule von den volljährigen Schülern und bei Minderjährigen von deren Eltern die Einwilligung einholen. Die Betroffenen müssen vorher über die Risiken wie weltweite Abrufbarkeit, Veränderbarkeit und Nutzung in anderen Zusammenhängen ausreichend informiert werden und schriftlich ihr Einverständnis erklären. Keine weiteren Informationen über das Kind, insbesondere keine Wohnadressen, private E-Mail-Adressen und anderes dürfen veröffentlicht werden.

Kinder von schulischen Aktivitäten auszuschließen, weil ihre Eltern der Veröffentlichung ihrer Bilder nicht zugestimmt haben – so wie es in Braunlage im Harz geschehen ist –, findet Weichert empörend. "Ich bin entsetzt", sagte er Golem.de . "Als Datenschützer allgemein und bürgerrechtlich bewusster Mensch kann ich das Verhalten nicht nur aus rechtlicher, sondern vor allem aus pädagogischer Sicht nur kritisieren: Die zwangsweise Animation von Kindern, ein Medium zu nutzen, das für diese weder rechtlich vorgesehen und erlaubt noch geeignet ist, müsste meines Erachtens nicht nur öffentlich kritisiert, sondern aufsichtlich gerügt werden."

Denn es gibt genügend andere Möglichkeiten sicherzustellen, dass die Bilder der Kinder nicht auf Facebook erscheinen, wie ein Sprecher der Fröbel-Gruppe erklärt, die Krippen, Kindergärten und Horte mit rund 11.000 Kindern in mehreren Bundesländern betreibt: "Wir würden bei der Dokumentation sicherstellen, dass manche Kinder nicht mit aufs Bild kommen, oder in einer nachträglichen Abstimmung Bilder aussortieren, auf denen Kinder zu sehen sind, bei denen das Eltern nicht wünschen. Hier geben die Eltern als Erziehungsverantwortliche vor, was für die Kinder gewünscht ist oder nicht."

Erschienen bei Golem.de