Überwachung: Vertrauen schafft die Schufa so nicht
Dass die Schufa im Netz Daten sammeln will, ist verständlich. Doch sollte sie beim Wie genau darauf achten, was sie tut. Denn alles darf sie nicht, findet Kai Biermann.
Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung will das Verhalten von Menschen einschätzen können. Das ist ihr Geschäft, und dazu sammelt sie Daten. Das Internet ist voll von Daten. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Schufa erforschen lassen will, wie sie vom Netz profitieren kann.
Was ist von diesem Vorhaben zu halten? Ist es empörend, vielleicht sogar kriminell, wie Datenschützer und Grüne meinen? Oder ist es völlig in Ordnung, wie beispielsweise der Fachanwalt für IT-Recht Thomas Stadler bloggte? Gebietet nicht gar die Sorgfaltspflicht der Schufa, alle verfügbaren Daten zu nutzen, wie der Social-Media-Berater Thomas Knüwer findet?
Das hängt davon ab, was die Schufa letztlich tut. Bislang ist das nicht klar. Allerdings klingen einige Ziele im Plan des angekündigten Forschungsprojekts schwierig bis heikel.
Jeder, der auf Plattformen wie Facebook und Twitter Informationen über sich hinterlässt, muss davon ausgehen, dass andere sie sehen und nutzen. Die Informationen sind öffentlich. Das Bundesdatenschutzgesetz sagt, öffentlich zugängliche Daten dürfen verarbeitet werden. Die Schufa täte also grundsätzlich nichts Illegales. Die allgemeine Aufregung über ihre Pläne speist sich daher zunächst eher aus ihrem schlechten Image als aus mutmaßlich unlauterem Verhalten.
Privatsphäre
Es gibt aber drei Punkte, die das ganze Konzept der Auswertung öffentlicher Daten begrenzen. Und sie geben klare Hinweise, in welche Richtung sich das Forschungsprojekt besser nicht bewegen sollte.

Das Bundesdatenschutzgesetz legt erstens fest, dass nicht alle Informationen über Menschen einfach so verarbeitet werden dürfen. Sie für das sogenannte Scoring zu verwenden, ist laut Paragraf 28b nur dann erlaubt, wenn die Daten "nachweisbar für die Berechnung der Wahrscheinlichkeit des bestimmten Verhaltens erheblich sind". Bei jeder Information muss damit "unter Zugrundelegung eines wissenschaftlich anerkannten mathematisch-statistischen Verfahrens" nachvollziehbar sein, warum die Schufa glaubt, mit ihr ein Kreditrisiko besser bestimmen zu können.
Das dürfte im Zweifel schwierig werden. Schon jetzt sei schwer nachvollziehbar, wie die Schufa zu ihren Bewertungen komme, findet Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: "Welche Daten dazu führen, ob jemand als zahlungsfähig eingestuft wird, ist jetzt schon umstritten."
Zweitens gelten bestimmte Informationen als Privatsache. Sie gehen niemanden etwas an – beziehungsweise nur dann, wenn der Betreffende es erlaubt hat. Gemeint sind die im Gesetz als "besondere Arten personenbezogener Daten" bezeichneten Bereiche, also "Angaben über die rassische und ethnische Herkunft, politische Meinungen, religiöse oder philosophische Überzeugungen, Gewerkschaftszugehörigkeit, Gesundheit oder Sexualleben".







Wie will die Schufa und andere die Leute bei Facebook und Co. eindeutig identifizieren ?
Selbst wer da grob fahrlässig sein Geburtsdatum angibt ist nicht eindeutig zu erkennen.
Da ist jetzt schon sicher daß es nur Ärger, Verwechslungen und Prozesse gibt.
Aber irgendwie müssen auch solche Möchte-Gern-Behörden beschäftigt werden.
die das Forschungsprojekt besser geklärt hätte als diverse Berufsempörte, viele Forenschreiber, überengagierte Journalisten oder gefühlte 100000 Tweets.
die das Forschungsprojekt besser geklärt hätte als diverse Berufsempörte, viele Forenschreiber, überengagierte Journalisten oder gefühlte 100000 Tweets.
Nur so können wir aber langfristig den Kurs unserer Facebook Aktien oben halten!
Wäre doch schade, wenn die die ganzen Daten sammeln und dann nicht verkaufen können, weil Facebook inzwischen pleite ist.
(dickebrieftasche.de)
wie können die Daten dann personenbezogen und damit schutzwürdig sein?
Oder geht es um clusterbildung, ähnlich wie mit der Wohnlage, die auch nur ein grober Baustein ist, der eine bessere oder schlechtere Bonität vermuten lässt?
Danke für diesen verständlichen und unaufgeregten Text.
Wäre ich verantwortlich dafür Kredite zu vergeben, dann stünde ich vor einem Dilemma: Gehe ich auf Facebook und betrachte ich dort das Gebahren der Person und ihre Kontakte oder ignoriere ich etwas das öffentlich vohanden ist?
Da setze ich mich doch in eine Zeitmaschine um dieses Dilemma aufzulösen.
Früher kannte in kleinen Orten jeder jeden. Das eigene Verhalten bzw. Konsumverhalten war vor Umgebung nicht geheimhaltbar. Das eigene Verhalten und die eigenen Kontakte flossen in die Beurteilung des örtlichen Bänkers für einen Kredit mit ein.
Also warum sollte Schufa die Daten nicht nutzen. Sie sind eben da und von der Person vorsätzlich öffentlich gemacht worden.
Eine Bank ist ein Unternehmen. Man selbst ist Kunde. Ein Unternehmen darf seine Kunden selbst wählen. Es gibt keinen Rechtsanspruch auf einen Kredit.
"Eine Bank ist ein Unternehmen. Man selbst ist Kunde. Ein Unternehmen darf seine Kunden selbst wählen. Es gibt keinen Rechtsanspruch auf einen Kredit."
Sie scheinen keinen Überblick darüber zu haben, was die Schufa macht und wer so alles auf die Scores zurückgreift - oder?
Hier geht es schon lange nicht mehr nur um Kredite! Es geht um den Telefonanschluss, um Versandhandel, ja sogar die meisten Vermieter verlangen inzwischen von ihren Mietern eine Schufaauskunft. Die können sie zwar dort nicht einholen - weil dafür die Schufa nicht gedacht ist. Aber wenn der Mieter keine Selbstauskunft beibringt, dann hat er halt Pech gehabt!
Dass die Berechnungen, die die Schufa anstellt, um an ihre Scores zu kommen, alles andere als transparent sind, davon reden wir nicht. Wir reden auch in dem Zusammenhang davon, dass es immer wieder passiert, dass Dinge eingetragen werden, die dort nicht hingehören!
Wenn bspw. IKEA die beantragte Kundenkarte als Kredit der Schufa meldet! Oder - wie hier schon festgehalten - der Wohnort zum K.O.-Kriterium wird bzw. jetzt schon ist. Wenn die Leute vermehrt anfangen (und ich kenne allein schon 2 Leute, die aus dem Grund bereits umgezogen sind), wegen eines guten Schufa-Scores ihren Wohnort zu wechseln, dann bekommen wir Zustände, die ich mir nicht ausmalen möchte! Schufa-Ghettos.
Wobei andere Unternehmen das auch machen. Amazon bspw. oder Telefonunternehmen. Falsche Straße, Alter und Geschlecht - und schwups ist man draußen: http://tinyurl.com/39lmxk4
"Eine Bank ist ein Unternehmen. Man selbst ist Kunde. Ein Unternehmen darf seine Kunden selbst wählen. Es gibt keinen Rechtsanspruch auf einen Kredit."
Sie scheinen keinen Überblick darüber zu haben, was die Schufa macht und wer so alles auf die Scores zurückgreift - oder?
Hier geht es schon lange nicht mehr nur um Kredite! Es geht um den Telefonanschluss, um Versandhandel, ja sogar die meisten Vermieter verlangen inzwischen von ihren Mietern eine Schufaauskunft. Die können sie zwar dort nicht einholen - weil dafür die Schufa nicht gedacht ist. Aber wenn der Mieter keine Selbstauskunft beibringt, dann hat er halt Pech gehabt!
Dass die Berechnungen, die die Schufa anstellt, um an ihre Scores zu kommen, alles andere als transparent sind, davon reden wir nicht. Wir reden auch in dem Zusammenhang davon, dass es immer wieder passiert, dass Dinge eingetragen werden, die dort nicht hingehören!
Wenn bspw. IKEA die beantragte Kundenkarte als Kredit der Schufa meldet! Oder - wie hier schon festgehalten - der Wohnort zum K.O.-Kriterium wird bzw. jetzt schon ist. Wenn die Leute vermehrt anfangen (und ich kenne allein schon 2 Leute, die aus dem Grund bereits umgezogen sind), wegen eines guten Schufa-Scores ihren Wohnort zu wechseln, dann bekommen wir Zustände, die ich mir nicht ausmalen möchte! Schufa-Ghettos.
Wobei andere Unternehmen das auch machen. Amazon bspw. oder Telefonunternehmen. Falsche Straße, Alter und Geschlecht - und schwups ist man draußen: http://tinyurl.com/39lmxk4
ergeben sich daraus ungeahnte Möglichkeiten.
"Nein komme heute nicht mit in die Disco...muss sparen" kann dann durchaus auch viel Interpretationsspielraum für Kreditoren geben.
Wenn man einfach mal den worst case annimmt.
Bereits jetzt kommt es immer wieder zu katastrophalen Fehleinschätzungen durch die Schufa. Schönes Beispiel: Die Arztpraxis in einem sozialen Brennpunkt. Die Praxis kann gut gehen, dennoch bekommt der Arzt ein schlechtes Scoring, weil ja die Wohngegend eher in Richtung Kreditausfall gescored wird. Ein Kredit für eine Praxiserweiterung wird damit erheblich teurer als eine Praxis in "guter" Wohnlage. Der Arzt, der im sozialen Brennpunkt arbeitet, wird somit von der Schufa diskriminiert!
Wichtig ist aber auch, dass die Bürger des Lande endlich kapieren: "Ich habe ja nichts zu verbergen" totaler Unsinn ist - spätestens wenn der Kredit nur noch unter ungünstigen Konditionen zu bekommen sind, wegen schlechten Scorings durch SocialMedia-Einträge, werden diese hoffentlich endlich aufwachen - nur, dann ist es zu spät.
Übrigens - man sollte auch keine Payback-Karten benutzen . der eine Cent, den man bekommt, sollte es nicht wert sein, sich derart im Kaufverhalten ausspioniert zu werden.
Medienkompetenz muss deswegen endlich Schulfach werden - die Menschen müssen bereits im Kindesalter lernen, mit den Medien umzugehen. Schließlich will FB jetzt auch Kinder-Accounts einführen.
Nicht, dass ein Kind, das gerne sein Taschengeld in Süßigkeiten umsetzt anstatt uźu sparen und darüber berichtet, schon mal von der Schufa ein schlechtes Scoring bekommt und als Familienpapa dann keine günstige Hypothek fürs Familienhäuschen bekommt.
Welcher Arztkredit wird so durch das Schufa-Scoring bestimmt?
Ich wundere mich insbesondere über die Redaktionsempfehlung.
Welcher Arztkredit wird so durch das Schufa-Scoring bestimmt?
Ich wundere mich insbesondere über die Redaktionsempfehlung.
Was da gestern durch die Gazetten waberte, wimmelte nur so von Falschinformationen. Tatsache ist, es wird natürlich mit Hilfe des Hasso Plattner Instituts nach Wegen geforscht, wie man Daten aus dem Netz so interpretieren kann, um valide Informationen für die Schufa zu bekommen. Das ist grundsätzlich nicht zu bemängeln, schützt dies doch Geldgeber vor windigen Leuten, die versuchen, an Geld zu kommen.
Was machen unsere lieben Gazetten? Dampfen diese Information auf ein Minimum zusammen, erwähnen das Wort Facebook im Text und schon ist der Skandal da. Manchmal nervt so etwas einfach, schafft es doch da kein Vertrauen, wo dies dringend von Nöten wäre. Denn ich als Nutzer diverser Internetplattformen möchte, dass sauber mit meinen Daten umgegangen wird. Sowohl von Seiten Facebooks, Twitter und Co., als auch von denen, die diese Informationen interpretieren wollen. Ja, ich als Verbraucher habe ein valides Interesse, dass es Methoden gibt, dass diese Informationen so interpretiert werden, dass mir am Ende kein Strick draus gedreht wird, wenn ich auf FB den Satz "Am Ende des Geldes ist noch so viel Monat übrig" mal so dahin schnodder. Denn wenn eines sicher ist, meine Daten sind gläsern und da ist Grundlagenforschung (und um nichts anderes handelt es sich derzeit bei diesem Fall), wie sich so etwas seriös interpretieren lässt, dringend erforderlich.
Nice try.....
Nice try.....
Übrigens, wie gestern geradezu vorsätzlich weiter mit Falschinformationen von den Medien umgegangen wurde, konnte man gestern live und in Farbe auf diversen Radiosendern erleben. Selbst, nachdem ein Sprecher vom Hasso Plattner Institut klargestellt hatte, um was es eigentlich geht und was das Ziel dieser Grundlagenforschung ist (für die es jährlich 200.000 bummelige Euros gibt), wurde seitens der Radiostationen weiterhin so getan, als ob die Schufa vorhätte, Facebook als Quelle für ihre Auskünfte zu nutzen. Wäre ich die Schufa und das Hasso Plattner Institut, hätte ich über eine Klage nachgedacht.
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