ÜberwachungWie abhörsicher ist Skype wirklich?

Branchenkenner stellen die Abhörsicherheit von Skype infrage – wegen der Übernahme durch Microsoft. Nutzer müssen Skype vertrauen oder Alternativen wählen. von 

Microsoft-CEO Steve Ballmer

Microsoft-CEO Steve Ballmer nach der Übernahme von Skype durch sein Unternehmen  |  © Kimihiro Hoshino / AFP / Getty Images

Skype ist nicht mehr, was es einst war, schrieb jüngst die Washington Post . Die Zeitung zitierte einen anonymen Brancheninsider mit den Worten: "Skype war einst ein ganz besonderes Unternehmen. Nun ist es eher wie Superman ohne seine Superkräfte." Denn Skype habe etwas verloren, was es für Dissidenten, aber auch für Kriminelle lange Zeit sehr beliebt gemacht hat: die Abhörsicherheit.

Die Washington Post behauptet, Skype speichere mittlerweile die schriftlichen Chat-Gespräche seiner Nutzer für 30 Tage und händige die Aufzeichnungen auf Wunsch den Strafverfolgungsbehörden aus. Audio- und Videotelefonie blieben zwar ausgenommen, aber auch das könne sich ändern. So hätten es jedenfalls mehrere Experten aus der Branche und der Politik gesagt, die aber allesamt ungenannt bleiben wollen. Sie behaupten, die Chats könnten überwacht werden, seit Skype im Zuge der Übernahme durch Microsoft im vergangenen Jahr seine Architektur verändert habe.

Anzeige

Dazu muss man wissen, wie der Dienst funktioniert. Kern von Skype ist ein Peer-to-Peer-Netzwerk, ähnlich wie bei Filesharing-Systemen wie einst Napster oder heute Bittorrent . Als Niklas Zennström und Janus Friis das Unternehmen im Jahr 2003 gründeten, waren Rechnerkapazitäten und Datenleitungen teuer. Kostenlose Gespräche im Internet konnten die Gründer nur dank eines besonderen Kniffs anbieten: Nicht Skype sollte ein Telekommunikationsnetz bilden, sondern die Kunden selbst.

Und so liefen die Daten nicht über zentrale Server, sondern die Teilnehmer des Netzes verbinden sich untereinander. Wenn ein Skype-Teilnehmer einen anderen anruft, muss er sich nicht mit einem Skype-Server verbinden – das Programm sucht selbständig und dezentral nach dem direkten Weg zum Gesprächspartner. Als Vermittlungsstellen dienen die im Skype-Netzwerk benachbarten Rechner.

Patent zum Abhören

Skype selbst kann allenfalls feststellen, wann und mit welcher IP-Adresse sich ein Nutzer eingeloggt hat und ob er Zahlungsdaten für kostenpflichtige Dienste hinterlassen hat. Auf die  verschlüsselten Gesprächsinhalte hat das Unternehmen nach eigener Aussage keinen Zugriff.

Doch der Umbau des Netzes im Zuge der Übernahme durch Microsoft hat es zumindest theoretisch leichter gemacht, Gespräche abzuhören. Denn Skype hat die sogenannten Supernodes (Superknoten) vom Peer-to-Peer-Netzwerk auf Server in Microsofts Rechenzentren verlegt. Diese Supernodes sind Wegweiser für Skype-Nutzer, die dabei helfen, andere Rechner im Netz zu finden. Die eigentliche Kommunikation findet aber, wie oben erwähnt, nur zwischen den Rechnern der Gesprächspartner statt.

Denkbar ist, dass diese Supernodes unter Microsofts Kontrolle nun einem zu überwachenden Account manipulierte Informationen zuspielen, so dass alle Gespräche des Verdächtigen anschließend über bestimmte Rechner geleitet werden. Verschlüsselt wären sie dann allerdings immer noch, und ob irgendjemand diese Verschlüsselung knacken kann, ist nicht erwiesen. Die Quellen der Washington Post jedenfalls deuten an, dass der Ansatz zur verbesserten Überwachungsmöglichkeit bei den Supernodes liegt, ohne ins Details zu gehen.

Experten hegen noch aus einem weiteren Grund eine gewisse Skepsis, ob Skype-Gespräche wirklich abhörsicher sind: Microsoft hat im Juni 2011 ein Patent zum Abhören von Internet-Gesprächen erteilt bekommen. Ob die entsprechende Technologie bei Skype eingesetzt wird, ist allerdings nicht bekannt.

Leserkommentare
  1. "Skype ist nicht mehr, was es einst war, schrieb jüngst die Washington Post."

    Skype war schon früher, mit schlechterer Internetverbindung, keine wirkliche Alternative zu Teamspeak. Was will man außerdem erwarten, wenn von dem Unternehmen, was Kazaa entwickelt hat, ein solches Programm kommt? War Skype wirklich mal sicher und gut?

    2 Leserempfehlungen
  2. Ich muss gestehen, diese Abhoeraengste habe ich nicht und von daher ist es mir auch ziehmlich egal wiel abhoersicher Skype ist. Wenn in meinen Gespraechen oder Chats jemand zuhoeren will kann er sicher noch was lernen.
    Es macht mir eher Sorgen, das die Industrie unsere Aengste fuer die Vermarktung ihrer Produkte verwenden koennte.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    bei der Vermarktung mit Hilfe von Ängsten ist die Hosenindustrie. Jeder weiß was dort verborgen wird, dennoch will keiner auf seine Hose verzichten.

    :)

  3. bei der Vermarktung mit Hilfe von Ängsten ist die Hosenindustrie. Jeder weiß was dort verborgen wird, dennoch will keiner auf seine Hose verzichten.

    :)

    11 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Angst wovor?"
  4. Microsoft- da werden beim Cloud die Daten durchgeschnüffelt ob
    man sich bei AGB`s oder Urheberrechten eventuell bewußt oder
    unbewusst in einer Grauzone bewegt oder dagegen verstoßen hat,
    und dann die Daten gesperrt, hier werden wieder die Gespräche
    durch Microsoft abgehört und weitergegeben - was unterscheidet diesen Konzern eigentlich noch von den Machenschaften der DDR-Stasi ? - Ach
    ja, die Methoden zum flächendeckenden Abgreifen von Daten sind
    viel raffinierter und vollkommener geworden. Vielleicht habe ich
    auch schon eine Akte ? Wer weiß !

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ob jemand eine Akte ueber mich hat oder nicht ist mir auch egal. Aber es ist mir nicht egal wer diese Akte hat und warum er sie angelegt hat. Meine Mutter hat eine Akte fuer jedes ihrer Kinder und das macht mir keine Angst. Das Problem in der DDR und sonst wo ist nicht die Anlage und Existenz von Akten ueber Menschen, sondern die Frage warum diese angelegt worden sind und was man mit den Informationen machen kann. Wenn die Regierung der DDR nicht die Ziele verfolgt haette, die sie verfolgt hat, waere die Abhoerbarkeit von Telefonen kein Problem gewesen.
    Fuer mich ist die Bewahrung und Durchsetzung demokratischer Werte viel wichtiger als die Qualitaet potentieller Abhoermoeglichkeiten.

    Um es mit der 'Hose' zu sagen: eine Hose brauche ich nur dort, wo die Gesellschaft oder die Regierung von mir erwartet, mich zu bedecken.

  5. über die neue Diktierfunktion von Apple. Der Rechner schickt das Gesprochene an Apple um es dann in Text umzusetzen. Das sind nicht nur Suchbegriffe wie bei Google, dass sind ganze Inhalte...

    Bitte darüber berichten....

    Beste Grüße.
    FSonntag

    5 Leserempfehlungen
  6. Ob jemand eine Akte ueber mich hat oder nicht ist mir auch egal. Aber es ist mir nicht egal wer diese Akte hat und warum er sie angelegt hat. Meine Mutter hat eine Akte fuer jedes ihrer Kinder und das macht mir keine Angst. Das Problem in der DDR und sonst wo ist nicht die Anlage und Existenz von Akten ueber Menschen, sondern die Frage warum diese angelegt worden sind und was man mit den Informationen machen kann. Wenn die Regierung der DDR nicht die Ziele verfolgt haette, die sie verfolgt hat, waere die Abhoerbarkeit von Telefonen kein Problem gewesen.
    Fuer mich ist die Bewahrung und Durchsetzung demokratischer Werte viel wichtiger als die Qualitaet potentieller Abhoermoeglichkeiten.

    Um es mit der 'Hose' zu sagen: eine Hose brauche ich nur dort, wo die Gesellschaft oder die Regierung von mir erwartet, mich zu bedecken.

    Antwort auf "Stasi 2.1"
    • Layer 8
    • 01. August 2012 14:11 Uhr
    7. Skype

    ist prima für mich für simultane Kommunikationen nach Kambodscha oder Australien. Habe Freunde dort. Kostet nix und subversive Dinge besprechen wir auch nicht. Also: No Worries Mates!

    Eine Leserempfehlung
    • reineke
    • 01. August 2012 14:18 Uhr

    in das Ausland ,mehr brauch ich nicht
    Terroranschläge werden sicher nicht über Skype geplant
    im übrigen
    wie abhörsicher ist mein Handy wirklich ?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Microsoft | Washington Post | Überwachung | BitTorrent | Polizei | Skype
Service