"If you see something, say something" - Aufkleber einer Kampagne der US-Regierung für mehr "öffentliche Wachsamkeit" in Washington D.C.

Jahrelang ist niemand über das Überwachungssystem TrapWire gestolpert (auch wir nicht), obwohl es eigentlich kein Geheimnis war. Erst eine Veröffentlichung von Wikileaks vor wenigen Tagen sorgte dafür, dass die Überwachungssoftware einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde.

TrapWire ist ein Algorithmus, der insbesondere Terroristen erkennen soll, bevor sie zuschlagen. Das zugrunde liegende Konzept heißt Predictive Policing . Dabei ist keines der Einzelteile von TrapWire revolutionär oder überraschend. Zu einem gespenstischen Instrument der Überwachung wird TrapWire jedoch durch den hohen Grad an Vernetzung.

Wie von Wikileaks veröffentlichte Dokumente nahelegen, die derzeit am besten via TOR zugänglich sind , ist das System inzwischen an vielen Orten vor allem in den USA und Großbritannien im Einsatz: in New Yorker U-Bahnen genauso wie in Casinos in Las Vegas , auf öffentlichen Plätzen in San Francisco , rund ums Weiße Haus und an der Londoner Börse .

Interne E-Mails von Stratfor

Quelle der Information sind interne E-Mails des amerikanischen Unternehmens Stratfor. Das verkauft Bedrohungsanalysen und Einschätzungen zu Konflikten weltweit. Im Namen von Anonymous haben Hacker Ende 2011 die Server der Firma angegriffen . Dabei kopierten sie Kreditkartendaten und eben Millionen interne E-Mails, die Wikileaks seit Februar schrittweise veröffentlicht .

Die nun bekannt gewordenen E-Mails stammen aus den Jahren 2009 bis 2011. Allzu viel steht nicht in ihnen, doch zeigen sie zumindest Ausschnitte aus dem Geschehen rund um das Überwachungsprogramm. Zum Beispiel einen Kooperationsvertrag , den Stratfor mit der für TrapWire verantwortlichen Firma geschlossen hat.

Wie gesagt, so geheim ist das Ganze gar nicht. TrapWire ist das Produkt eines Unternehmens namens Abraxas Applications, das heute TrapWire heißt. Und dieses Unternehmen will sein Produkt verkaufen. Daher gibt es eine ganze Menge öffentlicher Äußerungen und Broschüren zu dem Programm.

Seit Jahren beworben

Beispielsweise wurde es im Fachmagazin Crime&Justice 2006 ausführlich vorgestellt . Auch die Patentschrift aus dem gleichen Jahr ist zugänglich. In einem Interview mit dem Firmenchef wird es bereits 2005 beschrieben. Aus dem Jahr 2007 findet sich eine Mitteilung des Herstellers selbst und auch in einer Pressemitteilung aus dem Jahr 2012 ist es erklärt.

TrapWire ist demnach ein Instrument zur Analyse von Videobildern und textbasierten Informationen. Letztere kommen unter anderem von Stratfor. Es soll Auffälligkeiten herausfiltern und vernetzt dazu viele Quellen wie Überwachungskameras und Hotlines.