BiometrieFacebook stoppt Gesichtserkennung in Europa

Die zuständige irische Behörde bescheinigt Facebook, datenschutzfreundlicher geworden zu sein. Allerdings muss Facebook an einigen Stellen nachbessern. von 

Facebook hat ihre Empfehlungen umgesetzt, befindet die irische Datenschutzbehörde DPC. Im Dezember 2011 hatte sie die Ergebnisse ihrer dreimonatigen Untersuchung von Facebook vorgestellt und dem Unternehmen empfohlen, den Datenschutz in seinem Angebot zu verstärken. Nun hat die DPC überprüft, ob Facebook dem nachgekommen ist und ob wirklich datenschutzfreundlicher geworden ist. Die Behörde ist für Facebook zuständig, weil das Unternehmen seinen Europasitz in Irland hat.

Die meisten Empfehlungen habe Facebook zur vollsten Zufriedenheit der Behörde umgesetzt, heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Prüfbericht . Das gelte vor allem für die Bereiche Transparenz, Privatsphäre-Einstellungen, Löschfristen und den Zugriff der Nutzer auf ihre eigenen Daten.

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Bei der automatischen Gesichtserkennung sei Facebook sogar über die Empfehlungen hinausgegangen. Die Funktion sollte Nutzern helfen, ihre Freunde in Fotos zu finden und zu markieren. Sie ist nun für Neumitglieder in der EU deaktiviert, bestehende Daten aus der Gesichtserkennung werden gelöscht. Sollte Facebook die Funktion wieder einführen wollen, verspricht das Unternehmen, die Nutzer besser aufzuklären als bisher.

Der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar hatte zuvor kritisiert, eine Datenbank von Millionen Mitgliedern habe ein immenses Risiko-und Missbrauchspotenzial. Am heutigen Freitag hat Caspar deswegen eine Verwaltungsanordnung gegen Facebook erlassen, um das Unternehmen davon abzuhalten, biometrische Daten seiner Nutzer ohne deren Einverständnis zu erfassen und zu speichern. Vom Bericht der irischen Datenschützer erfuhr er erst kurz danach.

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Uneingeschränkt ist das Lob der Iren für Facebook aber nicht. In einigen Bereichen seien noch nicht alle geplanten Änderungen umgesetzt, heißt es im Bericht. So konnte Facebook nicht zufriedenstellend nachweisen, dass es Nutzerprofile und -daten vollständig, unwiederbringlich und innerhalb von 40 Tagen löscht, wenn ein Mitglied das wünscht.

Außerdem sei denkbar, dass werbetreibende Unternehmen sensible persönliche Daten der Facebook-Nutzer wie etwa die sexuelle Orientierung für gezielte Anzeigen auswerten. Facebook müsse klarer machen, dass das untersagt ist – und  Maßnahmen ergreifen, um es zu verhindern. Dafür hat das Unternehmen nun vier Wochen Zeit.

Facebook habe in dem ganzen Prozess kooperiert, seine eigene Sicht der Dinge aber rigoros verteidigt, schrieb der stellvertretende Datenschutz-Kommissar Gary Davis – vor allem, wenn die Vorschläge der Behörde mit der Philosophie von Facebook kollidierten. So bestehe Facebook weiterhin darauf, dass seine Nutzer ihren echten Namen verwenden.

Der Bericht enthält keine offiziellen Entschlüsse zu den 22 Beschwerden, die der Jurastudent Max Schrems und seine Initiative Europe versus Facebook bei der Behörde eingereicht hatten. Schrems meldete sich dennoch zu Wort. Er kritisierte, die Behörde habe keinerlei Sanktionen gegen Facebook verhängt, obwohl das Unternehmen nicht alle Empfehlungen umgesetzt habe.

Die irische Behörde habe ihm aber per E-Mail versichert, sie werde noch im Laufe dieses Jahres über seine Beschwerden entscheiden. Das hätte dann gegebenenfalls rechtlich bindenden Konsequenzen für Facebook.

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Leserkommentare
  1. Ihre naive Sichtweise von Werbung und Ihren Wirkungen kann ich nicht nachvollziehen. Es gibt eindrucksvolle Studien darüber und wir alle haben schon Sachen gekauft, die wir eigentlich nicht benötigen.

    http://jer979.com/files/m...

    10 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Datenschutzhype"
  2. Sie können es sich nicht vorstellen, dass es den Student in Untermiete stört, wenn nach einem Coming-Out auf Facebook die gezielte Werbung im Briefkasten oder auf dem Computer landet?

    Und es muss sicher sehr gut tun, nach einer Fehlgeburt weiter gezielte Werbung für Babykleidung zu erhalten.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Datenschutzhype"
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    • emkayyy
    • 21. September 2012 19:14 Uhr

    ...von Werbetreibenden habe ich noch keine im Briefkasten gehabt - Sie?

    • omnibus
    • 21. September 2012 18:20 Uhr

    ist eine Datenkrake, besonders seit der neuen "Chronik".

    Für berufliche Ankündigungen ist es brauchbar. Aber mir ist schleierhaft, warum intelligente Menschen ihr ganzes Privatleben in Echtzeit in Facebook ausbreiten.

    Ich bin sicher, dass Facebook in ein paar Jahren als absolut uncool gelten wird und sich viele fragen werden, warum sie freiwillig so viel von sich Preis gegeben haben, wohl wissend, dass das alles gespeichert und verknüpft wird.

    4 Leserempfehlungen
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    nutzen facebook und andere sozialen netzwerke und internetdienste auch intelligent und wahren ihre privatsphäre, gebe nur das nötigste preis.

    es ist reichlich arm, alle nutzer über einen kamm zu scheren und zeugt von mangelnder weitsicht.

    facebook hat nichts mit cool sein zu tun ... fast eine milliarde menschen nutzen täglich das kommunikations und informationsnetzwerk. es hat sich zu einem festen bestandteil des interents entwickelt und wird mitlerweile sogar fest in computerbetriebssysteme integriert ... ähnlich wie andere datendienste (twitter). das facebook nicht so schnell klein zu kriegen ist, zeigen die kläglichen bemühung der größten und einzig wahren datenkrake im internet: google!

    wenn man sich bei google mal überlegt, welche dienste permanent miteinander verknüpft sind und daten erfasst werden, kann einem nur angst und bange werden:
    google suche,
    google mail,
    google kalender,
    google kontakte,
    google map/routenplanung,
    youtube,
    Android smartphone
    etc..

    google hat nur durch seine scheinbare kostenlosphilosophie einen guten ruf und gilt fälschlicherweise als heilbringer des netzes. das ist aber nur zum teil richtig ... google ist eine internet-großmacht ...

    facebook mit ihrem hauptanliegen werbung zu verkaufen ist dagegen lächerlich!

  3. nutzen facebook und andere sozialen netzwerke und internetdienste auch intelligent und wahren ihre privatsphäre, gebe nur das nötigste preis.

    es ist reichlich arm, alle nutzer über einen kamm zu scheren und zeugt von mangelnder weitsicht.

    facebook hat nichts mit cool sein zu tun ... fast eine milliarde menschen nutzen täglich das kommunikations und informationsnetzwerk. es hat sich zu einem festen bestandteil des interents entwickelt und wird mitlerweile sogar fest in computerbetriebssysteme integriert ... ähnlich wie andere datendienste (twitter). das facebook nicht so schnell klein zu kriegen ist, zeigen die kläglichen bemühung der größten und einzig wahren datenkrake im internet: google!

    wenn man sich bei google mal überlegt, welche dienste permanent miteinander verknüpft sind und daten erfasst werden, kann einem nur angst und bange werden:
    google suche,
    google mail,
    google kalender,
    google kontakte,
    google map/routenplanung,
    youtube,
    Android smartphone
    etc..

    google hat nur durch seine scheinbare kostenlosphilosophie einen guten ruf und gilt fälschlicherweise als heilbringer des netzes. das ist aber nur zum teil richtig ... google ist eine internet-großmacht ...

    facebook mit ihrem hauptanliegen werbung zu verkaufen ist dagegen lächerlich!

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Facebook "
    • emkayyy
    • 21. September 2012 19:14 Uhr

    ...von Werbetreibenden habe ich noch keine im Briefkasten gehabt - Sie?

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Gezielte Werbung"
    • Morein
    • 21. September 2012 20:33 Uhr

    Eine Face Book Site habe ich ein einziges mal auf meinem PC aufgerufen, vor 2 Jahren, und zwar die Seite mit den AGB´s. Durchgelesen, und mir war klar : FB hat auf meinem PC nichts verloren und wird total geblockt. Hausverbot erteilt auf allen Ebenen. Und? Es lebt sich sehr gut so ganz ohne FB.
    Kann nur allen Usern raten, sich mal wirklich die Zeit zu nehmen und die AGB´s zu lesen. Im Ernst, wer kann sich den damit Einverstanden erklären? Legastheniker?

    Eine Leserempfehlung
  4. Niemand wird gezwungen seine blödesten Fotos ins Facebook zu stellen oder seine sexuelle Orientierung dort bekannt zu geben.

    Wer sparsam mit seinen Daten umgeht kann aus Facebook auch seinen Nutzen ziehen.

    Dass Facebook wirtschaftlichen Nutzen erzielen will ist doch wohl klar. Da der Nutzer nicht zahlt, muß das Geld halt woanders her kommen.

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Europäische Union | Philosophie | Behörde | Facebook | Gesichtserkennung | Unternehmen
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