Schrems hält Behörden für überfordert
Friedrich: Facebook und Co. sind kommerzielle Organisationen, die mit dem, was sie tun, Geld verdienen wollen. Dort muss man ansetzen. Wenn sie hier in diesem Markt Geld verdienen wollen, müssen sie sich an unsere gemeinsamen Gesetze halten. Sie sagen, sie tun es nicht, weil die Gesetze nicht durchgesetzt werden. Unser Ansatz ist es nun, einen Datenschutz zu schaffen, der für ganz Europa gilt – für einen Markt mit 500 Millionen Menschen. Damit haben wir Facebook gegenüber eine größere Macht, diesen Datenschutz auch durchzusetzen.
Schrems: Aber es gibt doch auch jetzt schon Gesetze. Das Problem ist die zuständige Behörde. In Irland sind das 22 Beamte, davon ist kein einziger Jurist. Die sind gnadenlos überfordert. Seit einem Jahr läuft dort mein Verfahren. Ich kann beweisen, dass Facebook Dinge nicht löscht, dass der Konzern Auskunftsersuchen nicht ordentlich beantwortet, aber nichts passiert. Wir setzen nicht einmal die Regeln durch, die wir schon haben. Meine Hoffnung angesichts der geplanten EU-Datenschutzverordnung ist, dass darin hohe Strafen vorgesehen sind. Bis zu zwei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes könnten dann bei Verstößen verhängt werden.
ZEIT ONLINE: Kurzer Einwurf – dieser Wert ist bereits gesenkt worden. In den ersten Entwürfen war noch von fünf Prozent des Umsatzes als Strafe die Rede. Unter anderem weil Sie, Herr Friedrich, das als zu hoch kritisiert haben.
Friedrich: Wir haben gesagt, dass es Fälle gibt, beispielsweise bei mittelständischen Unternehmen oder Unternehmen, die nicht von der Datenverarbeitung leben, wo solche Strafen überzogen wären. Aber das ist nicht der entscheidende Punkt. Entscheidend ist, dass wir ein einheitliches Datenschutzgesetz für ganz Europa wollen. Ist das erst einmal verabschiedet, müssen Konzerne wie Facebook und Google sich gut überlegen, ob sie es riskieren wollen, in diesem großen Markt nicht mehr vorzukommen.
ZEIT ONLINE: Herr Schrems, wie schwierig, wie aufwändig ist es nach Ihrer Erfahrung für einen ganz normalen Nutzer, sein Recht gegenüber einem Konzern wie Facebook oder Google durchzusetzen?
Schrems: Für mich bedeutete es bislang ein Jahr Arbeit. Da ist erst einmal die Sprachbarriere, nicht jeder kann Englisch. Für eine Privatperson ist es auch schwer, für ein solches Verfahren Geld zu finden. Falls ich die derzeit laufende Klage in Irland verliere, kostet es mich, weil ich persönlich hafte, 100.000 bis 300.000 Euro. Und ich habe zwar Änderungen erreicht, aber das ist nur ein kleiner Teil dessen, was ich angezeigt und mir erhofft hatte. Wir haben damit zwar eine große mediale Diskussion losgetreten, aber der Druck hat nicht viel gebracht, da Facebook ein Monopol hat beim Thema social media und es keine Alternative gibt.
ZEIT ONLINE: Wie viel leichter würde das mit einer einheitlichen europäischen Verordnung werden?
Schrems: Viel leichter. Der wichtigste Punkt ist, dass alle Rechte einklagbar sind und zwar in dem Land, in dem ich lebe.
Friedrich: Das ist das Ziel.
ZEIT ONLINE: Trotzdem setzen Sie, Herr Friedrich, vorrangig auf das Modell Selbstregulierung und Selbstverpflichtung und sagen, die geplante EU-Datenschutzverordnung orientiere sich zu wenig an diesem Gedanken. Warum?
Friedrich: Wir werden mit dieser Verordnung nicht alle Einzelheiten der Datenverarbeitung für die kommenden zwanzig Jahre regeln können. Es wird immer Spielräume für Auslegungen geben. Wir können nicht alles detailliert für jeden Einzelfall im Gesetz regeln, wenn es Innovation im Netz geben soll. Das Thema Datenschutz betrifft ja nicht nur die Facebooks und Googles dieser Welt, sondern auch die vielen innovativen kleinen und mittelständischen Unternehmen, deren neue Geschäftsmodelle nicht dadurch ausgebremst werden sollen, dass es unnötige Hürden gibt. Die erste Möglichkeit sollte immer sein, die Industrie aufzufordern, sich selbst Regeln zu geben, die das geltende Datenschutzrecht konkretisieren. Solche zusätzlichen Selbstverpflichtungen dienen der konkreten Durchsetzung des allgemeinen Gesetzes. Letztlich muss es darum gehen, möglichst viele Instrumente zu entwickeln, um das Vollzugsdefizit zu beseitigen. Als letzte Möglichkeit kommen weitere staatliche Eingriffe in Betracht. In einer freien Gesellschaft sollte der Staat erst dann weitere Details regeln, wenn sich keine freiwilligen Regeln entwickeln und Gefahr droht.







Am heutigen Mittwoch diskutieren ein Vertreter des Bundesinnenministeriums und Max Schrems hier im Kommentarbereich mit. Von 11:30 Uhr bis 13:00 Uhr antworten sie auf Fragen zum Interview und zum Datenschutz in der EU.
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das ist den Arbeitsaufwand für die Formulierungen nicht wert.
Naja, für die Firmen schon, bringt es doch Zeit und damit Geld.
Einer kurzen internetrecherche zufolge ist der einzige Grund, warum facebook überhaupt einen Sitz in Europa, nämlich in Irland, hat, mit der Tatsache begründbar, dass facebook damit große Mengen Steuern sparen kann. Das ist der einzige Sitz außerhalb der USA!
Klar ist mir also, dass sich facebook jederzeit aus Europa zurückziehen kann, wenn zuviel Gegenwind aufkommt. Das wird das Angebot im internet natürlich nicht tangieren, immerhin darf ein Deutscher Nutzer ja (noch) auf ausländische Angebote im Internet zugreifen wie er/sie das möchte.
Das würde jedoch dazu führen, dass facebook die Daten der Nutzer ausschließlich nach den amerikanischen Gesetzen sammeln und auswerten kann...
Das Gegenteil von gut ist wie immer gut gemeint...
Nach der geplanten EU-Datenschutz-Verordnung wäre es egal, wo der rechtliche Sitz der Firma ist. In dem Moment, wo sie ihr Angebot an europäische Verbraucher richtet, also z.B. durch eine deutsche Version, müsste sie sich dem europäischen Datenschutz unterwerfen - das ist das sogenannte Marktortprinzip.
Beste Grüße
Kai Biermann
1. Das ist "geplant", also im Moment nicht gültig, oder verstehe ich Sie falsch?
2. Würde es mich sehr wundern, wenn es juristisch möglich wäre, dieses bei einer Firma einzuklagen, deren Sitz ausschließlich in den USA ist. Europäische Gerichte haben nämlich logischerweise genausowenig Befugnis, über ausländische Firmen zu urteilen wie im umgekehrten Fall amerikanische über Europäische. Ich bin kein Jurist und lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen, aber dass die amerikanische Justiz hierbei mitspielt, halte ich für utopisch...
Die einzige Möglichkeit, das durchzusetzen, wäre eine Verordnung, die ausländische Angebote "unerreichbar" für Europäische Nutzer macht, falls die Datenschutzrichtlinien nicht eingehalten werden... Ein Schelm, wer dabei Böses denkt: werden die "Netzsperren", die eigentlich ja schon in der Versenkung verschwunden sind, nun in den Bauch des Trojanischen Pferdes "Datenschutz" gestopft?
1. Das ist "geplant", also im Moment nicht gültig, oder verstehe ich Sie falsch?
2. Würde es mich sehr wundern, wenn es juristisch möglich wäre, dieses bei einer Firma einzuklagen, deren Sitz ausschließlich in den USA ist. Europäische Gerichte haben nämlich logischerweise genausowenig Befugnis, über ausländische Firmen zu urteilen wie im umgekehrten Fall amerikanische über Europäische. Ich bin kein Jurist und lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen, aber dass die amerikanische Justiz hierbei mitspielt, halte ich für utopisch...
Die einzige Möglichkeit, das durchzusetzen, wäre eine Verordnung, die ausländische Angebote "unerreichbar" für Europäische Nutzer macht, falls die Datenschutzrichtlinien nicht eingehalten werden... Ein Schelm, wer dabei Böses denkt: werden die "Netzsperren", die eigentlich ja schon in der Versenkung verschwunden sind, nun in den Bauch des Trojanischen Pferdes "Datenschutz" gestopft?
Was die Leute bei Facebook freigeben, ist denen überlassen. Was wenn aber Daten weitergegeben werden, ohne das man Einfluss darauf hat?
http://www.focus.de/polit...
Hier werden Daten weitergegeben, ohne das man Einspruch einlegen kann.
Finde ich weitaus schlimmer!!
Ich hoffe das konnte ich herausarbeiten. Wenn man sich selbst nackt auszieht, ist das dein eigenes Problem.
Aber die Konzerne pressen den Nutzern auch Daten ab ohne das die es wissen oder freiwillig hergeben. Bei FB ist das z.B. wenn andere Daten hochladen und FB die weiter verwendet, oder bei Apps auf FB die die Daten von "Freunden" des Nutzers aus FB raus exportieren können.. Die Daten landen dann ohne Zustimmung des betroffenen Nutzers irgendwo auf einen Server in Indien..
Ich hoffe das konnte ich herausarbeiten. Wenn man sich selbst nackt auszieht, ist das dein eigenes Problem.
Aber die Konzerne pressen den Nutzern auch Daten ab ohne das die es wissen oder freiwillig hergeben. Bei FB ist das z.B. wenn andere Daten hochladen und FB die weiter verwendet, oder bei Apps auf FB die die Daten von "Freunden" des Nutzers aus FB raus exportieren können.. Die Daten landen dann ohne Zustimmung des betroffenen Nutzers irgendwo auf einen Server in Indien..
1. Das ist "geplant", also im Moment nicht gültig, oder verstehe ich Sie falsch?
2. Würde es mich sehr wundern, wenn es juristisch möglich wäre, dieses bei einer Firma einzuklagen, deren Sitz ausschließlich in den USA ist. Europäische Gerichte haben nämlich logischerweise genausowenig Befugnis, über ausländische Firmen zu urteilen wie im umgekehrten Fall amerikanische über Europäische. Ich bin kein Jurist und lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen, aber dass die amerikanische Justiz hierbei mitspielt, halte ich für utopisch...
Die einzige Möglichkeit, das durchzusetzen, wäre eine Verordnung, die ausländische Angebote "unerreichbar" für Europäische Nutzer macht, falls die Datenschutzrichtlinien nicht eingehalten werden... Ein Schelm, wer dabei Böses denkt: werden die "Netzsperren", die eigentlich ja schon in der Versenkung verschwunden sind, nun in den Bauch des Trojanischen Pferdes "Datenschutz" gestopft?
Die Nutzer solcher Plattformen sollten reguliert werden und das schon in der Schule. Wer absolut kein Grundlagenverständniss davon hat wie solche NEtzwerke funktionieren und wie damit Geld gemacht wird sollte sich am besten garnicht anmelden. Ist das denn überhaupt nötig, nur weil jeder davon redet und so getan wird als bräuchte Mensch das wie sein Smartphone? Was ist denn mit den anderen Plattformen abseits von Facebook, hat sich die Politik schonmal damit beschäftig? Das der Großteil unserer politischen Führungsriege nur unzureichendes Verständniss der Technik hat, jedoch gern darüber debattiert ist auch bekannt. Da helfen auch keine Schulungen mit Powerpoint und PC Führerschein.
Genau wie in vielen anderen Problembereichen unserer Gesellschaft wird darauf verzichtet aufzuklären. Verbieten ist einfacher. Ich denke hier hat die Politik eindeutig das Ziel verfehlt. Denn die Aufklärung ist eine wichtige Säule der Demokratie!
und man muss auch an der Fähigkeit des Jurastudenten zweifeln, denn er geht mit Facebook ungezwungen ein Geschäft ein und stimmt den Bedingungen zu. Also gibt es kein Problem, ausser er ist sich nicht im Klaren, was er tut, was nicht für ihn spricht.
Aufklärung ist jedoch kein Grundsäule der Demokratie, die besteht aus Meinungsfreiheit, Rezipientenfreiheit und Organisationsfreiheit, wenn sie dies mit Ihrem Land vergleichen, werden sie zu einem interessanten Schluss kommen.
Was passiert denn wenn die Gesetzlichkeiten geändert werden, dann zieht Facebook sich geschäftssitztechnisch aus Europa zurück und betreibt das Geschäft von Nordamerika aus. Wo die Europöer keine Rechte haben und auch nicht diktieren können.
Abschliessend wer [...] diese Netzwerke [nutzt], ist selber Schuld und der Staat hat dort nichts zu suchen.
Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/ds
Die NutzerInnen dieser Plattformen müssen intensiver aufgeklärt werden.
Teilweise gibt es schöne Gedichte, bearbeitete Bilder, Texte und dergleichen. Wenn diese meine Kinder auf facebook hochgeladen haben, mache ich ein langes Gesicht und sage nur: jetzt gehört es dir nicht mehr. du hast keine Handhabe mehr darüber.
Dann gibt es wiederum lange Gesichter mir gegenüber. Lange, enttäuschte und nachdenkliche Gesichter. Ihr geistiger Witz, ihre Kreativität, ihre Zeit und ihr privater Austausch - abgegeben.
Man kann es immer nur wieder wiederholen. Und, was mir persönlich in solchen Gesprächen fehlt, ist, eine Alternative zu benennen. Bzw. dann auch das Bewusstsein reifen zu lassen, die Entscheidung bewusst treffen zu können, was will ich abgeben. Was ist mir wichtiger - mein geistiges Eigentum oder die Präsenz weltweit.
und man muss auch an der Fähigkeit des Jurastudenten zweifeln, denn er geht mit Facebook ungezwungen ein Geschäft ein und stimmt den Bedingungen zu. Also gibt es kein Problem, ausser er ist sich nicht im Klaren, was er tut, was nicht für ihn spricht.
Aufklärung ist jedoch kein Grundsäule der Demokratie, die besteht aus Meinungsfreiheit, Rezipientenfreiheit und Organisationsfreiheit, wenn sie dies mit Ihrem Land vergleichen, werden sie zu einem interessanten Schluss kommen.
Was passiert denn wenn die Gesetzlichkeiten geändert werden, dann zieht Facebook sich geschäftssitztechnisch aus Europa zurück und betreibt das Geschäft von Nordamerika aus. Wo die Europöer keine Rechte haben und auch nicht diktieren können.
Abschliessend wer [...] diese Netzwerke [nutzt], ist selber Schuld und der Staat hat dort nichts zu suchen.
Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/ds
Die NutzerInnen dieser Plattformen müssen intensiver aufgeklärt werden.
Teilweise gibt es schöne Gedichte, bearbeitete Bilder, Texte und dergleichen. Wenn diese meine Kinder auf facebook hochgeladen haben, mache ich ein langes Gesicht und sage nur: jetzt gehört es dir nicht mehr. du hast keine Handhabe mehr darüber.
Dann gibt es wiederum lange Gesichter mir gegenüber. Lange, enttäuschte und nachdenkliche Gesichter. Ihr geistiger Witz, ihre Kreativität, ihre Zeit und ihr privater Austausch - abgegeben.
Man kann es immer nur wieder wiederholen. Und, was mir persönlich in solchen Gesprächen fehlt, ist, eine Alternative zu benennen. Bzw. dann auch das Bewusstsein reifen zu lassen, die Entscheidung bewusst treffen zu können, was will ich abgeben. Was ist mir wichtiger - mein geistiges Eigentum oder die Präsenz weltweit.
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