NutzungsbedingungenAuch Microsoft liest E-Mails mit

Microsoft behält sich nun vor, E-Mails zu scannen und Nutzerdaten stärker als bisher zu verwerten. Kritik, die Google mit solchen Plänen auslöste, bleibt bislang aus. von 

Outlook.com

Screenshot von Outlook.com – E-Mails, die über diesen Dienst verschickt werden, kann Microsoft automatisiert mitlesen.  |  © Microsoft

Google räumt sich das Recht ein, Kundendaten über mehrere seiner Dienste hinweg auszuwerten und zu Profilen zusammenzufassen. Datenschützer haben den Konzern dafür schon mehrfach kritisiert. Aber andere tun so etwas auch. Microsoft zum Beispiel.

Seit dem 19. Oktober gilt ein neuer "Vertrag über Microsoft-Dienste" für Hotmail , SkyDrive, Windows Live Messenger, Windows-Fotogalerie, Windows Movie Maker, Bing, MSN, Office.com und einige andere Onlineangebote. Wer diese nutzen will, muss den Geschäftsbedingungen zustimmen und damit einer erweiterten Verarbeitung seiner Daten. Kostenpflichtige Windows-Software wie etwa Office ist derzeit nicht Teil der geänderten Datenverarbeitung.

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Wichtig im neuen "Vertrag" ist vor allem der Punkt 3.3: "Wie werden meine Inhalte von Microsoft verwendet?" Bislang durfte Microsoft die Nutzerdaten, die es über seine Angebote sammelt, nur verwenden, um den jeweiligen Dienst zu betreiben. Nun heißt es: "Wenn Sie Ihre Inhalte in die Dienste hochladen, geben Sie damit Ihre Zustimmung, dass die Inhalte in dem Umfang, in dem dies zu Ihrem Schutz sowie zur Bereitstellung, zum Schutz und zur Verbesserung von Microsoft-Produkten und -Diensten erforderlich ist, genutzt, geändert, angepasst, gespeichert, vervielfältigt, verteilt und angezeigt werden dürfen."

Das bedeutet, Microsoft darf nun Nutzerdaten, die es in einem der oben genannten Dienste sammelt, auch verwenden, um einen anderen Dienst zu verbessern. Microsoft nennt ein Beispiel: "So können wir beispielsweise gelegentlich mithilfe von automatisierten Verfahren Informationen aus E-Mail-Nachrichten, Chats oder Fotos filtern, um Spam und Malware zu erkennen und Schutzmaßnahmen gegen diese zu entwickeln sowie um die Dienste mit neuen Features auszustatten, die ihre Benutzerfreundlichkeit steigern."

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Mit anderen Worten: Microsoft kann E-Mails ebenso automatisiert mitlesen, wie es Google bei Gmail tut. Dabei hatte Microsoft immer wieder seine eigenen Dienste angepriesen, weil man auf das Mitlesen verzichte . Der einzige Unterschied zu Google ist nun, dass Microsoft die gescannten E-Mails nicht zur personalisierten Werbung verwendet. Noch nicht.

Zur Einführung von Outlook.com hatte Microsoft zwar versprochen: "Wir scannen Ihre E-Mails nicht und verkaufen diese Informationen dann an Werbetreibende oder andere Unternehmen, und wir zeigen keine personalisierte Werbung in persönlichen Onlinegesprächen." Doch im neuen "Vertrag über Microsoft-Dienste" steht dazu nichts, ebenso wenig wie in den Onlinedatenschutzbestimmungen von Microsoft. Ein Unternehmenssprecher bekräftigte in der New York Times aber noch einmal, keine privaten Nutzerdokumente und ihre Kommunikation für zielgerichtete Anzeigen zu verwenden. "Sollte sich das jemals ändern, werden wir die ersten sein, die es unseren Kunden sagen", sagte er der Zeitung.

Google hatte sich die Zusammenführung von Nutzerdaten über verschiedene Dienste hinweg ebenfalls mit neuen Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen genehmigt. Das war im März. Europäische Datenschützer halten das für problematisch und haben Google kürzlich einen Brief geschrieben, in dem sie darauf hinweisen, welche Gefahren solche Daten-Dossiers für die Privatsphäre der Nutzer bringen können.

Leserkommentare
    • Gerry10
    • 22. Oktober 2012 13:20 Uhr

    ...und sagen, wer heute noch Microsoft Produkte verwendet, ist selber schuld :-)und hat es nicht besser verdient.
    Andereseits denke ich auch das sich alle auf die EU-Datenschutzverordnung verlassen bzw warten was da kommt bevor der berechtigte Lärm wieder losgeht.

    • deDude
    • 22. Oktober 2012 13:34 Uhr

    ... muss man diese Leute... Wollen wir doch mal schauen was passiert wenn z.B. Firmeninterna an die Öffentlichkeit geraten, sozusagen um "den Service einer Plattform wie Wikileaks zu verbessern".

    Die Unternehmen sind genau wie unsere Politiker. Die geforderte Transparenz hört an der eigenen Haustüre auf während man dem Bürger/Nutzer am liebsten noch einen Mikrachip einpflanzen würde um Profitgier und Kontrollwahn zu befriedigen.

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    • deDude
    • 22. Oktober 2012 13:36 Uhr
    • deDude
    • 22. Oktober 2012 13:36 Uhr
  1. Microsoft? Bloss nicht. Aus diesem und aus anderen Gründen.

    "Kostenpflichtige Windows-Software wie etwa Office ist derzeit nicht Teil der geänderten Datenverarbeitung." Nehmt einfach Open Source, dann habt ihr es Nicht-Kostenpflichtig und werdet darüber hinaus auch nicht so dreist angelogen.

  2. Unternehmen schauen immer tiefer in unsere Privatsphäre. Wem wir schreiben, was wir schreiben, wo wir uns aufhalten und warum wir das tun.

    Das soll es Unternehmen ermöglichen Werbung punktgenau zu plazieren. Doch scheint die Pubktgenauigkeit noch nicht zufriedenstellend zu sein - deswegen wird ständig neues erfunden, um Werbung dann noch genauer plazieren zu können.

    Aber selbst wenn uns die Werbung eines Tages auf die Netzhaut projeziert wird oder der kostenlose E-Mail-Account nur gegen eine Gehirnsonde erhältlich ist: jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden. Wurde die Schraube dann ganz bis zum Anschlag gedeht implodiert das System.

  3. einen sicheren E-Mail-Dienst empfehlen, bei dem das nicht passiert?

    Danke.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    da ist man Herr im Haus.
    Ansonsten gilt: wenn ein Dienst nichts kostet, dann ist man selbst die Ware.
    Also es gibt auch kostenpflichtige E-Mail-Dienste, die nicht von Werbung leben. Da gibt es einige und auch kleinere Anbieter, die unabhängig von United Internet und Co. sind. Grundsätzlich gilt: keinen Anbieter benutzen, der außerhalb Deutschlands sitzt und seine Daten speichert, da gibt es sonst keine rechtlichen Handhaben mehr

  4. da ist man Herr im Haus.
    Ansonsten gilt: wenn ein Dienst nichts kostet, dann ist man selbst die Ware.
    Also es gibt auch kostenpflichtige E-Mail-Dienste, die nicht von Werbung leben. Da gibt es einige und auch kleinere Anbieter, die unabhängig von United Internet und Co. sind. Grundsätzlich gilt: keinen Anbieter benutzen, der außerhalb Deutschlands sitzt und seine Daten speichert, da gibt es sonst keine rechtlichen Handhaben mehr

    Antwort auf "Kann jemand"
    • gemaro
    • 22. Oktober 2012 22:20 Uhr

    Wer hat Microsofts G-Mail bashing vergessen:
    https://www.youtube.com/watch?v=TDbrX5U75dk

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