Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar , warnt vor einer Verletzung der Privatsphäre durch Mobilfunkbetreiber. Die O2-Muttergesellschaft Telefonica hatte angekündigt, Bewegungsdaten der Handy-Kunden auszuwerten . Schaar sprach in der Berliner Zeitung von einem gefährlichen Trend.

Durch die starke Verbreitung von Smartphones und anderen Geräten mit mobiler Internetanbindung wird es immer einfacher, die Bewegungen zu analysieren. Wohnort oder Arbeitsplatz des Gerätebesitzers könnten so bereits nach kurzer Zeit preisgegeben werden, warnt Schaar. "Die Bildung von Bewegungsprofilen dürfte in der Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen", sagte er.

Diese Daten zu verkaufen, wäre nach derzeitigem Recht nicht zulässig, sagte Schaar dem Hessischen Rundfunk. Mit einer Einschränkung: Der Nutzer müsse ausdrücklich zustimmen, dass der Anbieter seine Daten verwenden darf. Es sei kaum vorstellbar, dass Unternehmen solche Einwilligungen von einer größeren Zahl von Kunden erhalten. Er schließe nahezu aus, "dass man da einen Weg findet, der legal ist, um diese Pläne zu realisieren", sagte Schaar.

Auch der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert warnte davor, "hochsensible Standortdaten in die Welt zu streuen". Vermarktung und Werbung seien fragwürdige Zwecke, für die diese Daten nicht genutzt werden sollten.

Lebensgewohnheiten ausspähen

Der hochverschuldete spanische Telekommunikationskonzern Telefonica will den Verkauf der Bewegungsdaten von Handynutzern an die Werbeindustrie prüfen. Man wolle "die potenziellen Möglichkeiten identifizieren, aus 'Big Data' finanziellen Nutzen zu ziehen", begründete das Unternehmen diesen Plan. Ob dies auch bei O2-Kunden in Deutschland geschehen solle, sei noch unklar.

Durch die neue Technik lässt sich genau erfassen, welche Kunden wie lange welche Geschäfte besuchen und vor welchem Schaufenster sie verharren. Diese Informationen werden dann mit Angaben über Alter und Geschlecht des Kunden gekoppelt, um Handelsketten höchst genaue und aktuelle Marketingdaten verkaufen zu können.

Telefonica versichert allerdings, die Daten würden auf jeden Fall anonymisiert. Ähnlich wie das Unternehmen es plant, geben bereits Microsoft, Google , Apple und Facebook Daten an Werbekunden weiter.