TrackingDer verräterische Fingerabdruck des Browsers

Ein Student erforscht, ob er Internetnutzer anhand der Informationen, die ihr Browser preisgibt, wiedererkennen kann. Er kann. Die Spuren zu verwischen, ist schwierig. von 

Henning Tillmann sammelt Daten. Daten über Browser. Für seine Diplomarbeit an der Humboldt-Universität zu Berlin untersucht der Informatikstudent , ob er Internetnutzer – beziehungsweise Endgeräte – auch ohne den Einsatz von Cookies wiedererkennen kann. So viel vorweg: Er kann. Schuld sind die Informationen, die der Browser preisgibt, ohne dass der Nutzer etwas davon mitbekommt. Browser-Fingerprinting nennt Tillmann sein Projekt – er nimmt digitale Fingerabdrücke.

Um eine möglichst aussagekräftige Datenbasis zu bekommen, stellt Tillmann auf bfp.henning-tillmann.de sein Projekt vor und bittet um zwei Klicks. Einen für die Einwilligung, dass Daten erhoben und ausgewertet und später zusammen mit allen anderen Daten der Diplomarbeit in anonymisierter Form veröffentlicht werden – einen Klick für die Teilnahme.

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Anschließend bekommt jeder Teilnehmer zu sehen, was sein Browser über ihn und seinen Computer verrät. Mehr als zwei Dutzend Datenkategorien – darunter IP-Adresse, Betriebssystem, Bildschirmauflösung, Sprache, Farbtiefe, Plug-ins und installierte Schriftarten – ergeben den Fingerabdruck.

Insbesondere die Schriftarten können verräterisch sein, sagt Tillmann. Wer zusätzlich zu seinem Standard-Paket noch weitere Schriftarten installiert, sei schon anhand von insgesamt drei bis vier Datentypen wiederkennbar. Abgesehen davon "sind, wenn man sich zum Beispiel die Schriftart einer bestimmten Partei installiert, auch persönliche Vorlieben erkennbar".

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Tillmann ist nicht der erste, der diese digitalen Fingerabdrücke untersucht. Die US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) hatte bereits Anfang 2010 auf das Problem der verräterischen Browser hingewiesen .

Bislang kaum erforscht

Ansonsten ist das Phänomen aber kaum erforscht. Tillmann möchte herausfinden, wie verlässlich die Identifizierung über den Browser funktioniert. Geht es auch noch, wenn jemand Änderungen an seinem System vornimmt, ein Update beispielsweise? Wie eindeutig sind bestimmte Konfigurationsmerkmale? Und wie kann sich der Nutzer vor dieser Möglichkeit des Trackings schützen?

Denn natürlich wissen längst auch Spezialisten für Onlinewerbung, dass sie Nutzer auf diesem Wege wiedererkennen könnten. Bislang setzen sie auf Cookies – kleine Textdateien, die beim Besuch einer Website auf dem Rechner des Nutzers abgelegt werden und diesen zweifelsfrei wiedererkennen, wenn er die Seite noch einmal aufruft. Aber einen Cookie zu löschen oder gar nicht erst zu akzeptieren, ist leicht. Dafür bietet jeder Browser die entsprechenden Einstellungsmöglichkeiten.

Die sogenannten Super-Cookies, also zum Beispiel Flash-Cookies zu löschen, ist schon aufwendiger. Hier können aber Add-ons wie BetterPrivacy helfen. Wenn aber irgendwann die E-Privacy-Richtlinie der Europäischen Union – auch Cookie-Richtlinie genannt – dazu führt, dass mehr und mehr Nutzer Cookies ablehnen, dann könnten Websitebetreiber versucht sein, auf das Browser-Fingerprinting auszuweichen.

Leserkommentare
    • smojoe
    • 28. November 2012 14:31 Uhr

    am Verhalten vieler Internetnutzer ist dass sie sich ständig darüber aufregen dass ihre Daten von wer weiss wem abgegriffen werden können, sich aber gleichzeitig bei Institutionen wie „my book in your face“ bis auf die Unterhose ausziehen und davon auch noch Fotos hochladen.

  1. Mein Ghostery blockiert 11 Tracks:

    DoubleClick
    Facebook Connect
    Facebook Social Plugins
    Google +1
    Google Analytics
    INFOnline
    Meetrics
    Nugg.Ad
    Twitter Button
    VG Wort
    Webtrekk

    AdBlock und NoScript sind ebenfalls eingeschaltet und blockieren fröhlich.....

    Antwort auf "......."
    • hg2000
    • 28. November 2012 14:54 Uhr

    Mit Datenschutz ist es ähnlich wie mit dem Thema Gleichberechtigung: ein im Kern sinnvolles Anliegen wird dermaßen überstrapazipiert, dass es irgendwann lãcherlich wird.

    • Infamia
    • 28. November 2012 15:25 Uhr

    Mein Problem an der Sache ist folgendes. Wenn ich ein Auto fahren möchte, mache ich einen Führerschein, der mich zum Fahren des Fahrzeugs befähigt. Ich muss nicht Automechaniker sein, um ein Fahrzeug zu lenken. Ich muss nur ein paar Verkehrsregeln kennen und wissen, wie ich ein Gaspedal, eine Bremse und einen Schaltknopf plus ein paar Schalter betätige.

    Wenn ich einen PC bedienen will, muss ich, um halbwegs sicher sein zu können, eigentlich ein IT-Studium abgelegt haben, um nicht von einer Falle in die nächste zu tappen. Sei es Trojaner, sei es Datensicherheit, sei es Phishing und was es noch für einen Rotz gibt.

    Ich will die Kiste einfach nur bedienen und der ganze andere Moores soll mir gestohlen bleiben. Und einmal im Jahr bringe ich die Kiste meinetwegen zur Inspektion, um den Rechner halbwegs frisch zu halten.

    Aber nein, selbst mit prufunden IT-Kenntnissen laufe ich Gefahr, in irgendeine Falle zu tappen. Was ist bloß aus dem Versprechen geworden, "Plug & Play"?

  2. no more Words.

  3. kann man sich hier zeigen lassen:
    http://anon.inf.tu-dresden.de/help/jap_help/de/help/security_test.html
    http://ip-check.info/?lang=de

    Die Spuren alle verschwinden zu lassen ist mit zu aufwendig.
    Aber wem's Spaß macht...
    Gelegentlich TOR scheint für den Alltag genug.
    Und ein wenig verdienen dürfen z.B. Suchmaschinenbetreiber aus meiner Sicht auch.
    Viel lästiger ist doch die Zensur gerade durch speziell westeuropäische Suchmaschinen.

  4. 12 Tracker stimmt:

    Adition
    DoubleClick
    Google Adsense
    Google Analytics
    INFOnline
    MediaMind
    Meetrics
    Nugg.Ad
    Quisma
    ScoreCard Research Beacon
    VG Wort
    Webtrekk

    (Adblock muss ausgeschaltet werden, da dieser die Ad-Tracker schon blockiert bevor Ghostery dran ist.)

    Wer keine Lust hat auf Flashbanner und Tracker, surft mit Firefox und Adblock+ sowie Ghostery. Wenn man sich noch ein Fake-Browserprofil zulegen will, nutzt man "User Agent Switcher".

    https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/user-agent-switcher/

    Antwort auf "......."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Was bei dieser Diskussion beachtet werden sollte: Die meisten privaten Betreiber von kostenfreien Webangeboten profitieren von solchen "nervigen Flashbannern", aber auch von der personalisierten Werbung.

    Wenn z.B. ein Besucher meiner Webseite über ein Werbebanner die Seite eines Versandhauses besucht, erhalte ich eine Provision, sollte dieser Benutzer in den nächsten 14 Tagen etwas über dieses Versandhaus bestellen. Dies kann natürlich nur nachvollzogen werden, wenn der User Cookies zulässt.
    Und selbstverständlich bin ich als Webseitenbesitzer auch darin interessiert, dass meine Besucher Werbebanner angezeigt bekommen, die sie ansprechen.
    Wohlgemerkt, wir sprechen hier gar nicht von irgendwelchen Global Players, sondern von Hobby-Webseitenbetreibern, die lediglich die Betriebskosten + ein kleines Taschengeld verdienen wollen.

    Das soll nun keine Verteufelung von entsprechenden Tools sein, schließlich funktioniert die Einnahmequelle "Werbung" immer noch sehr gut. Aber man sollte sich diesen Dingen zumindest bewusst sein, wenn man sich Gedanken über das Installieren solcher Tools macht (insbesondere Ad-Blocker).

  5. Was bei dieser Diskussion beachtet werden sollte: Die meisten privaten Betreiber von kostenfreien Webangeboten profitieren von solchen "nervigen Flashbannern", aber auch von der personalisierten Werbung.

    Wenn z.B. ein Besucher meiner Webseite über ein Werbebanner die Seite eines Versandhauses besucht, erhalte ich eine Provision, sollte dieser Benutzer in den nächsten 14 Tagen etwas über dieses Versandhaus bestellen. Dies kann natürlich nur nachvollzogen werden, wenn der User Cookies zulässt.
    Und selbstverständlich bin ich als Webseitenbesitzer auch darin interessiert, dass meine Besucher Werbebanner angezeigt bekommen, die sie ansprechen.
    Wohlgemerkt, wir sprechen hier gar nicht von irgendwelchen Global Players, sondern von Hobby-Webseitenbetreibern, die lediglich die Betriebskosten + ein kleines Taschengeld verdienen wollen.

    Das soll nun keine Verteufelung von entsprechenden Tools sein, schließlich funktioniert die Einnahmequelle "Werbung" immer noch sehr gut. Aber man sollte sich diesen Dingen zumindest bewusst sein, wenn man sich Gedanken über das Installieren solcher Tools macht (insbesondere Ad-Blocker).

    Antwort auf "12 Tracker stimmt"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Zweifelsohne gibt es, insbesondere im privaten oder kleinunternehmerischen Bereich Bedarf an Einnahmen durch Werbung.
    ABP z.B. kann in solchen Fällen nicht aufdringliche Werbung zulassen, sogenannte acceptable ads.

    http://adblockplus.org/en/acceptable-ads

    ABP ist natürlich auch in erster Linie ein Komfortprodukt, damit Websites wieder angenehm und klar aussehen. Und natürlich sollte man eben an diesen kleinen Bedarf denken. Allerdings gibt es eben auch eine vielzahl an Sites, bei dehnen die Werbung weit über das verträgliche Maß hinausgeht.

    Tracker und Cookies auf der anderen Seite sind von einem ganz anderen Kaliber. Zu überprüfen, ob ich nach dem Besuch einer Seite ein bestimmtes Produkt kaufe wäre ja noch in Ordnung. Aber die gängige Praxis, mein Nutzungsverhalten quer durch das ganze Netz zu verfolgen, zu speichern und weiterzuverkaufen geht mir persönlich eindeutig zu weit.

    Letztendlich ist aber das Hauptproblem, dass den Leuten keine Wahl gelassen wird. Einige andere Kommentare erwähnten schon, dass die meisten Webangebote nicht kostenfrei wären, wenn es keine Werbung und Tracker gäbe. Aber ich wäre eher bereit, auf diese Angebote zu verzichten, als auf meine Privatsphäre.
    Das kann selbstverständlich jeder für sich entscheiden. Aber man muss die Leute auch informiert vor die Wahl stellen. Und daran mangelt es momentan.

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