DuckDuckGo"Suchmaschinen-Nutzer erwarten neutrale Ergebnisse"

Gabriel Weinberg, Gründer der datenschutzfreundlichen Suchmaschine DuckDuckGo, hält die starke Personalisierung von Suchergebnissen bei Google und Bing für gefährlich. von 

Gabriel Weinberg, Gründer und Chef von DuckDuckDo

Gabriel Weinberg, Gründer und Chef von DuckDuckDo  |  © Gabriel Weinberg

ZEIT ONLINE : Mr. Weinberg, welche Suchmaschine ist die bessere: eine, die jedem Nutzer die gleichen Ergebnisse zeigt – oder eine, die maßgeschneiderte Ergebnisse liefert?

Gabriel Weinberg : Ich glaube, die meisten Nutzer denken darüber gar nicht nach. Sie gehen einfach davon aus, dass sie alle dieselben Suchergebnisse bekommen. Besonders dann, wenn es um sensible Themen geht wie Politik oder Gesundheit.

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ZEIT ONLINE : Sie meinen, die Nutzer von Google oder Bing sind sich noch immer nicht bewusst, dass ihre Suchergebnisse auf sie zugeschnitten sind ?

Weinberg : Richtig. Und selbst wenn sie es wissen, glauben sie, es reicht, sich aus dem Google-Konto auszuloggen oder im Privatmodus zu surfen, um neutrale Ergebnisse zu bekommen. Aber das stimmt eben nicht .

Gabriel Weinberg

Gabriel Weinberg, 33, ist Gründer und Chef der datenschutzorientierten Suchmaschine DuckDuckGo. 2006 verkaufte er sein Start-up Names Database für zehn Millionen Dollar an Classmates.com. Mit dem Geld gründete er DuckDuckGo. Die Suchmaschine ging 2008 an den Start und verarbeitet heute 45 Millionen Suchanfragen im Monat.

DuckDuckGo nutzt die offenen Schnittstellen von Yahoo! Search BOSS und Wolfram Alpha sowie einen eigenen Webcrawler zur Indizierung des Netzes. DuckDuckGo speichert keinerlei Nutzerdaten und liefert Suchergebnisse unabhängig von vorherigen Suchen, dem Standort des Nutzers oder anderen persönlichen Daten aus. Damit unterscheidet sich DuckDuckGo von Google und Bing. In einem Experiment verdeutlichte Weinberg kürzlich, wie unterschiedlich Suchergebnisse bei Google ausfallen können – je nach deren vorherigen Suchen und anderen Daten.

ZEIT ONLINE : Aber selbst wenn Google einseitig wäre: Ist der Einfluss einer Suchmaschine auf politische Überzeugungen oder Kaufentscheidungen wirklich so direkt und so groß?

Weinberg : Es stört mich, dass so etwas noch nicht wirklich wissenschaftlich untersucht wurde. Was aber erwiesen ist: Auch kleine Einflüsse aus der Umgebung, besonders Dinge, die einem Menschen gezeigt werden, die er von alleine nicht gesehen hätte, können seine Überzeugungen signifikant verändern. Auf Google übertragen heißt das: Wenn die Suchmaschine Ihnen immer wieder etwas zeigt, von dem sie glaubt, dass Sie damit einverstanden sind, dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sich dieser Standpunkt bei Ihnen verfestigt.

ZEIT ONLINE : Trauen Sie den Menschen nicht zu, Quellen kritisch zu beurteilen?

Weinberg : Gute Frage. Prinzipiell halte ich die Menschen für skeptisch genug. Aber Suchmaschinen und die Wikipedia sind für viele sakrosankte Werkzeuge, von denen sie erwarten, dass sie neutral bleiben. Wenn die Menschen Meinungen wollen, nehmen sie alles jenseits von Suchmaschinen. Von der Suchmaschine selbst aber erwarten sie die rohe, unparteiische Information.

ZEIT ONLINE : Haben Suchmaschinenbetreiber, insbesondere, wenn sie so groß sind wie Google, eine gesellschaftliche Verantwortung, neutrale Suchergebnisse auszugeben?

Weinberg : Soweit würde ich nicht gehen. Es gibt genug Platz für viele verschiedene Suchmaschinen. Ich denke nur, das Problem liegt in der Erwartungshaltung der Nutzer. Im Jahr 2005 waren die Suchergebnisse von Google noch nicht so personalisiert wie heute. Und das war die Zeit, als Google marktbeherrschend wurde. Damals entstand die Überzeugung, dass Googles Suchergebnisse neutral sind und bleiben.

ZEIT ONLINE : Sagt Google nicht deutlich genug, dass die Suchergebnisse personalisiert werden?

Weinberg : Nein.

Leserkommentare
  1. Beispiel: Suchaufruf "Kinoprogramm". Durch das Wissen über den Aufenthaltsort und der Sprache des Benutzers, kann die Maschine das liefern, was ich auch gesucht habe: die aktuell laufenden Filme in meiner Nähe. Eine neutrale Suchmaschine muss jedoch die Kinoprogramme der ganzen deutschsprachigen Welt ausgeben; sortiert nach welchen Kriterien auch immer.

    Jeder Suche stehen Trilliarden von potentiellen Antworten in Form von URLs gegenüber. Eine Maschine, die meinen Kontext nicht beachtet, wird mich immer mit einem Überangebot an formell richtigen, aber offensichtlich unpassenden Ergebnissen überschütten.

    Interessant wäre es, wenn Google einen kleinen Schalter (Personalisierung An/Aus) an ihrem Suchfeld anbrächten um den Benutzer selber wählen zu lassen. Ich bin mir sicher, der Grossteil der Anwender würde die Personalisierung aktivieren.

    4 Leserempfehlungen
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    • timego
    • 15. November 2012 11:03 Uhr

    "Kinoprogramm Ort Stadtteil" als Suchoptionen?

    • pakZ
    • 15. November 2012 12:36 Uhr

    Wie bereits beantwortet - was spricht dagegen den Ort in die Suche mit einfließen zu lassen?

    Statt dessen geben Sie lieber die Kontrolle aus der Hand?

    Es ist tatsächlich wie im Interview gesagt wurde. In der Anfangszeit von Google konnte man sich (fast) sicher sein, daß die Ergebnisse vollständig und komplett waren; das was angezeigt wurde war halt alles, was verfügbar war.
    Heute mache ich immer wieder die Erfahrung, daß ich an viele Informationen nur sehr schwer rankomme. Insbesondere US-amerikanische Seiten/Ergebnisse sind aus Deutschland schon fast nur noch mit einigen Tricks zu erreichen.

    Davon ab sollte man nicht vergessen, daß schon die SEO die Ergebnisse verfälscht und die Liste nur noch in den seltensten Fällen etwas mit tatsächlicher Relevanz zu tun hat.

    • claubro
    • 15. November 2012 13:04 Uhr

    klar ist es mit einem gewissen "Aufwand" verbunden, bei der Suche nach dem Kinoprogramm auch noch den Ort anzugeben, aber mal ehrlich, wie viel wollen wir uns noch abnehmen lassen? Ich gebe Ihnen Recht, wenn man die Wahl zwischen neutralen und personalisierten Ergebnissen hätte, würden die meisten zweites wählen, aber zu welchem Preis? Irgendwann überlassen wir Google auch gleich das Denken - Google now ist der nächste Schritt in diese Richtung. Viele Menschen sehen das als Erleichterung, aber ist es das wirklich? Warum müssen sich alle möglichen Unternehmen um Datenschutz bemühen und nachweisen können, dass sie nix weitergeben, wenn wir uns von Google so bereitwillig "verfolgen" lassen. Da muss niemand mehr was von Überwachungsstaat und Datenschutz faseln.

    http://www.youtube.com/wa...

  2. ... ich nütze DDG jetzt schon einige Monate und muss feststellen, dass ich für "wichtige" Suchen trotzdem wieder auf Google zurückgreife, einfach, weil die Treffer besser sind, d.h. stärker dem entsprechen, was ich auch wirklich suche. Bei DDG bekomme ich z.T. zwar auch gute Ergebnisse, aber bei weitem nicht so viele/gute wie bei Google. Auch das Problem mit vielen "Schrottseiten" die - wenn man etwas komerzielles bei Google gesucht hat - hat sich mMn. schon wieder etwas gelegt.

    Man kann es natürlich negativ finden, wenn persönliche Daten gesammelt und dann für Dienste wie Google-Suche etc. verwandt werden, allerdings ist dies eben nicht nur (d.h. ausschließlich) negativ, sondern hat für die Suche tatsächlich einen Nutzen, nämlich das ich deutlich schneller das finde, was ich auch suche.

    Das Problem ist also hierbei nicht unbedingt die Erhebung und Verwendung persönlicher Daten, sondern letztlich der Umgang mit diesen, dass angenommen wird, dass Google diese Daten missbraucht bzw. missbrauchen könnte. Hier liegt mMn. der Hase im Pfeffer und nicht per se in der Nutzbarmachung von Nutzerdaten.

    Meine Eltern wollten bspw. nach kurzer Zeit wieder zu Google als Startseite zurück, weil ihnen die Suchergebnisse nicht gefallen haben - kann ich nachvollziehen, auch wenn es schade für das Projekt DDG ist. Aber das eigentliche Problem liegt mMn. wie gesagt ganz woanders.

    3 Leserempfehlungen
  3. Google-Ergebnisse ohne Personalisierung gibt es bei http://startpage.com !

    Gibt es auch für das Suchfeld oben rechts. Nutze ich schon lange, funktioniert gut. Wer trotzdem ausnahmsweise mal Google nutzen will, trägt die Suchbegriffe (bei Firefox) einfach in die Adresszeile (!) ein und landet wieder bei Google.

    3 Leserempfehlungen
    • pakZ
    • 15. November 2012 12:36 Uhr
    14. .....

    Wie bereits beantwortet - was spricht dagegen den Ort in die Suche mit einfließen zu lassen?

    Statt dessen geben Sie lieber die Kontrolle aus der Hand?

    Es ist tatsächlich wie im Interview gesagt wurde. In der Anfangszeit von Google konnte man sich (fast) sicher sein, daß die Ergebnisse vollständig und komplett waren; das was angezeigt wurde war halt alles, was verfügbar war.
    Heute mache ich immer wieder die Erfahrung, daß ich an viele Informationen nur sehr schwer rankomme. Insbesondere US-amerikanische Seiten/Ergebnisse sind aus Deutschland schon fast nur noch mit einigen Tricks zu erreichen.

    Davon ab sollte man nicht vergessen, daß schon die SEO die Ergebnisse verfälscht und die Liste nur noch in den seltensten Fällen etwas mit tatsächlicher Relevanz zu tun hat.

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  4. Es ist schade, dass Kritik an Datenkraken immer gleich als Paranoia abgetan wird. Die Konsequenzen, die sich ergeben können, wenn sich Millionen Internetnutzer von google und co. prost....äh, "verwenden" lassen, haben weniger mit Verschwörungstheorien zu tun, sondern schlichtweg mit konsequenter Ausnutzung der "human resources" im kommerziellen Sinne. Wenn Sie mich fragen, ist das deutlich schlimmer als irgendwelche Polizeistaatdystopien. Der Gedankengang à la "ist doch toll, wenn google mir jetzt nur noch Rasierer-Angebote schickt und keine mehr zu Lady-Shavern" wirkt reichlich naiv.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "zu welchem Zweck?"
    • cargath
    • 15. November 2012 8:33 Uhr

    Die Frage ob ich neutrale Ergebnisse bekomme stelle ich mir langsam auch bei Herr Beuth und DuckDuckGo. So gut man diese Suchmaschine auch finden mag, und so sinnvoll auch eine neutrale Alternative zu den großen Suchmaschinen ist - die unglaubliche Menge an Artikeln darüber von dem immer gleichen Autor der Zeit wirkt etwas merkwürdig...

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  5. Daran sollte DuckDuckGo noch arbeiten. Filestube, Rapidshare und Co, Links zu illegalen Downloads sollten eigentlich nicht in den Suchergebnissen auftauchen, zumindest nicht auf den ersten Seiten als.

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  6. Ich erwarte Ergebnisse, die mir etwas nützen. Sollte dies besser durch Personalisierung zu erreichen sein, weil diese meine Interessen, Intentionen oder anderweitige Gegebenheiten besser berücksichtigt, dann ist das kein Problem. Zumindest dann, wenn ich die Informationen zu den zu berücksichtigenden Interessen, Intentionen oder anderweitige Gegebenheiten zuvor ja selbst zur Verfügung gestellt habe.

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