Einmal mehr treibt die Pornoindustrie die Entwicklung von Web-Technologie voran . Die Branche experimentiert mit Gesichtserkennung. So fordert die Sexplattform Naughty America ihre Kunden auf, Bilder von Frauen bei ihrem "Face" getauften Onlinedienst hochzuladen. Eine Software sucht dann in den Datenbanken von Naughty America nach Frauen, die denen auf den Fotos ähnlich sehen. Nutzer sollen ausdrücklich Fotos von Facebook , Instagram oder einer beliebigen Website hochladen.

Auch das Unternehmen SexFaceFinder vergleicht die von seinen Nutzern hochgeladenen Fotos mit denen in einer Datenbank – und zwar der eines Webcam-Dienstes, wie ZDNet schreibt . Beiden Anbietern geht es offiziell darum, dass Männer auf diesem Wege Pornodarstellerinnen finden sollen, die ihren Vorlieben und Fantasien möglichst gut entsprechen. Dagegen ist prinzipiell wenig einzuwenden.

Zudem ist die Technik noch nicht ausgereift. Das Ausgangsbild und das, was Naughty Americas Gesichtserkennung dann an Darstellerinnen mit angeblichen Ähnlichkeiten auswirft, stimmen nicht überein. Im Gegenteil: Was Naughty America anbietet, wirkt wie eine willkürliche Auswahl der eigenen Pornostars. Allerdings fragt der Anbieter nach: "Bist du zufrieden mit dem Resultat?" Die Funktion soll also offenbar verbessert werden.

Problematisch an einer Gesichtserkennung auf Pornoseiten sind aber schon jetzt mögliche Verletzungen der Privatsphäre. Wer bei Naughty America ein Bild hochladen will, muss zwar per Checkbox versichern, dass er "das Recht hat, dieses Bild zu verteilen". Aber davon dürfte sich niemand abschrecken lassen, der eben gezielt fremde Fotos aussucht. Unklar ist, was Naughty America mit den Bildern macht. Laut Nutzungsbedingungen behält sich das Unternehmen die Weiterverwertung zu allen erdenklichen Zwecken vor. Jeder, von dem es ein Foto im Netz gibt, kann auf diesem Wege also in der Datenbank des Pornoanbieters landen – ohne je davon zu erfahren.

Auch Seitensprungportale könnten so durchsucht werden

Noch bedenklicher wird es, wenn ein Anbieter diese Technik einsetzt, um eine Datenbank zu durchsuchen, die von den Nutzern selbst gefüllt wurde. Naughty America arbeitet zum Beispiel mit einem Seitensprungportal zusammen. Theoretisch könnte eine Gesichtserkennung auch die Bilder solcher Portale scannen und damit zum Kontrollwerkzeug etwa für misstrauische Partner werden.

Andere Seiten sammeln Nacktbilder, die Menschen von ihren Ex-Partnern hochladen. Was also ursprünglich höchstens ein Mensch sehen sollte, könnte so für jeden auffindbar werden. Man könnte argumentieren, dass jeder, der solche Aufnahmen von sich verschickt , selbst schuld ist, wenn sie irgendwann offen im Netz kursieren. Manchen mag das auch keineswegs peinlich sein. Website-Betreiber aber könnten aus der Rückwärts-Bildersuche ein Geschäftsmodell machen, ohne das Wissen der Betroffenen.

Alles nur Schwindel?

Denkbar sind im Übrigen auch andere Zusammenhänge. Ein Web-Klassiker sind Seiten, auf denen Scherzbolde die Fotos von fantasievoll dekorierten Betrunkenen veröffentlichen, die im Tiefschlaf nicht mitbekommen, was andere mit ihnen anstellen.

Eine Suche mithilfe von Gesichtserkennung macht es jedenfalls leicht, Prominente, Bekannte, potenzielle oder Ex-Partner, Bewerber oder Rivalen auf solche Jugendsünden zu überprüfen. Vorausgesetzt, die Technik funktioniert irgendwann gut genug. Google zum Beispiel hat bereits eine solche Rückwärtssuche , die zum Teil brauchbare Ergebnisse liefert.

Noch einmal: Nicht jedem ist es unangenehm, wenn irgendwelche Fotos von ihm oder ihr im Netz kursieren. Die Vorstellungen von Privatsphäre und davon, was moralisch oder unmoralisch ist, ändern sich nun einmal im Laufe der Zeit. Wichtig ist aber zu wissen, wozu Gesichtserkennung führen kann und wer sie einsetzt.

Bei Naughty America ist das Ganze aber vielleicht nur ein billiger Trick, ein Schwindel. Wer ein Bild hochlädt, muss nämlich eine E-Mail-Adresse angeben, an die ein Link zum Ergebnis geschickt wird – angeblich wegen des derzeit hohen Suchaufkommens. Möglicherweise will Naughty America auf diesem Wege einfach nur E-Mail-Adressen sammeln, um diese für Werbung zu verwenden.