"How You Killed Facebook Democracy" , kommentiert das amerikanische Magazin Wired das Ende der Mitbestimmung bei Facebook . Die Neue Zürcher Zeitung titelt : "Facebook-Mitglieder haben sich freiwillig entmachtet." Ihr seid selber Schuld, wenn Ihr bei Facebook künftig nicht mehr mitreden könnt, heißt das. Aber stimmt das so?

Facebook hat mal wieder neue Nutzungsbedingungen abstimmen lassen . Wichtigste Änderung: Künftig haben Nutzer keine Chance mehr, solche Änderungen abzulehnen. Facebook muss nicht mehr auf seine Kunden hören.

Zuerst einmal: Was sich bei Facebook gerade abspielte, hat mit Demokratie nichts zu tun. Demokratie bedeutet, friedlich die Macht an jemand anderen zu übergeben. Das ging bei Facebook nie, die Position von Mark Zuckerberg stand nie zur Debatte. Facebook ist ein Unternehmen und alles, was es seinen Nutzern bislang eingeräumt hatte, war ein klein wenig Mitbestimmung. Die Nutzer konnten sich zu neuen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen äußern und sie ablehnen. Taten das mehr als 30 Prozent der Nutzer, musste Facebook neue Regeln vorschlagen, die dann wieder abgestimmt werden konnten.

Warum aber wollen die mehr als eine Milliarde Accountinhaber nicht einmal dieses bisschen Mitbestimmung und Einfluss nutzen?

Facebook kann wirken

Darauf gibt es zwei Antworten. Erstens: Die Nutzer interessiert es nicht. Sie sind also tatsächlich selbst schuld daran, dass ihr Recht nun verwirkt ist. Zum zweiten: Facebook hat ebenfalls wenig Interesse an einer Mitbestimmung.

Dass sich Nutzer grundsätzlich nicht für Mitbestimmung interessieren, ist unwahrscheinlich. Zu Wahlen gehen die meisten von ihnen ja auch. Auch dass Facebook einen Effekt in solchen Prozessen haben kann, zeigte kürzlich eine Studie . Dafür wurden 61 Millionen Facebook-Nutzer analysiert. Zu den Kongresswahlen in den USA 2010 hatte Facebook seine Nutzer aufgerufen, zur Wahl zu gehen. Mit eindeutigen Mitteilungen an jeden Einzelnen und einem Link zu seinem nächsten Wahllokal. Diese Empfehlungen wirkten stärker als Wahlspots im Fernsehen und als Werbeanrufe der Parteien.

Diesmal ging es um Mitbestimmung und um Datenschutz, denn auch der wird durch die Änderungen eher verschlechtert . Der Wiener Student Max Schrems zeigt, dass diese Themen auch für größere Kampagnen taugen. Mit seiner erfolgreichen Aktion our-policy.org hat er den Konzern schon einmal zu Änderungen gezwungen.