NutzerdatenDie vielen Fehler im Fall Instagram

Dass die künftigen AGB von Instagram als Datenschutz-Skandal wahrgenommen wurden, ist die Folge von Fehlern des Unternehmens und von Journalisten. von 

Instagram will die Fotos seiner Nutzer nicht verkaufen. Einer der Mitbegründer des Fotodienstes hat das mittlerweile klargestellt . Die geplanten Nutzungsbedingungen sollen noch einmal überarbeitet werden, missverständliche Formulierungen wenigstens zum Teil verschwinden. Dafür, dass viele Nutzer zuvor von einem Datenschutz-Skandal überzeugt waren, ist Instagram nicht allein verantwortlich – aber eben auch.

Den ersten Fehler haben Instagram und die Mutterfirma Facebook gemacht. Eine Änderung der Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien mit einem extrem knappen, nichts erklärenden Blogeintrag anzukündigen, ist eine schlechte Idee. Damit überlässt das Unternehmen den Medien die Deutung – und sollte sich nicht wundern, wenn die alles dem Wortsinn nach interpretieren und zuspitzen, um das Potenzial solcher Formulierungen zu verdeutlichen.

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Den zweiten Fehler haben viele Journalisten gemacht, auch ZEIT ONLINE . Sie haben Instagram und Facebook eine klare Absicht unterstellt, Nutzerfotos ungefragt und unbezahlt zu Werbezwecken zu verkaufen oder zu verwenden. Und dabei vergessen, darauf hinzuweisen, dass Instagram sich zunächst nur die Möglichkeit einräumt, so zu handeln.

Der dritte Fehler ist eher eine Fehlentwicklung, und zwar bei Facebook. Die Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien des Netzwerks, die mittlerweile nur noch Datenverwendungsrichtlinien heißen, sind über die Jahre immer wieder verändert worden. Mittlerweile sind sie zusammengenommen und in Zwölf-Punkt-Schrift stolze 24 Seiten lang und unüberschaubarer denn je. Zudem ist Facebook bekannt dafür, Nutzerdaten in erheblichem Ausmaß für sein Geschäftsmodell zu verwenden. Die geplanten Änderungen von Instagram passen da gut ins Bild. Soll heißen: Man traut dem Unternehmen jede Art von fragwürdiger Datenverwertung zu.

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Den vierten Fehler haben die Instagram-Nutzer gemacht. Viele haben am gestrigen Dienstag spontan ihr Konto gelöscht und sich darüber entrüstet, dass Instagram und Facebook Geld mit persönlichen Daten verdienen wollen. Dass dies bei kostenlosen Diensten gar nicht anders möglich ist, haben sie nicht bedacht. Hätten sie es getan und es dann immer noch für inakzeptabel befunden, hätten sie konsequenterweise gleich auch noch ihr Facebook-Profil löschen müssen. Und ihren Flickr- und Google-Plus-Account natürlich auch.

AGBs werden wahrgenommen

Daraus ergeben sich drei Schlussfolgerungen: Erstens wäre es für die Unternehmen wie Facebook an der Zeit, ernsthaft über alternative Mitgliedschaftsmodelle nachzudenken. Wer kein Problem mit der Verwendung seiner Daten hat, kann den Dienst im Gegenzug kostenlos nutzen. Wem das nicht recht ist, der sollte wahlweise eine Abo-Gebühr zahlen können, dafür sind seine Daten dann tabu. Die Idee ist nicht neu, aber das Datenschutzbewusstsein der Menschen nimmt eher zu als ab, weshalb das Modell sinnvoller wäre als je zuvor.

Zweitens sollte ein Unternehmen, dass seine AGB ändern will, das transparent und auch für Laien verständlich erklären. Und zwar schon bei der Ankündigung, nicht erst, wenn andere die Deutung übernommen haben. Denn erfahrungsgemäß nehmen die Menschen vor allem die erste Meldung wahr, weniger dagegen die Korrektur oder das Dementi.

Drittens zeigt der Fall Instagram – wie übrigens zuvor schon der Fall Facebook und der Fall CouchSurfing.org – dass Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien nicht länger unbeachtete, lästige Pop-ups zum reflexartigen Wegklicken sind. Sie werden gelesen und ernst genommen. Und das ist eine gute Nachricht.

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Leserkommentare
  1. AGB und Datenschutzrichtlinien sind Vertragsbestandteil. Wenn dort drin steht dass z.B. Fotos verkauft werden dürfen ohne Entschädigung dann gilt das erst mal bis ggf ein Gericht entscheidet dass die Klausel ungültig ist. Wenn jemand sich in den AGB das Recht einräumt dann soll der Nutzer darauf vertrauen, dass das Recht nicht genutzt wird? Warum rudern die Medien zurück?

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    es wäre aber ziemlich grenzwertig, eine Firma kann nicht einfach entscheiden privat erstellte Bilder zu verwenden. Als User dürfte man diesen AGBs zumindest in Deutschland nicht zustimmen, weil demnach würde man auch zustimmen das Bilder verwendet werden wo evtl. Personen auf dem Bild sind die eben eine weitere Verwendung nicht zustimmen würden. Es ist ein Unterschied ob man Bilder privat oder geschäftlich erstellt und private Bilder einfach geschäftlich zu verwenden...

  2. Ich verstehe nicht warum die Onlinedienste bezüglich ihrer AGBs eine derartige Verschleierungstaktik anwenden? Transparenz und Einfachheit würde allen Beteiligten gut tun. Eines verstehe ich auch überhaupt nicht: Warum beteiligen die Onlinedienste ihre Nutzer nicht an einem Verdienst? Nach dem Besipiel: Ich benutze Dein Foto für Werbung und gebe Dir eine gewisse Summe. Oder: Ich nutze deine Daten für Werbezwecke und bezahle dich dafür. Irgendwann wird der Konsument es einfach leid sein nur zu konsumieren. Er möchte auch etwas für seine "Leistung" erhalten. Das wäre gar nicht einmal so schlecht. Dezentralisierung der Erwerbsmöglichkeiten. Das geht auch bei der Stromerzeugung. Einspeisevergütung für alle Bereiche des Lebens sozusagen. Dann hätten wir möglicherweise eine grundlegend zufriedenere Gesellschaft. Das noch gekoppelt mit einem fairen Geldsystem nd einem Grundeinkommen für alle Menschen? Naja, warten wir mal den Weltuntergang ab. (Lacht)

    • riessm
    • 19. Dezember 2012 15:38 Uhr

    ...in allen Ehren, ABER ich finde es richtig und wichtig, dass so berichtet wird: Eine Änderung bedeutet, dass ein bestehendes Verhältnis angepasst wird und in Bewegung gerät. Natürlich sollte berichtet werden, in welche Richtung diese Bewegung geht und was die Konsequenzen sein können, denn gäbe es keine Intention, die neue Richtung der AGBs zu nutzen, warum ändert man es dann und setzt diese Maschine in Bewegung?

    Ich glaube außerdem nicht daran, dass die Anwälte eines Unternehmens im Wert (Kaufpreis) von 1 Mrd.$ etwas übersehen haben, was Journalisten rund um den Globus entdecken. Das war kalkuliert, die Dementi wahrscheinlich schon vorbereitet und hätte es geklappt, hätte man sich die Hände gerieben.

  3. Es gibt nichts geschenkt, alles hat seinen Preis.

    Bei "Gratisdiensten" ist man nicht Kunde - sondern die Ware selbst.

  4. ...und dann nicht nutzen?

    Was für eine Geschichte wollen Sie mir hier verkaufen...???

    ---

    Zum Thema Abomodell (gratis mit Datennutzung, gegen Geld mit Datenschutz):

    Theoretisch eine einfache, logische und faire Lösung.
    Dazu muss der Kunde aber vertrauen haben, daß seine Daten dann wirklich nicht genutzt werden.

    Bei vielen Firmen ist da das Kind schon in den Brunnen gefallen - sprich das Vertrauen ist schon verspielt...

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    Wer sich die Möglichkeit einräumt, macht das nicht, um sie nicht zu nutzen. Es hat sich ja wohl jemand etwas dabei gedacht, das so zu formulieren.
    Und in puncto kostenlose Sachen im Internet. Fast alles, was da existiert, finanziert sich auf irgendeine Weise selbst, ob es Werbung ist oder Verkauf von Informationen oder weil es an einer anderen kostenpflichtigen Anwendung hängt und von dort mitfinanziert wird.
    Wenn so eine beliebte "kostenlose" Anwendung dann plötzlich so genutzt werden soll, verstehe ich den Aufschrei schon.
    Witzig finde ich allerdings, dass jemand denkt, seine Fotos wären gelöscht, weil er einen Button gedrückt hat. ;-)
    Wer etwas ins Internet schreibt, hat in jedem Fall die Kontrolle darüber verloren.

  5. Das Konzept "meine Daten gegen eure Dienste" ist ja nichts neues, obwohl es in der Anfangszeit des Internets noch eher "unsere Werbung für unsere Dienste" hieß.

    Das Unehrliche an FB nd anderen Diensten ist, dass sie anfangs erklären werbefinanziert zu sein und nach und nach in den Datenhandel einsteigen, siehe die AGB-Änderungen von FB.
    Wenn die Online-Anbieter von Anfang an erklären, "Wir verdienen mit euren Daten", dann würden sich auch keine so falschen Vorstellungen in der Bevölkerung breit machen, wie FB sei bloß ein weiterer Kommunikationskanal wie das Handy oder Internet - was es eben nicht ist.

    Beispiel Cloud, alle Anbieter werben damit immer und überall seine Daten bereit zu haben. Aber wie sieht es mit Nutzung und Sicherheit aus? Gehört ein Spreadsheet auf Google-Docs wirklich mir und nur mir allein, oder darf Google den Inhalt lesen, um seine Dienste küntig weiter verbessern zu können?

    Viele Online-Anbieter verfolgen die Taktik, den Frosch langsam im Wasser zu kochen in der Hoffnung der Frosch - wir - bemerkten den langsamen Anstieg der Temperatur nicht bevor es zu spät ist.
    Wenn dann ein Frosch vorzeitig feststellt, dass da geheizt wird, ist der Aufschrei verständlicherweise groß. Da helfen alle Beteuerungen nicht. Online-Konzerne mit großen Rechtsabteilungen veröffentlichen nichts das sie auch nicht genau so meinen.

    Ich bin bereit Ware zu sein, wenn ich es von Beginn an weiß.
    Mich irgendwann zur Ware zu erklären geht mir gegen den Strich.

  6. Ich kann mich den anderen Kommentatoren nur anschließen: Der Artikel von gestern war eine absolut notwendige Veröffentlichung - das heutige Dementi hingegen ist mir suspekt.

  7. Wer sich die Möglichkeit einräumt, macht das nicht, um sie nicht zu nutzen. Es hat sich ja wohl jemand etwas dabei gedacht, das so zu formulieren.
    Und in puncto kostenlose Sachen im Internet. Fast alles, was da existiert, finanziert sich auf irgendeine Weise selbst, ob es Werbung ist oder Verkauf von Informationen oder weil es an einer anderen kostenpflichtigen Anwendung hängt und von dort mitfinanziert wird.
    Wenn so eine beliebte "kostenlose" Anwendung dann plötzlich so genutzt werden soll, verstehe ich den Aufschrei schon.
    Witzig finde ich allerdings, dass jemand denkt, seine Fotos wären gelöscht, weil er einen Button gedrückt hat. ;-)
    Wer etwas ins Internet schreibt, hat in jedem Fall die Kontrolle darüber verloren.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Medien | Facebook | Instagram | Unternehmen
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