Instagram will die Fotos seiner Nutzer nicht verkaufen. Einer der Mitbegründer des Fotodienstes hat das mittlerweile klargestellt . Die geplanten Nutzungsbedingungen sollen noch einmal überarbeitet werden, missverständliche Formulierungen wenigstens zum Teil verschwinden. Dafür, dass viele Nutzer zuvor von einem Datenschutz-Skandal überzeugt waren, ist Instagram nicht allein verantwortlich – aber eben auch.

Den ersten Fehler haben Instagram und die Mutterfirma Facebook gemacht. Eine Änderung der Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien mit einem extrem knappen, nichts erklärenden Blogeintrag anzukündigen, ist eine schlechte Idee. Damit überlässt das Unternehmen den Medien die Deutung – und sollte sich nicht wundern, wenn die alles dem Wortsinn nach interpretieren und zuspitzen, um das Potenzial solcher Formulierungen zu verdeutlichen.

Den zweiten Fehler haben viele Journalisten gemacht, auch ZEIT ONLINE . Sie haben Instagram und Facebook eine klare Absicht unterstellt, Nutzerfotos ungefragt und unbezahlt zu Werbezwecken zu verkaufen oder zu verwenden. Und dabei vergessen, darauf hinzuweisen, dass Instagram sich zunächst nur die Möglichkeit einräumt, so zu handeln.

Der dritte Fehler ist eher eine Fehlentwicklung, und zwar bei Facebook. Die Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien des Netzwerks, die mittlerweile nur noch Datenverwendungsrichtlinien heißen, sind über die Jahre immer wieder verändert worden. Mittlerweile sind sie zusammengenommen und in Zwölf-Punkt-Schrift stolze 24 Seiten lang und unüberschaubarer denn je. Zudem ist Facebook bekannt dafür, Nutzerdaten in erheblichem Ausmaß für sein Geschäftsmodell zu verwenden. Die geplanten Änderungen von Instagram passen da gut ins Bild. Soll heißen: Man traut dem Unternehmen jede Art von fragwürdiger Datenverwertung zu.

Den vierten Fehler haben die Instagram-Nutzer gemacht. Viele haben am gestrigen Dienstag spontan ihr Konto gelöscht und sich darüber entrüstet, dass Instagram und Facebook Geld mit persönlichen Daten verdienen wollen. Dass dies bei kostenlosen Diensten gar nicht anders möglich ist, haben sie nicht bedacht. Hätten sie es getan und es dann immer noch für inakzeptabel befunden, hätten sie konsequenterweise gleich auch noch ihr Facebook-Profil löschen müssen. Und ihren Flickr- und Google-Plus-Account natürlich auch.

AGBs werden wahrgenommen

Daraus ergeben sich drei Schlussfolgerungen: Erstens wäre es für die Unternehmen wie Facebook an der Zeit, ernsthaft über alternative Mitgliedschaftsmodelle nachzudenken. Wer kein Problem mit der Verwendung seiner Daten hat, kann den Dienst im Gegenzug kostenlos nutzen. Wem das nicht recht ist, der sollte wahlweise eine Abo-Gebühr zahlen können, dafür sind seine Daten dann tabu. Die Idee ist nicht neu, aber das Datenschutzbewusstsein der Menschen nimmt eher zu als ab, weshalb das Modell sinnvoller wäre als je zuvor.

Zweitens sollte ein Unternehmen, dass seine AGB ändern will, das transparent und auch für Laien verständlich erklären. Und zwar schon bei der Ankündigung, nicht erst, wenn andere die Deutung übernommen haben. Denn erfahrungsgemäß nehmen die Menschen vor allem die erste Meldung wahr, weniger dagegen die Korrektur oder das Dementi.

Drittens zeigt der Fall Instagram – wie übrigens zuvor schon der Fall Facebook und der Fall CouchSurfing.org – dass Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien nicht länger unbeachtete, lästige Pop-ups zum reflexartigen Wegklicken sind. Sie werden gelesen und ernst genommen. Und das ist eine gute Nachricht.