Fotodienst Instagram"Wir haben nicht die Absicht, eure Fotos zu verkaufen"

Ein Mitbegründer von Instagram hat sich für "unklare Formulierungen" in den neuen Nutzungsregeln entschuldigt. Eine umstrittene Passage soll wieder gestrichen werden. von afp, dpa und

Instagram auf einem Android-Gerät

Instagram auf einem Android-Gerät  |  © Fred Prouser/Reuters

Der Fotodienst Instagram macht bei den geplanten Änderungen der Nutzungsregeln einen Rückzieher. Eine umstrittene Passage, die den ungefragten Verkauf von Bildern der Nutzer ohne Honorar ermöglicht hätte, werde gestrichen, teilte das Unternehmen mit.

Instagram sprach dabei von einem Missverständnis. Ein Mitgründer der inzwischen zu Facebook gehörenden Fotoplattform entschuldigte sich für die unklare Formulierung. Man habe den Protest gehört und wolle eventuelle Probleme schnell beseitigen: "Wir haben nicht die Absicht, eure Fotos zu verkaufen", teilte Kevin Systrom in einem Blogeintrag mit. Das solle in einer neuen Version der Regeln auch unmissverständlich festgeschrieben werden.

Anzeige

Außerdem sei die Befürchtung übertrieben, dass Instagram-Bilder in Werbeanzeigen auftauchen könnten, schrieb Systrom. "Wir haben keine solchen Pläne und werden deswegen die Formulierung entfernen, die diese Frage aufkommen ließ."

Viele Nutzer wollen Account löschen

Instagram hat nach jüngsten Angaben mehr als 100 Millionen Nutzer und ist damit eine der führenden Fotosharing-Plattformen im Netz. Die geplante Änderung der Nutzungsbedingungen und Datenschutzregeln hatte im Netz heftige Kritik ausgelöst. Viele Nutzer reagierten empört und kündigten an, ihre Konten löschen zu wollen.

Die Instagram-Nutzer störten sich vor allem an einem Punkt, laut dem Instagram Bilder und andere Daten der Nutzer kommerziell vermarkten könne. Der umstrittene Passus lautet: "Der Dienst kann teilweise oder ganz von Werbeeinnahmen unterstützt werden. Um uns zu helfen, interessante bezahlte oder gesponsorte Inhalte oder Werbung zu platzieren, erklären Sie sich damit einverstanden, dass ein Unternehmen oder eine andere Einrichtung uns dafür bezahlt, Ihre Benutzernamen, Abbild, Fotos (zusammen mit allen anhängenden Metadaten) und/oder Aktionen, die sie vornehmen, im Zusammenhang mit bezahlten oder gesponsorten Inhalten oder Werbekampagnen anzuzeigen, ohne jede Vergütung für Sie."

Bei The Verge schreibt Nilay Patel , Instagram habe sich schon immer das Recht eingeräumt, Nutzerfotos in einem werblichen Zusammenhang zu verwenden und niemand habe sich bislang darüber aufgeregt. Mit den neuen AGBs sei das nur klarer formuliert worden. Im Übrigen sei es das gleiche, was Facebook tue. Auch das blaue Netzwerk verwende Inhalte von Nutzern in seinen "sponsored posts". Instagram habe es vor allem versäumt, seine neuen Regeln ordentlich zu erklären.

Eigentlich geht es dabei um Facebook

Anlass für diese Neuerungen ist wohl die Übernahme von Instagram durch Facebook , die im September besiegelt wurde. Beide Plattformen sollen künftig enger verknüpft werden. Dazu ist in den neuen Regeln ein Punkt vorgesehen, der es Instagram erlaubt, die Daten seiner Nutzer mit Facebook zu teilen. Damit könnte das Unternehmen gezielter Werbung schalten. Weiterhin müssen Nutzer fortan unter ihrem Klarnamen auftreten. Zu diesen Punkten kündigte Systrom jedoch keine Änderungen an.

The Verge sieht in der Aufregung weniger eine um Instagram. Es gehe viel mehr um Facebook. "Wir lieben es, das Unternehmen dafür zu hassen, dass es unnachgiebig versucht, unser privates Leben zu Geld zu machen." Kein Wunder also, dass sich nun ein so lauter Protest erhoben habe. Das Ganze habe mit den neuen AGBs gar nicht so viel zu tun, sondern zeige vielmehr, "wie wenig wir Facebook zutrauen, das Richtige zu tun".

Die Änderungen sollen am 16. Januar in Kraft treten. Eine Möglichkeit, die Änderungen abzulehnen, haben die Nutzer nicht.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • MWT
    • 19. Dezember 2012 7:51 Uhr

    niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    musste echt lachen - aber lag wohl nahe der Kommentar ;)

    • ahaaa
    • 19. Dezember 2012 7:55 Uhr
    2. Tja..

    ..hätte ja klappen können.

    Und es kann jetzt natürlich in der Übersetzung verloren gegangen sein - aber für mich liest sich in dem fraglichen Punkt genau gar nichts widersprüchlich, sondern kommt genauso rüber, wie es wahrscheinlich gemeint war: Fotos dürfen verkauft werden und in Anzeigen auftauchen.

  1. Wenn Facebook die größte Spionagemaschine der Welt sein sollte(J.Assange),mit Behörden kooperiert oder von ihnen beobachtet wird und Instagram demnächst übernimmt:wozu sollte jemand überhaupt Photos im Internet teilen ?

    http://www.zdnet.com/blog...
    http://www.wired.com/thre...
    http://www.spiegel.de/net...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    15 minutes of fame ?

    Fotografie ist seit Jahrzehnten mein Hobby.

    Instagram kenne ich nicht. Auch werde ich meine Bilder nie in einer cloud sichern.

    Klaut kann man sich gut ableiten, oder?

    Alles was ich ins Internet gebe, ist weg. Das sollte jedem klar sein.

    Wer damit leben kann. Prima.

  2. macht man jetzt natürlich einen Rückzieher...ob das nicht einfach nur eine Art Test war? Von wegen: "Hmmm...lasst uns mal schauen, wie verwirrt unsere User/innen mittlerweile sind, vielleicht lässt sich ja nen bisl mehr Profit aus der Sache rausholen..."

    Meiner Meinung nach nichts weiter als ein Versuch, und nicht, wie angegeben, ein Versehen.

    mfg
    K-F

  3. Zitat: "..."Der Dienst kann teilweise oder ganz von Werbeeinnahmen unterstützt werden. Um uns zu helfen, interessante bezahlte oder gesponsorte Inhalte oder Werbung zu platzieren, [B]erklären Sie sich damit einverstanden, dass ein Unternehmen[/B] oder eine andere Einrichtung uns [B]dafür bezahlt, Ihre[/B] Benutzernamen, Abbild, [B]Fotos (zusammen mit allen anhängenden Metadaten[/B] und/oder Aktionen, die sie vornehmen, [B]im Zusammenhang mit bezahlten oder gesponsorten Inhalten oder Werbekampagnen anzuzeigen, ohne jede Vergütung für Sie[/B]...."

    Wenn man sich den Text aufmerksam durchliest wird man feststellen, dass Bilder eben doch an Unternehmen verkauft werden.

    Ich hoffe, die Hervorhebungen funktionieren hier...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Endbenutzer - anwesende ausgeschlossen - sind eben so "bescheuert", dass sie auch weiterhin, trotz gegenteiligen Wissens, diese Plattform benutzen werden, weil es "ja schon gut gehen wird". Das ist in etwa so effektiv, wie mit geschlossenen Augen voll in die Kurve einzuschlagen und zu hoffen, es komme einem schon keiner entgegen. Natürlich wird man zukünftig nicht gewusst haben wollen, dass man auf dieser Basis auch eine Diktatur errichten kann. Und das setzt sich fort mit Google, Facebook und all den anderen "Datensammlern" - Hauptsache kostenlos. Von wegen!

  4. Offenbar funktionieren die Formatierungen doch nicht...

    • riessm
    • 19. Dezember 2012 8:14 Uhr

    "Ein Mitbegründer von Instagram hat sich für "unklare Formulierungen" in den neuen Nutzungsregeln entschuldigt. Eine umstrittene Passage soll wieder gestrichen werden."

    EINE umstrittene Passage soll gestrichen werden. Man rudert an einem der Punkte zurück und lässt zum Beispiel drin stehen, dass die GPS-Infos, die in den Instagram-Fotos (weil mit Handys aufgenommen) meist stecken, komplett an Facebook gehen. Mit auch nur halbwegs intelligenten Algorithmen ist man schnell weit über den Stand heraus, für den Apple und Google vor ziemlich genau einem dreiviertel Jahr fast auf den digitalen Schafott geführt worden wären. Nur personalisiert und vernetzt mit allen, die man kennt. Big Facebook is watching your every move.

    Abgesehen davon ist das ganze Vorgehen fast schon klassisch: Einfach mal einen Testballon steigen lassen, zurückrudern, in ein bis zwei Monaten wieder versuchen, zurückrudern, irgendwann merkts niemand und man hat, was man will. Nur dass hoffentlich jeder Versuch die Leute mehr auf der Hut sein lässt. Aus einem sehr positiven Menschenbild heraus gedacht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Insane
    • 19. Dezember 2012 8:24 Uhr

    Was ist denn daran so schlimm, dass Facebook bzw. Instagram die GPS Daten haben? Was bringt denen das? Legen die ein genaues Profil von mir an? Was haben die denn davon?

    • Insane
    • 19. Dezember 2012 8:24 Uhr

    Was ist denn daran so schlimm, dass Facebook bzw. Instagram die GPS Daten haben? Was bringt denen das? Legen die ein genaues Profil von mir an? Was haben die denn davon?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Facebook ist im Prinzip nur eine riesige Datenbank. Alles was dort eingepflegt wird bleibt da auch drin. Vom User gelöschte Daten werden auf "nicht anzeigen" gesetzt. Wird diese Datenbank nun mit der Fotodatenbank verknüpft, können über Fotoabgleiche und Datenabgleiche auch die jeweiligen Accounts intern verknüpft werden. Egal wie vorsichtig man auf Facebook also war, könnte Facebook nun erfahren wer seine User genau sind, wo sie sich häufig aufhalten und welche Freunde sie im echten Leben haben. Die Erfahrung lehrt dass Möglichkeiten die vorhanden sind auch genutzt werden. Ich halte den Protest nicht für Hysterie zumal die Fotos hier tatsächlich für Werbung enutzt werden könnten. Auch für Werbung die dem Urheber des Fotos garnicht passt. Oder möchtest du dein Foto auf dem vieleicht Freunde zu sehen sind als Werbung für die NPD haben? Die PErsonen auf dem Foto dürften sogar klagen weil sie ihr Einverständnis für die Veröfffentlichung nicht gegeben haben. Je nach Fall ist sowas auch in D richtig teuer.

    Ja, die legen ein Profil an. Und mit den GPS-Daten sogar ein recht genaues.

    Ja, sicher. Es werden Nutzergewohnheiten und Vorlieben ausgelesen. Die Daten können für Werbung mit geringen Streuverlusten genutzt werden, also für individuelle, auf die Gewohnheiten des Nutzers zugeschnittene Werbung. Die selbsteingestellten Daten in Verbindung mit den zusätzlich erhobenen Daten, wie auch die Nutzungsgewohnheiten auf anderen Internetseiten, können Langzeitprofile ermöglichen, die potentiell für unterschiedlichste Anwendungen interessant sein können. Der Nutzer verliert dabei die Möglichkeit, die Datenvergabe bezüglich der eigenen Person selbst zu steuern.

    Sie sind bestimmt neu auf diesem Planeten, oder?

    • riessm
    • 19. Dezember 2012 10:18 Uhr

    Dann hielten Sie die Proteste, dass iPods, iPhones, iPads (auf dem Rechner) und jedes Android-Gerät (auf Googles Server) Bewegungsprofile aufgezeichnen, auch für Hysterie?

    Diese Unternehmen haben den Sitz in den USA und haben schon bewiesen, dass sie gerne und umfassend mit den Behörden kooperieren. Wollen Sie es beim nächsten Besuch in die USA mit Homeland Security zu tun bekommen, weil ein auf irgendeine Art mit Ihnen verbundener Mensch (Facebook-Datenbank halt...) irgendwas gesagt hat, was denen nicht passt?

    Wenn die Daten nicht 100% sicher liegen (und 100% sicher ist nie gegeben), dann können sich da Menschen bedienen, die rausfinden möchten, wann Ihre Wohnung leer ist. Ich muss Ihnen ja nicht sagen, welche Menschen das sind. Tipp: Das Ziel ist nicht, Ihnen einen Blumenstrauß auf den Esstisch zu stellen.

    Oder falls Sie eine Tochter haben... viel Spaß beim nicht-Hysterie haben.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, nf, kai
  • Schlagworte Facebook | Instagram | Protest | Unternehmen | Werbekampagne | Werbung
Service