NutzungsbedingungenInstagram will Nutzerfotos ungefragt verkaufen

Die Fotosharing-Plattform Instagram teilt Nutzerdaten künftig mit Facebook. Außerdem will sie Fotos von Mitgliedern verkaufen, ohne sie zu informieren oder zu bezahlen. von 

Instagram

Instagram wurde im September von Facebook übernommen.  |  © THOMAS COEX/AFP/GettyImages

Mehrere Hundert Millionen Fotos sind bei Instagram gespeichert. Bislang gehörten sie allein denjenigen, die sie hochgeladen haben, doch nun will das Unternehmen mit diesen Bildern Geld verdienen. Der Dienst gibt sich dazu neue Nutzungsbedingungen und eine neue Datenschutzrichtlinie. Sie treten am 16. Januar in Kraft und bergen einige Formulierungen, die klar zum Nachteil der Nutzer ausfallen.

So behält sich die beliebte Fotosharing-Plattform künftig vor, die Fotos ihrer Nutzer ungefragt zu Werbezwecken zu verkaufen. In den neuen Nutzungsbedingungen steht unter " Rights " der Passus: "You agree that a business or other entity may pay us to display your username, likeness, photos (along with any associated metadata), and/or actions you take, in connection with paid or sponsored content or promotions, without any compensation to you."

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Instagram räumt sich also das Recht ein, Fotos von Nutzern samt deren Daten an Dritte zu verkaufen, ohne dass die Urheber dafür entschädigt werden. Betroffene werden damit zu Werbeträgern, ohne es zu wissen und ohne dem widersprechen zu können. Das gilt auch für Menschen, die Instagram gar nicht nutzen, aber von anderen, die es tun, fotografiert worden sind. Für CNET wird Instagram damit zur größten Bildagentur der Welt . Allerdings zu einer Agentur, in der die Urheber nichts für ihre Arbeit bekommen.

Weiter heißt es, Minderjährige seien von diesen Bestimmungen nicht ausgenommen, Instagram setzte voraus, dass die Eltern dieser Verwendung von Fotos und Daten zugestimmt haben.

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Außerdem stellt Instagram klar, dass es Werbung in seinem Angebot nicht immer als solche kennzeichnen wird.

Anlass für diese Neuerungen ist die Übernahme von Instagram durch Facebook , die im September besiegelt wurde. In einem Blogeintrag heißt es nun, die neuen Richtlinien würden Instagram helfen, besser als Teil von Facebook zu funktionieren – auch indem die beiden Plattformen künftig Nutzerdaten untereinander tauschen könnten.

Welche Daten das sind, steht in der Datenschutzrichtlinie unter Punkt 3 – "Sharing of your information" : Instagram wird Daten aus Cookies, Logfiles, Geräte-IDs sowie Geodaten und Nutzungsdaten mit Facebook teilen.

Persönliche Angaben müssen korrekt und immer aktuell sein

Die offizielle Begründung für diesen Schritt: So könne Instagram besser Spam bekämpfen, Systemfehler schneller beheben und neue Funktionen entwickeln, weil es besser verstehe, wie das Angebot genutzt wird.

Gleichzeitig nähert sich Instagram der Klarnamenpolitik von Facebook an. Unter Punkt 3 der " Basic Terms " heißt es nun: "You also represent that all information you provide or provided to Instagram upon registration and at all other times will be true, accurate, current and complete and you agree to update your information as necessary to maintain its truth and accuracy." Übersetzt: Der Nutzer hat sicherzustellen, dass alle seine persönlichen Angaben – bei der Registrierung und danach – korrekt, akkurat, jederzeit auf dem neuesten Stand und vollständig sind.

Gegen die Klarnamenpflicht von Facebook hat das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein gerade erst eine Verfügung erlassen . Falls Facebook seinen Mitgliedern aus Schleswig-Holstein nicht binnen zwei Wochen das Recht einräume, den Dienst auch unter einem Pseudonym zu nutzen, drohe ein Zwangsgeld in Höhe von 20.000 Euro.

Und auch Facebook hat bereits versucht, seine Nutzer auf diese Art zu enteignen. Im April 2009 wollte das Unternehmen via AGB festlegen, dass es jeden hochgeladenen Inhalt beliebig verbreiten und nutzen darf. Weltweit protestierten die Nutzer dagegen. Facebook zog die Änderung letztlich zurück und versicherte, alle Inhalte würden den Nutzern gehören. Das behauptet auch Instagram in seinem Firmenblog : "Nothing has changed about your photos’ ownership." Das stimmt, der Fotograf bleibt Urheber, aber er hätte damit trotzdem keinen Einfluss auf die Verwendung der Bilder, wenn Instagram die Nutzungslizenz dazu verkauft.

Bleibt nur ein Ausweg: Wer die neuen Nutzungsbedingungen von Instagram nicht akzeptieren will, muss sein Konto löschen . Einen anderen Weg gibt es nicht, es ist keine Möglichkeit vorgesehen, der Nutzung zu widersprechen. Wired.com empfiehlt , die eigenen Bilder zuvor mit einem Tool wie Instaport herunterzuladen. Wer sich nach dem 16. Januar weiterhin bei Instagram einloggt, erklärt sich mit den neuen Richtlinien automatisch einverstanden.

Und wer nach dem 16. Januar noch neue Fotos hochlädt und sein Konto erst danach löscht, muss trotzdem damit rechnen, dass die zuletzt eingestellten Bilder noch von Instagram oder Facebook verkauft werden. Zumindest würden die neuen Richtlinien das nach Ansicht der Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation nicht ausschließen.

Bislang haben weder Instagram noch Facebook auf die Kritik an den neuen Nutzungsbedingungen reagiert.

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Leserkommentare
  1. ein Grund mehr, sich solchen "Netzwerken" zu entziehen, die doch im Grunde nichts anderes sind als die Ruderbänke von Sklavengaleeren mit Panoramablick.

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    müssen sie daran teilnehmen oder wurden sie wie Sklaven gezwungen.
    FB, Insta, MyS sind Plattformen die der durchschnittliche Exhibitionist haben will, denn nicht ohne Grund sind da selbst, wenn man die Karteileichen abzieht, Millionen registriert und loggen sich täglich ein.

    Das diese Plattformen mit Nutzerdaten Geld verdienen ist auch nichts Neues und wenn sie wüssten oder ihnen der Autor erzählen würde, wieviel Geld die Industrie den Vergleichsplattformen bezahlt, dann wäre dieser Bilderverkauf auch nichts Aufregenswertes.

    Wie gesagt es steht jedem frei dort zu partizipieren und wenn ich die AGB nicht lese oder verstehe sollte ich davon die Finger lassen.

  2. Das war wohl nur eine Frage der Zeit. Mein Instagram wird wohl den schmerzhaften klick des roten Buttons erfahren.

    Facebook ist auf einem guten Weg sich selbst ein Bein zu stellen. Nutzer werde sich bald auf ihre eigene Weise wehren.

    Ich frage mich, wann das Internet wirklich "social" wird.

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    Unheilbarer Optimist, oder?

    "Ich frage mich, wann das Internet wirklich 'social' wird."

    Sobald ein Projekt eine Größe erreicht, die die Zeit, die Energie und den Geldbeutel von ein paar hingebungsvollen Fanatikern übersteigt, müssen sich Nutzer eben in der Einen oder Anderen Form beteiligen. So wie hier auf ZO durch das Ertragen von Werbung (im Verhältnis zum journalistischen Angebot m.E. absolut erträglich). Durch Bezahlaccounts. Oder eben den Verkauf des durch den Nutzer bereitgestellten Datenmaterials. Natürlich kann man sich wie Wikipedia auch allein aus Spenden finanzieren. Aber so "social" sind wir Nutzer in der Regel dann auch nicht. ;)

    Natürlich ist es aus meiner Sicht absolut vernünftig, so wie Sie persönlich die Konsequenzen zu ziehen, wenn man findet, dass die angebotene Dienstleistung und das was dafür gefordert wird (auch in nicht-monetärer Form) in keinem guten Verhältnis mehr stehen.

    • BaqFish
    • 18. Dezember 2012 11:05 Uhr

    Instagramm möchte Geld verdienen. Wer hätte es gedacht?
    Hier werde ich nur darin bestätigt, dass es gut gewesen ist, diesem Netz nicht beizutreten.

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  3. Ich frage mich ob diese Technik legal ist. Nicht dass es illegal wäre, einfach so sich die Copyrightrecht zu eigen zu machen (machen Musiklabels ja auch nicht anders). Aber die Analyse sämtlicher (!) Metadaten und der weiterverkauf derer mit Verbindung zum Profil dürfte hoch fragwürdig sein in Zeiten, in denen GPS-Daten in den Fotos gespeichert werden. Was kann man also damit machen? Jedermann wird dank Instagram also in der Lage zu sein, von jeder Person, die auf Bildern von Instagram drauf ist, ein Bewegungsprofil zu erstellen! Sogar von Nichtbenutzern - gewisse Programmierkenntnisse vorausgesetzt.

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    "Nicht dass es illegal wäre, einfach so sich die Copyrightrecht zu eigen zu machen (machen Musiklabels ja auch nicht anders)."

    Erstens sind des die Urheberrechte und zweitens die Verwertungsgesellschaften (z.B. GEMA).

    • scoty
    • 18. Dezember 2012 11:19 Uhr

    eigentlich.

    In einer Zeit wo die Behörden versuchten unsere Daten zu verkaufen, ist das was Instagram macht vollkommen harmlos.

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  4. >> Das gilt auch für Menschen, die Instagram gar nicht nutzen, aber von anderen, die es tun, fotografiert worden sind. <<

    ... jetzt aber ein bisschen blöd für deutsche Instagram-Nutzer. Nach hiesigem Recht sind sie ohne Model Release womöglich selbst dran, wenn Fotos kommerziell genutzt und veröffentlicht werden:

    §22 KUG:
    "Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Die Einwilligung gilt im Zweifel als erteilt, wenn der Abgebildete dafür, daß er sich abbilden ließ, eine Entlohnung erhielt ..."

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    Facebook/ Instagram macht die Umsätze mit den fremden Inhalten. Die gesamte rechtliche Verantwortung wird auf die Nutzer übertragen.

    Das schlimme daran, dass sich vermutlich die meisten Nutzer gar nicht darüber im klaren sind, was dies für sie letztlich bedeutet.

    Da bin ich echt gespannt, wenn die ersten Prozesse gegen die Verwendung der Bilder beginnen.

  5. an Instagram pro verkauftem Bild eine Gebühr von 20 Dollar bezahlen müssten? Schließlich hat die Firma ja auch einen Aufwand, wie Rechnung schreiben etc... Der einzige Trost ist, dass ICH irgendwann einmal weltweit bekannt sein könnte, als Coca-Cola Werbeträger z.B. oder als Unterhosenmodell. Ich freu mich drauf!

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  6. Es erscheint sehr zweifelhaft, ob die Verwendung solcher AGB, soweit das Geschäft (auch) auf Deutschland ausgerichtet ist, rechtens ist.

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  • Schlagworte Facebook | Instagram | AGB | Geodaten | Schleswig-Holstein
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