Europäischer DatenschutztagMit Dollars gegen mehr Datenschutz
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Datenschutzaktivisten setzen auf Öffentlichkeit

Das Ziel der Lobbyisten ist natürlich die weitere Abschwächung der Datenschutzverordnung, sei es bei der Einwilligung in die Datenverarbeitung oder bei den Meldepflichten im Falle einer Datenpanne. Nicht nur in Washington, sondern auch in Brüssel stehen die Unternehmensvertreter Schlange, um bei Politikern für eine unternehmensfreundlichere Fassung der Verordnung zu werben.

Datenschutzaktivisten stehen keine Millionenbeträge zur Verfügung. Die Digitale Gesellschaft, La Quadrature du Net oder die Dachorganisation European Digital Rights (EDRi) fürchten deshalb, ins Hintertreffen zu geraten. Sie setzen auf den Druck der Öffentlichkeit, etwas anderes bleibt ihnen auch kaum übrig.

In ihrer Brussels Privacy Declaration fordern sie und bislang einige Hundert EU-Bürger den weitgehenden Schutz ihrer persönlichen Daten. Und sie beklagen: "Wir, die Bürger, sind in Hunderten von Datenbanken verzeichnet, meistens, ohne, dass wir davon wissen, oder uns damit einverstanden erklärt haben. Mehr als 1.200 Unternehmen haben sich darauf spezialisiert, mit unseren persönlichen Daten zu handeln, wiederum ohne dass wir davon wissen oder uns damit einverstanden erklärt haben. Jedes Mal, wenn wir im Internet unterwegs sind, registrieren mehr als 50 Unternehmen jeden Klick."

Ihr schwerster Vorwurf lautet: "Lobbying ersetzt gerade die Stimmen und Befürchtungen der europäischen Bürger." Die Appelle der Firmenvertreter beim Datenschutztag zeigten, dass dieser Vorwurf nicht ganz unbegründet ist.

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Leserkommentare
    • charele
    • 28. Januar 2013 19:24 Uhr

    zu der Google-Anzeige gestern hier auf Zeit-online...

    3 Leserempfehlungen
  1. so weiter macht verkommt es zu einer Spionageaktion mit gefaktem Inhalt und Meinungsäusserungsverbot für die die wirklich etwas mitteilen möchten frei von Werbung und Beeinflussung.

    5 Leserempfehlungen
    • Marobod
    • 28. Januar 2013 19:57 Uhr

    allen Buergern sich auch gegen diese Lobbyisten durchzusetzen. Das ist eigentlich schon unverschaemt, von "zuviel Datenschutz" zu reden. Wir sind doch keine hirnlosen Wesen die sich melken und alles ueber sich ergehen lassen muessen. Und mir ist herzlich egal ob deren Produkte dann teurer werden, ich kann mich auch dazu entscheiden sie gar nicht mehr zu nutzen ....

    5 Leserempfehlungen
  2. 4. Zahlen

    "Je mehr Datenschutz, so sagte es Böhm, desto teurer würden die Angebote, und das müsse der Nutzer dann zahlen."

    Sehr gerne. Ich glaube nämlich, daß der Spruch
    „Wenn Sie kostenlose Dienste nutzen, sind Sie kein Kunde, sondern das Produkt , das verkauft wird.“ absolut stimmt.
    Ich würde Facebook & Co. wesentlich lieber und häufiger benutzen, wenn man mir ein transparentes, verlässliches Angebot machen würde. Kostenpflichtig, und gerne auch mit deutscher Niederlassung, die ich zur Verantwortung ziehen kann, Frau Facebook!

    "Es müsse zwischen vorsätzlichen und unbeabsichtigten Verfehlungen unterschieden werden."

    Genau. Nichts gegen Differenzierung einzuwenden, aber aus der Ecke kann man sich irgendwie denken, worauf das hinausläuft.
    Schuld ist dann niemand, kann man dann alles auf z.B "Missverständnisse" schieben, daß macht uns die katholische Kirche ja auch gerade vor...
    Nein danke, Haftung, die jeder ernst nehmen darf - der Kunde genau so wie der Anbieter.

    11 Leserempfehlungen
  3. Überall Werbung die irreführt und Illusionen vermittelt, Privatsphäre unmöglich macht?

    2 Leserempfehlungen
  4. Folgender Text ist eine inhaltich minimal redigierte Fassung meines Kommentars aus FAZ-online vom 25.5.2010 zu einem Artikel uber Facebooks Geschäftsmmodell:

    Facebooks, Googles und Co. Geschäftsmodelle sind simpel: Alles umsonst, dann kennen wir (s.a. Like-Button) unsere User und z.T. sogar Nichtuser und können sie mitsamt ihren Profilen, Vorlieben und hochgerechnetem Userwert weltweit an jeden Bezahler verhökern. Das ist Prostitution Web 2.0. Google, Facebook und Co. übernehmen die Zuhälterrolle. Wie im realen Leben wird man Zuhälter kaum wieder los. Deshalb ist Zuhälterei in D und vielen anderen Ländern verboten. Es wird Zeit, sich nun auch im virtuellen Raum um dieses Rechtsproblem zu kümmern. Klar ist es jedermanns freie Entscheidung, dabei mit zu machen. Gleichwohl hat der Staat auch eine Führsorgepflicht gegenüber den Gutgläubigen, Blauäugigen und den im Umgang mit seitenlangen komplexen Nutzerbedingern in engl. Sprache weniger versierten Usern.

    Es ist die Geisteshaltung des M.Zuckerbergs, die mich in Rage bringt: Er war 19 Jahre, studierte in Harvard, seine Seite hieß noch „The Facebook“ und war eine Plattform für die dortigen Studienkollegen. In einer Diskussion, deren Authentizität weder von Facebook noch von Zuckerberg selbst je bestritten wurde, brüstet sich dieser damit, mehr als 4000 E-Mails, Fotos, Adressen und Persönliches gesammelt zu haben. Als sein Freund nachfragte, wie er das geschafft habe, antwortete er: "Sie vertrauen mir, die Vollidioten."

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Google | Microsoft | Datenschutz | Erika Mann | Amazon | Dollar
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