Kann eine Schulbehörde eine Schülerin vom Unterricht ausschließen, wenn sie keine Identifikationskarte mit einem Ortungschip um den Hals tragen will? Ja, sie kann, hat ein Bundesgericht in den USA entschieden.

Der Fall einer 15-jährigen Schülerin aus dem San Antonio North Side School District in Texas beschäftigt das zuständige Gericht schon seit Wochen. Die Schülerin und ihre Familie wollen nicht akzeptieren, dass das Mädchen eine Ausweiskarte um Hals tragen muss, in der ein RFID-Chip eingebaut ist. RFID steht für Radio Frequency Identification Device. Mit diesem Funkchip kann die John Jay High School über entsprechende Lesegeräte feststellen, ob sich ein Schüler bei Unterrichtsbeginn im Schulgebäude aufhält. Die Schülerin weigerte sich, die Ausweiskarte zu tragen, woraufhin sie suspendiert wurde. Sie klagte, und das Gericht hob die Suspendierung zunächst auf. Nun aber hat sich der Richter abschließend doch anders entschieden.

Der Grund für den Einsatz der Chips ist rein finanzieller Natur: Der Schulbezirk bekommt für jeden Schüler Geld vom Staat – aber nur dann, wenn die Schüler auch wirklich im Klassenzimmer sitzen. Die Anwesenheit wird täglich überprüft. Fehlt ein Schüler zu oft, kürzt der Staat die Mittel.

Der Schulbezirk argumentiert, er verliere 1,7 Millionen Dollar im Jahr, weil Schüler bei Unterrichtsbeginn zwar schon im Gebäude, nicht aber im Klassenraum seien. Laut wired.com zählt ein Schüler, dessen Anwesenheit auf dem Schulgelände per RFID festgestellt wird, aber als anwesend.

Zwei andere Schulbezirke in Houston setzen die Technik seit einigen Jahren ein und berichten von finanziellen Vorteilen in Höhe von mehreren Hunderttausend Dollar.

Auch die John Jay High School will mit dem Ortungschip überprüfen, wo sich die Schüler tagsüber aufhalten. Die Software funktioniere aber nur innerhalb des Schulgebäudes, sagte ein Bezirkssprecher, und sei nicht geeignet, um Schüler dauerhaft zu verfolgen.

Die American Civil Liberties Union (ACLU) ist trotzdem strikt gegen die zweitweise Überwachung von Schülern: "Wir wollen nicht, dass diese Überwachungsinfrastruktur Eingang in unsere Kultur findet", sagte ein ACLU-Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir sollten unseren Kindern nicht beibringen, so eine Technik zu akzeptieren."

Konservative Politiker halten die Technik für den Ausdruck eines kontrollwütigen Staates. Und das Rutherford-Institut, eine Bürgerrechtsorganisation, die das Mädchen unterstützt, hält die Überwachung für eine Verletzung des verfassungsmäßigen Rechts auf Privatsphäre.