Mein digitaler SchutzschildHushmail – Auch E-Mails können anonym sein

Unerkannt E-Mails auszutauschen, ist technisch nicht aufwendig. Aber wer unvorsichtig ist, fliegt schnell auf, wie der Fall David Petraeus gezeigt hat. von 

David Petraeus kann ein Lied davon singen, wie schwierig es ist, anonym per E-Mail mit jemandem zu kommunizieren. Der US-General trat zurück, weil er genau das nicht schaffte. Das FBI deckte seine außereheliche Affäre anhand seiner E-Mails auf, obwohl er und seine Geliebte einige Vorsichtsmaßnahmen getroffen hatten, um nicht ertappt zu werden.

Die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) hat eine Anleitung veröffentlicht, die beschreibt, was wirklich nötig ist, um unerkannt E-Mails auszutauschen. Sie heißt Don’t be a Petraeus und richtet sich an Menschen, die miteinander in Kontakt bleiben wollen, ohne dass für Dritte nachvollziehbar wäre, wer hier kommuniziert.

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Das müssen nicht unbedingt ein General und seine Geliebte sein, auch ein Journalist und ein Informant können diesen Weg nutzen, wenn sie über einen längeren Zeitraum einen anonymen Kanal zum Informationsaustausch brauchen.

Die Installation

Der erste Schritt ist die Installation und Inbetriebnahme des Tor Browser Bundles, wie im vorherigen Teil dieser Serie beschrieben. Wichtig ist, von nun an ausnahmslos immer Tor zu benutzen. Andernfalls ist die Anonymität der E-Mail-Kommunikation nicht gewährleistet. Das Tor Browser Bundle verschleiert die IP-Adresse eines Rechners im Netz und verhindert, dass der Internetprovider speichern kann, welche Seiten der Nutzer ansteuert. In diesem Fall heißt das: Niemand weiß überhaupt, dass er oder sie einen Webmail-Dienst aufgerufen hat.

Ich benutze in diesem Fall den von der EFF empfohlenen kanadischen Webmail-Anbieter Hushmail. Der erlaubt es, sich über Tor zu registrieren und bietet außerdem standardmäßig eine HTTPS-Verschlüsselung – eine seltene Kombination, wie die EFF schreibt. Ich richte mir dort also ein kostenloses E-Mail-Konto ein. Das heißt, ich versuche es. Beim ersten Mal bekomme ich angezeigt, dass mein Computer von Hushmail blockiert wird, "wahrscheinlich wegen Missbrauchs des Dienstes oder wegen Spam", wie es heißt. Ich starte Tor neu und greife dadurch mit einer neuen IP-Adresse auf Hushmail zu. Dieses Mal funktioniert es.

Mein digitaler Schutzschild

Wie schwierig ist es, sich anonym im Internet zu bewegen, E-Mails zu verschlüsseln, die eigene Privatsphäre zu schützen und Daten sicher zu speichern? Wie alltags- und laientauglich sind die entsprechenden Programme?

In der Serie "Mein digitaler Schutzschild" beantwortet ZEIT ONLINE diese Fragen. Digital-Redakteur Patrick Beuth hat ein Notebook mit der nötigen Software ausgerüstet und seine Erfahrungen dokumentiert. Er hat dazu Handbücher gelesen, Wikis und Anleitungen, und er hat Hacker und andere Experten um Rat gebeten.

Das Ergebnis ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für diejenigen, die noch keine Erfahrung mit Linux, Anonymisierungssoftware oder Verschlüsselung haben – und das ändern möchten.

Inhalte der Serie

Teil 1: Ubuntu (Linux) als Betriebssystem

Teil 2: Anonymes Surfen mit Tor

Teil 3: Anonymes Surfen mit VPN

Teil 4: Ein anonymes E-Mail-Konto Einrichten mit Hushmail und Tor

Teil 5: E-Mails verschlüsseln mit Enigmail / OpenPGP

Teil 6: Daten auf der Festplatte mit TrueCrypt verschlüsseln

ALS E-BOOK

Die Serie Mein digitales Schutzschild gibt es auch als E-Book. Erfahren Sie in dieser für eReader hochwertig aufbereiteten Fassung, wie Sie Ihre Daten auf dem PC und im Internet besser schützen können.

Unser E-Book steht Ihnen dabei als EPUB-Version für Ihren eReader, sowie als MOBI-Version für Ihr Kindle Lesegerät von Amazon zur Verfügung.

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Ich wähle einen Benutzernamen, der keine Rückschlüsse auf meine Person zulässt. Das heißt, er sollte am besten kein deutsches Wort enthalten, nichts mit meinen Hobby oder gar Namen zu tun haben und keine Absicht erkennen lassen, wozu das Konto genutzt wird. Außerdem wähle ich ein starkes Passwort.

Die anonyme Kommunikation funktioniert nun so: Wenn ich mich über Tor bei Hushmail einlogge und dort eine Nachricht verfasse und im Entwurfsordner ablege, kann jemand anderes, der von mir die Zugangsdaten zum Konto bekommen hat, sie dort lesen. Versendet wird dabei nichts. Die Zugangsdaten werden am besten bei einem persönlichen Treffen ausgetauscht.

Die EFF empfiehlt zusätzlich, nicht das heimische Netzwerk, sondern ein öffentliches WLAN oder ein Internetcafé zu benutzen. Zu diesem Zweck empfiehlt es sich, Tor auf einem USB-Stick einzurichten. Wie das geht, wird zum Beispiel hier und hier beschrieben.

Kleiner Bonus: Hushmail bietet die Möglichkeit, Mails mit einem Klick in einer Checkbox zu verschlüsseln – für den Fall, dass man doch mal etwas versendet. Die E-Mails sind damit für jemanden, der sie unterwegs abfängt, nicht zu entziffern. Der E-Mail-Header, also unter anderem Absender, Empfänger und Betreff werden allerdings nicht verschlüsselt.

Leserkommentare
  1. Wenn für die Verwendung von Hushmail schon eine Tor-Installation notwendig ist, möchte ich noch Tormail (tormail.org) in die Runde werfen. Dazu möchte ich allerdings bemerken, dass ich nicht den blassesten Schimmer habe, welches Verhältnis zwischen den Betreibern und Behörden besteht.

    Antwort auf "Im Text"
    • i18nde
    • 05. September 2013 9:00 Uhr

    Sehr nette Empfehlung, ich hatte auch mal Tor vor 8 Jahren hier in China zum Laufen bekommen, mittlerweile ist es unmöglich, drüber ins Netz zu kommen. Schöne Idee, aber so leicht durch die IP-Adressen auszuhebeln. Und, was für China gilt, gilt auch für nicht wenige andere Länder der Welt.

  2. Ich habe vor kurzen gelesen, dass Hushmail mit einem privaten Auswerter zusammenarbeitet, der alle Mails entschlüsselt und den Inhalt kommerziell verwertet. (quelle ist grad nicht gegenwärtig, liefere ich nach sobald wieder gefunden).
    Dass der Inhalt genauso an die NSA geht, wie an den privaten Anbieter ist klar und wurde dort auch erwähnt/erklärt.
    Indem Artikel wurde vor Hushmail dementsprechend gewarnt.
    Also Vorsicht mit Hushmail. Bei genauerem hinsehen und dem Gebärden der US-Behörden ist es eigentlich klar: Die Auswertung der Hushnmails ist ergiebiger als die Auswertung des Unverschlüsselten emailverkehrs unbd steht deswegen ganz oben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich habe nicht meine Urprungsquelle gefunden, aber eine andere, die ähnliches aussagt: http://www.reddit.com/r/p...

  3. Ich habe nicht meine Urprungsquelle gefunden, aber eine andere, die ähnliches aussagt: http://www.reddit.com/r/p...

    Antwort auf "Hushmail nicht gut"

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