Mein digitaler Schutzschild: OpenPGP – E-Mails verschlüsseln, damit sie keine Postkarten mehr sind
Die Verschlüsselung von E-Mails mit OpenPGP ist nicht einfach. Einmal eingerichtet ist es aber ein praktikabler Weg, die eigene Privatsphäre zu schützen.
Verschlüsselte E-Mails sind nicht zwingend anonym. Denn die Adresse des Absenders wird unverschlüsselt übertragen. Dennoch ist die Technik bestens geeignet, um sich ein Stück Privatsphäre zu bewahren. Denn mit Ausnahme des jeweiligen Empfängers kann sie niemand lesen. Der Vorteil: Ein normales E-Mail-Konto reicht, zum Beispiel ein Gmail-Konto mit dem tatsächlichen Namen. Normalerweise durchsucht Google die Mails automatisiert nach werberelevanten Schlagworten. Mit verschlüsselten Mails aber kann Google nichts anfangen.
Die Einrichtung ist allerdings aufwändig. Anstatt ein Handbuch zu nehmen, frage ich Samuel Carlisle, ob er mir zeigt, wie ich mein ThinkPad ausrüsten muss, um verschlüsselte Mails senden und empfangen zu können. Ich treffe ihn beim 29C3, dem Kongress des Chaos Computer Clubs. Carlisle, 25, ist einer der Organisatoren der CryptoPartys in London. Er hat viel Erfahrung damit, Anfängern die Grundlagen der Verschlüsselung beizubringen.
Drei Dinge brauche ich dafür, sagt Sam: Erstens ein Konto bei einem der üblichen Webmail-Anbieter, also zum Beispiel Gmail oder GMX, zweitens das Mailprogramm Thunderbird – das wie der Firefox-Browser von Mozilla kommt – und drittens die Erweiterung Enigmail für die eigentliche Verschlüsselung. An diesr Stelle ein Hinweis für alle, die kein Linux-System verwenden: Mitunter wird noch ein vierter Baustein benötigt, nämlich das Programm GnuPG. Enigmail ist lediglich die Benutzeroberfläche für GnuPG in Thunderbird. Die meisten Linux-Systeme haben GnuPG an Bord, Windows-System dagegen nicht. Details dazu gibt es hier.
Welchen Webmail-Anbieter ich nehme, spielt keine allzu große Rolle. Wichtig ist nur, dass er den Zugriff auf meine E-Mails in Thunderbird über IMAP oder POP3 ermöglicht. Ich nehme deshalb einfach mein Gmail-Konto.
- Mein digitaler Schutzschild
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Wie schwierig ist es, sich anonym im Internet zu bewegen, E-Mails zu verschlüsseln, die eigene Privatsphäre zu schützen und Daten sicher zu speichern? Wie alltags- und laientauglich sind die entsprechenden Programme?
In der Serie "Mein digitaler Schutzschild" beantwortet ZEIT ONLINE diese Fragen. Autor Patrick Beuth hat ein Notebook mit der nötigen Software ausgerüstet und seine Erfahrungen dokumentiert. Er hat dazu Handbücher gelesen, Wikis und Anleitungen, und er hat Hacker und andere Experten um Rat gebeten.
Das Ergebnis ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für diejenigen, die noch keine Erfahrung mit Linux, Anonymisierungssoftware oder Verschlüsselung haben – und das ändern möchten.
- Inhalte der Serie
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Teil 1: Ubuntu (Linux) als Betriebssystem
Teil 2: Anonymes Surfen mit Tor
Teil 3: Anonymes Surfen mit VPN
Teil 4: Ein anonymes E-Mail-Konto Einrichten mit Hushmail und Tor
Teil 5: E-Mails verschlüsseln mit Enigmail / OpenPGP
Teil 6: Daten auf der Festplatte mit TrueCrypt verschlüsseln
- Workshop für Leser
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Nach dem Vorbild der sogenannten CryptoPartys veranstaltet ZEIT ONLINE am 26. Februar 2013 ab 18 Uhr einen Workshop im Veranstaltungsraum in der Redaktion in Berlin. Redakteur Patrick Beuth und die Organisatoren der Berliner CryptoPartys laden die Leserinnen und Leser von ZEIT ONLINE ein, ihre Notebooks mitzubringen und die in der Serie vorgestellten Programme einzurichten und zu testen.
Die Veranstaltung ist kostenlos, eine Anmeldung ist jedoch auf dieser Seite erforderlich. Bei der Registrierung werden Name und E-Mail-Adresse abgefragt – wer anonym bleiben möchte, kann einen Fantasienamen angeben. Die E-Mail-Adresse, die Sie angeben, dient nur dazu, um Sie über eventuelle kurzfristige Planänderungen informieren zu können. Im Sinne der CryptoPartys können Sie auch eine anonyme E-Mail-Adresse verwenden. Der einfachste Weg, um die Adresse von der eigenen Identität zu entkoppeln, ist, sie in einem Internetcafe zu registrieren und auch nur dort zu nutzen. Bequemere Wege der Anonymität werden auf der Party selbst vorgestellt.
Die Anzahl der Plätze ist begrenzt. Einnahmen aus dem Getränkeverkauf gehen an das Tor-Projekt.
Die Installation
Thunderbird selbst ist schon in Ubuntu enthalten. (Eine Installationsanleitung für Enigmail in Thunderbird unter Windows gibt es übrigens auch im Wiki der Piratenpartei.) Und Enigmail bekomme ich in Thunderbird über den Reiter Extras, wo ich dann auf Add-ons klicke. Dort suche ich die Erweiterung und installiere sie mit einem Klick und einem Neustart von Thunderbird. Alternativ kann man Enigmail auf von der Website der Entwickler herunterladen und dann installieren. Enigmail taucht dann als Reiter OpenPGP oben im Thunderbird-Menü auf. OpenPGP ist der zugrundeliegende technische Standard, der das Verschlüsselungsverfahren beschreibt.
© Patrick Beuth / ZEIT ONLINE

Enigmail Add-on
Nun habe ich die drei Bausteine. Als nächstes muss ich sie verknüpfen. In Thunderbird richte ich mir zuerst das Gmail-Konto ein. Wer Thunderbird zum ersten Mal benutzt, bekommt dabei Hilfe von einem Einrichtungsassistenten. Ich belasse einfach alles bei den Voreinstellungen und wähle an der entsprechenden Stelle IMAP, um mit Thunderbird auf den Gmail-Server zuzugreifen. Die Alternative zu IMAP heißt POP3. Die hat den Nachteil, dass E-Mails nach dem Herunterladen in Thunderbird vom Gmail-Server verschwinden.
Praktischerweise kennt Thunderbird die Servereinstellungen von Gmail für IMAP und POP3 schon, was die Verbindung kinderleicht macht. Wer einen anderen Dienst als Gmail nimmt, muss hier eventuell die Server- und Portnamen unter manuell einrichten selbst eintragen. Die entsprechenden Informationen sollten auf der Seite des jeweiligen Anbieters zu finden sein.
Nun gehe ich über den Reiter OpenPGP zum Assistenten des Verschlüsselungsprogramms. Auch hier ist es ratsam, alles bei den Voreinstellungen zu belassen, auch beim Punkt Nein, ich möchte in den Empfängerregeln festlegen, wann verschlüsselt werden soll. Denn andernfalls, erklärt Sam, werden alle ausgehenden Nachrichten verschlüsselt. Das kann im Alltag unpraktisch sein, denn wenn der Empfänger gerade nur mit einem Gerät auf seine Mails zugreifen kann, auf dem er seinen privaten Schlüssel nicht hinterlegt hat – zum Beispiel auf dem Smartphone – kann er nicht lesen, was ich ihm schreibe.
Beim letzten Punkt sollte man einfach auf Nein, danke klicken.
© Patrick Beuth / ZEIT ONLINE

Enigmail-Assistent
Als nächstes brauche ich einen Schlüssel. Hier ist noch ein kleiner Exkurs nötig, um zu erklären, wie die Ver- und Entschlüsselung abläuft: Jeder Teilnehmer hat ein Schlüsselpaar: ein Schlüssel ist öffentlich, der andere privat. Der öffentliche wird verteilt, und zwar an jeden, mit dem man kommunizieren will. Der private bleibt bei einem selbst und darf unter keinen Umständen herausgegeben werden. Wer eine Mail verschlüsseln will, tut das mit dem öffentlichen Schlüssel des Empfängers. Der braucht seinen privaten, um die Mail dann wieder entschlüsseln zu können. Wer diesen privaten Schlüssel nicht hat, kann die Mail nicht lesen. Hier wird das Ganze ausführlich und anschaulich erklärt.
Ich lege nun ein neues Schlüsselpaar an. Dazu klicke ich unter dem Reiter OpenPGP auf den Assistenten, der mich durch die selbsterklärende Prozedur leitet.
© Patrick Beuth / ZEIT ONLINE

Enigmail-Schlüssel
Die Passphrase für den privaten Schlüssel sollte stark sein, aber nicht unmerkbar. Denn sie wird jedes Mal benötigt, wenn man eine empfangene verschlüsselte Mail lesen will. Außerdem ist es ratsam, ein Widerrufszertifikat anzulegen, um den eigenen Schlüssel unbrauchbar machen zu können, wenn er doch mal in falsche Hände gerät.







Nachdem die Schlüssel ausgetauscht wurden sollten Empfänger und Absender den Fingerprint abgleichen um zu verhindern das eine man-in-the-middle-attack während des Schlüsselaustauschs stattgefunden hat (Ein Angreifer fängt den gesendeten (öffentlichen) Schlüssel ab und schickt den eigenen öffentlichen weiter. Dann werden alle weiteren Mails abgefangen, mit dem eigenen privaten Schlüssel entschlüsselt, abgelegt, mit dem öffentlichen Schlüssel des Senders wieder verschlüsselt und weitergeleitet.
Ohne Kontrolle ob der Schlüssel der abgeschickt wurde auch ankam nicht zu entdecken.
Ich habe den Bereich Fingerprint / Signatur absichtlich nicht mit aufgenommen. Nicht, weil ich davon abraten würde. Sondern schlicht, weil dies in erster Linie eine Anleitung sein soll, mit der man sich ein Stück Privatsphäre zurückholt, indem man den E-Mail-Provider daran hindert, persönliche Nachrichten automatisiert zu durchleuchten.
Ein Angriffs-/Überwachungsszenario, wie Sie es beschreiben, ist natürlich möglich. Ich deute das mit Bemerkungen wie "hundert verschlüsselte Mails sind Alltag, nur zwei verschlüsselte zwischen hundert unverschlüsselten fallen einem eventuellen Beobachter auf" ja auch an. Der normale Privatanwender wird so etwas aber wohl nie erleben.
Wenn Sie eine gute, möglichst leicht verständliche Anleitung zur Signatur kennen, werde ich sie aber gerne noch im Text verlinken.
Ich habe den Bereich Fingerprint / Signatur absichtlich nicht mit aufgenommen. Nicht, weil ich davon abraten würde. Sondern schlicht, weil dies in erster Linie eine Anleitung sein soll, mit der man sich ein Stück Privatsphäre zurückholt, indem man den E-Mail-Provider daran hindert, persönliche Nachrichten automatisiert zu durchleuchten.
Ein Angriffs-/Überwachungsszenario, wie Sie es beschreiben, ist natürlich möglich. Ich deute das mit Bemerkungen wie "hundert verschlüsselte Mails sind Alltag, nur zwei verschlüsselte zwischen hundert unverschlüsselten fallen einem eventuellen Beobachter auf" ja auch an. Der normale Privatanwender wird so etwas aber wohl nie erleben.
Wenn Sie eine gute, möglichst leicht verständliche Anleitung zur Signatur kennen, werde ich sie aber gerne noch im Text verlinken.
Wer OpenPGP flexibler nutzen möchte, kann neben der bereits genannten App APG für Smartphones auch einen USB-Stick mit PortableApps in Erwägung ziehen. Hier sind Firefox und Thunderbird auch enthalten. Gerade, wenn man oft in Internet Cafes unterwegs wäre, bietet sich das an, da die gewohnten Addons installiert werden können und man eventuell noch einen Passwortmanager (Keepassx) dort nutzen kann.
http://portableapps.com
Es gibt wohl auch die Möglichkeit, einen solchen USB-Stick vorher mit Truecrypt zu verschlüsseln und diesen auch starten zu können, ohne das Truecrypt auf dem Rechner installiert sein muss. Einziges mir bekanntes "Hindernis" war, dass man Adminrechte am Zielrechner benötigte. (=> Internet Cafe?)
Amnesia wurde mal vom AK Vorrat "empfohlen" - weiß aber nicht, ob dieses Projekt noch gepflegt wird.
http://multiget.sourcefor...
Ich habe mir schon vor langem mal PGP eingerichtet, aber nie benutzt - wie auch? Es geht ja nur, wenn auch der Empfänger PGP hat, und es gibt schlicht und einfach niemanden, der es hat.
Und ich kenne niemanden in meinem Umfeld, der bereit wäre für dieses Prozedere.
Mal eine andere Frage, können verschlüsselte PDFs eine Alternative sein? Vorausgesetzt natürlich, das Passwort wird nur persönlich und nicht digital mitgeteilt.
Diese Technik ist/war relativ selten (wie in K3 schon sagt) beansprucht, obwohl sie seit den 1990ern exisitert.
Eigentlich unerklärlich.
Danke für den Artikel/die gute Beschreibung.
Der Grund, warum ich das nicht schon längst verwende. Ich habe schlicht keinen einzigen potenziellen Empfänger. Aber vielleicht klappt es ja mal mit Hilfe dieses Artikel, liegt jetzt auch jeden Fall in den Lesezeichen.
Die Nachfrage besteht prinzipiell schon, es fehlt nur die Rechtssicherheit. Was zur Folge hat, dass sich so ein (technisch gesehen) Müll, wie de-mail etabliert.
Hätte man dagegen von politischer Seite aus pgp-mails für rechtskräftig erklärt, hach...
ob sich all die Mühe lohnt, jede belanglose Mail über das Mittagessen zu verschlüsseln? Oder einfach der generelle Hintergedanke ausreicht, keine brisanten Dinge per Mail zu kommunizieren ..
Ich habe den Bereich Fingerprint / Signatur absichtlich nicht mit aufgenommen. Nicht, weil ich davon abraten würde. Sondern schlicht, weil dies in erster Linie eine Anleitung sein soll, mit der man sich ein Stück Privatsphäre zurückholt, indem man den E-Mail-Provider daran hindert, persönliche Nachrichten automatisiert zu durchleuchten.
Ein Angriffs-/Überwachungsszenario, wie Sie es beschreiben, ist natürlich möglich. Ich deute das mit Bemerkungen wie "hundert verschlüsselte Mails sind Alltag, nur zwei verschlüsselte zwischen hundert unverschlüsselten fallen einem eventuellen Beobachter auf" ja auch an. Der normale Privatanwender wird so etwas aber wohl nie erleben.
Wenn Sie eine gute, möglichst leicht verständliche Anleitung zur Signatur kennen, werde ich sie aber gerne noch im Text verlinken.
Der User hat schon Recht, der korrekte Abgleich des Key gehört zur vollständigen Konfiguration. Warum die Arbeit mit der Einrichtung machen und dann eine entscheidende "Kleinigkeit" vergessen? Auch können Sie nur einen verifizierten Schlüssel als uneingeschränkt vertrauenswürdig unterschreiben. Ich gleiche den Fingerprint mündlich ab. Man trifft sich oder man telefoniert. Das ging bisher immer und ist eine Sache von 30 Sekunden.
Der User hat schon Recht, der korrekte Abgleich des Key gehört zur vollständigen Konfiguration. Warum die Arbeit mit der Einrichtung machen und dann eine entscheidende "Kleinigkeit" vergessen? Auch können Sie nur einen verifizierten Schlüssel als uneingeschränkt vertrauenswürdig unterschreiben. Ich gleiche den Fingerprint mündlich ab. Man trifft sich oder man telefoniert. Das ging bisher immer und ist eine Sache von 30 Sekunden.
Im letzten Absatz wird vorgeschlagen, einen einen E-Mail-Account wählen, der nichts über seine Person verrät. das gilt natürlich nur, falls auch der PGP-Schlüssel ohne Klarnamen erstellt wurde.
Ansonsten: so wichtig das Thema ist, ich frage mich, ob Papier das richtige Medium dafür ist oder ob ein kurzes Installationsvideo nicht geeigneter wäre.
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