Mein digitaler SchutzschildTor – die Tarnkappe fürs Netz

Anonym zu surfen, ist dank dem Tor Browser Bundle nicht schwer. Wer die Software einsetzt, muss aber mit einigen Einschränkungen leben. von 

Mein neues Betriebssystem Ubuntu bringt den Firefox-Browser mit, den ich sofort mit einigen der wichtigsten Add-ons ausstatte: Zum Blockieren von Tracking-Diensten eignen sich Ghostery, Do Not Track Plus oder NoScript. Und HTTPS Everywhere von der Electronic Frontier Foundation (EFF) versucht, immer die HTTPS-Version einer Website aufzurufen. Wer mehr dazu wissen will, findet ausführliche Beschreibungen im Privacy-Handbuch.

Doch um wirklich anonym surfen zu können, so dass weder mein Internetprovider noch die Zielseite weiß, wer was aufruft, brauche ich mehr als ein paar Browser-Erweiterungen. Tor ist dafür das bekannteste Hilfsmittel. Die kostenlose Open-Source-Software dient dazu, die eigene IP-Adresse zu verschleiern, indem sie Anfragen nicht direkt an die Zieladresse im Netz schickt, sondern über eine Kette von Proxyservern leitet. Jeder Proxy kennt nur seinen Vorgänger und Nachfolger, aber keiner kennt den ursprünglichen Absender der Anfrage und gleichzeitig den Empfänger.

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Bei Wikipedia wird es etwas ausführlicher erklärt, hier soll es vor allem um die Installation und Bedienung des Tor Browser Bundles gehen. Das enthält einen modifizierten Firefox-Browser, den sogenannten TorButton sowie das Vidalia genannte Kontrollpanel.

Mein digitaler Schutzschild

Wie schwierig ist es, sich anonym im Internet zu bewegen, E-Mails zu verschlüsseln, die eigene Privatsphäre zu schützen und Daten sicher zu speichern? Wie alltags- und laientauglich sind die entsprechenden Programme?

In der Serie "Mein digitaler Schutzschild" beantwortet ZEIT ONLINE diese Fragen. Digital-Redakteur Patrick Beuth hat ein Notebook mit der nötigen Software ausgerüstet und seine Erfahrungen dokumentiert. Er hat dazu Handbücher gelesen, Wikis und Anleitungen, und er hat Hacker und andere Experten um Rat gebeten.

Das Ergebnis ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für diejenigen, die noch keine Erfahrung mit Linux, Anonymisierungssoftware oder Verschlüsselung haben – und das ändern möchten.

Inhalte der Serie

Teil 1: Ubuntu (Linux) als Betriebssystem

Teil 2: Anonymes Surfen mit Tor

Teil 3: Anonymes Surfen mit VPN

Teil 4: Ein anonymes E-Mail-Konto Einrichten mit Hushmail und Tor

Teil 5: E-Mails verschlüsseln mit Enigmail / OpenPGP

Teil 6: Daten auf der Festplatte mit TrueCrypt verschlüsseln

ALS E-BOOK

Die Serie Mein digitales Schutzschild gibt es auch als E-Book. Erfahren Sie in dieser für eReader hochwertig aufbereiteten Fassung, wie Sie Ihre Daten auf dem PC und im Internet besser schützen können.

Unser E-Book steht Ihnen dabei als EPUB-Version für Ihren eReader, sowie als MOBI-Version für Ihr Kindle Lesegerät von Amazon zur Verfügung.

Entdecken Sie auch weitere E-Books von ZEIT ONLINE unter www.zeit.de/ebooks.

Die Installation

Auf torproject.org gibt es eine Download- und Installationsanleitung für Windows, OS X und Linux. Die für mein Linux-System ist simpel. Ich suche mir die für mein Betriebssystem passende Version der Installationsdatei auf der Projektseite und lade sie herunter. Das Download-Paket öffne ich über einen Rechtsklick und das Feld Mit Archivverwaltung öffnen. Im neuen Fenster klicke ich mit der rechten Maustaste auf den Tor-Browser-Ordner und wähle Entpacken. Nun kann ich festlegen, wo ich meinen Tor-Ordner ablege, nach dem erfolgreichen Entpacken klicke ich auf Schließen. Im Tor-Ordner muss ich von nun an nur noch die Datei start-tor-browser doppelklicken und Ausführen wählen. Kurz darauf öffnen sich das Kontrollpanel und der Browser. Wer die folgende Meldung nicht zu sehen bekommt, muss es noch einmal versuchen.

Tor Browser Bundle

Tor Browser Bundle  |  © Patrick Beuth / ZEIT ONLINE

Bei mir klappt es beim ersten Versuch. Die Macher des Tor-Projekts empfehlen übrigens noch eine Reihe von Add-ons, um den Browser zu verfeinern. Ich installiere nur eines von ihnen, nämlich das bekannte, wenn auch umstrittene AdBlock Plus, um unerwünschte Werbung zu stoppen.

Es bietet sich außerdem an, den Ordner mit den Tor-Dateien auf den Desktop zu ziehen, um das Programm beim nächsten Mal schnell wiederfinden und mit einem Doppelklick auf Start Tor Browser nutzen zu können.

Die Installation auf einem Mac oder in Windows ist auch nicht komplizierter, sie wird hier erklärt. Mehr als ein paar Klicks sind nicht nötig.

Der Alltag mit dem Tor Browser Bundle

Die Installation des Tor Browser Bundles ist wahrlich keine Hexerei, aber wer mit Tor surft, muss mit Einschränkungen leben. Ich steuere www.zeit.de an und stelle fest: Der Seitenaufbau ist langsam, aber gerade noch erträglich. Es ist zwar möglich, über Vidalia einen leistungsstarken Server als sogenannten Exit Node auszuwählen, also den Server, über den man letztlich auf die Zielseite zugreift. Dadurch kann man die Surfgeschwindigkeit erhöhen. Doch die Konfiguration ist für Anfänger zu kompliziert. Die beste Anleitung, die ich bislang gefunden habe, ist noch die von Martin Brinkmann von ghacks.net.

Nicht nur die Geschwindigkeit ist gewöhnungsbedürftig. Auch die Schrift sieht anders aus als gewohnt. Das liegt an den Voreinstellungen des Bündels, die man besser auch nicht ändert, weil die Wahrung der Anonymität sonst gefährdet ist. So sind zum Beispiel die Schriftarten im Tor-Browser andere als die im normalen Firefox. Das Flash-Plugin für den Firefox ist deaktiviert – was bedeutet, dass Flash-Inhalte nicht mehr angezeigt werden können. YouTube, Vimeo und die Brightcove-Videos auf zeit.de kann ich mir also nicht ansehen.

Eine Liste der besuchten Websites wird im Tor-Browser auch nicht angelegt, eingetragene Formulardaten werden nicht gespeichert, alle Cookies werden nach Beendigung der Tor-Sitzung gelöscht. Wer Tor dann neu startet, muss Webadressen und Formulareinträge komplett neu eingeben und wird von einer Website nicht wiedererkannt.

Das alles mag unpraktisch sein, weil es das Surfen langsamer und umständlicher macht. Es ist aber der Preis, den man für konsequente Anonymität zahlen muss. Zudem gehört auch noch ein gewisses Verhalten dazu: Wer mit Tor surft und sich dann in seinen normalen E-Mail-Account oder bei Facebook oder bei seiner Bank einloggt, verrät zwar nicht seinem Internetprovider, was er gerade im Netz tut – aber natürlich dem E-Mail-Provider, Facebook oder der Bank. Die Anonymität ist dann für die ganze Sitzung dahin, weil der Nutzer zumindest an einer Stelle seine derzeitige IP-Adresse verrät, mit der er auch alle anderen Seiten aufruft.

Tor ist nützlich, wenn ich sensible Informationen im Netz suchen will. Wem da nur Pornos als Beispiel einfallen, der hat wenig Fantasie. Es geht nämlich auch niemanden etwas an, wenn ich Artikel über Krankheiten oder Medikamente lese, oder über Geldfragen und Urlaubsziele. Und wenn ich für einen Artikel recherchiere, möchte ich auch die Möglichkeit haben, dies unbeobachtet tun zu können.

Wenn ich aber doch YouTube nutzen will, brauche ich eine Alternative zu Tor. Ein VPN (Virtual Private Network) ist eine solche Alternative. Mehr dazu im nächsten Kapitel.

Leserkommentare
    • hg2000
    • 25. Januar 2013 12:08 Uhr

    mal ganz ehrlich, diese ganzen Einschränkungen (am lästigsten finde ich tatsächlich die enormen Geschwindigkeitseinbußen bei TOR), nur damit verschleiert wird, dass ich (wie wohl auch die meisten anderen otto-normal-user) ein paar mal in der Woche spiegel online, zeit.de, amazon, facebook und 3 oder 4 andere Seiten aufrufe ? Ehrlich gesagt, halte ich meine persönlichen online-verhaltens-daten nicht für so wertvoll, dass ich dafür so einen Aufwand und solche Einschränkungen für angemessen halten würde.

    Bevor jetzt jetzt alle möglichen Screckensszenarien durchgespielt werden: Man sollte sich auch mal darüber klar werden, wieviele Daten man von sich Preis gibt, wenn man einfach nur im Supermarkt einkaufen geht oder mit dem Bus durch die Stadt fährt. Wieviele Menschen einen in der zeit sehen, welche Kaufaktionen alle elektronische gespeichert werden, etc. Das Web ist eben auch kein privates Wohnzimmer sondern auch eine Art von Öffentlichkeit.

    Vorbehaltslos für Adblocker zu werben finde ich ebenfalls fragwürdig (vor allem wenn man als online-Journalist selber durch Werbeeinnahmen bezahlt wird). Die Folge ist, dass kostenfreier Content im Internet im schwieriger zu finanzieren ist und das Werbetreiebende sich immer neue Tricks ausdenken um Werbeblocker zu umgehen, das heisst: Die Werbung rückt immer mehr in den Content hinein und wird immer schwieriger zu unterscheiden. Beides ist letzt endlich nicht im Sinne des Users.

    Eine Leserempfehlung
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    • 15thMD
    • 25. Januar 2013 12:25 Uhr

    "Vorbehaltslos für Adblocker zu werben finde ich ebenfalls fragwürdig (vor allem wenn man als online-Journalist selber durch Werbeeinnahmen bezahlt wird)."

    So muss guter Journalismus sein.

    Redaktion

    Der nächste Teil der Serie behandelt Surfen über VPN. Kurz vorweg: Gegenüber ihrem Internetprovider und der Zielseite können Sie dann auch anonym bleiben – ohne die Einschränkungen, die Tor mit sich bringt. Alles hat seine Vor- und Nachteile.

    • Zafolo
    • 26. Januar 2013 14:36 Uhr

    "Ehrlich gesagt, halte ich meine persönlichen online-verhaltens-daten nicht für so wertvoll, dass ich dafür so einen Aufwand und solche Einschränkungen für angemessen halten würde."

    Das Problem ist unter anderm die massiver Verknüpfung dieser herumfleuchenden Daten, die uns bevor steht und die auf die Dauer jeigliche Privatsphäre untergraben wird.

    Gehen Sie mal auf 123people.com und gegen Sie da ihren Namen ein. Sie dachten, sie haben private Mailadressen? Ihnen werden vor Staunen die Ohren abfallen.

    • hg2000
    • 25. Januar 2013 12:17 Uhr

    Wenn es sie stört, dass Ihre private Daten automatisch gescannt werden, sollten sie unbedingt auch ihren Virenscanner abschalten. Der macht genau das gleiche.

    Im Übrigen ändern auch ein Anonymisierungsdienste nichts daran, dass ihre eMails gescant werden.

    • 15thMD
    • 25. Januar 2013 12:22 Uhr
    20. YouTube

    YouTube funtkioniert mit Tor! Man muss einfach nur am HTML5 Trial teilnehmen, während man damit surft.
    Folgenden Link als Favoriten sichern und vor jedem Besuch auf YouTube aktivieren: https://www.youtube.com/h...
    Zugegeben, es funktionieren unter Firefox nicht alle Videos mit HTML5 (Erklärung befindet sich auf der Seite), aber bei den paar kann man dan auch seine Anonymität mal aufgeben und sie einfach im normalen Browser gucken.
    Wenn ich ehrlich bin, haben bei mir bisher alle funktioniert. Da ich meistens neuere Videos gucke, nehme ich mal an, dass früher hochgeladene keine entsprechende Unterstützung haben (würde auch Sinn machen).

    Vielleicht können Sie das ja noch in den Artikel einbauen. Fehlende YouTube Unterstützung hält viele von der Benutzung von Tor ab.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Ich hab's auch getestet. Und leider konnte ich kein einziges Video sehen, dass ich sehen wollte.

    • 15thMD
    • 25. Januar 2013 12:25 Uhr

    "Vorbehaltslos für Adblocker zu werben finde ich ebenfalls fragwürdig (vor allem wenn man als online-Journalist selber durch Werbeeinnahmen bezahlt wird)."

    So muss guter Journalismus sein.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Paranoid"
  1. https://tails.boum.org/

    Einfach von CD oder USB starten und schon hat man ein abgesichertes GNU/Linux Debian System mit Tor Browser konfiguriert von den Experten.

    Ohne Installation auf dem eigene Rechner.
    Eigent sich für gelegentliche anonyme Recherchen etc.

    Eine Leserempfehlung
    • Dyratic
    • 25. Januar 2013 13:00 Uhr
    23. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk

    Antwort auf "lustig"
    • strlcp
    • 25. Januar 2013 13:11 Uhr

    http://www.heise.de/secur...

    zudem sollte man sich überlegen wer tor ins leben gerufen hat, und was die waffe der zukunft ist.

    tor zu benutzen ist jedermanns/frau eigene entscheidung.

    so ein zikus hier wegen der offenen ports im netz zu machen, halte ich wirklich für übertrieben, es signalisiert schonwieder: rechner können recht sicher sein; und das ist falsch.

    sselbst relative sicherheit auf akzeptablem niveau gibts nur bei netzwerken.

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