Mein digitaler SchutzschildVPN – durch einen Tunnel ins Internet

Das Surfen über Virtual Private Networks ist nicht so anonym wie im Tor-Netzwerk, aber im Alltag die praktischere Alternative. Die Einrichtung ist dafür komplizierter. von 

Das Tor-Netzwerk macht es einem nicht leicht, Spaß an der Anonymität zu haben. Nur weil ich im Internet unerkannt bleiben will, kann ich plötzlich keine Videos mehr gucken? Zum Glück gibt es noch einen anderen Weg, zumindest meinem Internetprovider und den Betreibern von Websites nicht zu verraten, wo ich mich im Netz bewege: das Surfen über ein Virtual Private Network, kurz VPN, zusammen mit Browser-Erweiterungen wie Ghostery, NoScript und HTTPS Everywhere, die in dieser praktischen Auflistung für alle bekannteren Browser beschrieben werden.

Das Prinzip des VPN: Über eine verschlüsselte Verbindung, Tunnel genannt, schickt der Internetnutzer seine Anfrage an den Server des VPN-Provider. Der leitet diese Anfrage an die Zielseite im Internet weiter, verpasst dem Nutzer dabei aber eine neue, anonyme IP-Adresse. Der große Vorteil: Alles, was von meinem Rechner abgeht, steckt in diesem sicheren Tunnel und ist von außen nicht einsehbar – Passwörter oder die Adresse eines Firmen-Intranets zum Beispiel. Somit ist VPN bestens geeignet, um auch im offenen WLAN eines Cafés oder einer Konferenz zu surfen. Dafür muss ich als Nutzer meine Daten über eine Zwischenstation schicken, den VPN-Provider. Und dem muss ich vertrauen können, dass er meine Daten für sich behält. Der VPN-Provider nämlich weiß, wer ich bin und was mich im Internet interessiert.

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Aber für welchen der Dutzenden Anbieter soll ich mich entscheiden? Ich bitte Michael Horn um Rat. Er ist unter dem Spitznamen nibbler bekannt und beschäftigt sich schon seit Jahren mit sicherer Kommunikation. Sein persönlicher Favorit unter den VPN-Providern: IPredator aus Schweden. (Die alte Version der Website findet sich hier.) Dahinter stecken die Macher des BitTorrent-Trackers The Pirate Bay, der wiederum von Mitgliedern des schwedischen Think Tanks Piratbyrån gegründet wurde, der auch Vorbild für die schwedische Piratenpartei war. Auch wenn Politik und Pirate Bay getrennte Wege gehen, darf man durchaus annehmen, dass die Betreiber von IPredator auch eine politische Motivation haben, nämlich den bestmöglichen Schutz der Anonymität ihrer Nutzer.

Mein digitaler Schutzschild

Wie schwierig ist es, sich anonym im Internet zu bewegen, E-Mails zu verschlüsseln, die eigene Privatsphäre zu schützen und Daten sicher zu speichern? Wie alltags- und laientauglich sind die entsprechenden Programme?

In der Serie "Mein digitaler Schutzschild" beantwortet ZEIT ONLINE diese Fragen. Digital-Redakteur Patrick Beuth hat ein Notebook mit der nötigen Software ausgerüstet und seine Erfahrungen dokumentiert. Er hat dazu Handbücher gelesen, Wikis und Anleitungen, und er hat Hacker und andere Experten um Rat gebeten.

Das Ergebnis ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für diejenigen, die noch keine Erfahrung mit Linux, Anonymisierungssoftware oder Verschlüsselung haben – und das ändern möchten.

Inhalte der Serie

Teil 1: Ubuntu (Linux) als Betriebssystem

Teil 2: Anonymes Surfen mit Tor

Teil 3: Anonymes Surfen mit VPN

Teil 4: Ein anonymes E-Mail-Konto Einrichten mit Hushmail und Tor

Teil 5: E-Mails verschlüsseln mit Enigmail / OpenPGP

Teil 6: Daten auf der Festplatte mit TrueCrypt verschlüsseln

ALS E-BOOK

Die Serie Mein digitales Schutzschild gibt es auch als E-Book. Erfahren Sie in dieser für eReader hochwertig aufbereiteten Fassung, wie Sie Ihre Daten auf dem PC und im Internet besser schützen können.

Unser E-Book steht Ihnen dabei als EPUB-Version für Ihren eReader, sowie als MOBI-Version für Ihr Kindle Lesegerät von Amazon zur Verfügung.

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"Unterm Strich hat jeder VPN-Anbieter auch Nachteile", sagt Michael. "Mal ist es die Jurisdiktion, der das Unternehmen durch den Standort seiner Server unterworfen ist, mal ist es die Anwendung selbst." Die Vorteile von IPredator sind für ihn erstens das Versprechen, nur das an Nutzerdaten zu speichern, was man selbst bei der Registrierung angibt. Zweitens ist es die komplexe Firmenstruktur, die im Extremfall den staatlichen Zugriff auf alle Daten erschwert. Drittens ist es der akzeptable Preis von 18 Euro für drei Monate. Viertens ist es die Möglichkeit, auf mehreren Wegen zahlen zu können.

Fünftens unterstützt IPredator den Open-Source-Standard OpenVPN. Außerdem sei IPredator recht groß, sagt Michael, da falle der einzelne Nutzer weniger auf als bei einem Anbieter mit nur wenigen Kunden. Das könne aber auch ein Nachteil sein: Wird ein solcher Dienst zu beliebt, wächst vielleicht auch das Interesse des Staates, sich das Ganze genauer anzusehen. 

Ein anderer möglicher Nachteil ist, dass der IPredator-Server in Schweden steht, wo es mittlerweile die Vorratsdatenspeicherung gibt. Das Unternehmen ist strikt gegen die Datensammlung, aber seine Erklärung dazu beinhaltet gewisse Unschärfen. Die Nutzer müssen sich einfach darauf verlassen, dass IPredator wie schon vor der Einführung der Vorratsdatenspeicherung keine Verbindungsdaten aufbewahrt.

Ich gebe IPredator eine Chance.

Die Installation

Zur Registrierung reicht es, einen beliebigen Benutzernamen und ein Passwort anzugeben. Da ich keinen Wert auf eine Bestätigungsmail lege, trage ich eine Wegwerf-E-Mail-Adresse ein, die ich mir bei guerillamail.org hole. Sie ist nur 60 Minuten lang gültig und wird dann gelöscht. Aber zur Anmeldung bei IPredator genügt das.

IPredator-Anmeldung

IPredator-Anmeldung  |  © Patrick Beuth / ZEIT ONLINE

Nach dem Einloggen werde ich darauf hingewiesen, dass ich noch kein aktives Konto habe. Ich klicke auf Renew Account.

Als Bezahloption wähle ich Paypal. Wer wie ich dort kein Konto hat, kann im nächsten Schritt als sogenannter Paypal-Gast bezahlen, auch ohne Paypal-Account. Das Geld wird über die Kreditkarte abgebucht, oder man gibt seine Kontoverbindung an. Ich bekomme nach dem Bezahlvorgang dann aber noch einmal das Angebot, ein Paypal-Konto anzulegen. Ich klicke auf Nein, danke. Damit ist die Transaktion erledigt. (Update: Die Gast-Option bei Paypal gibt es offenbar nicht mehr. Einige andere Bezahldienste wie Payson akzeptieren außerdem keine Kreditkartenzahlungen mehr.)

Zurück auf der Startseite gelange ich über Help zur Installationsanleitung für Ubuntu. Drei Dateien brauche ich demnach, um meine VPN-Verbindung einzurichten: Eine OpenVPN-Konfigurationsdatei namens IPredator-Ubuntu-Password.ovpn, ein Autorisierungszertifikat des VPN-Servers sowie den IPredator-Schlüssel, mit dem ich mich später beim Server identifiziere. Ich lade sie von der IPredator-Seite herunter und speichere sie auf meiner Festplatte.

Nun werde ich aufgefordert, das Ubuntu-Terminal zu öffnen und darüber den Gnome Network Manager zu installieren. Das ist ein Programm, mit dem man OpenVPN-Verbindungen einrichten kann. Alternativ könnte ich es mir auch über das Ubuntu Software-Center holen.

Windows- und Mac-Nutzer verwenden statt des Network Managers den OpenVPN-Client Viscosity. Die entsprechenden Anleitungen zur Einrichtung des VPN-Zugang gibt es hier.

Leserkommentare
  1. 33. Danke,

    habe ich dann wohl falsch zugeordnet. ; )

    Antwort auf "Monatsbeitrag"
  2. um 'hauptsächlich kostenlos', zumal ich ja auch noch die 18,- Euro auf 1 Monat bezog statt auf drei ...
    Es ging mir eher darum, dass Gesetze geschaffen werden, die neue Marktlücken bewirken, die wiederum eine Spaltung der User in wohlhabenere, weniger wohlhabenere, informierte und weniger informiertere usw. nach sich ziehen.
    Das I-net wird insgesamt nicht sicherer, aber man muss für seine eigene Sicherheit noch mehr ausgeben, als schon die Firewalls usw. Und 'die Gefahr' vor der hier ja gewarnt wird, ist der datenfressende Staat.
    Ist doch eine verzwickte Situation - und um diese ging es mir. Es wird jene geben, die Geld und/oder KnowHow haben, sich sicher und anonym zu bewegen und dann die große Masse, die ungeschützt oder sehr viel weniger geschützt sich allen Gefahren aussetzen muss.
    Und in diesem Sinne würde ich die Initiative der Piraten bzw. dessen Ableger eher kritisch betrachten.
    Gegen Geldverdienen für gute Programme habe ich nichts.

  3. Eine Prepaid-SIM kann ich in den meisten Fällen quasi-anonym registrieren und freischalten lassen.
    Mein Provider hätte beim besten Willen keine Möglichkeit meine reale Identität zu offenbaren.

    Über Wlan- und GPS-Scan könnte mein ungefährer Standort festgestellt werden. Diese Dienste kann man abschalten.

    Wenn nicht versehentlich reale Daten auf den Wegen durch's Netz hinterlassen werden, gibt's dann eigentlich kaum noch Möglichkeiten die reale Identität des Users zu ermitteln.
    Da müssten dann schon aufwändige geheimdienstliche Methoden her.

    Diese Art des persönlichen Schutzes kostet mich eigentlich überhaupt kein Geld und ist darüber hinaus sogar noch ein "mobiler" Schutz.
    Ausserdem sind natürlich alle weiteren Prepaid-Vorteile gegeben, wie z.B. Kostenkontrolle und Vertragsfreiheit.

    Den Vorteilen stehen auch Nachteile gegenüber. Geringere Leistungsfähigkeit der Verbindung und die Gefahr, dass aufgrund schlechter Netzabdeckung keine Verbindung möglich ist.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • chrst
    • 28. Januar 2013 14:45 Uhr

    "Mein Provider hätte beim besten Willen keine Möglichkeit meine reale Identität zu offenbaren."

    Auf direktem Wege natürlich nicht!
    Aber sobald man mit einer anonymen Karte einmal mehrere Ziele angesteuert hat ergibt sich schon dabei die Möglichkeit ein Raster anzusetzen. Wurde ja schon zu genüge Diskutiert (Stichwort Vorratsdaten Verbindungsdaten ...).

    Auch wenn es evtl. nicht gemacht wird, aber die Verbindungen, welche über die Zwangsfirewall beim Mobilfunk hergestellt werden lassen sich kinderleicht protokollieren und später alle einer jeweiligen Karte zuordnen!

    "Über Wlan- und GPS-Scan könnte mein ungefährer Standort festgestellt werden. Diese Dienste kann man abschalten."

    Das verschafft Ihnen nur Raum von etwa 5 m Durchmesser. So genau kann Ihr Provider Ihren Standort per Triangulation ermitteln.
    Er benötigt dazu weder GPS noch WLAN in Ihrem Mobilgerät.

  4. Hide My Ass ist ungefähr doppelt so teurer. Außerdem ist eine eigene Software (zumindest unter Ubuntu) was die Nutzerfreundlichkeit angeht kein Vorteil; das Einrichten einer VPN-Verbindung im NetworkManager ist viel praktischer.

    Antwort auf "es gibt Alternativen"
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    pro Monat (für 6 Monate) habe ich € 6,46 gezahlt. Mit einem Klick bin ich auf einem Server in Rumänien oder USA oder China etc. Finde ich ganz gut. Mir ist schon klar, dass die Linux-Spezialisten das alles viel besser können, ich bin leider nur ein Mac-doof Nutzer.

  5. pro Monat (für 6 Monate) habe ich € 6,46 gezahlt. Mit einem Klick bin ich auf einem Server in Rumänien oder USA oder China etc. Finde ich ganz gut. Mir ist schon klar, dass die Linux-Spezialisten das alles viel besser können, ich bin leider nur ein Mac-doof Nutzer.

    • chrst
    • 28. Januar 2013 14:45 Uhr

    "Mein Provider hätte beim besten Willen keine Möglichkeit meine reale Identität zu offenbaren."

    Auf direktem Wege natürlich nicht!
    Aber sobald man mit einer anonymen Karte einmal mehrere Ziele angesteuert hat ergibt sich schon dabei die Möglichkeit ein Raster anzusetzen. Wurde ja schon zu genüge Diskutiert (Stichwort Vorratsdaten Verbindungsdaten ...).

    Auch wenn es evtl. nicht gemacht wird, aber die Verbindungen, welche über die Zwangsfirewall beim Mobilfunk hergestellt werden lassen sich kinderleicht protokollieren und später alle einer jeweiligen Karte zuordnen!

    • barbos
    • 28. Januar 2013 16:07 Uhr

    Lieber Redakteur.

    Ich finde diese Artikelserie super. Mehr davon!

    Viele Grüsse!

    • koaheza
    • 28. Januar 2013 16:15 Uhr

    Vielleicht wäre die einfachere Alternative sich einen prepaid Surfstick zu kaufen?
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    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Vielleicht wäre die einfachere Alternative sich einen prepaid Surfstick zu kaufen?"

    Tja, da rufen sie dann einmal ihr Mailkonto ab, melden sich bei Amazon, eBay, Facebook, etc. an, und schon ist es vorbei mit dem "Anonym".

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