ÜberwachungAktivisten verlangen Transparenz von Skype

Skype weicht Fragen nach seiner Sicherheit aus. Nun fordern Bürgerrechtler klare Aussagen über die Zusammenarbeit mit Behörden und Hintertüren zur Überwachung. von 

Steve Ballmer, Geschäftsführer von Microsoft, kündigt im Mai 2011 an, Skype zu übernehmen.

Steve Ballmer, Geschäftsführer von Microsoft, kündigt im Mai 2011 an, Skype zu übernehmen.  |  © KIMIHIRO HOSHINO/AFP/Getty Images

Skype setzt das Vertrauen seiner Nutzer aufs Spiel. Über 650 Millionen Menschen telefonieren oder chatten regelmäßig mithilfe der Software. Neben einer ordentlichen Übertragungsqualität war das Versprechen von Skype stets: Wir verschlüsseln alle eure Daten. Daran bestehen inzwischen aber Zweifel.

Seit der Übernahme von Microsoft im Mai 2011 hat sich Skype immer wieder ausweichend zu Fragen nach der Verschlüsselung geäußert. Misstrauen erregte etwa die Weitergabe von Daten an die niederländische Polizei und ein Geheimtreffen mit dem amerikanischen FBI. Skype antwortete auf besorgte Nachfragen pauschal mit seinen Richtlinien zum Datenschutz. Das reicht vielen nicht mehr aus.

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Bürgerrechtler um den Kanadier Nadim Kobeissi, Gründer des Chat-Programms Cryptocat, fordern nun in einem offenen Brief an Skype, das Unternehmen solle endlich Klarheit schaffen. Klarheit darüber, was Skype genau speichert und darüber, ob Staaten an die Daten gelangen können. Den Brief unterstützen zahlreiche Personen und Organisationen, die sich für digitale Bürgerrechte einsetzen, darunter die Electronic Frontier Foundation und Reporter ohne Grenzen.

In dem Papier fordern die Bürgerrechtler einen Transparenzbericht von Skype. Solche Berichte bieten etwa Google und Twitter an. Skype soll in regelmäßigen Abständen über fünf Kernpunkte berichten.

Skype soll offenlegen, ob es mit Behörden zusammenarbeitet

Einer dieser Kernpunkte ist die Menge an Daten, die an Dritte weitergegeben wird. Skype soll die Anzahl der Abfragen pro Herkunftsland sowie die Art der abgefragten Daten dokumentieren. Wie bei den Transparenzberichten von Google ließe sich so die Entwicklung der Zugriffszahlen pro Staat darstellen.

Darüber hinaus wollen die Bürgerrechtler erfahren, wie viele Daten Skype tatsächlich sammelt. Laut den eigenen Richtlinien zum Datenschutz speichert Skype Chat-Protokolle für 30 Tage. Wie aber verhält sich Skype, wenn Strafverfolgungsbehörden mehr Chat-Protokolle und Verbindungsdaten oder gar einen Zugang zum Abhören fordern?

In den USA ist dieses Ringen zwischen Behörden und Software-Unternehmen in vollem Gange. Dabei hat die US-Regierung mit dem Calea-Gesetz schon länger vorgesorgt. Ursprünglich verpflichtete das Gesetz nur Hersteller von Telekommunikationstechnik zum Einbau von Hintertüren. Diese konnten Strafverfolgungsbehörden zum Abhören nutzen. Seit 2004 gilt Calea aber auch für Unternehmen der Internettelefonie – Unternehmen wie Skype.

Ob Skype einen solchen unverschlüsselten Zugang geschaffen hat, ist unklar. Nach eigenen Angaben kooperiert Skype, soweit dies gesetzlich und technisch möglich sei. Wenn eine gesetzliche Grundlage besteht, bleibt aber immer noch die Frage, ob Skype auch technisch eine solche Überwachung leisten kann. In dem Brief verlangen die Bürgerrechtler deshalb eine detailliertere Erklärung, wie Skype mit Gesetzen wie Calea in der Praxis umgeht.

Leserkommentare
    • vonDü
    • 25. Januar 2013 8:29 Uhr

    nachgedacht scheinbar immer weniger.

    Warum das "abfischen" von Informationen gewisse Nischen respektieren sollte, ist aus Sicht der Beschwerdeführer klar. Es ist allerdings naiv zu glauben, dass sich daran gehalten wird.

    Es gehört zur modernen Kriegsführung und erklärten Verteidigungskonzept der USA, durch Sammeln und Auswerten von möglichst vielen Daten, "getarnte Gegner" zu lokalisieren. Höchst erfolgreich, weswegen es naiv wäre, zu glauben, dass "abhörsichere" Kommunikation noch irgendwo möglich ist.

    Das Konzept von der "Privatsphäre", im Netz und am Phone, ist längst zu einer Illusion geworden, weil flächendeckendes Screening wo es möglich ist, auch zur Anwendung kommt. Ich glaube nicht, dass eine Administration die Folter anordnet und verteidigt, bei der Datensammlung rücksichtsvoller vorgeht.

    Trotz dem Wissen darum, und der Tatsache, dass wir im Netz auch noch auf Staats-, und andere Trojaner, Tracker etc. treffen, ist es vielen Nutzern egal und tatsächlich hat es nur für wenige Menschen offensichtlich nachteilige Konsequenzen. Echtes Problem, sind die Naivität und die Unwissenheit vieler Endverbraucher im Umgang mit modernen Medien.

    Privatsphäre wird durch Forderungen nicht erreicht. Das geht nur über eine Erhöhung der Eigensicherung. Wer freiwillig Informationen preisgibt, sollte sich bewusst sein, dass sie in der Regel von mehr Interessierten, als nur dem Adressaten, ausgewertet werden.

  1. ...für Microsoft, sondern für Skype.

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  2. Antwort auf "Keine Beweise..."

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